Kategorie: Regional

  • Selbstbewusster Akzent in der Mitte der Stadt

    Selbstbewusster Akzent in der Mitte der Stadt

    Mo, 6. Sep. 2010
    Dürener Zeitung / Lokales / Seite 11
    Selbstbewusster Akzent in der Mitte der Stadt
    Dürener Muslime begehen auf dem Ahrweilerplatz mit ihren Gästen zum ersten Mal einen öffentlichen „Ramadan-Abend“. Zelt neben St. Anna aufgestellt.

    Von Christoph Hahn
    Düren. Ob Muslime nun wirklich in der Mitte der deutschen Gesellschaft angekommen sind, darüber wird im Moment heftig gestritten. Aber gerade deshalb wirkt das Zeichen, das die Mitglieder des Islamforums Düren unter ihrem Vorsitzenden, dem aus Syrien stammenden Arzt Dr. Mohammed Suheer Al-Halabi, am Samstag gesetzt haben, besonders mutig. Mitten in der Innenstadt, auf dem Ahrweilerplatz und damit in unmittelbarer Nachbarschaft zur Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Anna, hatten sie ihr Zelt aufgestellt. Menschen aus der ganzen Stadt, Muslime wie Nichtmuslime, durften sich als Ehrengäste fühlen – beim ersten „Ramadan-Abend“, der das Gespräch und so den Abbau von Vorurteilen in Gang setzen sollte. Eines vergaß Dr. Al-Halabi darum auch nicht in seiner Begrüßungsrede zu erwähnen: Dass der Ramadan nicht nur ein religiöses, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis sei.

    Die Organisatoren, unter ihnen Türken, Araber und Vertreter anderer vom Islam geprägter Nationen, hatten auf ein breites Interesse gesetzt – und sahen sich nicht enttäuscht. Zwar waren es weniger alteingesessene Deutsche als vielmehr Zuwanderer und Muslime der zweiten oder dritten Generation, die hier mit einem gewissen Selbstbewusstsein den Fastenmonat begingen. Aber sie taten es halt nicht in ihren Moscheen und Kulturvereinen, sondern mitten in der Stadt – mit Infoständen vor dem Zelt, aber auch mit Darbietungen einer Mädchengruppe der (türkischen) Fatih-Camii-Moschee in der Veldener Straße unter Leitung ihres Vorbeters Neset Bodur und dem Auftritt der Gruppe „Anadolu Gunesim“, die wie Derwische über die kleine Bühne wirbelten, künstlichen Nebel aus der Maschine inbegriffen.

    Ein besonderes Zeichen setzte der evangelische Pastor Dirk Siedler, Beauftragter für Islamfragen des Kirchenkreises Jülich, bei seiner Predigt, die er als ökumenischer Gast am Abend in St. Anna hielt. Engagiert plädierte Siedler für mehr Gemeinsinn: „Das Zusammenleben in unserer Stadt zu verbessern – dazu gehört ein gemeinsames Nachdenken, was das Leben in Düren lebenswert macht“, forderte der Geistliche, um daran anzuschließen: „Dazu gehört auch, danach zu fragen, was die Menschen in ihrer Nachbarschaft einbringen können: an Gemeinschaft und Gastfreundschaft, so wie wir das heute erleben, an Verlässlichkeit und Spontaneität.“ Im Übrigen gehe es „im Ramadan nicht nur um das äußere, sondern auch um ein inneres Fasten, ein genaueres Fragen nach dem Willen Gottes und wie wir ihn befolgen“.

  • Giannis Kartalis über ein neues Klima zwischen Türken und Griechen

    Giannis Kartalis über ein neues Klima zwischen Türken und Griechen

    To Vima – Griechenland
    Giannis Kartalis über ein neues Klima zwischen Türken und Griechen


    Die Türkei und Griechenland nähern sich vorsichtig an, doch das Misstrauen in der öffentlichen Meinung beider Länder müssen sie noch überwinden, meint Giannis Kartalis in der linksliberalen Tageszeitung To Vima: „Es bleibt die Frage, ob die wohlwollende Haltung der türkischen Regierung nach dem Gottesdienst im Kloster Panagia Sumela [dort wurde zum ersten Mal seit über 80 Jahren eine Messe gehalten] und der Wiedereröffnung der orthodoxen Hochschule in Chalki [das Priesterseminar in der Türkei war 1971 geschlossen worden] wieder endet. Ermutigend ist jedenfalls, dass im Gegensatz zu früheren Ereignissen jetzt viele fortschrittliche türkische Journalisten offen ihre Meinung bekunden, dass [der türkische Ministerpäsident] Erdoğan in dieser Weise fortfahren muss. … Die Frage ist allerdings, ob es auch in Griechenland Journalisten gibt, die ebenfalls offen den Bau einer Moschee für die vielen muslimischen Einwanderer in Athen unterstützen.“ (06.09.2010)

    Quelle:
    Eurotopics
    Europäische Presseschau vom 06/09/2010

  • Autor Akhanli in Türkei wegen Totschlags angeklagt

    Autor Akhanli in Türkei wegen Totschlags angeklagt

    Autor Akhanli in Türkei wegen Totschlags angeklagt
    Mittwoch 01.09.2010

    Ein Istanbuler Staatsanwalt hat gegen den türkischstämmigen Autor Dogan Akhanli Anklage wegen Raubs und Totschlags erhoben. Die Anklageschrift sei fertig, sagte Akhanlis Anwalt Haydar Erol in Istanbul.
    Der Anwalt wies den Vorwurf zurück, sein in Köln lebender Mandant habe sich vor 21 Jahren an einem Raubüberfall auf eine Wechselstube in Istanbul beteiligt. Er forderte die Freilassung Akhanlis und die Einstellung des Verfahrens.

    Der politische Autor, dessen Arbeit in der Türkei und in Deutschland ausgezeichnet worden ist, hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Er war nach seiner Flucht nach Deutschland 1991 erstmals wieder in die Türkei gereist. Akhanli wurde am 10. August an einem Flughafen in Istanbul festgenommen. Er hatte seinen kranken Vater besuchen wollen. Nach Auskunft seines Anwaltes wird er in einem Gefängnis in der Provinz Tekirdag festgehalten.

    Die Anklage stütze sich auf Zeugenaussagen, von denen eine unter Folter gemacht worden sei, sagte Erol. Der vermeintliche zweite Zeuge – der Sohn des Getöteten – habe später bestritten, Akhanli jemals auf einem Foto identifiziert zu haben. „Dieses Szenario hat die Polizei produziert“, sagte Rechtsanwalt Erol der Nachrichtenagentur dpa in Istanbul. Es handele sich um den Versuch einer späten Abrechnung mit der politischen Linken.

