{"id":973,"date":"2010-09-06T08:48:21","date_gmt":"2010-09-06T06:48:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=973"},"modified":"2023-04-02T12:50:55","modified_gmt":"2023-04-02T09:50:55","slug":"der-islam-als-modeinspiration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/09\/06\/der-islam-als-modeinspiration\/","title":{"rendered":"Der Islam als Modeinspiration"},"content":{"rendered":"<p>T-Shirt als Protest: Mit \u201cI love my Prophet\u201c begann die Geschichte des Labels<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-985\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/BD46B0FD-622C-49F9-ACA9-BE65A5CBF47Dg174_4.jpg\" alt=\"\" width=\"174\" height=\"222\" \/><\/p>\n<p><strong>Der Islam als Modeinspiration<\/strong><br \/>\n<strong> Leute, macht Tee, keinen Krieg<\/strong><br \/>\nMelih Kesmen und seine Frau Yeliz sind K\u00e4mpfer f\u00fcr ihren Glauben: Ihre Waffen sind T-Shirts, Schl\u00fcsselanh\u00e4nger und das Internet. Die Artikel des deutschen Paares mit t\u00fcrkischen Wurzeln sind vor allem unter jungen T\u00fcrken zu Verkaufsschlagern geworden.<\/p>\n<p>Von Peter-Philipp Schmitt<\/p>\n<p>Stolz auf die Religion: Humorvoll wirbt Styleislam f\u00fcr mehr Toleranz<\/p>\n<p>05. September 2010<\/p>\n<p>Vor der T\u00fcr liegt ein roter Fu\u00dfabstreifer mit wei\u00dfem Kreuz. \u201eDas ist zu Ehren der Schweiz\u201c, sagt Melih Kesmen und lacht. \u201eDie m\u00f6gen wir nach dem Minarettverbot ja ganz besonders.\u201c Jeder, der das Modelabel \u201eStyleislam\u201c in Witten besucht, tritt die Flagge der Eidgenossen mit F\u00fc\u00dfen. Vermutlich liegt die Schweiz-Matte vor einigen deutschen T\u00fcren, doch erst vor diesem Eingang bekommt der kleine Seitenhieb auf unsere Nachbarn eine Bedeutung, die ihm eigentlich nicht geb\u00fchrt. Denn Melih Kesmen und seine Frau Yeliz sind zwar K\u00e4mpfer f\u00fcr ihren Glauben; ihre Waffen aber sind T-Shirts, Schl\u00fcsselanh\u00e4nger, Kopftuchnadeln und das Internet.<\/p>\n<p>Die Geschichte ihres Unternehmens beginnt in England. Nach dem Studium (er studierte Grafikdesign in Dortmund, sie in Bochum) lebt das junge deutsche Paar f\u00fcr zwei Jahre in London. Das erste Jahr dort, 2005, ist besonders ereignisreich: Zuerst erleben die beiden die Terroranschl\u00e4ge auf drei U-Bahn-Z\u00fcge und einen Doppeldeckerbus im Juli; kurz danach erscheinen die Mohammed-Karikaturen in einer d\u00e4nischen Zeitung, und es kommt zu gewaltt\u00e4tigen Protesten auf der ganzen Welt; schlie\u00dflich gehen Yeliz und Melih Kesmen mit Freunden auf eine Pilgerfahrt nach Mekka und Medina. \u201eF\u00fcr die Reise gab es kein Schl\u00fcsselerlebnis\u201c, sagt die Drei\u00dfigj\u00e4hrige. \u201eAuf der Fahrt aber gab es viele.\u201c<br \/>\n\u201eWir sind Deutsche, aber eben auch Muslime\u201c<\/p>\n<p>Schl\u00fcsselerlebnis Pilgerfahrt: Demn\u00e4chst er\u00f6ffnen Melih Kesmen und seine Frau Yeliz ihr erstes Gesch\u00e4ft &#8211; in Medina<\/p>\n<p>Die junge Mutter (Sohn Isaak ist zwei) tr\u00e4gt seither Kopftuch. Das Warum konnte sich zun\u00e4chst nicht einmal ihr Mann erkl\u00e4ren. Nur Yeliz&#8216; Gro\u00dfmutter trug noch ein Kopftuch; ihre Mutter, Tanten, Schwestern lehnen das Textil ab. F\u00fcr Yeliz dagegen rundet es das Muslimin-Sein erst ab. \u201eWenn man mich dazu aber zwingen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich es bestimmt nicht tragen.\u201c Erst seit sie sich durch das Kopftuch als Muslimin sofort zu erkennen gibt, ist auch ihr Mann zum \u201eT\u00fcrken\u201c geworden. \u201eFr\u00fcher dachten viele, er sei halt so ein K\u00fcnstlertyp mit langen schwarzen Haaren und Bart. Mit mir an seiner Seite ist er nun f\u00fcr die meisten kein Deutscher mehr.\u201c Dabei kennen die beiden die T\u00fcrkei kaum, und Yeliz spricht nicht mal besonders gut T\u00fcrkisch. \u201eWir sind Deutsche, aber eben auch Muslime.