{"id":979,"date":"2010-09-06T08:45:37","date_gmt":"2010-09-06T06:45:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=979"},"modified":"2010-09-06T08:45:37","modified_gmt":"2010-09-06T06:45:37","slug":"wie-die-weltpresse-uber-sarrazin-urteilt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/09\/06\/wie-die-weltpresse-uber-sarrazin-urteilt\/","title":{"rendered":"Wie die Weltpresse \u00fcber Sarrazin urteilt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie die Weltpresse \u00fcber Sarrazin urteilt<\/strong><br \/>\nVON DANA SCH\u00dcLBE &#8211; zuletzt aktualisiert: 03.09.2010<\/p>\n<p>Berlin (RPO). Schadet Thilo Sarrazin mit seinen Thesen dem Ansehen der Deutschen in der Welt? Das ist die Frage, die sich die Politik in Berlin dieser Tage stellt. Und zwar so sehr, dass sich die Kanzlerin veranlasst sah, in einer t\u00fcrkischen Zeitung Stellung dazu zu nehmen. Die Sorge ist nicht ganz unbegr\u00fcndet, denn die Auslandspresse berichtet seit Tagen reichlich \u00fcber Sarrazin &#8211; aber nicht immer im negativen Sinne.<\/p>\n<p>Sarrazins Argument, Deutschland werde durch t\u00fcrkische und andere muslimische Einwanderer d\u00fcmmer, sei &#8222;Unsinn&#8220;, sagte Merkel der t\u00fcrkischen Zeitung &#8222;H\u00fcrriyet&#8220;. Sie k\u00f6nne Sarrazins \u00c4u\u00dferungen nicht akzeptieren. Mit dem Interview geht die Kanzlerin einen ungew\u00f6hnlichen Weg, um das Ansehen der Deutschen zu wahren.<\/p>\n<p>Schon am Donnerstag hatte Bundespr\u00e4sident Christian Wulff im Zusammenhang mit Sarrazins Position als Bundesbank-Vorstand erkl\u00e4rt, dass der Vorstand der Bundesbank einiges tun kann, um Deutschland vor allem auch international nicht zu schaden. In den t\u00fcrkischen Zeitungen jedenfalls wurde der Fall sehr stark diskutiert. Viele bezeichneten Sarrazin als &#8222;Rassisten&#8220;.<\/p>\n<p>Schlagzeilen bis in die USA<\/p>\n<p>Doch nicht nur in der muslimischen Welt wurde das Thema aufgegriffen. Von Italien \u00fcber die Schweiz bis D\u00e4nemark, Gro\u00dfbritannien oder die USA &#8211; \u00fcberall auf der Welt wird von dem deutschen Bundesbank-Vorstand berichtet, der gegen Muslime und Juden wettert. So etwa in Polen. Dort titelte die Zeitung &#8222;Gazeta Wyborcza&#8220;: &#8222;Der Bundesbank-Rassist&#8220;.<\/p>\n<p>Oftmals sind die Artikel sehr sachlich verfasst und beschreiben die Diskussion in Deutschland. Auch werden immer die Gegenargumentationen angebracht. So zitiert etwa die renommierte &#8222;New York Times&#8220; Au\u00dfeniminister Guido Westerwelle, der gesagt hatte, Sarrazins \u00c4u\u00dferungen h\u00e4tten keinen Platz in der politischen Diskussion. Oder Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der erkl\u00e4rte, jede Provokation hat seine Grenzen.<\/p>\n<p>Die US-Zeitung &#8222;Huffington Post&#8220; gibt sich ebenfalls sachlich, konstatiert aber: &#8222;Sarrazin wusste sehr gut, dass sein Land seit dem Holocaust kein bisschen tolerant gegen\u00fcber antisemitischen Bemerkungen ist und dass viele Immigranten in Deutschland sich \u00fcber rassitische Bemerkungen und ausl\u00e4nderfeindliches Verhalten beschweren.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Guardian&#8220; schreibt von &#8222;Geschw\u00e4tz&#8220;<\/p>\n<p>\u00c4hnlich geht auch die italienische &#8222;La Stampa&#8220; in die Diskussion. Dort hie\u00df es, Sarrazin habe mit seinem Buch das Schweigen gebrochen, das bisher \u00fcber den offenen Nerven Deutschlands gelegen habe. Zugleich habe die Nebeneinanderstellung von Juden und T\u00fcrken nichts anderes als einen Kurzschluss verursacht, f\u00fcr den Sarrazin zahlen muss.