    In Deutschland hat es bereits Proteste gegen die Festnahme gegeben. Der Vorwurf des Raubüberfalls sei konstruiert, sagte der Kölner Schriftsteller Günter Wallraff. „Bestimmte Kreise der türkischen Justiz nehmen Rache an einem unbequemen Autor, der seit Jahren den Völkermord an den Armeniern thematisiert“, sagte er.
    Der 1957 in der Türkei geborene Autor hatte sich im Buch „Die Richter des jüngsten Gerichts“ mit dem Völkermord an den Armeniern befasst. Sein Roman „Der letzte Traum der Madonna“ (2005) wurde von türkischen Kritikern zu einem der zehn besten des Jahres gekürt. In Deutschland wurden seine Projekte für einen offenen Umgang mit historischer Gewalt und für Versöhnung mehrfach ausgezeichnet.

    Quelle:

  • Der Islam als Modeinspiration

    Der Islam als Modeinspiration

    T-Shirt als Protest: Mit “I love my Prophet“ begann die Geschichte des Labels

    Der Islam als Modeinspiration
    Leute, macht Tee, keinen Krieg
    Melih Kesmen und seine Frau Yeliz sind Kämpfer für ihren Glauben: Ihre Waffen sind T-Shirts, Schlüsselanhänger und das Internet. Die Artikel des deutschen Paares mit türkischen Wurzeln sind vor allem unter jungen Türken zu Verkaufsschlagern geworden.

    Von Peter-Philipp Schmitt

    Stolz auf die Religion: Humorvoll wirbt Styleislam für mehr Toleranz

    05. September 2010

    Vor der Tür liegt ein roter Fußabstreifer mit weißem Kreuz. „Das ist zu Ehren der Schweiz“, sagt Melih Kesmen und lacht. „Die mögen wir nach dem Minarettverbot ja ganz besonders.“ Jeder, der das Modelabel „Styleislam“ in Witten besucht, tritt die Flagge der Eidgenossen mit Füßen. Vermutlich liegt die Schweiz-Matte vor einigen deutschen Türen, doch erst vor diesem Eingang bekommt der kleine Seitenhieb auf unsere Nachbarn eine Bedeutung, die ihm eigentlich nicht gebührt. Denn Melih Kesmen und seine Frau Yeliz sind zwar Kämpfer für ihren Glauben; ihre Waffen aber sind T-Shirts, Schlüsselanhänger, Kopftuchnadeln und das Internet.

    Die Geschichte ihres Unternehmens beginnt in England. Nach dem Studium (er studierte Grafikdesign in Dortmund, sie in Bochum) lebt das junge deutsche Paar für zwei Jahre in London. Das erste Jahr dort, 2005, ist besonders ereignisreich: Zuerst erleben die beiden die Terroranschläge auf drei U-Bahn-Züge und einen Doppeldeckerbus im Juli; kurz danach erscheinen die Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung, und es kommt zu gewalttätigen Protesten auf der ganzen Welt; schließlich gehen Yeliz und Melih Kesmen mit Freunden auf eine Pilgerfahrt nach Mekka und Medina. „Für die Reise gab es kein Schlüsselerlebnis“, sagt die Dreißigjährige. „Auf der Fahrt aber gab es viele.“
    „Wir sind Deutsche, aber eben auch Muslime“

    Schlüsselerlebnis Pilgerfahrt: Demnächst eröffnen Melih Kesmen und seine Frau Yeliz ihr erstes Geschäft – in Medina

    Die junge Mutter (Sohn Isaak ist zwei) trägt seither Kopftuch. Das Warum konnte sich zunächst nicht einmal ihr Mann erklären. Nur Yeliz‘ Großmutter trug noch ein Kopftuch; ihre Mutter, Tanten, Schwestern lehnen das Textil ab. Für Yeliz dagegen rundet es das Muslimin-Sein erst ab. „Wenn man mich dazu aber zwingen würde, würde ich es bestimmt nicht tragen.“ Erst seit sie sich durch das Kopftuch als Muslimin sofort zu erkennen gibt, ist auch ihr Mann zum „Türken“ geworden. „Früher dachten viele, er sei halt so ein Künstlertyp mit langen schwarzen Haaren und Bart. Mit mir an seiner Seite ist er nun für die meisten kein Deutscher mehr.“ Dabei kennen die beiden die Türkei kaum, und Yeliz spricht nicht mal besonders gut Türkisch. „Wir sind Deutsche, aber eben auch Muslime.“

    Für beide ist es schwer zu ertragen, dass ihre Religion von angeblichen Glaubensbrüdern und -schwestern missbraucht wird. Den 35 Jahre alten Melih Kesmen empörten die brennenden dänischen Fahnen und Botschaftsgebäude nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen. Mit Gewalt könne man sich doch nicht für den Islam einsetzen, fand er. So schrieb Kesmen auf ein T-Shirt: „I Love My Prophet“, darunter setzte er das arabische Zeichen für „Mohammed“. Damit seien sie mit der U-Bahn durch London gefahren, erzählt Yeliz Kesmen, nach East London, wo viele Pakistaner leben: „Die waren begeistert, die haben ihm das Shirt fast vom Leibe gerissen.“

    Eine Geschäftsidee war geboren. Zurück in Deutschland entwickelten die beiden 30 Motive, die sie seither auf T-Shirts, aber auch etwa auf Schlüsselanhänger drucken: „Terrorism Is No Religion“, „Muslim By Nature“ (unter dem Schriftzug ist eine Babyflasche zu sehen) oder „Make Çay Not War“ (Macht Tee, keinen Krieg). Viele ihrer Botschaften richten sich direkt an Muslime: „Du’a – The Weapon Of The Believer“ (Bittgebete – die Waffen eines Gläubigen) oder auch „Hijab – My Right, My Choice, My Life“ (Das Kopftuch – mein Recht, meine Entscheidung, mein Leben) sind zu Verkaufsschlagern vor allem unter jungen Türken geworden. Und das überall auf der Welt.

    An die 40.000 Fans und Freunde hat Styleislam inzwischen bei Twitter und Facebook. Melih Kesmen spricht von der „community“. Sie bekommt neue Motive als Erste zu sehen und darf darüber abstimmen. Sie beklagt sich aber auch, dass das junge Unternehmen mit der Produktion nicht nachkommt und ihr Internetshop bislang nur in Deutschland funktioniert. Gerade herausgekommen sind die Q-Bla-Bags (Q-Bla, auch Qibla, steht für die Gebetsrichtung zur Kaaba in Mekka). An den Taschen aus Lastwagen-Plane mit ihren Riemen aus Sicherheitsgurten sind echte Gebetsteppiche mit Klettverschlüssen befestigt – „zum Beten oder Picknicken“, wie Melih Kesmen sagt.
    „Wir wollen keinen Streit, wir wollen den Dialog“

    West und Ost, Orient und Okzident: Die Kesmens bemühen sich stets, dass sich ihre beiden unterschiedlichen Wurzeln auch in ihren Produkten wiederfinden. Ärger bleibt nicht aus: Das T-Shirt mit der Aufschrift „Jesus Was A Muslim“ haben sie nach Protesten aus Bayern aus dem Programm genommen. Auch der Aufdruck „Juma“ (für Freitagsgebet) verschwand nach einer Klage vom mächtigen Sportartikelhersteller Puma von den Textilien. Man einigte sich außergerichtlich. „Wir wollen keinen Streit, wir wollen den Dialog“, sagt Melih, der zurzeit mit zwei Modedesignerinnen in Istanbul an einer ganzen Frauenlinie arbeitet.

