{"id":6232,"date":"2012-12-26T23:06:32","date_gmt":"2012-12-26T21:06:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/?p=6232"},"modified":"2023-04-02T00:46:45","modified_gmt":"2023-04-01T21:46:45","slug":"so-haben-sie-istanbul-bestimmt-noch-nie-gesehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2012\/12\/26\/so-haben-sie-istanbul-bestimmt-noch-nie-gesehen\/","title":{"rendered":"So haben Sie Istanbul bestimmt noch nie gesehen"},"content":{"rendered":"<div>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6233\" alt=\"ic\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/ic.jpeg\" width=\"206\" height=\"137\" \/><\/div>\n<div>\n<div>Istanbuls sch\u00f6ner, unbekannter, asiatischer Teil<\/div>\n<div>Foto: picture-alliance \/ Rainer Hackenberg<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><strong>Touristen zieht es normalerweise in den europ\u00e4ischen Teil von Istanbul. Dabei warten jenseits des Bosporus diverse \u00dcberraschungen auf den Besucher \u2013 vom alten Zeus-Tempel bis zu einem polnischen Dorf.<\/strong> Von\u00a0Eberhard von Elterlein<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Hab&#8216; einen halben Tag lang den Topkapi-Palast durchstreift, anschlie\u00dfend das Nebeneinander christlicher Heiligenbilder und islamischer Medaillons in der Hagia Sophia bewundert.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Habe hoch oben \u00fcber dem Goldenen Horn im &#8222;Caf\u00e9 Pierre Loti&#8220; in der Abendd\u00e4mmerung auf die erleuchtete Eyup-Moschee (in der N\u00e4he) und wieder auf den Topkapi-Palast (diesmal in der Ferne) geschaut \u2013 und Istanbul doch erst zur H\u00e4lfte entdeckt. Denn wir befinden uns immer noch im europ\u00e4ischen Teil.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Meistens verstehen wir dabei nur Bahnhof. Alle Welt kennt Sirkeci als Ausgangspunkt des Orientexpress, aber wei\u00df jemand, dass der viel sch\u00f6nere Bahnhof im Ostteil steht, trutzig, stolz und m\u00e4chtig am Ufer des Bosporus?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Haydarpascha wurde 1906 bis 1908 von zwei deutschen Architekten als Ausgangspunkt der legend\u00e4ren Bagdad-Bahn gebaut und ist bis heute mit seiner m\u00e4chtigen Sandsteinfassade ein Hingucker f\u00fcr alle Bosporus-Fahrer.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Jahrzehntelang diente der Bahnhof als Startpunkt f\u00fcr Fahrten in den Ostteil der T\u00fcrkei und weiter bis Syrien und den Iran.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Jenseits der Touristenmassen<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Doch uns reicht erst einmal der asiatische Teil von Istanbul. Uns interessieren dabei die Orte jenseits der Touristenmassen, abseits der Routen der Reiseveranstalter. Dazu fahren wir auf dem Bosporus, der Europa von Asien trennt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Mit einem vorerst letzten Blick auf den europ\u00e4ischen Teil mit Galata-Turm, Galata-Br\u00fccke und das m\u00e4chtige Kreuzfahrtschiff &#8222;Silver Spirit&#8220; im Hafen von Karak\u00f6y wenden wir unsere K\u00f6pfe nach rechts gen Osten \u2013 und bekommen nach der zweiten und letzten Bosporus-Br\u00fccke im wahrsten Sinne des Wortes einen ersten Geschmack vom asiatischen Istanbul.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>In Kanlica steigen mobile Verk\u00e4ufer ein, die die einzige Tradition ihres kleinen, schmucken Ortes feilbieten: einen sehr k\u00f6stlichen Joghurt mit fester Kruste, der mit Puderzucker bestreut zu einem unvergesslichen Genuss wird.