{"id":951,"date":"2010-09-03T08:23:01","date_gmt":"2010-09-03T06:23:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=951"},"modified":"2023-04-02T00:30:32","modified_gmt":"2023-04-01T21:30:32","slug":"stellungnahme-zum-kampf-im-klassenzimmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/09\/03\/stellungnahme-zum-kampf-im-klassenzimmer\/","title":{"rendered":"Stellungnahme zum \u201eKampf im Klassenzimmer\u2026\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Am 21 Juli 2010 sendete die ARD kurz nach Mitternacht den Film <strong>\u201eKampf im Klassenzimmer: Deutsche Sch\u00fcler in der Minderheit\u201c<\/strong> und hat \u00e4hnlich wie Sarrazin die Nation in Aufruhr gesetzt. Die einen sehen sich wieder mal best\u00e4tigt und sagen<em>:<strong> <\/strong><\/em><em><strong>\u201eSchluss mit dem Multi-Kulti Kurs\u201c<\/strong><\/em><em>. Und fordern einen Schlussstrich unter die Integrationsdebatte. Andere mahnen zur Besonnenheit. Und Diejenigen, die da beschuldigt werden ducken sich und lassen es, wieder einmal, \u00fcber sich ergehen. Nach Thilo Sarrazin (SPD), Peter Trapp (CDU) und Markus Ferber (CSU), ist es die t\u00fcrkischst\u00e4mmige\u00a0 G\u00fcner Balci, welche die Ursachen der gesellschaftlichen Misere bei den Muslimen zu suchen versucht. Und dass es gerade eine t\u00fcrkischst\u00e4mmige ist, freut nat\u00fcrlich besonders bestimmte Kreise der Deutschen Gesellschaft. Und Frau Balci wei\u00df warum sie mit \u201egespaltener Zunge\u201c spricht. Es ist der pers\u00f6nliche Ehrgeiz der Frau Balci. Um in Deutschland erfolgreich sein zu k\u00f6nnen, muss Sie sich geh\u00f6r verschaffen. Dies kann Sie aber nur wenn Sie die T\u00fcrken, die Araber und die Muslime im Allgemeinen dem\u00fctigt, sie an die Wand stellt und somit die Last der gesellschaftlichen Misere auf die Schultern der schw\u00e4chsten dieser Gesellschaft bel\u00e4dt. Erfolg auf dem R\u00fccken der Schwachen also?<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em><strong>Zum Inhalt des Filmes:<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-952\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/kampf_im_klassenzimmer.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" \/>Der Film ist eine Dokumentation \u00fcber die Situation an der Hauptschule in Essen-Karnap, an der 70% von insgesamt 156 Sch\u00fclern einen Zuwanderungshintergrund haben. Diese Schule soll aber sicherlich als Beispiel f\u00fcr viele \u00e4hnlich gelegene F\u00e4lle sein. Der Film f\u00e4ngt mit den Worten an:<\/em><em> <\/em><em><strong>\u201eImmer mehr Deutsche sind weggezogen. Es ist schwieriger geworden f\u00fcr deutsche Sch\u00fcler\u201c<\/strong><\/em><em>.<\/em><em> <\/em><em>Gefolgt von folgender Bemerkung:<\/em><em> <\/em><em><strong>\u201eSeit die Religion den Schulhof erobert hat, hat sich viel ver\u00e4ndert. Der traditionelle Islam pr\u00e4gt das Bild der Schule. Es ist schwieriger geworden f\u00fcr deutsche Sch\u00fcler.\u201c<\/strong><\/em><em> <strong>\u201eDeutsche und t\u00fcrkische Sch\u00fcler waren mal Freunde. Die deutschen ziehen sich nun zur\u00fcck\u201c<\/strong>. <strong>\u201eDie Probleme h\u00e4ufen sich, seit die deutschen Sch\u00fcler in der Minderheit sind<\/strong>\u201c.