    Demnächst eröffnet Styleislam sein erstes Geschäft (in Medina), ein zweites soll in Dortmund folgen. Dass sie ausgerechnet in Medina ihren ersten Laden eröffnen, haben sie dem Fußball-Nationaltorwart Saudi-Arabiens zu verdanken, Mohammed Khojah. Er war von Styleislam so angetan, dass er zum Franchisenehmer wurde. Besonders stolz sind Yeliz und Melih Kesmen, dass ihr Label bald in der Stadt des Propheten vertreten sein wird, auch wenn, wie Yeliz Kesmen empört hinzufügt, Frauen dort ja nicht mal Auto fahren dürfen.

    Weitere Informationen: www.styleislam.de

    Text: F.A.S.
    Bildmaterial: Kai Nedden, Styleislam

    Quelle:

  • Kanzlerin auch der Türken

    Kanzlerin auch der Türken

    DIE WELT IM BLICK: Kanzlerin auch der Türken

    Mit einem Interview zum Thema Sarrazin in der „Hürriyet“, der größten türkischen Tageszeitung, ist Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern auf die Türken in Deutschland und in der Türkei zugegangen. Sarrazins Thesen seien Unsinn, die meisten Türken in der Bundesrepublik seien gut integriert, versicherte die Kanzlerin.

    Die beruhigenden Worte der Kanzlerin kamen zur richtigen Zeit: In den türkischen Medien wird Sarrazin mittlerweile mit Adolf Hitler verglichen – die Integrationsdebatte bleibt ein neuralgischer Punkt im deutsch-türkischen Verhältnis.

    Zwar müssten die Probleme bei der Integration klar benannt werden, sagte Merkel. Doch Sarrazins Äußerungen seien nicht hinnehmbar. „Ganze Gruppen in unserer Gesellschaft fühlen sich dadurch verletzt.“

    Die Kanzlerin betonte, Staat und Gesellschaft in der Bundesrepublik, aber auch die türkischen Einwanderer müssten den Willen haben, miteinander zurechtzukommen.

    Das Interview des Berliner „Hürriyet“-Korrespondenten Ahmet Külahci mit der Kanzlerin war gestern der Aufmacher der Zeitung. Auch für andere Blätter war das Thema Sarrazin wichtig genug, um es auf der Titelseite zu platzieren. Die Bitte der Bundesbank um Ablösung Sarrazins wurde dabei begrüßt: „Der rassistische Deutsche wird rausgeschmissen“, titelte „Milliyet“.

    Die regierungsnahe Zeitung „Sabah“ brachte in ihrem Innenteil ein Foto, auf dem Sarrazin mit verschränkten Armen zu sehen war – und daneben ein Bild von Adolf Hitler in ähnlicher Pose. Das Hitler-Bild war in einer „Gedankenblase“, wie sie aus Comics bekannt ist, mit Sarrazins Kopf verbunden. „Der Hitler des Geldes wird vor die Tür gesetzt“, lautete die Überschrift.

    Im deutsch-türkischen Verhältnis ist das Thema Integration besonders sensibel. So ist der Bundeskanzlerin offenbar die in Deutschland mit heftigen Protesten aufgenommene Kölner Rede von Premier Recep Tayyip Erdogan, in der er vor zwei Jahren vor einer Assimilierung der Türken durch die Bundesrepublik warnte, noch sehr präsent: Merkel betonte in der „Hürriyet“, Deutschland verstehe unter Integration keine erzwungene Assimilation oder das Leugnen der eigenen Wurzeln.

    Allein die Tatsache, dass Merkel es überhaupt für nötig betrachtete, sich über „Hürriyet“ an die Türken zu wenden zeigt, dass die Kanzlerin und die Berliner Regierungszentrale wissen, wie emotionsgeladen das Thema ist. Sie sei auch die Kanzlerin der Türken, unterstrich Merkel. Ihr Aufruf an die rund drei Millionen Türken und türkischstämmigen Deutschen in der Bundesrepublik, sich besonders mit Hilfe von Bildung und Sprache in die Gesellschaft zu integrieren, war in der Sache unmissverständlich, im Ton aber betont sanft.
    Samstag, 04.09.2010
    Quelle:

  • Parteien entdecken die Integrationspolitik

    Parteien entdecken die Integrationspolitik

    Neues Deutschland
    04.09.2010
    Parteien entdecken die Integrationspolitik
    Gipfel bis Ende des Jahres angekündigt
    Nach dem angekündigten Rauswurf Thilo Sarrazins bei der Bundesbank werden Rufe nach einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Integrationsproblemen laut.

    Berlin (Agenturen/ND). Der Streit um die Thesen von Noch-Bundesbanker Thilo Sarrazin (SPD) hat eine neue Integrationsdebatte ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte der türkischen Zeitung »Hürriyet«, Integration sei eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Nach einem Bericht der »Saarbrücker Zeitung« soll noch in diesem Jahr der erste Integrationsgipfel unter Federführung der schwarz-gelben Bundesregierung stattfinden.

    Merkel machte den Türken gegenüber deutlich, dass sie Sarrazins Thesen ablehnt. Dessen Argument, Deutschland werde durch türkische und andere muslimische Einwanderer dümmer, sei »Unsinn«, erklärte sie. Es müsse aber in der Integrationspolitik noch mehr getan werden als bisher. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte der »Saarbrücker Zeitung«, nach der beschlossenen Abberufung Sarrazins als Bundesbankvorstandsmitglied sei es jetzt an der Zeit, »dass wir uns dem eigentlichen Thema widmen«. Die Integration der hier lebenden Migranten sei einer der wichtigsten Herausforderungen.

    SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles verteidigte derweil das Parteiausschlussverfahren. Sarrazin habe eine Grenze überschritten, schrieb Nahles laut Presseberichten in einem Brief an alle SPD-Mitglieder. Der angestrebte Rausschmiss sei aber »keine Absage an eine intensive Debatte über Integrationspolitik«. In diesem Punkt gebe die SPD Sarrazin recht: »Es liegt noch vieles im Argen.« So gebe es noch immer teils erhebliche Bildungs- und Sprachdefizite bei jungen Migranten.

