{"id":790,"date":"2010-08-06T08:31:29","date_gmt":"2010-08-06T06:31:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=790"},"modified":"2023-04-02T10:32:52","modified_gmt":"2023-04-02T07:32:52","slug":"deutsch-turke-in-sydney","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/08\/06\/deutsch-turke-in-sydney\/","title":{"rendered":"Deutsch-T\u00fcrke in Sydney"},"content":{"rendered":"<h3>Lizenz zum Backen<br \/>\n<em>Von Henryk M. Broder <\/em><\/h3>\n<h3>Deutsche Br\u00f6tchen und Brezeln sind der Renner in Sydney: Sieben Filialen seiner &#8222;L\u00fcneburger German Bakery&#8220; konnte der Einwanderer Ahmet Yaltirakli in wenigen Jahren er\u00f6ffnen. Jetzt weitet er sein Gesch\u00e4ft aus &#8211; und bietet Bratw\u00fcrste an.<\/h3>\n<p>Noch vor ein paar Jahren hatte Ahmet Yaltirakli &#8222;keine Ahnung, wie man Brot backt&#8220;, heute kann er allein am Geruch erkennen, ob ein &#8222;Oberl\u00e4nder&#8220; oder ein &#8222;Bauernvesper&#8220; vor ihm auf dem Tisch liegt. Backwaren sind sein Leben. Tags\u00fcber managt er seine sieben B\u00e4ckereien, nachts tr\u00e4umt er von Br\u00f6tchen und Bretzeln, Apfeltaschen und Schokoh\u00f6rnchen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-791\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/sydney_yaltirakli.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/sydney_yaltirakli.jpg 850w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/sydney_yaltirakli-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/sydney_yaltirakli-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Yaltirakli ist ein B\u00fcrger mit Migrationshintergrund. Sehr viel Migrationshintergrund. Er wurde in Istanbul geboren, ist in K\u00f6ln aufgewachsen, seit acht Jahren lebt er in Sydney. Der Herkunft nach ist er ein T\u00fcrke, dem Pass nach ein Deutscher; in seinem Herzen aber ein Australier. &#8222;Das ist ein gro\u00dfartiges Land, ich m\u00f6chte nirgendwo sonst leben.&#8220; Dennoch fliegt er jedes Jahr nach Deutschland und in die T\u00fcrkei. Heimweh nach dem Bosporus und dem Rhein? &#8222;Daf\u00fcr habe ich keine Zeit. Ich besuche nur Freunde und Verwandte.&#8220; Und Gesch\u00e4ftspartner.<\/p>\n<p>Yaltirakli ist 47, sieht aber j\u00fcnger aus. Es war elf, als er mit seiner Mutter und drei Schwestern Ende 1974 nach K\u00f6ln kam. Da war der Vater schon sechs Jahre bei Kl\u00f6ckner Humboldt-Deutz, einer der vielen &#8222;Gastarbeiter&#8220;, die in den sechziger Jahren angeworben wurden, um den Deutschen beim Wiederaufbau zu helfen. Das Wirtschaftswunder war f\u00fcr alle da.<\/p>\n<p>Ahmet lernte Deutsch, machte die Hauptschule und sollte dann ein Handwerk lernen. Elektrotechnik w\u00e4re das beste, meinten die Eltern. Die Mutter putzte bei einem t\u00fcrkischen Juwelier, der in der K\u00f6lner S\u00fcdstadt eine Werkstatt hatte. Und der sagte zu ihr eines Tages: &#8222;Schick mal deinen Sohn zu mir.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Reisefieber wegen Joachim Fuchsberger<\/strong><\/p>\n<p>Auch Ahmet fand Goldschmied viel schicker als Elektriker. Leider war der t\u00fcrkische Juwelier kein Meister und durfte nicht ausbilden. Deswegen konnte Ahmet keine Pr\u00fcfung ablegen, aber er war flei\u00dfig und hatte nach vier Jahren genug gespart, um sich selbst\u00e4ndig zu machen. 1985 richtete er bei sich daheim eine Reparaturwerkstatt ein, ein Jahr sp\u00e4ter \u00fcbernahm er einen Laden in der Weidengasse am Eigelstein, einer heruntergekommenen Gegend, die von t\u00fcrkischen Zuwanderern saniert wurde.<\/p>\n<p>Und da w\u00fcrde er heute noch stehen und Trauringe und anderen Schmuck anbieten, wenn er nicht an einem Sonntagabend daheim auf dem Sofa gelegen und ferngesehen h\u00e4tte. Eine Reportage \u00fcber Australien, von und mit Joachim Fuchsberger. Drei Tage sp\u00e4ter sa\u00df Ahmet Yaltirakli mit Frau und Sohn in einer Maschine der Qantas.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Wochen reisten sie durch Australien, und als sie wieder heimflogen, wussten sie, dass es geklickt hatte. Dreimal noch kamen sie als Touristen, 1998, 2000 und 2001, dann beschlossen sie, Australier zu werden, permanent residents mit Arbeitserlaubnis. Am 16. August 2002 kamen sie in Sydney an, im Gep\u00e4ck auch einen Koffer mit Ringen und Schmuck als Startkapital.