<\/em><em> <\/em><em>Es sind vor allem diese und \u00e4hnliche Bemerkungen der Filmemacherin, welche zum einen die Glaubw\u00fcrdigkeit in Frage stellt und zum anderen stark polarisiert. Es werden einige Sch\u00fcler vorgestellt. Sebastian, ein stabiler junger Mann, der nach eigenen Angaben und den seiner Mutter von den muslimischen Sch\u00fclern gemobt wird. Die einzige Sch\u00fclerin die sich mit den muslimischen Kindern versteht ist Julia. Und ausgerechnet Sie ist zum Islam konvertiert; also ein verlorenes Schaf? Scherin auf der anderen Seite versteht sich gut mit den Deutschen und die wird dann angeblich deshalb von den eigenen Leuten angegriffen. Weitere bedenkenswerte Aussagen der Filmemacherin sind:<\/em><em> <\/em><em><strong>\u201eEs gibt wenig was die beiden Gruppen verbindet.\u201c \u201eEs ist nicht einfach, die beiden Gruppen zusammenzubringen. Ein Problem sind die fehlenden Sprachkenntnisse von Migranten\u201c. \u201eAuf dem Schulhof sind wenig Gemeinsamkeiten. Muslimische M\u00e4dchen und Jungen sind getrennt in verschiedenen Ecken des Schulhofes.\u201c<\/strong><\/em><em> <\/em><em>Und bezeichnend ist die folgende Aussage: <\/em><em><strong>\u201eDie wenigen deutschen Sch\u00fcler sind am Rande des Schulhofes.\u201c<\/strong><\/em><em> <\/em><em>(Die Kamera schwenkt zu einer Gruppe von 3-4 deutschen Jugendlichen). Die Kameraf\u00fchrung kombiniert mit den stark polarisierenden und vorurteilsbehafteten Kommentaren machen den Film sehr bedr\u00fcckend, kalt und finster. Es macht regelrecht Angst. Auf die Frage warum Sie getrennt sind geben die muslimischen M\u00e4dchen folgendes zur Aussage:<\/em><em> <\/em><em><strong>\u201eWir verstehen uns halt besser mit den eigenen Leuten, weil wir aus verschiedenen Kulturen kommen\u201c<\/strong><\/em><em>.<\/em><em> <\/em><em>Die deutschen Sch\u00fcler geben als Grund an: <\/em><em><strong>\u201eSie verstehen nicht warum wir besser sind. Sie akzeptieren halt nicht. dass jeder seine F\u00e4higkeiten hat, oder halt keine F\u00e4higkeiten, und dann werden die brutal\u201c. Mann wird als Nazi beschimpft, nur weil Mann seine Meinung sagt.\u201c <\/strong><\/em><em>Mann hat hier und an anderer Stelle das Gef\u00fchl das die Worte den Sch\u00fclern in den Mund gelegt werden. Das Kommentar der Filmemacherin:<\/em><em><strong> <\/strong><\/em><em><strong>\u201eR\u00fcckzug, die deutschen Sch\u00fcler haben sich zur\u00fcckgezogen.\u201c<\/strong><\/em><em> <\/em><em>R\u00fcckzug<\/em><em> <\/em><em>sei nach Sebastians <\/em><em>Aussage die einzige M\u00f6glichkeit der Gewalt zu entkommen. Er sei oft von muslimischen Sch\u00fclern verpr\u00fcgelt worden (nach seiner Statur her ist dies aber kaum zu glauben). Kommentar der Filmemacherin: <\/em><em><strong>\u201eDeutsche Sch\u00fcler sind in der Minderzahl und sind einem starken Druck ausgesetzt\u201c<\/strong><\/em><em>. <\/em><em>Immer und Immer wieder kommen diese Kommentare, das die Deutschen in der Minderzahl sind, sich zur\u00fcckziehen m\u00fcssen, gemobbt werden, beschimpft werden ect. Wenn mann es nicht besser w\u00fcsste w\u00fcrde man glauben, Sie beschreibt die Situation der Schwarzen in Hoyerswerde und anderswo in Deutschland. Im Film kommt auch der arabische Muttersprachenlehrer Rafik Succari zu Wort der best\u00e4tigt, dass die Deutschen nicht besonders beliebt sind bei den arabischen Kindern, obwohl nach seiner Aussage sie doch von den Deutschen <strong>alles<\/strong> bekommen: \u201eIhr bekommt eure Kleidung, euer Essen von den Deutschen\u201c. (Der Arabischlehrer wirkt nicht glaubhaft in seinen Aussagen, vielmehr sind es allgemeine Spr\u00fcche um gut dazustehen. Mich wundert, warum der ebenfalls an dieser Schule t\u00e4tige t\u00fcrkische Muttersprachenlehrer, der sehr gut Deutsch spricht und hier studiert hat nicht interviewt wurde?