    Über den Antrag des Bundesbankvorstandes, Sarrazin abzuberufen, muss Bundespräsident Christian Wulff entscheiden. Der verlangt unterdessen eine Stellungnahme der Bundesregierung. Wulff warnte vor Verallgemeinerungen, die auf kulturelle, religiöse oder ethnische Gruppen abzielten. »Sie richten sogar großen Schaden an«, sagte der Bundespräsident. Es sei besser, einander zunächst näher kennenzulernen. Er bedauerte, dass die große Vielfalt unter den Muslimen in vielen Diskussionen keine Rolle spiele.

    URL:

  • Wie die Weltpresse über Sarrazin urteilt

    Wie die Weltpresse über Sarrazin urteilt

    Wie die Weltpresse über Sarrazin urteilt
    VON DANA SCHÜLBE – zuletzt aktualisiert: 03.09.2010

    Berlin (RPO). Schadet Thilo Sarrazin mit seinen Thesen dem Ansehen der Deutschen in der Welt? Das ist die Frage, die sich die Politik in Berlin dieser Tage stellt. Und zwar so sehr, dass sich die Kanzlerin veranlasst sah, in einer türkischen Zeitung Stellung dazu zu nehmen. Die Sorge ist nicht ganz unbegründet, denn die Auslandspresse berichtet seit Tagen reichlich über Sarrazin – aber nicht immer im negativen Sinne.

    Sarrazins Argument, Deutschland werde durch türkische und andere muslimische Einwanderer dümmer, sei „Unsinn“, sagte Merkel der türkischen Zeitung „Hürriyet“. Sie könne Sarrazins Äußerungen nicht akzeptieren. Mit dem Interview geht die Kanzlerin einen ungewöhnlichen Weg, um das Ansehen der Deutschen zu wahren.

    Schon am Donnerstag hatte Bundespräsident Christian Wulff im Zusammenhang mit Sarrazins Position als Bundesbank-Vorstand erklärt, dass der Vorstand der Bundesbank einiges tun kann, um Deutschland vor allem auch international nicht zu schaden. In den türkischen Zeitungen jedenfalls wurde der Fall sehr stark diskutiert. Viele bezeichneten Sarrazin als „Rassisten“.

    Schlagzeilen bis in die USA

    Doch nicht nur in der muslimischen Welt wurde das Thema aufgegriffen. Von Italien über die Schweiz bis Dänemark, Großbritannien oder die USA – überall auf der Welt wird von dem deutschen Bundesbank-Vorstand berichtet, der gegen Muslime und Juden wettert. So etwa in Polen. Dort titelte die Zeitung „Gazeta Wyborcza“: „Der Bundesbank-Rassist“.

    Oftmals sind die Artikel sehr sachlich verfasst und beschreiben die Diskussion in Deutschland. Auch werden immer die Gegenargumentationen angebracht. So zitiert etwa die renommierte „New York Times“ Außeniminister Guido Westerwelle, der gesagt hatte, Sarrazins Äußerungen hätten keinen Platz in der politischen Diskussion. Oder Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der erklärte, jede Provokation hat seine Grenzen.

    Die US-Zeitung „Huffington Post“ gibt sich ebenfalls sachlich, konstatiert aber: „Sarrazin wusste sehr gut, dass sein Land seit dem Holocaust kein bisschen tolerant gegenüber antisemitischen Bemerkungen ist und dass viele Immigranten in Deutschland sich über rassitische Bemerkungen und ausländerfeindliches Verhalten beschweren.“

    „Guardian“ schreibt von „Geschwätz“

    Ähnlich geht auch die italienische „La Stampa“ in die Diskussion. Dort hieß es, Sarrazin habe mit seinem Buch das Schweigen gebrochen, das bisher über den offenen Nerven Deutschlands gelegen habe. Zugleich habe die Nebeneinanderstellung von Juden und Türken nichts anderes als einen Kurzschluss verursacht, für den Sarrazin zahlen muss.

    Kommentierend wird der britische „Guardian“. Dort schreibt der Autor Deniz Yücel über seine Erfahrungen – und vor allem über seine Familie. Er fragt, wen denn Sarrazin mit seinen Thesen meine, dass die Immigranten sich nicht integrieren wollen. „Er kann nicht meine Schwester Ilkay meinen, die jedes Jahr Weihnachten feiert“, konstatiert er. Und es könne auch nicht seine Kollegin sein, die sich bei der Fußball-WM mit den deutschen Nationalfarben schmückte.

    Yücel nennt Sarrazins Äußerungen „Geschwätz“, dass nichts mit dem Leben der Immigranten zu tun hat. Und er sagt, dies sei die Ursache dafür, dass sich viele „angeekelt“ fühlen, wie die „Hürriyet“ konstatiert habe.

    Israel widmet sich „Gen-Theorie“

    Ganz anders und überraschend geht die israelische Zeitung „Haaretz“ an das Thema heran. Sie berichtete über Sarrazins Äußerungen, veröffentlichte aber zugleich einen Artikel unter der Überschrift „Jüdische Gen-Theorien schlagen Wellen in Deutschland, in Israel sind sie unbemerkt“.

    „Ein jüdisches Gen -es ist unglaublich, dass die Rassentheorie weiter Einfluss in Deutschland hat“, schreibt „Haaretz“ zwar. Anschließend aber konstatiert die Zeitung: „Jetzt lesen sie die folgende Perle: ‚Ein Konvertit, der zu den Orthodoxen konvertiert, hat das jüdische Gen. Wenn er nicht zu den Orthodoxen konvertiert, hat er nicht das jüdische Gen.’“

    Dieser Ausspruch, so schreibt die Zeitung, stammt aus einem Interview mit dem israelischen Innneminister Eli Yishai in der „Jerusalem Post“. Und sie merkt an, dass grundsätzlich niemand aus dem Stuhl zu fallen brauche, indem er Yishais Kommentar auf ausländische Arbeiter und ihre Kinder beziehe. Yishai habe dies im Zusammenhang mit Äußerungen über die Palästinenser geäußert.

    Und in Dänemark wird die Diskussion auf das eigene Land bezogen. So schreibt die konservative Zeitung „Berlingske Tidende“, Dänemark habe rechtzeitig Umsicht gezeigt und die Ausländerpolitik so verschärft, dass sich der Einsatz auf eine bessere soziale und kulturelle Integration beziehen konnte. Und Sarrazins Buch habe zwar mit primitiven und wenig nuancierten Gesichtspunkten Furore gemacht. Es zeige aber auch die Unvermeidlichkeit der Debatte.