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Sehenswertes nur im Westen<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Erster Eindruck nach den ersten Kilometern: Die Sehensw\u00fcrdigkeiten stehen auf der europ\u00e4ischen Seite des Bosporus: Vom Ciragan-Palast, in dem heute das Hotel Kempinski residiert, \u00fcber die Burg Rumeli Hisari, die 1452 von Mehmed II. erbaut wurde, um die Eroberung Konstantinopels vorzubereiten, bis zum Dolmabahce-Palast der letzten Sultane \u2013 alles im Westen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Und gegen\u00fcber? Einige schwach besiedelte, gr\u00fcne H\u00fcgel, obwohl wir uns immer noch im Stadtgebiet von Ost-Istanbul befinden. Bis wir knapp au\u00dferhalb des asiatischen Stadtzentrums \u2013 genauer: in der Provinz Istanbul \u2013 oberhalb des Fischer\u00f6rtchens Anadolu Kavagi die beiden stolzen T\u00fcrme der Burgruine Yoros sehen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Tummelplatz f\u00fcr Arch\u00e4ologen<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Wo einst von den Griechen ein Zeus-Tempel errichtet wurde, bauten die Byzantiner im 13. Jahrhundert hoch \u00fcber dem Bosporus eine Verteidigungsanlage, die nach wechselvoller Geschichte (1305 von den Osmanen erobert, 1350 von den Genuesern eingenommen, Ende des 14. Jahrhunderts von Sultan Bayezid I. zur\u00fcckerobert, 1783 noch mal ausgebaut und ab dem 19. Jahrhundert verlassen und dem Verfall anheimgegeben) heute eine beliebte Touristenattraktion ist \u2013 und Tummelplatz f\u00fcr Arch\u00e4ologen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Weil gerade mal wieder Ausgrabungen sind, d\u00fcrfen wir eigentlich gar nicht ins Burginnere hinein \u2013 &#8222;f\u00fcnf Minuten&#8220;, sagt der strenge W\u00e4chter. Als wir drin sind, wissen wir warum: \u00dcbermutige Jugendliche, die es wie wir irgendwie hineingeschafft haben, klettern auf den Mauerresten herum und missverstehen die Burg als Spielplatz, den es bitte sch\u00f6n schnell zu verlassen gilt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Wir genie\u00dfen stattdessen die Aussicht \u00fcber den Bosporus mit seinen friedlich dahinfahrenden Schiffen. Wolken werfen lange Schatten auf gro\u00dfe Pinienw\u00e4lder. Geht man nur ein paar Schritte nach rechts, kann man \u00fcber eine Steinmauer hinweg in der Ferne sehen, wie der Bosporus ins Schwarze Meer m\u00fcndet. Ein erhabener Anblick \u2013 nur viel zu kurz.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Weiter geht es per Auto \u2013 wo wir erfahren, dass wir uns bereits auf einem der H\u00f6hepunkte unserer Reise befinden. Der H\u00fcgel, auf dem die Burgruine Yoros steht, ist mit \u00fcber 200 Metern eine der h\u00f6chsten Erhebungen Istanbuls. Er wird von frommen Muslimen Josua-H\u00fcgel genannt, weil sie hier die Grabst\u00e4tte des Propheten Josua vermuten.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Ein 17 Meter langes Grab<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Ein Gedenkplatz mit einer Moschee, die 1755 von einem Wesir Osmans III. errichtet und 1863 nach einem Brand wiederaufgebaut wurde, ist bis heute ein beliebtes Pilgerziel.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Frauen mit Kopftuch lesen im Koran oder beten hier still, w\u00e4hrend M\u00e4nner mit Bart und M\u00fctze laut am danebenliegenden Friedhof vor einem Grab beten, das die stolze L\u00e4nge von 17 Metern hat \u2013 angeblich, weil man nicht genau wusste, an welcher Stelle Josua genau begraben liegt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Wissenschaftler sehen das naturgem\u00e4\u00df profaner: &#8222;Die arch\u00e4ologische Begr\u00fcndung ist, dass hier Menschen nicht neben- sondern hintereinander beerdigt wurden&#8220;, sagt unser Guide Mete Herkman. So oder so gibt es aber keinerlei Beweis, dass Josua tats\u00e4chlich hier begraben liegt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Marmor und Kristallleuchten<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Nach so viel Kultur ein bisschen Luxus gef\u00e4llig? Dann geht es weiter zum kleinen Sommerpalast K\u00fcc\u00fcks\u00fc.