{"id":6954,"date":"2013-10-21T10:38:21","date_gmt":"2013-10-21T07:38:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/?p=6954"},"modified":"2023-04-01T23:16:01","modified_gmt":"2023-04-01T20:16:01","slug":"aus-der-deutschland-taz-linke-lebensluegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2013\/10\/21\/aus-der-deutschland-taz-linke-lebensluegen\/","title":{"rendered":"Aus der Deutschland-taz: Linke Lebensl\u00fcgen"},"content":{"rendered":"<p>Linke Lebensl\u00fcgen<\/p>\n<p>Die drei dogmatischen Mythen der deutschen Linken in Sachen Einwanderung und Integration.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6956\" alt=\"Integration\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/kotti_03.20101206-11.jpg\" width=\"300\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/kotti_03.20101206-11.jpg 624w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/kotti_03.20101206-11-300x150.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Der U-Bahnhof Kottbusser Tor in Berlin. Norbert Bolz meint, hier gebe es keine &#8222;Linken&#8220;.\u00a0 Bild: dpa<\/p>\n<p>Nicht alle Probleme, die unser Land bewegen, sind heillos komplex. Manchmal w\u00fcrden schon ein wenig historische Bildung und gesunder Menschenverstand gen\u00fcgen, um sie zu l\u00f6sen. Das zeigt sich vor allem in der Integrationsdebatte. Dass es hier keine Fortschritte gibt, liegt nicht an den Dummen und Ewig-Gestrigen, die man an den Stammtischen vermutet, sondern an den Linken. Das ist erstaunlich, denn Linke sind in der Regel intelligent und gebildet. Was ihr Denken blockiert, l\u00e4sst sich aber sehr genau bestimmen. Es sind drei dogmatische Mythen, die wir hier kurz skizzieren wollen.<\/p>\n<p>Erstens: der Mythos der Ausl\u00e4nderfeindlichkeit. Kranke Hirne unter Glatzen, Springerstiefel und Kampfhunde gibt es \u00fcberall in der Welt. Aber diese Verr\u00fcckten, f\u00fcr die wir in Deutschland aus historischen Gr\u00fcnden nat\u00fcrlich besonders sensibel sind, sollten doch nicht den Blick daf\u00fcr tr\u00fcben, dass wir in einem der ausl\u00e4nderfreundlichsten L\u00e4nder leben. Das wahre Problem, das der Mythos von der Ausl\u00e4nderfeindlichkeit verschleiert, hat der t\u00fcrkische Ministerpr\u00e4sident Erdogan im Februar auf eine pr\u00e4gnante Formel gebracht: &#8222;Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.&#8220;<\/p>\n<p>So lange diese Anti-Assimilationspolitik gilt, gibt es das Integrationsproblem. Erdogan verk\u00f6rpert ein Roll-back des heroischen Projekts von Kemal Atat\u00fcrk, die T\u00fcrkei zu modernisieren und die T\u00fcrken zu Europ\u00e4ern zu machen. Und vieles w\u00e4re gewonnen, wenn einer der klugen Repr\u00e4sentanten der t\u00fcrkischen Gemeinde einmal den Mut aufbringen w\u00fcrde, das auszusprechen.<\/p>\n<p>Der Mythos von der Ausl\u00e4nderfeindlichkeit verschleiert auch das Problem der Gewalt &#8222;mit Migrationshintergrund&#8220;. Die Linken flanieren zwar gerne durch die t\u00fcrkischen Gem\u00fcsem\u00e4rkte in ihrem &#8222;Kiez&#8220;, aber den U-Bahnhof Kottbusser Tor oder den Hermannplatz kennen sie nicht. Buschkowsky steht hier als heroischer Alleinunternehmer auf verlorenem Posten. Und die Lehrer in den Schulen der &#8222;sozialen Brennpunkte&#8220; haben l\u00e4ngst resigniert. Unter den Sch\u00fclern dort sucht man die Kinder der Linken, so sie welche haben, \u00fcbrigens vergebens. Und das k\u00f6nnte optimistisch stimmen. Denn fast jeder, der ein schulpflichtiges Kind hat, f\u00e4ngt an, vern\u00fcnftig zu werden.