\u00a0 Weil er vielleicht anderer Meinung war als die Filmemacherin?) Weitere Kommentare folgen: <\/em><em>\u201e<strong>Muslimische Glaube hat die Schule erobert. Neu ist dass strenge muslimische Sitten und Gebr\u00e4uche zum Alltag geh\u00f6ren. das gab es bis vor einigen Jahren nicht\u201c.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Und schlie\u00dflich kommt, wie kann es anders sein, auch das Thema <\/em><em><strong>\u201eZwangsheirat\u201c<\/strong><\/em><em> i<\/em><em>ns Gespr\u00e4ch. Eine deutsche Sch\u00fclerin spricht:<\/em><em> <\/em><em><strong>\u201eDie werden gezwungen zu heiraten, ob du willst oder nicht<\/strong><\/em><em>. <strong>F\u00fcr die ist es ja eh so, dass Sie nach der 10. Klasse eh verheiratet werden und Kinder bekommen und gut ist\u201c.<\/strong> <\/em><em>Kommentar: <\/em><em><strong>\u201eNur wenige muslimische Jugendliche haben Bildungsehrgeiz. Gutes Aussehen und K\u00f6rperpflege ist dem muslimischen M\u00e4nnern sehr wichtig\u201c.<\/strong><\/em><em> <\/em><em>Ein weiterer Kommentar nach einer Diskussionsrunde in der Klasse \u00fcber deutsche M\u00e4dchen, muslimische M\u00e4dchen, die Ehre ect.<\/em><em> <\/em><em><strong>\u201eIm Namen der Ehre: deutsche M\u00e4dchen sind schlampen, muslimische M\u00e4dchen sind sauber\u2026Das Vokabular markiert die Trennung deutlich\u201c. \u201eAlles Deutsche ist schlecht. Das musste sich Brigitte H. immer wieder anh\u00f6ren\u201c. <\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Kommentare zum Film:<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Frank Stenglein von der WAZ redet von einer seri\u00f6sen Dokumentation. Zitat:<\/em><em> <\/em><em><strong>\u201e<\/strong><\/em><strong>Die ARD-Dokumentation \u201eKampf im Klassenzimmer\u201c hat ebenso drastisch wie seri\u00f6s vorgef\u00fchrt, wie es in manchen Ecken der Stadt um die Inte\u00adgration bestellt ist, wie unverhohlen sich vor allem gro\u00dfe Teile der libanesischen Community in Essen in einer Parallelwelt eingerichtet haben\u2026.Sch\u00fcler mit arabischen und t\u00fcrkischen Wurzeln, die eine respektlose, brutale und frauenfeindliche Schreckensherrschaft etablierten, deutsche Sch\u00fcler in der Minderheit, die zu kuschen hatten, dazu hilflose Eltern und ratlose Lehrer\u201c<\/strong><\/p>\n<p>). <em>W\u00fcrde man diese \u00c4u\u00dferung von Herrn Stenglein in die allgemein verst\u00e4ndliche Form (wie ich es verstehe) \u00fcbersetzen so hie\u00dfe das: <\/em><em><strong>\u201e<\/strong><\/em><strong>Die ARD-Dokumentation \u201eKampf im Klassenzimmer\u201c hat uns die Augen ge\u00f6ffnet und uns gezeigt, dass die Integration gescheitert ist. Die Libanesen haben sich hier bei uns eingenistet und leben in Ihrer eigenen Welt. Die arabischen und t\u00fcrkischen Sch\u00fcler sind brutal, respektlos, frauenfeindlich\u2026und wir Deutschen sind die Opfer.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der SPD Ratsmitglied und integrationspolitisch engagierter Manfred Reil sagt im selben Artikel fast dasselbe wie Herr Stenglein: <strong>\u201e<\/strong><strong>Alles, was der Film gezeigt hat, stimmt. Das ist leider die Realit\u00e4t\u201c.\u00a0 Der Sozialdemokrat r\u00e4umt ein, manchmal das Gef\u00fchl zu haben \u201egegen Windm\u00fchlenfl\u00fcgel zu k\u00e4mpfen\u201c.<\/strong> Resignation auf der ganzen Linie?