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Das Jagdschloss von Sultan Abdulmecit von 1857 diente mit seinen Goldblattdecken, Kristallleuchtern und italienischem Marmor in acht Zimmern und zwei S\u00e4len seit der Republikgr\u00fcndung 1923 als staatliches G\u00e4stehaus, in dem unter anderem Kemal Atat\u00fcrk und Schah Reza Pahlevi geschlafen haben sollen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Dann kurze Stippvisite bei den \u00dcberresten der Asiatischen Festung, der Anadolu Hisari, die 1385 von Bayezid I. errichtet wurde, um an seiner engsten Stelle den Bosporus zu sperren. Heute sind die verbliebenen drei T\u00fcrme mit t\u00fcrkischen Flaggen dekoriert.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Atat\u00fcrk im polnischen Dorf<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Ausdruck eines t\u00fcrkischen Nationalismus, der 20 Kilometer s\u00fcd\u00f6stlich des Stadtteils Beykoz geradezu bizarre Formen annimmt. Denn nach einer Fahrt durch Platanenalleen, vorbei an Pinienw\u00e4ldern sowie Tomaten- und Bohnenfeldern treffen wir auf eine riesige Atat\u00fcrk-Statue nicht etwa in einem t\u00fcrkischen Ort, sondern in Polonezk\u00f6y, einem, jawohl, polnischen Dorf.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Eine Ansiedlung polnischer Auswanderer aus dem 18. Jahrhundert mit Holzh\u00e4usern, rustikalen Gastst\u00e4tten und einer &#8222;Polina Patisserie&#8220;. Ein beliebtes Wochenendziel, denn wegen der h\u00f6heren Lage (200 bis 300 Meter \u00fcber der Stadt) ist es hier meist k\u00fchler als in Istanbul.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Ein Klima, das Prominenz angezogen hat: So waren schon Franz Liszt, Pierre Loti und Gustave Flaubert hier zu Besuch, wie uns ein Zeitungsausschnitt im Caf\u00e9 &#8222;Polonez K\u00f6y Kahvesi&#8220; verr\u00e4t.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Wer nicht so weit fahren will, um die Stadt am Bosporus von ihrer etwas anderen Seite zu sehen, sollte sich \u2013 am besten mit einem Picknickkorb bewaffnet \u2013 auf den Camlica-H\u00fcgel begeben.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Die abgeholzte Erhebung im ansonsten bewaldeten asiatischen Stadtteil Camlica mag mit ihren Sendemasten und dem Fernsehturm im Hintergrund auf den ersten Blick nicht sch\u00f6n anzuschauen sein.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Picknick unter Kiefern<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Doch weil man hier den besten Blick auf Europ\u00e4isch-Istanbul hat und zudem ein Ausflugslokal aus dem 19. Jahrhundert wartet, ist der <em>b\u00fcy\u00fck camlica<\/em> ein beliebtes Ziel. Familien picknicken auf dem Boden sitzend unter Kiefern; wer es bequemer mag, kann sich auf einer der kleinen Sitzb\u00e4nke platzieren, die unter Ahorn- und Kastanienb\u00e4umen auf grauem Steinboden drapiert sind.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Aus den Lautsprechern qu\u00e4kt Palas-Musik von Munir Nureddin Selcuk, &#8222;der letzte wirklich gute S\u00e4nger&#8220;, wie unser Guide Mete Herkman meint, als Vertreter der klassischen t\u00fcrkischen Volksmusik.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Ein friedlicher Ort jenseits der Hektik der 13-Millionen-Einwohner-Metropole mit bestem Blick auf die Skyline der Stadt. So wundert es nicht, dass sich mittlerweile ein Brautpaar eingefunden hat, das sich vor dieser attraktiven Kulisse fotografieren l\u00e4sst.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Palast im Neobarock<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Praktisch f\u00fcr uns, dass wir von hier oben gleich unsere n\u00e4chste Station sehen: das Viertel Beylerbeyi mit der Palastanlage des osmanischen Neobarocks direkt unterhalb der ersten Bosporus-Br\u00fccke.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Sultan Abd\u00fclaziz lie\u00df den Palast 1863 bis 1865 als seine Sommerresidenz bauen, in der auch ausl\u00e4ndische G\u00e4ste beherbergt wurden \u2013 und in der Tat liest sich die G\u00e4steliste wie ein <em>Who is who<\/em> der internationalen Politik.