<\/p>\n<p>Kommentierend wird der britische &#8222;Guardian&#8220;. Dort schreibt der Autor Deniz Y\u00fccel \u00fcber seine Erfahrungen &#8211; und vor allem \u00fcber seine Familie. Er fragt, wen denn Sarrazin mit seinen Thesen meine, dass die Immigranten sich nicht integrieren wollen. &#8222;Er kann nicht meine Schwester Ilkay meinen, die jedes Jahr Weihnachten feiert&#8220;, konstatiert er. Und es k\u00f6nne auch nicht seine Kollegin sein, die sich bei der Fu\u00dfball-WM mit den deutschen Nationalfarben schm\u00fcckte.<\/p>\n<p>Y\u00fccel nennt Sarrazins \u00c4u\u00dferungen &#8222;Geschw\u00e4tz&#8220;, dass nichts mit dem Leben der Immigranten zu tun hat. Und er sagt, dies sei die Ursache daf\u00fcr, dass sich viele &#8222;angeekelt&#8220; f\u00fchlen, wie die &#8222;H\u00fcrriyet&#8220; konstatiert habe.<\/p>\n<p>Israel widmet sich &#8222;Gen-Theorie&#8220;<\/p>\n<p>Ganz anders und \u00fcberraschend geht die israelische Zeitung &#8222;Haaretz&#8220; an das Thema heran. Sie berichtete \u00fcber Sarrazins \u00c4u\u00dferungen, ver\u00f6ffentlichte aber zugleich einen Artikel unter der \u00dcberschrift &#8222;J\u00fcdische Gen-Theorien schlagen Wellen in Deutschland, in Israel sind sie unbemerkt&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Ein j\u00fcdisches Gen -es ist unglaublich, dass die Rassentheorie weiter Einfluss in Deutschland hat&#8220;, schreibt &#8222;Haaretz&#8220; zwar. Anschlie\u00dfend aber konstatiert die Zeitung: &#8222;Jetzt lesen sie die folgende Perle: &#8218;Ein Konvertit, der zu den Orthodoxen konvertiert, hat das j\u00fcdische Gen. Wenn er nicht zu den Orthodoxen konvertiert, hat er nicht das j\u00fcdische Gen.'&#8220;<\/p>\n<p>Dieser Ausspruch, so schreibt die Zeitung, stammt aus einem Interview mit dem israelischen Innneminister Eli Yishai in der &#8222;Jerusalem Post&#8220;. Und sie merkt an, dass grunds\u00e4tzlich niemand aus dem Stuhl zu fallen brauche, indem er Yishais Kommentar auf ausl\u00e4ndische Arbeiter und ihre Kinder beziehe. Yishai habe dies im Zusammenhang mit \u00c4u\u00dferungen \u00fcber die Pal\u00e4stinenser ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Und in D\u00e4nemark wird die Diskussion auf das eigene Land bezogen. So schreibt die konservative Zeitung &#8222;Berlingske Tidende&#8220;, D\u00e4nemark habe rechtzeitig Umsicht gezeigt und die Ausl\u00e4nderpolitik so versch\u00e4rft, dass sich der Einsatz auf eine bessere soziale und kulturelle Integration beziehen konnte. Und Sarrazins Buch habe zwar mit primitiven und wenig nuancierten Gesichtspunkten Furore gemacht. Es zeige aber auch die Unvermeidlichkeit der Debatte.<\/p>\n<p>URL: www.rp-online.de\/politik\/deutschland\/Wie-die-Weltpresse-ueber-Sarrazin-urteilt_aid_902054.html<br \/>\nDiskussion um Migranten-Thesen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie die Weltpresse \u00fcber Sarrazin urteilt VON DANA SCH\u00dcLBE &#8211; zuletzt aktualisiert: 03.09.2010 Berlin (RPO). Schadet Thilo Sarrazin mit seinen Thesen dem Ansehen der Deutschen in der Welt? Das ist die Frage, die sich die Politik in Berlin dieser Tage stellt. 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