<\/p>\n<p>Zweitens: der Mythos des Multikulturalismus. Zwei Schlagworte markieren die festgefahrene Integrationsdebatte: &#8222;Multikulti&#8220; auf der Linken und &#8222;Leitkultur&#8220; auf der Rechten. Multikulturalismus ist das Fazit einer mit dem Kolonialismus des 19. Jahrhunderts beginnenden Selbstkritik des Westens, die das Abendland als einen Schuldzusammenhang konstruiert, aus dem uns nur &#8222;die Anderen&#8220; erl\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber dieser Multikulti-Kult der guten Anderen ist so undialektisch wie die Gegenparole &#8222;Leitkultur&#8220;. Am Multikulturalismus ist wahr, dass wir die Anderen brauchen. An der Leitkultur ist wahr, dass wir die Anderen nur anerkennen k\u00f6nnen, wenn wir unserer Toleranz eine Grenze setzen. Nur wer selbstbewusst ist, kann auch offen sein. Wer keine eigenen Werte zu verteidigen hat, kann auch nicht tolerant sein. Wahrer Multikulturalismus setzt eine Leitkultur voraus.<\/p>\n<p>DER AUTOR<\/p>\n<p>Norbert Bolz ist Medientheoretiker und Designwissenschaftler und lehrt als Professor an der TU Berlin.<\/p>\n<p>Es ist eigentlich eine ganz selbstverst\u00e4ndliche Erwartung, dass Einwanderer sich mit dem Land ihrer Wahl identifizieren. Dass Linke ein solches Bekenntnis zu Deutschland nicht erwarten, ja geradezu verabscheuen, liegt an ihrem pathologischen Verh\u00e4ltnis zum Patriotismus. Gerade hinter ostentativer Ausl\u00e4nderfreundlichkeit versteckt sich oft nichts anderes als Deutschenhass. \u00dcberhaupt dr\u00e4ngt sich beim Thema Integration der Eindruck auf: Der Kampf gegen die jetzt in &#8222;Islamophobie&#8220; umgetaufte Ausl\u00e4nderfeindlichkeit erfindet die B\u00f6sen, damit sich die Guten alles erlauben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Drittens: der Mythos von der Unmenschlichkeit des \u00f6konomischen Arguments. Wer heute nicht sieht, dass Deutschland Einwanderer braucht, ist einfach ignorant. Die Frage ist nur: welche? Dass an deutschen Universit\u00e4ten brillante K\u00f6pfe aus dem Ausland ausgebildet werden, denen nach Studienabschluss dann Arbeit und Aufenthalt verweigert werden, ist nat\u00fcrlich ein Schildb\u00fcrgerstreich. Wir brauchen Kinder und Inder. Vor produktiven Immigranten, die sich mit Deutschland identifizieren, hat niemand Angst.<\/p>\n<p>Die Akzeptanz der Einwanderer h\u00e4ngt daran, dass die Immigration nicht als Invasion erscheint. Der Eindruck der Invasion entsteht am leichtesten bei Wirtschaftsfl\u00fcchtlingen und beim Nachzug von Gro\u00dffamilien. Nat\u00fcrlich muss Deutschland stets politisch Verfolgten Asyl gew\u00e4hren; aber die Kriterien daf\u00fcr sollten dem gesunden Menschenverstand nachvollziehbar sein.<\/p>\n<p>Multikulturalismus hie\u00df bisher nur: Abschaffung der Qualit\u00e4tskriterien bei der Einwanderung. Schon die Immigrationsgesetze von 1967 in Amerika haben diesen entscheidenden Umschwung gebracht. Seither gibt es ein humanitaristisches Tabu \u00fcber der einfachen Frage: K\u00f6nnen wir die Leute, die zu uns wollen, brauchen? Fr\u00fcher hat man ganz selbstverst\u00e4ndlich nach Leistungsf\u00e4higkeit und Job-Qualifikation gefragt. Heute gelten solche Fragen nach dem Humankapital des Einwanderers als unmenschlich. In Wahrheit aber zeigen sie den Weg zur gelungenen Integration: Deutschland bekommt die Leute, die es braucht. Und die, die dann kommen, sind herzlich willkommen.<\/p>\n<p>via Aus der Deutschland-taz: Linke Lebensl\u00fcgen &#8211; taz.de.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Linke Lebensl\u00fcgen Die drei dogmatischen Mythen der deutschen Linken in Sachen Einwanderung und Integration. Der U-Bahnhof Kottbusser Tor in Berlin. Norbert Bolz meint, hier gebe es keine &#8222;Linken&#8220;.\u00a0 Bild: dpa Nicht alle Probleme, die unser Land bewegen, sind heillos komplex. 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