    URL: www.rp-online.de/politik/deutschland/Wie-die-Weltpresse-ueber-Sarrazin-urteilt_aid_902054.html
    Diskussion um Migranten-Thesen

  • Deutsch-turkische Rentenberatungstage in Trabzon

    Deutsch-turkische Rentenberatungstage in Trabzon

    Waehrend der Rentenberatungstage vom 21.-23.09.2010 in Trabzon konnen Fragen rund um die Rente mit Bezug zu Deutschland geklaert werden.

    Hierzu stehen Berater von der SGK wie auch von der Deutschen Rentenversicherung Bund, der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See und die Deutsche Rentenversicherung Nordbayern zur Verfugung.

    Beratungen werden am 21.09.2010 von 10:30-17:00 Uhr sowie vom 22.-23.09.2010 jeweils von 09:30 -17:00 Uhr angeboten.

    Adresse: SGK Ek Bina, Carsi Mah. Maras Cad. / Postane Karsisi, 61200 Trabzon

    Ein Beratungstermin kann unter den Telefonnummern 0312 432 12 26 oder 0312 432 12 29,

    per Fax unter 0312 432 12 45 oder

    per E-Mail vereinbart werden unter:

    [email protected]

    QUELLE: Deutsche Botschaft Ankara – ankara.diplo.de

    URL:

  • Tel Aviv: Schiesserei in türkischer Botschaft

    Tel Aviv: Schiesserei in türkischer Botschaft

    Tel Aviv: Schiesserei in türkischer Botschaft – Palästinenser verschanzte sich

    18.8.2010

    Israel

    Tel Aviv: Schiesserei in türkischer Botschaft – Palästinenser verschanzte sich
    Von Israel fallengelassen und von der Palästinensischen Autonomiebehörde verfolgt, so fühlt sich Angaben zufolge ein palästinensischer Kollaborateuer, der sich am Dienstagabend in der türkischen Botschaft in Tel Aviv für mehrere Stunden verschanzte und politisches Asyl in der Türkei forderte.
    (…)

    Quelle:

    verschanzte-sich-20928

  • Rache für die „Mavi Marmara“

    Rache für die „Mavi Marmara“

    Rache für die „Mavi Marmara“

    Zumindest im Film: Türkische Serie „Tal der Wölfe“ zeigt Israelis als Kindermörder
    von Boris Kálnoky

    Istanbul – Ende Mai versuchte ein von islamischen Aktivisten geführter „Hilfskonvoi“ die israelische Blockade des Gaza-Streifens zu durchbrechen. Auf dem Flaggschiff „Mavi Marmara“ leistete eine Gruppe von rund 50 Militanten der Fundamentalisten-Bewegung Milli Görüs und deren „karitativen“ Unterorganisation IHH gewaltsam Widerstand, als israelische Kommandos das Schiff enterten. Das Ergebnis waren neun tote Türken, viele Verletzte und ein internationaler Aufschrei der Empörung gegen Israel.
    (…)
    Quelle:

  • Einladung

    Einladung

    Einladung

    Zeit: Samstag, den 18.9.2010
    Beginn: 14.00 Uhr
    Ort: Malberg 1 · 53547 Hausen (Wied) Deutschland

    Thema: Impulsvortrag der Aleviten/Bektaschiten zum Thema Versöhnung (und auch Selbstvorstellung der ABK e.V.)

    Interessenten sind herzlich willkommen.

    Um Anmeldungen wir erbeten bis zum 16.9.2010.

    Kontakt:
    Dr. Askim Müller-Bozkurt
    E-Mail: [email protected]

    Organisation:
    Alevitisch-Bektaschitisches Kulturinstitut (ABK) e.V. und Internationales Forschungsinstitut für Wirtschaft, Politik und Bildung (IFWPB) e.V. (www.ifwp.eu) – Kreis der Versöhnung zwischen den Religionen und Kulturen

    Hintergrundinformation zum Kreis der Versöhnung zwischen den Religionen und Kulturen:

    Der Kreis der Versöhnung wurde seit Anfang des Jahres 2010 von Professor Ludwig Schmahl, Diakon Hans Gerd Grevelding, Christian Gosberg und Dr. Askim Müller-Bozkurt initiiert. Im Rahmen unserer interkulturellen Begegnungen haben wir uns bislang im Erzbistum Köln und bei der Alevitischen Gemeinde in Köln getroffen.
    Das Ziel des Kreises besteht darin, Gemeinschaften in Deutschland kennen zu lernen, Gemeinschaften darin zu unterstützen über das Kennenlernen hinaus gemeinschaftlich etwas im Sinne der Versöhnung anzugehen, Stereotypen aufzudecken und sie im Rahmen von interkulturellen Trainings anzugehen und somit einen zentralen Punkt der Arbeit des Kreises auf Deutschland zu verlegen.

    Wir haben uns auf Vorschlag von Professor Schmahl auf nachfolgende Definition geeinigt:

    „Versöhnen ist das Bemühen, ein Verständnis zwischen unterschiedlichen Standpunkten, Sichtweisen und Interessen zu entwickeln, sich gegenseitig kennen zu lernen und Trennung zu beseitigen.“

    Es geht um das Ziel, Frieden zu schaffen und Frieden zu sichern.

  • Netanjahu: Hoffen auf direkte Friedensgespräche in Kürze

    Netanjahu: Hoffen auf direkte Friedensgespräche in Kürze

    Bild: © 2010 AFP

    Netanjahu: Hoffen auf direkte Friedensgespräche in Kürze
    Dienstag, 17. August 2010

    Athen (Reuters) – Israel hofft nach den Worten von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, schon bald direkte Verhandlungen mit den Palästinensern aufnehmen zu können.

    „Wir sind bereit, nach Kairo, Washington oder sonst wo zu fahren, um diesen Prozess in Gang zu bekommen“, sagte Netanjahu am Montag nach Gesprächen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou in Athen. Nahost-Vermittler bemühen sich derzeit verstärkt um eine Basis für die ersten direkten Gespräche der Konfliktparteien seit fast zwei Jahren. Netanjahu hat wiederholt darauf bestanden, dass es für unmittelbare Gespräche keine Vorbedingungen geben dürfe.

    Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas verlangt dagegen, dass das Ziel eines eigenen Palästinenser-Staates vorab als Grundlage einer Unterredung vereinbart wird. Zuletzt hatte sich auch US-Außenministerin Hillary Clinton in die Vermittlungen eingeschaltet und Netanjahu zu Friedensgesprächen gedrängt.