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Der \u00f6sterreich-ungarische Kaiser Franz-Josef gab sich hier genauso die Ehre wie Eug\u00e9nie de Montijo, letzte Kaiserin von Frankreich, und der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Sitzungssaal mit Sultans-Skulptur<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Die 24 R\u00e4ume und sechs S\u00e4le sind ausgestattet mit t\u00fcrkischen Teppichen und franz\u00f6sischen Kristalll\u00fcstern. Die Uhren kommen aus England und Frankreich, die Vasen aus China und Japan.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Es gibt \u00fcppige Blattgoldverzierungen, dazu einen beeindruckenden Sitzungssaal mit Marmor-Wasserbecken und Sultan-Skulptur auf einem Pferd.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Und wer so durch Goldenen, Roten, Gr\u00fcnen oder Blauen Salon marschiert samt Gebetszimmer, Thronzimmer und einem Badezimmer, das eigens f\u00fcr den persischen Schah angelegt wurde, bekommt eine Ahnung vom einstigen Glanz des Osmanischen Reichs. Hier wurde Politik gemacht \u2013 und \u00fcber die Bagdad-Bahn und den Bahnhof Haydarpascha gesprochen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Zu der Palast-Anlage geh\u00f6rt noch aus fr\u00fcherer Zeit ein Marmor-Kiosk, der bis heute eines der sch\u00f6nsten Wasserspiele aus der osmanischen Zeit besitzt, sowie ein Tunnel. Der 1829 von Sultan Mahmud II. gebaute unterirdische Trakt diente bis 1973 als Verbindungsstra\u00dfe zwischen Beylerbeyi und dem benachbarten Viertel \u00dcsk\u00fcdar.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Beliebtes \u00dcsk\u00fcdar<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Womit wir dann gleich in Ost-Istanbuls beliebtestem und traditionsreichstem Viertel w\u00e4ren: \u00dcsk\u00fcdar. Hier finden wir mit der Mihrimah-Moschee ein imposantes Fr\u00fchwerk von Istanbuls Leib- und Magen-Architekten Sinan, der das Gotteshaus 1547 f\u00fcr Mihrimah, eine Tochter S\u00fcleymans des Pr\u00e4chtigen, baute.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Noch vor seinem Hauptwerk, der beeindruckenden S\u00fcleymaniye-Moschee, die bis heute die Skyline von West-Istanbul bestimmt. Gleich vor der Mihrimah-Moschee sehen wir einen Barockbrunnen von Ahmed II., der in der osmanischen Zeit Treffpunkt der Pilger nach Mekka war und bis heute f\u00fcr rituelle Waschungen benutzt wird.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Das hei\u00dft aber nicht, dass Usk\u00fcdar ein streng religi\u00f6ses Viertel ist wie etwa Fatih im europ\u00e4ischen Teil. Nein, \u00dcsk\u00fcdar ist auch beliebtes Ausgeh- und Shoppingzentrum.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Liebespaare am &#8222;M\u00e4dchenturm&#8220;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Viele Paare und Jugendliche treffen sich zum Beispiel gern am F\u00e4hranleger Salacak weiter s\u00fcdlich und schauen vertr\u00e4umt zum &#8222;M\u00e4dchenturm&#8220; drau\u00dfen am Meer, eigentlich nur ein ordin\u00e4rer Leuchtturm auf einer Sandbank mit einem beliebten Restaurant.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Weil es aber eine sch\u00f6ne traurige Geschichte zu dem Turm gibt, derzufolge ein Vater einst seine Tochter auf die Insel verbannte, um sie vor der Weissagung eines bevorstehenden Schlangenbisses zu sch\u00fctzen, um dem sp\u00e4ter dort vereinsamten M\u00e4dchen zum Trost dann einen Obstkorb zu schicken, in dem sich genau jene t\u00f6dliche Schlange verbarg, l\u00e4sst sich hier trefflich \u00fcber die Wendungen des Schicksals sinnieren.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Ein Hauch von Kurf\u00fcrstendamm<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Um dann frisch beschwingt auf der Bagdadstra\u00dfe im Stadtteil Maltepe das Portemonnaie zu z\u00fccken. Die lockere Mischung aus Laubb\u00e4umen, Luxusboutiquen und Caf\u00e9s auf der zehn Kilometer langen Einkaufsstra\u00dfe erinnert dabei ein wenig an den Berliner Ku&#8217;damm.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Wer sich nach dem Shopping erholen will, sollte eine der &#8222;Mado&#8220;-Eisdielen besuchen. Hier isst man auf cremefarbenen Sofas Eis scheibchenweise mit Messer und Gabel. Und wenn sich nebenan eine ganz in Gelb und Blau gekleidete Familie setzt, sollte man sich nicht wundern.