<\/p>\n<p>Liest man diesbez\u00fcgliche Foren im Internet, in der die Anonymit\u00e4t dazu ausgenutzt wird die versteckten Hassgef\u00fchle aufbrechen lassen, so \u00fcberwerfen sich die Menschen im moderatesten Falle mit <strong>\u201eSchluss mit Integration\u201c<\/strong> Parolen. Bezeichnend f\u00fcr den Effekt des Filmes bei der Bev\u00f6lkerung ist der folgender Beitrag: <strong>\u201eDie blo\u00dfe Zustandsbeschreibung der Verh\u00e4ltnisse an einer Essener Hauptschule, in der eine Handvoll Restdeutscher als diskriminierte Minderheit einer tonangebenden t\u00fcrkisch-arabischen Mehrheit gegen\u00fcbersteht und nur die Wahl zwischen Flucht, Wegducken oder Anpassung an das Wertesystem der dominierenden Einwandererkultur hat, bedeutet n\u00e4mlich eine Totaldemontage der regierungsamtlich gepflegten Integrationsphraseologie. Multikulturalismus funktioniert nicht \u2013 es gibt kein konkurrenzloses Nebeneinander widerstreitender Kulturen. Weigert sich die Aufnahmegesellschaft aus Schw\u00e4che, eine Leitkultur vorzugeben, wird dieses Machtvakuum von anderen gef\u00fcllt. Dann herrscht eben statt der deutschen eine islamische Leitkultur. Es ist bezeichnend, dass es einer in Deutschland aufgewachsenen Tochter t\u00fcrkischer Einwanderer bedarf, um auf diesen un\u00fcbersehbaren Zusammenhang hinzuweisen.\u201c <\/strong><\/p>\n<p>Es gibt aber auch andere Stimmen, die den Film etwas differenzierter analysieren (Ausz\u00fcge aus: . Im Schulverwaltungsamt sagt Schulamtsdirektor Klaus Leman\u00adczyk etwa: <strong>\u201eDer Film ist wegen seiner direkten Art kontraproduktiv\u201c,. So sei fraglich, ob die Lehrerin Brigitta Holford, die im Film breit zu Wort kommt, gut beraten war, mit der Klasse das Thema Sexualit\u00e4t und Frauenfeindlichkeit zu diskutieren. \u201eDamit erreicht man doch keine Akzeptanz.\u201c Und wenn ein muslimischer Sch\u00fcler in der Hauswirtschaftsstunde w\u00e4hrend der Ramadan-Zeit ins Essen spuckt, m\u00fcsse sich die Lehrkraft fragen, \u201eob sie mit gen\u00fcgend Fingerspitzengef\u00fchl an das Thema herangegangen ist\u201c, denn: \u201eMan kann ja w\u00e4hrend des Ramadan auch mal Theorie machen.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Hart geht auch der der p\u00e4dagogische Leiter des B\u00fcros f\u00fcr Interkulturelle Arbeit (RAA), Helmuth Schweitzer, mit dem Film und der t\u00fcrkisch-st\u00e4mmigen Filmemacherin G\u00fcner Balci ins Gericht: <strong>\u201eMan kennt ja die Autorin und h\u00e4tte wissen k\u00f6nnen, was dabei herauskommt\u201c, so Schweitzer. Besser w\u00e4re wohl gewesen, wie 50 andere Hauptschulen die Drehgenehmigung zu verweigern. \u201eDer Film ist nicht differenziert genug. Was soll der voyeuristische Blick auf diese Schule bringen?\u201c Es sind wohl solche Meinungen, die die ebenso engagierte wie leidgepr\u00fcfte Lehrerin Brigitta Holford meinte, als sie im Film forderte, endlich das Gesundbeten einzustellen: \u201eEs muss offen geredet werden!\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ist der Film wirklich nur eine Zustandsbeschreibung?<\/strong><\/p>\n<p>Ist die in &#8222;Kampf im Klassenzimmer&#8220; gezeigte Situation an der Karnaper Schule eine Momentaufnahme unserer Gesellschaft oder doch nur ein Zerrbild? Eins, wie es der Filmemacherin f\u00fcr Ihren pers\u00f6nlichen Erfolg dienlich ist? Nun, der Filmemacherin will ich dies nicht direkt vorwerfen, aber schaut man sich Ihre in der Vergangenheit ver\u00f6ffentlichen Schriften an, ist dieser Gedanke gar nicht abwegig. Fangen wir mit dem Titel an: <strong>\u201eKampf im Klassenzimmer: Deutsche Sch\u00fcler in der Minderheit\u201c.