    Netanjahus Griechenland-Reise interpretieren Experten als Versuch Israels, sich angesichts der Spannungen mit der Türkei andere strategische Partner im Mittelmeerraum zu sichern. Ministerpräsident Papandreou unterstützte Netanjahus Aufruf zu sofortigen Gesprächen mit den Palästinensern. Griechenland werde dazu mit allen Mitteln beitragen, sagte Papandreou.
    Quelle:

  • El-Kaida-Vize wirft Türkei Kooperation mit Israel vor

    El-Kaida-Vize wirft Türkei Kooperation mit Israel vor

    Bild: Sawahiri

    SITE: El-Kaida-Vize wirft Türkei Kooperation mit Israel vor

    (AFP) – 16.8.2010

    Dubai — Der Vize-Chef des Terrornetzwerks El Kaida, Aiman el Sawahiri, hat laut einer ihm zugeordneten neuen Botschaft der Türkei vorgeworfen, mit Israel zu kooperieren und in Afghanistan für den Tod von Muslimen verantwortlich zu sein. In einer im Internet veröffentlichten Audiobotschaft forderte ein Mann, den das auf islamistische Websites spezialisierte US-Unternehmen SITE als Sawahiri identifizierte, das türkische Volk müsse von seiner Regierung verlangen, die Zusammenarbeit mit Israel einzustellen.

    (…)
    Quelle:

  • Gericht: „Islam-Holding“ hat Anleger sittenwidrig geschädigt

    Gericht: „Islam-Holding“ hat Anleger sittenwidrig geschädigt

    17.8.2010
    Gericht: „Islam-Holding“ hat Anleger sittenwidrig geschädigt

    Nürnberg/Fürth – Das Unternehmen versprach ein „gottgefälliges Investment“, am Ende ging es vor allem um privaten Profit: Eine sogenannte Islam-Holding muss nach einem Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Nürnberg 13 000 Euro Schadenersatz an einen in Fürth lebenden Türken zahlen.
    Nach Ansicht des OLG war das Geschäftsmodell der Holding auf eine „sittenwidrige, vorsätzliche Schädigung der Anleger“ ausgelegt, heißt es in dem Urteil, das einen Richterspruch des Landgerichts Nürnberg-Fürth bestätigte.

    (…)
    Quelle:

    Anleger-sittenwidrig-geschaedigt.html

  • Weißes Haus dementiert Zweifel Obamas an Türkei

    Weißes Haus dementiert Zweifel Obamas an Türkei

    Weißes Haus dementiert angebliche Zweifel Obamas an Türkei

    (AFP) 16.8.2010

    Milwaukee — Das Weiße Haus hat einen Bericht dementiert, demzufolge US-Präsident Barack Obama die Bündnistreue der Türkei angezweifelt und Waffengeschäfte mit dem Land in Frage gestellt habe. Obama habe nie geplante Waffenverkäufen an die Türkei mit einer Forderung an das Land nach einer Änderung seiner Politik gegenüber dem Iran und Israel verknüpft, sagte sein Sprecher Robert Gibbs in Milwaukee. Er habe keine Ahnung, wie es zu einem entsprechenden Bericht der „Financial Times“ gekommen sei, fügte Gibbs hinzu.

    (…)
    Quelle:

  • Orthodoxe Christen feiern Messe in Sümela

    Orthodoxe Christen feiern Messe in Sümela

    [Bildunterschrift: Patriarch Bartholomaios hofft darauf, dass auch im kommenden Jahr wieder ein Gottesdienst zu Ehren der Heiligen Maria stattfinden wird.

    Orthodoxe Christen feiern Messe in Sümela
    Beten für bessere Tage

    Verständigung zwischen Christen und Muslimen, dies stand im Mittelpunkt des ersten Gottesdienstes orthodoxer Christen im Sümela-Kloster in der Türkei. Tausende kamen zu diesem besonderen Ereignis ans Schwarze Meer und feierten die Heilige Maria, die auch von den Muslimen verehrt wird.

    Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

    Zum ersten Mal seit mehr als 84 Jahren haben orthodoxe Christen im Kloster Sümela südlich von Trabzon an der türkischen Schwarzmeerküste wieder eine Heilige Messe feiern dürfen. Der Gottesdienst zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel wurde vom Oberhaupt der christlichen Orthodoxie, dem in Istanbul residierenden Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios, zelebriert.

    Das Kloster Sümela ist 1600 Jahre alt, in einen 1100 Meter hohen Hang der Zigana-Berge gebaut und der Gottesmutter geweiht. Auf Griechisch heißt es „Panagia Soumela“: Kloster der Allheiligen beim schwarzen Berg. Früher, vor der Gründung des Staates Türkei, lebten dort am Schwarzen Meer mehr als 300.000 Pontos-Griechen. Sie mussten aber wegen des Bevölkerungsaustauschs zwischen der Türkei und Griechenland, den der Vertrag von Lausanne 1922 besiegelte, das Land verlassen. Die letzte Messe im Kloster wurde 1926 gelesen.

    Entsprechend groß war für viele Griechen die Freude, wieder an den Ort ihrer Vorfahren pilgern zu dürfen: „Endlich und nach mehreren Jahrzehnten und nach der Katatsrophe von 1922 wird wieder die Heilige Messe ertönen im historischen Kloster von Sümela nahe Trabzon. Es ist ein historischer Moment“, sagt ein Grieche.
    Heilige Maria von Christen und Muslimen verehrt

    Nach Angaben griechischer wie türkischer Medien waren zwischen 10.000 und 20.000 Gäste aus Griechenland, Georgien und Russland an die türkische Schwarzmeerküste gereist. In seiner Predigt betonte Patriarch Bartholomaios die religionsübergreifende Bedeutung der Heiligen Maria, welche sich vor allem zwischen Griechen und Türken zeige: „Auch der Koran ehrt sie als Prophetin und widmet ihr mehrere Seiten mit großem Lob. Lasst die Heilige Maria Garantin besserer Tage sein für die beiden Völker. Diese Pilgerreise soll eine weitere Brücke der Kommunikation und des Vertrauens zwischen uns werden.“
    Verschwörungstheoretiker wittern Verrat

    Während die islamisch orientierte türkische Regierung von Ministerpräsident Tayyip Erdogan durch ihre Erlaubnis, in Sümela eine Messe feiern zu lassen, das Verhältnis zu den nicht-muslimischen Minderheiten entkrampfen will, witterten nationalistische türkische Kreise im Vorhinein Verrat. Es werde eine Wiedergeburt des alten byzantinischen Reiches eingeleitet, heißt es. Schließlich sei es kein Zufall, so die Verschwörungstheorie der Rechten, dass die Messe am 15. August stattfinde. Am 15. August 1461 hätten die Osmanen das ehemalige Pontosreich erobert.
    Eigentlich hätte man solch verschrobene Äußerungen übergehen können, doch Trabzon gilt als Hochburg des türkischen Nationalismus. Hier wurde 2006 der katholische Priester Andrea Santoro erstochen, und von hier stammen die Mörder des 2007 erschossenen armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink.
    Botschaft des Friedens und der Freundschaft