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Ost-Istanbul ist in fester Hand der Fu\u00dfball-Fans von Fenerbahce von der gleichnamigen Halbinsel. Auch dieser &#8222;Garten des Leuchtturms&#8220;, wie Fenerbahce \u00fcbersetzt hei\u00dft, ist mit seinen Teeg\u00e4rten, Bars und Offizierskasino ein beliebtes ein beliebtes Ausflugsziel.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Verbannte Prinzen<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Wie auch die Prinzeninseln \u2013 neun gro\u00dfe und acht kleine Eilande gut zehn Kilometer im Marmarameer vor der K\u00fcste \u2013, mit denen wir unseren Besuch des asiatischen Teils Istanbuls abschlie\u00dfen wollen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Seinen Namen erhielt der Archipel durch jene Prinzen, die es in den traditionell kinderreichen Familien des Sultans nicht auf den Thron geschafft hatten. Um den Inhaber nicht von selbigem zu sto\u00dfen, wurden die \u00fcbergangenen Prinzen schlichterhand geblendet und auf jene Inseln verbannt, die jetzt friedlich vor uns im Sonnenschein liegen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>F\u00fcnf von ihnen sind befahrbar, und wir haben uns wie die meisten Ausfl\u00fcgler f\u00fcr B\u00fcy\u00fckada entschieden: Die gr\u00f6\u00dfte der Prinzeninseln stellt auch mit 7000 Menschen die H\u00e4lfte aller Bewohner des Archipels.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Fahrr\u00e4der und Pferdekutschen<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Es gibt keine Autos und keine Taxis, aber daf\u00fcr Fahrr\u00e4der und vor allem Pferdekutschen, mit denen man die Insel mit ihren beiden markanten H\u00fcgeln umrunden kann.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Wer will, kann auch die Kutsche verlassen, eine steile Stra\u00dfe hinabsteigen und einen Blick auf jenes versteckt liegende Haus werfen, in dem Leo Trotzki hier im Exil lebte. Aber, ehrlich, der Blick auf die Gartenmauer und ein St\u00fcck Haus lohnt sich nicht.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Dann ist der Mann schon viel interessanter, der auf dem Boot zur\u00fcck lauthals Obstmesser verkauft und deren Sch\u00e4rfe an allerlei unschuldigen \u00c4pfeln ausprobiert. Dieser Verk\u00e4ufer ist selbst ein beliebtes Fotomotiv f\u00fcr Touristen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Keine Fernz\u00fcge mehr<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Wie Haydarpascha, von dem wir uns im Abendlicht ein wenig wehm\u00fctig verabschieden. Seit Fr\u00fchjahr 2012 gibt es n\u00e4mlich keine Fernverbindungen mehr ab Haydarpascha.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Ab 2013 soll das Geb\u00e4ude dann ganz seine Funktion als Bahnhof verlieren, wenn das &#8222;Marmaray-Projekt&#8220; fertiggestellt ist. Dann soll ein Eisenbahntunnel unterhalb des Bosporus Asien und Europa miteinander verbinden.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p>Schlecht f\u00fcr den Bahnhof, weil der Tunnel nicht dort endet, sondern ein paar Kilometer weiter s\u00fcdlich in Gebze. Aber gut f\u00fcr die Touristen. Die finden dann vielleicht einfacher den Weg in den Ostteil der Stadt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p><em>Die Teilnahme an der Reise wurde unterst\u00fctzt von Marco Polo Reisen. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabh\u00e4ngigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de\/unabhaengigkeit.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Istanbuls sch\u00f6ner, unbekannter, asiatischer Teil Foto: picture-alliance \/ Rainer Hackenberg Touristen zieht es normalerweise in den europ\u00e4ischen Teil von Istanbul. Dabei warten jenseits des Bosporus diverse \u00dcberraschungen auf den Besucher \u2013 vom alten Zeus-Tempel bis zu einem polnischen Dorf. 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