<\/p>\n<p><strong>Misserfolg mit Eisdiele<\/strong><\/p>\n<p>Ahmet lief von Gesch\u00e4ft zu Gesch\u00e4ft und bot seine Kollektion an. &#8222;Ich hatte es mir leichter vorgestellt.&#8220; Nach ein paar Monaten gab er auf und schickte den Schmuck nach K\u00f6ln zur\u00fcck. Dann vermittelte ihm ein t\u00fcrkischer Freund eine Franchise-Lizenz bei &#8222;Australian Homemade&#8220; f\u00fcr eine Eisdiele. &#8222;Das ging v\u00f6llig in die Hose.&#8220;<\/p>\n<p>Bevor die Ersparnisse aufgebraucht waren, fiel Ahmet auf, was allen Zuwanderern nach einer Weile auff\u00e4llt: dass es in Australien &#8222;kein ordentliches Brot&#8220; gibt. Er flog nach Deutschland, sprach mit Herstellern und Exporteuren, schaute sich bei Kamps und Merzenich um, und als er dann wieder im Flugzeug nach Sydney sa\u00df, war ihm klar, wie es gehen m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Zwei Tage vor Weihnachten 2005 machte er seine erste B\u00e4ckerei auf, im Queen Victoria Building, einer 100 Jahre alten Shopping Mall in bester Innenstadtlage. Die &#8222;L\u00fcneburger German Bakery&#8220; bot ein Dutzend in Australien unbekannter Brotsorten an, dazu Croissants und Kuchen. Auf den Namen &#8222;L\u00fcneburger&#8220; kam er, weil es etwas sein sollte, das &#8222;deutsch klingt und einen Umlaut hat&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Mohn wird am Zoll zum Problem<\/strong><\/p>\n<p>Vom ersten Tag an wurde ihm alles, was er buk, aus den H\u00e4nden gerissen. Dabei wurden die Sachen nur vor Ort &#8222;aufgetaut oder aufgebacken&#8220;, denn die Ware kam tiefgek\u00fchlt aus Deutschland. Worauf es dabei ankam, war das Timing. Die Ware musste rechtzeitig geordert werden, die Container durften nicht zu lange im Hafen stehen und der Zoll wollte \u00fcber die Zutaten bescheid wissen. &#8222;Bei Mohn machten sie Probleme, Leinsamen ging gar nicht, Hefe war okay.&#8220; Es war Ahmets dritter Versuch, sich eine Existenz aufzubauen. Diesmal musste es klappen.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter betreibt Ahmet sieben &#8222;L\u00fcneburger&#8220;-Stationen in Sydney, besch\u00e4ftigt 70 Mitarbeiter, darunter auch seine Frau, und ist dabei, zwei neue Filialen aufzumachen &#8211; eine achte in Sydney und eine erste in Melbourne. Er will nicht nur expandieren, sondern auch sein Angebot ausbauen. In der neuen Location am King&#8217;s Cross wird es tags\u00fcber Backwaren und abends Bratw\u00fcrste geben.<\/p>\n<p>Ahmet arbeitet sieben Tage in der Woche von morgens bis Mitternacht; wenn er entspannen will, geht er allein essen, in die Bar Reggio oder das La Spaggia. Obwohl er Moslem ist, nimmt er es mit den Speiseregeln nicht sehr genau, das Filetto Gorgonzola schmeckt mit einem Glas Sauvignon Blanc am besten. &#8222;Religion ist Privatsache in Australien, niemand will wissen, wie dein Gott hei\u00dft.&#8220; Nur manchmal wird er gefragt, ob er ein Deutscher w\u00e4re. Von wegen &#8222;L\u00fcneburger&#8220;. Dann antwortet Ahmet Yaltirakli: &#8222;Yes, but with some Turkish background!&#8220;<\/p>\n<p>Quelle: Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lizenz zum Backen Von Henryk M. Broder Deutsche Br\u00f6tchen und Brezeln sind der Renner in Sydney: Sieben Filialen seiner &#8222;L\u00fcneburger German Bakery&#8220; konnte der Einwanderer Ahmet Yaltirakli in wenigen Jahren er\u00f6ffnen. Jetzt weitet er sein Gesch\u00e4ft aus &#8211; und bietet Bratw\u00fcrste an. Noch vor ein paar Jahren hatte Ahmet Yaltirakli &#8222;keine Ahnung, wie man Brot [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":791,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-790","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/790","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=790"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/790\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media\/791"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=790"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=790"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=790"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}