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr beide ist es schwer zu ertragen, dass ihre Religion von angeblichen Glaubensbr\u00fcdern und -schwestern missbraucht wird. Den 35 Jahre alten Melih Kesmen emp\u00f6rten die brennenden d\u00e4nischen Fahnen und Botschaftsgeb\u00e4ude nach der Ver\u00f6ffentlichung der Mohammed-Karikaturen. Mit Gewalt k\u00f6nne man sich doch nicht f\u00fcr den Islam einsetzen, fand er. So schrieb Kesmen auf ein T-Shirt: \u201eI Love My Prophet\u201c, darunter setzte er das arabische Zeichen f\u00fcr \u201eMohammed\u201c. Damit seien sie mit der U-Bahn durch London gefahren, erz\u00e4hlt Yeliz Kesmen, nach East London, wo viele Pakistaner leben: \u201eDie waren begeistert, die haben ihm das Shirt fast vom Leibe gerissen.\u201c<\/p>\n<p>Eine Gesch\u00e4ftsidee war geboren. Zur\u00fcck in Deutschland entwickelten die beiden 30 Motive, die sie seither auf T-Shirts, aber auch etwa auf Schl\u00fcsselanh\u00e4nger drucken: \u201eTerrorism Is No Religion\u201c, \u201eMuslim By Nature\u201c (unter dem Schriftzug ist eine Babyflasche zu sehen) oder \u201eMake \u00c7ay Not War\u201c (Macht Tee, keinen Krieg). Viele ihrer Botschaften richten sich direkt an Muslime: \u201eDu&#8217;a &#8211; The Weapon Of The Believer\u201c (Bittgebete &#8211; die Waffen eines Gl\u00e4ubigen) oder auch \u201eHijab &#8211; My Right, My Choice, My Life\u201c (Das Kopftuch &#8211; mein Recht, meine Entscheidung, mein Leben) sind zu Verkaufsschlagern vor allem unter jungen T\u00fcrken geworden. Und das \u00fcberall auf der Welt.<\/p>\n<p>An die 40.000 Fans und Freunde hat Styleislam inzwischen bei Twitter und Facebook. Melih Kesmen spricht von der \u201ecommunity\u201c. Sie bekommt neue Motive als Erste zu sehen und darf dar\u00fcber abstimmen. Sie beklagt sich aber auch, dass das junge Unternehmen mit der Produktion nicht nachkommt und ihr Internetshop bislang nur in Deutschland funktioniert. Gerade herausgekommen sind die Q-Bla-Bags (Q-Bla, auch Qibla, steht f\u00fcr die Gebetsrichtung zur Kaaba in Mekka). An den Taschen aus Lastwagen-Plane mit ihren Riemen aus Sicherheitsgurten sind echte Gebetsteppiche mit Klettverschl\u00fcssen befestigt &#8211; \u201ezum Beten oder Picknicken\u201c, wie Melih Kesmen sagt.<br \/>\n\u201eWir wollen keinen Streit, wir wollen den Dialog\u201c<\/p>\n<p>West und Ost, Orient und Okzident: Die Kesmens bem\u00fchen sich stets, dass sich ihre beiden unterschiedlichen Wurzeln auch in ihren Produkten wiederfinden. \u00c4rger bleibt nicht aus: Das T-Shirt mit der Aufschrift \u201eJesus Was A Muslim\u201c haben sie nach Protesten aus Bayern aus dem Programm genommen. Auch der Aufdruck \u201eJuma\u201c (f\u00fcr Freitagsgebet) verschwand nach einer Klage vom m\u00e4chtigen Sportartikelhersteller Puma von den Textilien. Man einigte sich au\u00dfergerichtlich. \u201eWir wollen keinen Streit, wir wollen den Dialog\u201c, sagt Melih, der zurzeit mit zwei Modedesignerinnen in Istanbul an einer ganzen Frauenlinie arbeitet.<\/p>\n<p>Demn\u00e4chst er\u00f6ffnet Styleislam sein erstes Gesch\u00e4ft (in Medina), ein zweites soll in Dortmund folgen. Dass sie ausgerechnet in Medina ihren ersten Laden er\u00f6ffnen, haben sie dem Fu\u00dfball-Nationaltorwart Saudi-Arabiens zu verdanken, Mohammed Khojah. Er war von Styleislam so angetan, dass er zum Franchisenehmer wurde. Besonders stolz sind Yeliz und Melih Kesmen, dass ihr Label bald in der Stadt des Propheten vertreten sein wird, auch wenn, wie Yeliz Kesmen emp\u00f6rt hinzuf\u00fcgt, Frauen dort ja nicht mal Auto fahren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Weitere Informationen: www.styleislam.de<\/p>\n<p>Text: F.A.S.<br \/>\nBildmaterial: Kai Nedden, Styleislam<\/p>\n<p>Quelle: <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T-Shirt als Protest: Mit \u201cI love my Prophet\u201c begann die Geschichte des Labels Der Islam als Modeinspiration Leute, macht Tee, keinen Krieg Melih Kesmen und seine Frau Yeliz sind K\u00e4mpfer f\u00fcr ihren Glauben: Ihre Waffen sind T-Shirts, Schl\u00fcsselanh\u00e4nger und das Internet. 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