    Entsprechend betonte Patriarch Bartholomaios in seiner Predigt: „Wir versichern den Vertretern des Staates Türkei und der örtlichen Bevölkerung, dass wir Orthodoxen uns heute hier versammeln als Boten des Friedens und der Freundschaft, mit den besten Gefühlen für sie. Die Allerheilige Mutter vereinigt schließlich uns alle, wenn wir daran denken, dass sie vielmals Wunder bewirkt hat und vielen geholfen hat, unabhängig des Glaubens sowohl für Christen als auch für Muslime, Romäer, Türken, Russen, Georgier und Rumänen.“

    Abschließend äußerte das Oberhaupt der orthodoxen Christen den Wunsch, im kommenden Jahr abermals am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel einen Gottesdienst in Sümela feiern zu können.
    Quelle:

  • Abschied vom Pascha

    Abschied vom Pascha

    Kazim Erdogan (Zweiter v.l.) ist Psychologe und Leiter der ersten türkischen Selbsthilfegruppe in Deutschland.
    Foto: Reto Klar

    Türken in Deutschland
    Abschied vom Pascha

    Von Isabella Kroth 16. August 2010

    In Berlin treffen sich Männer einer viel beschworenen „Parallelgesellschaft“. Das auch sie zwangsverheiratet wurden, denkt kaum jemand.

    Adem war der Erste, der das Wagnis einging. Jetzt sitzt er mit gut 20 Männern im Kreis. Er hält ein Gläschen mit Çay in der Hand und sagt: „Es ging um meine Ehre. Meine Frau hatte sie mit Füßen getreten.“

    Die anderen Männer um ihn herum nicken. Sie wissen, was er meint. Einer sagt: „Frauen sind die Ehre eines Mannes. Sie haben alles in der Hand – sie können diese Ehre mehren oder sie zerstören.“ Der Tee im elektrischen Samowar in der Ecke brodelt. Durch die große Fensterfront entschwindet das letzte Tageslicht. Hier in einem Dienstzimmer des „Psychosozialen Dienst Neukölln“ haben sich Männer einer viel beschworenen „Parallelgesellschaft“ versammelt. Männer, über die pauschale Bilder kursieren: Das der türkischen Paschas, die ihre Frauen daheim schlagen und ihre Ehre bis aufs Blut verteidigen, den Gebetskranz immer bei der Hand. Von Patriarchen, die ihre archaischen Sitten und Gebräuche mit nach Deutschland genommen haben.

    „Zerrbilder“, sagt Kazim Erdogan, der die Gruppe leitet. „Türkische Männer können genau wie Frauen zu Opfern einer patriarchalen Gesellschaft werden. Nur sprechen sie nicht darüber. Schwäche zuzugeben ist für sie ein Gesichtsverlust.“ Zudem: Hilfsangebote für türkischstämmige Männer gibt es kaum. Die Selbsthilfegruppe des Psychologen Erdogan ist alles andere als gewöhnlich. Jeden Montagabend sprechen hier die Männer über das, was sie belastet: die Bürde, als Mann immer stark sein zu müssen, Entscheidungsträger und Sittenwächter zu sein. Die Realität sieht oft anders aus.

    Adem, Türke und alleinerziehender Vater, wischt zu Hause das Klo aus

    Adem* ist alleinerziehender Vater. Daheim schrubbt er den Badezimmerboden und wischt das Klo aus, schneidet Gemüse und kocht die Suppe fürs Mittagessen mit seinen Kindern, dem 18-jährigen Halit und der sieben Jahre alten Bilal. Was bei der Familienidylle bei Adem daheim fehlt, ist die älteste Tochter – entführt, sagt er, von der Mutter in die Türkei. Eine Geschichte, die man so sonst nur umgekehrt hört. Das Kind vom Vater entführt.

    „Früher waren wir glücklich“, sagt Adem und es klingt, als habe er immer noch nicht realisiert, was eigentlich passiert ist. Früher, da hielt er sich an die ungeschriebenen Gesetze seiner Ehe mit der Cousine. Sie kümmerte sich um den Haushalt und die drei Kinder, er verdiente als Maschinenführer Geld für die Familie – rund 1700 Euro mussten für alle reichen, inklusive Onkel und Cousins in der Türkei, denen er jeden Monat bis zu 400 Euro schickte. Hohe Ausgaben für den Familienvater, die seinen Dispokredit wachsen ließen – genau wie seine Probleme.

    Bis Adem Wut über die Bequemlichkeit der Großfamilie überkam. Er stellte die Zahlungen ein. Für seine Frau hatte die Ehe damit ihre Grundlage verloren. Sie trennte sich von ihm und ließ ihn allein mit den drei Kindern zurück. Erst am Telefon und viele Hundert Kilometer entfernt in der Türkei traute sie sich zu sagen, was sie von ihm dachte: Dass er ihren Respekt verloren habe, dass er ein Versager sei, der nicht einmal genug Geld verdienen könne.

    Eines Tages war auch die älteste Tochter verschwunden. „Ich wollte sie von der Schule holen, doch sie war nicht mehr da.“ Eine Entführung durch die Mutter in die Türkei – der vorläufige Höhepunkt eines Ehedramas. Doch Adems Frau ging noch weiter. Sie verletzte ihn dort, wo es ihn am meisten schmerzte: bei seiner Ehre als Mann. Um auch das Sorgerecht für die beiden anderen Kinder zu erhalten, schrieb sie dem Jugendamt einen Brief, in dem stand, er habe die gemeinsame Tochter geschlagen und missbraucht. Adem fühlte sich machtlos. Warum sollte ihm jetzt noch jemand Glauben schenken? Er glaubte nun, von niemandem mehr unterstützt zu werden.

    Seine Gefühle zu beschreiben, fällt Adem schwer, er sagt: „Wenn Kazim Erdogan nicht gewesen wäre – vielleicht hätte ich sie umgebracht.“ Der Psychologe kannte die Fälle, in denen es tatsächlich zu einem Ehrenmord gekommen war. Er wusste, wie schnell die Lage eskalieren konnte, wenn verletzter Stolz und verletzte Ehre im Spiel waren. Er erklärte Adem, dass er seine Ehre auch durch das deutsche Rechtssystem wiederherstellen kann. Als Adem seiner Frau vor Gericht wiederbegegnete, verschränkte er seine Arme hinter dem Rücken. Den Streit um das Sorgerecht vor Gericht hat er gewonnen.