<\/strong> Allein die Wahl dieses Titels soll eigentlich zum <strong>\u201eKampf aufheizen\u201c<\/strong> und \u00c4ngste sch\u00fcren. Der Satz, dass die deutschen Sch\u00fcler in der Minderzahl sind kommt im Film sehr h\u00e4ufig vor und soll somit die \u00c4ngste bei den Deutschen sch\u00fcren, dass Sie im eigenen Land nun in der Minderheit sind und an die Wand gedr\u00e4ngt werden. Und der einleitende Satz des Filmes ist ebenfalls bezeichnend f\u00fcr die Haltung der Filmemacherin G\u00fcner Balci: <strong>\u201eImmer mehr Deutsche sind weggezogen aus Karnap. Es ist schwieriger geworden f\u00fcr die deutschen Sch\u00fcler\u201c<\/strong>. Nach dieser Aussage w\u00e4re die Situation in Karnap wirklich dramatisch f\u00fcr Deutsche. Das stimmt aber nicht. Frau Balci kennt Karnap gar nicht. Ich aber kenne es, weil ich fast 15 Jahre in Karnap gelebt habe, dort 2 Kinder aufgezogen habe, die beide nun auf einem Gymnasium sind. Und wir haben uns wohl gef\u00fchlt in Karnap. Was die Situation der Hauptschule in Karnap mit fast 70% Migrantenanteil anlangt, ist dies kein Spezifikum f\u00fcr Karnap. Hauptschulen in Gro\u00dfst\u00e4dten werden allgemein als Ersatzschule f\u00fcr ausl\u00e4ndische Kinder erachtet, an die T\u00fcrken, Araber und andere Ausl\u00e4nder und nur wenige Deutsche aus den sozial benachteiligten Schichten regelrecht \u201eabgeschoben\u201c werden, weil man Sie als bildungsunwillig abgestempelt hat. Die ungesunde Mischung ist also ein schulpolitisches Problem. Und dies wurde von der Politik auch so gewollt und schulpolitisch forciert. Die Folge dieses Ungleichgewichtes der Sch\u00fclerverteilung ist die Ghettoisierung an den Hauptschulen. Und die Schuld f\u00fcr die verfehlte Schulpolitik soll dann den Migranten angelastet werden?<\/p>\n<p>In einem Punkt stimme ich mit der Filmemacherin aber \u00fcberein. Die Religiosit\u00e4t bei den Muslimen hat in den letzten Jahren zugenommen und dies wird auch \u00f6ffentlich zu Schau getragen und hat l\u00e4ngst den Schulalltag erreicht. Siehe hierzu die Debatte in Berlin, wo ein Sch\u00fcler die Schule verklagt hat, Sie m\u00f6ge Ihr ein Gebetsraum zu Verf\u00fcgung stellen. Dies mag Ihre Ursachen in den Heimatl\u00e4ndern haben, in denen die \u00f6ffentliche zur Schaustellung der Religiosit\u00e4t in den letzten Jahren einen h\u00f6heren Stellenwert bekommen hat. Es ist nun Inn Religi\u00f6sit\u00e4t offen zu zeigen; Es ist zu einem Statussymbol der regierenden Schichten geworden. Die \u00f6ffentlichen Schulen in Deutschland sollten, ohne wenn und aber zum religionsfreien Raum erkl\u00e4rt werden. Sport- und Schwimmunterricht ist ein Pflichtfach und darf keinesfalls aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden unterwandert werden. Wer daran nicht teilnimmt soll ungen\u00fcgende Leistungsnachweise bekommen. Es sollte aber weiterhin Religionsunterricht, Islamkunde und muttersprachlicher Unterricht angeboten werden. <strong>Es w\u00e4re fatal und eine Zeitbombe f\u00fcr unsere Gesellschaft wenn diese Angebote in die H\u00e4nde von Anbietern gegeben werden, die dieses Bed\u00fcrfnis nach Erlernen der Religion und auch der Muttersprache f\u00fcr politische bzw. radikal religi\u00f6se Indoktrinierungen nutzen. <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Was sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Fehlentwicklung und welche L\u00f6sungsans\u00e4tze gibt es? <\/strong><\/p>\n<p>Die L\u00f6sung des Hautschulproblems w\u00e4re die strikte Abschaffung der Hauptschulen und Ausbau der Gesamtschulen, wof\u00fcr wir als Elternverband stehen. Aber damit allein ist der hohe Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund an verschiedenen Schultypen nicht zu l\u00f6sen. Der Anteil z.B. an 15 J\u00e4hrigen Sch\u00fclern mit Migrationshintergrund in NRW betr\u00e4gt \u00fcber 30%. In Essen liegt es bei etwa 31% in Gelsenkirchen bei 39% und in Duisburg sogar bei 41%, Tendenz steigend. Hier sind also dringend differenzierte schulpolitische Ma\u00dfnahmen notwendig, um der Gettoisierung in bestimmten Stadtteilen Einhalt zu gebieten. Ob die Quotierung ein geeignetes Mittel ist um dem Problem der ungesunden Mischung Einhalt zu gebieten ist fraglich.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sollte man auch Wissen, warum Jugendliche mit Migrationshintergrund generell etwas demotivierter und damit erregter sind. Etwa 10-30%\u00a0 der Sch\u00fcler aus den weniger erfolgreichen Migrantengruppen verl\u00e4sst die Schule ohne einen Abschluss und somit null Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Aber auch die erfolgreichen Jugendlichen haben viel st\u00e4rkere Probleme einen Ausbildungsplatz zu finden, als die Vergleichgruppe der Deutschen, nicht weil Sie weniger qualifiziert sind, nein weil Sie einen anderen Namen haben. So m\u00fcssen nach einer Untersuchung von Prof. Boos-N\u00fcnning (Uni Essen) Sch\u00fcler mit einem Migrationshintergrund, bei gleichem Notendurchschnitt, 2-3 mal mehr Bewerbungen schreiben, bis sie zu einem Vorstellungsgespr\u00e4ch eingeladen werden. Noch schlimmer ist es bei den Libanesen, weil weder die Kinder noch deren Eltern einen gesicherten Aufenthaltstatus, geschweige denn einen Arbeitsplatz haben und auch nicht arbeiten d\u00fcrfen. Sie m\u00fcssen sich trotz mehrj\u00e4hrigem Aufenthalt fast monatlich bei der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde melden. Und wie soll man diesen Jugendlichen verdenken, wenn Sie resignieren, demotiviert sind und rebellieren? Warum verlassen aber z.B. 10% der t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Jugendlichen die Schule ohne einen Abschluss? Mangelnde Deutschkenntnisse? Mangelnder Integrationswille? Bildungsdefizite im Elternhaus? Oder ist es vielleicht die mangelnde Akzeptanz in der Aufnahmegesellschaft? Diese Fragen m\u00f6gen sich die Leser selber beantworten.<\/p>\n<p><strong>Elternarbeit und Integration<\/strong><\/p>\n<p>Das Integrationsproblem l\u00e4sst sich ohne eine vern\u00fcnftig Elternarbeit in Kooperation von Schulen\/Tr\u00e4gern der sozialen Wohlfahrtspflege und Verb\u00e4nden der Migrantengruppen nicht l\u00f6sen. Das Problem liegt in den Familien, sowohl bei den Deutschen als auch bei den Migranten. Die Dialogbereitschaft hat auf beiden Seiten abgenommen. Gettoisierung und die schleichende Bildung von sogenannten Parallelgesellschaften schaden dem Zusammenhalt der Gesamtgesellschaft und m\u00fcssen verhindert werden. Wir alle, Eltern, Lehrer, Rektoren, Direktoren, Politiker und Medien sollten versuchen in koordinierten Aktionen unsere Gesellschaft so lebenswert und liebenswert wie m\u00f6glich zu gestalten. Im Besonderen will ich hier auch die Rolle der Medien kurz ansprechen. In der Vergangenheit mussten wir leider feststellen, dass das Bild der Migranten in den Medien stark verzerrt dargestellt wurde und auch weiterhin wird. Sicherlich sollen Sie die Wahrheit nicht vorenthalten. Nein, Sie sollen die Wahrheit sagen, aber bitte ohne zu polarisieren. Versuchen Sie positive Beispiele f\u00fcr gelungene Integration statt negative Beispiele zu geben. <strong>Zeigen Sie den Menschen Vorbilder statt Feindbilder!<\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Was verstehen wir nun unter Integration?<\/strong><\/p>\n<p>Reicht es aus Menschen verschiedener Herkunft in eine \u201eIntegrationsmaschine\u201c hineinzustecken- und es kommen dann integrierte Einheitsmenschen heraus?\u00a0 Einheitsmenschen, die die gleiche Sprache sprechen, gleich aussehen und sogar das gleiche Denken? Ist dies Ihre Vorstellung von Integration? Wir k\u00f6nnen uns eine solche \u201eIntegrationsmaschine\u201c nicht vorstellen und auch nicht w\u00fcnschen. Nein, uns schwebt eine Integration, die es erlaubt die Vielf\u00e4ltigkeit zu erhalten und zu f\u00f6rdern ohne die Einheit und die gesellschaftliche Ordnung zu gef\u00e4hrden. Wir sollten die unterschiedlichen und nat\u00fcrlichen Entwicklungspotentiale der Kinder nicht unterdr\u00fccken, sondern Sie erkennen und f\u00f6rdern.<strong> <\/strong>In einer heterogenen Gruppe ist der soziale Hintergrund von Sch\u00fclern und Lehrern sehr unterschiedlich. Es kommt h\u00e4ufig zu Missverst\u00e4ndnissen, Vorurteilen, und dadurch zum Aufbau von Kommunikationsbarrieren. Werden diese Fehlentwicklungen nicht rechtzeitig erkannt und vorgebeugt und durch Filme wie \u201eKampf im Klassenzimmer\u201c sogar noch forciert, kommt es schlie\u00dflich zu Spannungen und Fehlentwicklungen. Das Resultat m\u00fcssen wir dann heute oder morgen alle tragen. Wir sollten uns merken: <strong>Es ist schlie\u00dflich normal ist unterschiedlich zu sein, aber nicht normal gleich zu sein<\/strong><strong>. <\/strong>Wir sollten uns auch merken: <strong>Multi-Kulti ist heute die Regel als die Ausnahme.<\/strong> <strong>Die Uhr l\u00e4sst sich nicht mehr zur\u00fcckdrehen. Wir m\u00fcssen also in einer immer st\u00e4rker globalisierten Welt mit der Pluralit\u00e4t leben, ob wir es wollen oder nicht. <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Dr. Ali Sak<\/p>\n<p>Im Namen des Vorstandes<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 21 Juli 2010 sendete die ARD kurz nach Mitternacht den Film \u201eKampf im Klassenzimmer: Deutsche Sch\u00fcler in der Minderheit\u201c und hat \u00e4hnlich wie Sarrazin die Nation in Aufruhr gesetzt. Die einen sehen sich wieder mal best\u00e4tigt und sagen: \u201eSchluss mit dem Multi-Kulti Kurs\u201c. Und fordern einen Schlussstrich unter die Integrationsdebatte. Andere mahnen zur Besonnenheit. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":952,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[322],"tags":[1936,53],"class_list":["post-951","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-editors-picks","tag-islam","tag-migranten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/951","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=951"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/951\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media\/952"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=951"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=951"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=951"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}