    Ismets Ehe war ein Missverständnis, ein Versehen. Man könnte es auch anders nennen: eine Zwangsheirat.
    (…)
    Quelle:

  • Al-Kaida-Vize verlangt von Türkei Bruch mit Israel

    Al-Kaida-Vize verlangt von Türkei Bruch mit Israel

    Al-Kaida-Vize verlangt von Türkei Bruch mit Israel
    Montag, 16. August 2010

    Dubai (Reuters) – Der Vizechef der Extremistenorganisation Al-Kaida verlangt von der Türkei einen Abbruch der Beziehungen zu Israel.

    Das türkische Volk müsse Druck auf die Regierung ausüben, damit ein Land, das Palästina ausbeute, nicht mehr anerkannt werde, hieß es in einer am Sonntag im Internet verbreiteten Audio-Botschaft von Ajman al-Sawahri. Die Echtheit der zwanzigminütigen Nachricht konnte zunächst nicht geklärt werden.

    Die türkisch-israelischen Beziehungen sind derzeit belastet. Israelische Soldaten hatten im Mai eine Hilfsflotte in den weitgehend abgeriegelten Gazastreifen gestoppt und dabei neun türkische Aktivisten erschossen. Die türkische Regierung hatte zuvor die Blockade des Küstenstreifens durch Israel kritisiert.

    Al-Sawahri forderte zudem, dass die Türken ihre vermeintlich historische Rolle als Verteidiger des Islam und Beschützer der Muslime ausfüllen. Die türkischen Soldaten müssten aus Afghanistan abgezogen werden. Die Türkei hatte lange mit der Entsendung gezögert. Die derzeit eingesetzten Soldaten sind nicht an Kampfhandlungen beteiligt.

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  • Islamkundeunterricht kann auch in Kerpen stattfinden

    Islamkundeunterricht kann auch in Kerpen stattfinden

    Kerpen: Islamkundeunterricht kann auch in Kerpen stattfinden

    Gibt es auch in Kerpen Möglichkeiten für Islamkundeunterricht an Schulen?

    Darauf gab Frau Havva Yakar als fachkundige Fachreferentin der Bezirksregierung Köln in der letzten Sitzung des Integrationsausschusses auf Anregung der gewählten Mitglieder des Ausschusses eine Antwort.
    Wenn sich Eltern an einer Schule finden, die ihre Kinder in Islamkunde unterrichtet sehen wollen, können sie die Initiative ergreifen und über ihre Schule oder direkt beim Schulamt des Kreises die Einrichtung des Faches an ihrer Schule beantragen.
    Größtes Hindernis ist derzeit, eine Lehrerin oder einen Lehrer zu finden. Denn, so machte Frau Yakar unmissverständlich klar: Islamkunde ist ein Unterrichtsfach in deutscher Sprache, das nur von ausgebildeten Lehrerinnen oder Lehrern unterrichtet werden darf und das einem Lehrplan folgt wie die anderen Religionsunterrichte auch.
    So existiert denn auch bei Bezirksregierung eine Warteliste von Schulen, denen eben noch ausgebildetes Fachpersonal fehlt.
    Der Integrationsausschuss hat einen Anstoß gegeben, aber damit es tatsächlich an einer Kerpener Schule zu Islamkundeunterricht kommt, müssen sich jetzt in erster Linie Eltern finden, die für ihre Kinder islamischen Glaubens diesen Unterricht an ihrer Schule wollen.

    Annette Seiche, die Integrationsbeauftragte der Stadt Kerpen (Tel.: 02237/58-173, email: [email protected]) bietet sich hier als Ansprechpartnerin und zur Unterstützung an.
    Weitere Informationen unter: www.stadt-kerpen.de und www.kerpen-gelingt-gemeinsam.de

    Quelle:

    kann-auch-in-kerpen-stattfinden/

  • Türkei gerät wegen möglichen Giftgasangriffs unter Druck

    Türkei gerät wegen möglichen Giftgasangriffs unter Druck

    PKK-Kämpfer im irakischen Berggebiet
    © DAVID FURST/AFP/Getty Images

    13.8.2010
    Kurden-Problem
    Türkei gerät wegen möglichen Giftgasangriffs unter Druck

    Politiker und Menschenrechtler haben die Türkei aufgefordert, den Tod von acht kurdischen Rebellen aufzuklären. Diese könnten mit Chemiewaffen getötet worden sein.

    Setzt die Türkei in der Auseinandersetzung mit der kurdischen Widerstandsorganisation PKK Chemiewaffen ein? Dies legen zumindest Fotos nahe, deren Authentizität nun durch einen deutschen Bildfälschungsexperten bestätigt wurde, wie Spiegel Online berichtet.
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    Auf den Fotos, die kurdische Aktivisten bereits Anfang März einer deutschen Menschenrechtsdelegation übergaben, sind verbrannte, verstümmelte und verätzte Körperteile zu sehen. Nach Angaben der türkisch-kurdischen Menschenrechtler handelt es sich dabei um die Leichen von PKK-Kämpfern, die im September 2009 getötet worden seien.

    Die Tageszeitung (taz) hat die Fotos dem Hamburger Universitätsklinikum vorgelegt. Die Ärzte gingen davon aus, dass die acht Kurden „mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Einsatz chemischer Substanzen“ starben. Sollte sich dies als richtig herausstellen, hätte die Türkei damit gegen die auch von ihr unterzeichnete Chemiewaffenkonvention verstoßen.

    Politiker unterschiedlicher Parteien fordern nun Aufklärung. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum eine Obduktion der Leichen von PKK-Kämpfern angeordnet wird, aber die Ergebnisse unter Verschluss gehalten werden“, sagte die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth Spiegel Online. Sie erwarte eine „unabhängige Untersuchung“. Auch CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz sprach sich für eine Untersuchung unter internationaler Beteiligung aus.

    Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Abrüstung und Rüstungskontrolle, Uta Zapf (SPD), will Bundesaußenminister Guido Westerwelle auffordern, eine Untersuchung durch die Organisation für das Verbot chemischer Waffen zu veranlassen, die die Einhaltung der Chemiewaffenkonvention überwacht. „So eine Untersuchung hat es aber in der Vergangenheit noch nie gegeben“, sagte Zapf der taz.

    Die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges wies darauf hin, dass der Verdacht, dass die Türkei im Kampf gegen die PKK Chemiewaffen einsetze, seit Langem existiere. Ein Nachweis sei aber bisher nicht möglich gewesen. Dies könnte sich nun ändern. Zumal der taz bereits neue Bilder vorliegen, auf denen möglicherweise die Leichen von sechs weiteren PKK-Rebellen zu sehen sind. Auch diese Fotos werden nun geprüft.

    Das türkische Außenministerium wies laut taz alle Vorwürfe zurück. Im Arsenal der Streitkräfte befänden sich keine biologischen oder chemischen Waffen, heißt es aus Ankara.
    Quelle: