{"id":6122,"date":"2012-11-12T09:52:38","date_gmt":"2012-11-12T07:52:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/?p=6122"},"modified":"2023-04-02T13:15:05","modified_gmt":"2023-04-02T10:15:05","slug":"tue-gutes-und-lasse-es-wirken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2012\/11\/12\/tue-gutes-und-lasse-es-wirken\/","title":{"rendered":"Tue Gutes, und lasse es wirken"},"content":{"rendered":"<p>09.11.2012\u00a0\u00b7\u00a0 Der t\u00fcrkische Prediger Fethullah G\u00fclen lebt seit 13 Jahren in den Vereinigten Staaten. Er verl\u00e4sst kaum noch sein Haus in Sailorsburg. Trotzdem ist er \u00fcberall. Auch in Amerika ist ein weitverzweigtes Netz seiner Anh\u00e4nger entstanden.<\/p>\n<p>Von Rainer Hermann<\/p>\n<div><\/div>\n<div>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6123\" title=\"220305206\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/220305206.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/220305206.jpg 600w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/220305206-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/div>\n<p>\u00a9 Rainer Hermann Der verehrte Lehrer: Fethullah G\u00fclen signiert eines seiner B\u00fccher f\u00fcr seine G\u00e4ste in seinem Haus in Pennsylvania<\/p><\/div>\n<p>Kein Schild weist auf die Abzweigung und den schmalen Feldweg hin. Er f\u00fchrt durch nebligen und herbstlich gef\u00e4rbten Laubwald zu einem Anwesen mit acht H\u00e4usern. An diesen einsamen Ort zog sich vor 13 Jahren Fethullah G\u00fclen zur\u00fcck, der einflussreichste Prediger des t\u00fcrkischen Islams. Das Milit\u00e4r, damals noch m\u00e4chtig, hatte ihn aus der T\u00fcrkei vertrieben. Von Krankheiten geplagt, lie\u00df er sich in amerikanischen Krankenh\u00e4usern operieren. Seither hat er das Anwesen kaum verlassen. Die Vereinigten Staaten gaben ihm Visum und Aufenthaltsrecht. Doch auch aus der Ferne blieb der 74 Jahre alte G\u00fclen in der Heimat ein m\u00e4chtiger Mann. Sein Einfluss war es, der aus den anatolischen Muslimen eine dynamische Mittelschicht schuf. G\u00fclen ist die Stimme dieser \u201eschwarzen T\u00fcrken\u201c.<\/p>\n<p>Die \u201ewei\u00dfen T\u00fcrken\u201c, das sind die Anh\u00e4nger Kemal Atat\u00fcrks, die Anh\u00e4nger des Kemalismus, die Ideologie der urbanen, gebildeten und s\u00e4kularisierten Oberschicht Istanbuls, sp\u00e4ter auch Ankaras. Sie herrschte \u00fcber die T\u00fcrkei und blickte mit Verachtung auf die Anatolier herab, die ungebildet waren, provinziell, arm und fromm. Motiviert durch G\u00fclens Lehren, strebten nun viele nach Bildung und wurden wohlhabend, blieben aber weiter fromm. Da G\u00fclen die kemalistische Elite wirkungsvoll in Frage stellte, erkl\u00e4rte sie ihn zum Staatsfeind. Seine R\u00fcckkehr w\u00fcrde Gr\u00e4ben aufrei\u00dfen. Deshalb bleibt der konfliktscheue G\u00fclen in Sailorsburg in Pennsylvania.<\/p>\n<h2>Seine Botschaft h\u00f6ren Millionen<\/h2>\n<p>Ein wenig erinnert das 5,5 Hektar gro\u00dfe Anwesen an G\u00fclens Heimat. Er wurde 1938 nahe Erzurum geboren, weit hinten im Osten Anatoliens. Es ist eine wilde Gegend. Manchmal werden Braunb\u00e4ren gesichtet, bald wird sich der Schnee t\u00fcrmen wie in den Wintern von Erzurum. Als t\u00fcrkische Unternehmer, die sich in der Stiftung \u201eGoldene Generation\u201c zusammengefunden hatten, das St\u00fcck Land 1993 f\u00fcr 175.000 Dollar kauften, standen in den W\u00e4ldern nur ein paar Blockh\u00fctten. Dann lie\u00df die Stiftung acht Steinh\u00e4user bauen und einen Park anlegen. Und sie lud G\u00fclen 1999 ein, sich hier niederzulassen.<\/p>\n<p>Unten, am tiefer gelegenen See, spielen Kinder der Besucher Fu\u00dfball. Zur Mittagszeit treffen sie sich alle in der Waldlichtung in einem K\u00f6sk, einem Gartenpavillon der Art, in dem auch Osmanen im Gr\u00fcnen tafelten. Auf dem Speisezettel steht traditionelle t\u00fcrkische K\u00fcche: Linsensuppe, in Oliven\u00f6l eingelegtes Gem\u00fcse, K\u00f6ftefrikadellen mit Reis, Tee in kleinen geschwungenen Gl\u00e4sern. G\u00fclen kann den Weg zum Gartenhaus nicht mehr gehen. Nach zahlreichen Bypass-Operationen bereiten ihm nun die Knie Schwierigkeiten. Er verl\u00e4sst das Haus nur noch selten, meistens nur, um sich in einem nahe gelegenen Krankenhaus untersuchen und behandeln zu lassen. G\u00fclen f\u00fchrt ein abgeschiedenes Leben. Seine Botschaft aber h\u00f6ren Millionen.<\/p>\n<div>\n<div>\n<p>Die von G\u00fclen gef\u00f6rderte Amity-School in Brooklyn<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Ein Aufzug f\u00e4hrt in den ersten Stock des Hauses, das innen an ein schlicht-elegantes osmanisches Wohnhaus erinnert und mit einem Minimum an M\u00f6beln auskommt. In diesem Stockwerk wohnt und wirkt der Hocaefendi (\u201eder verehrte Lehrer\u201c), wie ihn seine Anh\u00e4nger ehrf\u00fcrchtig nennen. Selten gibt er Interviews, st\u00e4ndig umgeben ihn aber sein t\u00fcrkischer Leibarzt und ein paar Vertraute. Am Vormittag hat er, wie jeden Tag, ein Dutzend junger Theologen unterrichtet, die er in privaten Studien, die zwei Jahre dauern, zu seinen Sch\u00fclern ausbildet. Zweimal in der Woche zeichnen sie eine Predigt auf, stellen sie ins Netz (www.herkul.org), so dass Fernsehstationen sie aufgreifen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Interview ist f\u00fcr die Zeit nach dem islamischen Mittagsgebet vereinbart. Dann empf\u00e4ngt G\u00fclen G\u00e4ste. Von ihnen will er wissen, was sich drau\u00dfen in der Welt tut, immer wieder hakt er nach. Danach wird er wieder lesen, schreiben und beten. Legend\u00e4r ist, mit wie wenig Schlaf er auskommt. Jeder Tag ist minuti\u00f6s durchstrukturiert. Seinen Anh\u00e4ngern predigt er, die verf\u00fcgbare Zeit gut zu nutzen, und er h\u00e4lt sich selbst daran, ohne in Hektik zu verfallen. Seine Anh\u00e4nger sagen, er vereine Demut mit Charisma. An der Wand hinter ihm tickt leise eine Uhr. Sie wird nie auf Sommerzeit umgestellt. Die Zeit sei immer gleich, sagt G\u00fclen.<\/p>\n<h2>Unvereinbarkeit von Islam und Gewalt<\/h2>\n<p>Schwungvolle Kalligraphien schm\u00fccken die W\u00e4nde. Sie passen sehr gut zu der Art und Weise, wie G\u00fclen spricht. Er spricht nicht das n\u00fcchterne moderne T\u00fcrkisch. Ihn h\u00e4tten auch die Osmanen verstanden. Heute ist es selbst f\u00fcr T\u00fcrken eine Herausforderung, ihm zu folgen. In langen S\u00e4tzen verkn\u00fcpft er Suren aus dem Koran, Ausspr\u00fcche des Propheten und die Erfahrungen der Mystiker mit den Erfordernissen der modernen Welt, f\u00fchrt die Welt des Glaubens und der Lebenswirklichkeit zusammen. Er erkl\u00e4rt die Bedeutung von Bildung und unternehmerischem Erfolg, die Vereinbarkeit von Islam, Moderne und Demokratie, auch die Unvereinbarkeit von Islam und Gewalt. Seine Anh\u00e4nger sollen mit eigener H\u00e4nde Arbeit Wohlstand schaffen und nicht vergessen, diesen Wohlstand auch unter Bed\u00fcrftigen zu verteilen.<\/p>\n<p>Der amerikanische Bundesstaat Pennsylvania hat schon immer religi\u00f6se Menschen angezogen, die abgeschieden von den pulsierenden St\u00e4dten ihren Glauben leben wollten. Die fr\u00fchen Einwanderer, die sich auf den fruchtbaren B\u00f6den Pennsylvanias niederlie\u00dfen, waren fromme Leute. Wer von Philadelphia Richtung Westen nach Sailorsburg aufbricht, f\u00e4hrt durch Quakertown und Emmaus. Abzweigungen weisen nach Hamburg und Lebanon, auch nach New Tripoli. Der Weg nach Sailorsburg f\u00fchrt durch Bethlehem und Nazareth.<\/p>\n<h2>Mehr als 1000 Privatschulen gegr\u00fcndet<\/h2>\n<p>Nur ein paar Autostunden trennen Sailorsburg von Manhattan. Und doch liegen Welten dazwischen. G\u00fclen aber ist \u00fcberall. Alp Aslandogan blickt vom Fenster seines B\u00fcros im sechsten Stockwerk in die steinerne H\u00e4userschlucht der 5th Avenue. 1991 war er aus der T\u00fcrkei nach New York gekommen, um in Computerwissenschaft zu promovieren; noch heute lehrt er an einer Universit\u00e4t. Daneben arbeitete er viele Stunden ehrenamtlich \u201ef\u00fcr Hizmet\u201c, wie G\u00fclens Anh\u00e4nger ihre Bewegung nennen, die in Deutschland auch als G\u00fclen-Bewegung bekannt ist. Unternehmer, die G\u00fclen nahestehen, haben in 130 L\u00e4ndern mehr als tausend Privatschulen gegr\u00fcndet, auch in Deutschland und den Vereinigten Staaten. Aslandogan hatte bereits 1993 als Student die kleine \u201eMilchstra\u00dfenstiftung\u201c gegr\u00fcndet, um Kindern t\u00fcrkischer Einwanderer am Wochenende zu helfen, in der Schule erfolgreich zu sein. 1999 wurde die Stiftung eine private Schule.<\/p>\n<p>\u201eWir wollten weder die dominante Kultur kopieren noch uns ihr verweigern. So wollten wir unsere Herkunft bewahren\u201c, sagt Aslandogan. \u201eWir wollten den Eltern helfen, die amerikanische Kultur zu verstehen, und den Kindern, die Werte ihrer Eltern zu bewahren, aber auch produktive B\u00fcrger dieses Landes zu werden.\u201c In zwei Jahrzehnten ist in New York aus solchen Aktivit\u00e4ten ein weitverzweigtes Netz vielf\u00e4ltiger gesellschaftlicher Aktivit\u00e4ten entstanden. Beispiele sind in Manhattan das \u201eTurkish Cultural Center\u201c und das \u201ePeace Islands Institute\u201c.<\/p>\n<p>Das Kulturzentrum organisiert englische und t\u00fcrkische Sprachkurse, bereitet Kinder auf Pr\u00fcfungen vor, hilft den Erwachsenen, sich als W\u00e4hler zu registrieren und als Selbst\u00e4ndige erfolgreich zu sein; in Israel forstete es nach einem gro\u00dfen Waldbrand einen Wald auf, in Haiti baute es nach dem Erdbeben eine neue Schule. Als Dialogplattform wurde nach den Terroranschl\u00e4gen vom 11. September 2001 das \u201ePacific Islands Institute\u201c ins Leben gerufen. Dort sprechen amerikanische Politiker und ausl\u00e4ndische Botschafter, Rabbis und buddhistische M\u00f6nche, muslimische Familien laden nichtmuslimische Familien ein.<\/p>\n<h2>Einen Steinwurf vom Wei\u00dfen Haus entfernt<\/h2>\n<p>Die Kulturzentrum und das \u201ePacific Islands Institute\u201c sind nur zwei der 218 zivilgesellschaftlichen Vereinigungen, die in den Vereinigten Staaten G\u00fclen nahestehen und sich im Mai 2010 im Dachverband \u201eTurkic American Alliance\u201c zusammengeschlossen haben. Seinen Sitz hat er in Washington, D.C., zwischen dem Capitol Hill und den Studios von CNN. Wie in den New Yorker B\u00fcros ist auch hier der Personenkult um Atat\u00fcrk verschwunden, an den W\u00e4nden h\u00e4ngt kein Relief des ewig l\u00e4chelnden Gr\u00fcnders der Republik. Wie wichtig der Dachverband bereits ist, zeigte sich, als sich bei seinem letzten Galaabend sieben Senatoren und 53 Abgeordnete die Ehre gegeben haben. Zum Dachverband geh\u00f6rt auch \u201eRethink\u201c, die einzige private t\u00fcrkische Denkfabrik in den Vereinigten Staaten. Der 38 Jahre alte Politologe Fevzi Bilgin, ein ehemaliger Professor an der University of Pittsburgh, versorgt den amerikanischen Politikbetrieb von hier aus mit Studien zu aktuellen Themen der T\u00fcrkei und des Nahen Ostens.<\/p>\n<div>\n<div>\n<p>Das Anwesen von Fethullah G\u00fclen in Sailorsburg<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Noch eine kr\u00e4ftige Spur G\u00fclens im amerikanischen Leben ist Emre \u00c7elik, ein Australier t\u00fcrkischer Herkunft und Computeringenieur. Auch er hatte vor zwei Jahrzehnten in Sydney, zun\u00e4chst in Garagen, t\u00fcrkischen Jugendlichen in den F\u00e4chern Mathematik, Physik und Chemie auf die Spr\u00fcnge geholfen. Heute leitet er einen Steinwurf vom Wei\u00dfen Haus entfernt das nach einem t\u00fcrkischen Mystiker benannte \u201eRumi Forum\u201c. In seinem Vorstand sitzen Juden und s\u00e4kulare Amerikaner; seine Mittagessen, bei denen meist prominente Politiker oder Diplomaten sprechen, werden von vier Fernsehstationen direkt \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>\u00c7elik versteht sich als \u201eMainstream-Muslim\u201c. Diesen Islam will er in der pluralistischen Gesellschaft Amerikas st\u00e4rken. In Australien hatte ihn zun\u00e4chst Saidi Nursi (1876 bis 1960) in den Bann gezogen, der spirituelle Mentor G\u00fclens. Nursi habe in den Islam Fragen des Zweifels eingef\u00fchrt, sagt \u00c7elik, er habe gelehrt, in der westlichen Zivilisation das Gute zu sehen und zu \u00fcbernehmen, habe dazu aufgefordert, die drei Grund\u00fcbel Armut, Spaltung und Unwissenheit zu \u00fcberwinden. \u201eWas Nursi theoretisch formuliert hat, setzt G\u00fclen heute in die Praxis um.\u201c Als entscheidenden Beitrag G\u00fclens sieht \u00c7elik dessen Konzept der Gottgef\u00e4lligkeit. \u201eDamit veranlasst G\u00fclen die Menschen, in dieser Welt zu handeln, um sich f\u00fcr das Jenseits Verdienste zu erwerben.\u201c<\/p>\n<h2>Heimlicher Kardinal in Diensten des Papstes<\/h2>\n<p>Von zwei Seiten werde die \u201eHizmet-Bewegung\u201c angegriffen, sagt G\u00fclen. Die einen setzten die Aktivit\u00e4ten von \u201eHizmet\u201c mit \u201eIslamismus\u201c gleich; ihnen wirft er Ignoranz vor. Bei den anderen sch\u00fcttelt er nur den Kopf. Sie unterstellten ihm \u201eVerrat am Islam, Knechtschaft zu den Vereinigten Staaten und Israel sowie Propaganda f\u00fcr das Christentum und Judentum\u201c. Ein t\u00fcrkischer Staatsanwalt bezeichnete ihn einmal sogar als heimlichen Kardinal in Diensten des Papstes. Der h\u00e4ufigste Vorwurf der Kritiker aber lautet, die Bewegung ziehe heimlich eine islamistische Elite heran, die einen Umsturz vorbereite, etwa in der T\u00fcrkei; sie sei intransparent und wie ein Geheimbund organisiert.<\/p>\n<p>Solche Kritiker suchen in der Tat Organisationsstrukturen, die es nicht gibt. Der mystische Sufiislam, in dessen Tradition G\u00fclen steht, kennt keine Hierarchie, und als in der T\u00fcrkei die Gener\u00e4le noch das Sagen hatten, w\u00e4re es zudem gef\u00e4hrlich gewesen, sich erkennbare Strukturen zu geben. \u201eMein Leben und meine Werke stehen jedem offen\u201c, sagt G\u00fclen. \u201eNichts ist verborgen.\u201c Die Aktivit\u00e4ten von \u201eHizmet\u201c f\u00e4nden in aller \u00d6ffentlichkeit statt, mit Menschen aus allen Bereichen des Lebens, aus allen Nationen und Religionen. Sie seien durch die staatlichen Beh\u00f6rden genehmigt, und diese kontrollierten sie auch. \u201eIch w\u00fcrde gerne wissen, was daran intransparent ist.\u201c<\/p>\n<div>\n<div>\n<p>Sportunterricht in Brooklyn<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00dcber Bildung und Schulen laufe der Weg, damit ein Mensch einen konstruktiven Beitrag zu seiner Familie, der Gesellschaft und der Menschheit leiste, sagt er. \u201eAu\u00dferdem bin ich \u00fcberzeugt, dass wir als Gesch\u00f6pfe Gottes nur durch eine weltliche und spirituelle Bildung zur vollen individuellen Reife gelangen.\u201c Ein Leben lang hat G\u00fclen diese Ideen gepredigt, rief zum Bau von Schulen auf. Gebaut werden sie von Unternehmern, die sich von G\u00fclen inspiriert f\u00fchlen. Er selbst ist an keiner von ihnen Gr\u00fcndungs- oder Vorstandsmitglied.<\/p>\n<p>Dass immer wieder das Stichwort \u201eUnternehmer\u201c auftaucht, hat nicht nur mit Geld zu tun. G\u00fclen predigt seinen Anh\u00e4ngern, als Unternehmer erfolgreich zu sein. Mit Erfolg. Auf G\u00fclen beruft sich ein gro\u00dfer t\u00fcrkischer Unternehmerverband, der Aufschwung Anatoliens ist mit seinem Namen verkn\u00fcpft. \u201eIch habe immer dazu aufgerufen, einen aufrichtigen Unternehmergeist zu haben\u201c, sagt G\u00fclen. Den Unternehmern rate er zu einem bedachten Risiko, er ermutige sie zu investieren und im Ausland zu expandieren. \u201eStets erinnere ich sie auch an ihre soziale und gesellschaftliche Verantwortung.\u201c Und er h\u00e4lt einen Ethos des ehrlichen Kaufmanns f\u00fcr sie bereit: sich von Betrug, Spekulationen und Schwarzmarkthandel fernzuhalten, f\u00fcr Vertrauen und Sicherheit zu stehen, die Gaben Gottes nicht verschwenderisch auszukosten, nicht habgierig zu sein, die Rechte der Arbeiter zu respektieren, nicht zu vergessen, dass die Gesellschaft, in der sie lebten, ebenfalls einen Anteil an ihren Gewinnen habe, und im Bewusstsein zu leben, dass letztendlich alles von Gott komme.<\/p>\n<h2>Stipendien in H\u00f6he von vier Millionen Dollar<\/h2>\n<p>Tevfik Emre Aksoy ist einer dieser Unternehmer, die nach G\u00fclens Konzept der Gottgef\u00e4lligkeit handeln. Als Bauunternehmer brachte er es im New Yorker Stadtteil Brooklyn zu Wohlstand. Erfolgreiche Selbst\u00e4ndige wie er spenden einen erheblichen Teil ihres Einkommens an die Organisationen der \u201eHizmet-Bewegung\u201c. Sie finanzieren sie damit. Mit vier anderen Selbst\u00e4ndigen sitzt er im Vorstand der Amity School von Brooklyn. Die Schulgeb\u00fchren decken einen Teil des laufenden Haushalts, den Rest und vor allem die laufenden Investitionen \u00fcbernehmen Spender wie Aksoy.<\/p>\n<p>In das Tagesgesch\u00e4ft des Schuldirektors Cengiz Karabekmez greift der Wohlt\u00e4ter nicht ein. Dreihundert Sch\u00fcler besuchen die 1999 gegr\u00fcndete Schule, hundert leben im angeschlossenen Internat. Sie stammen aus 17 Nationen und f\u00fcnf Glaubensgemeinschafen, viele aber mit Wurzeln in der T\u00fcrkei. Die Schule wirbt damit, dass seit Jahren alle Absolventen einen Studienplatz bekommen. Die besten gehen nach Harvard, Columbia und Yale. \u201eDie f\u00fcnfundzwanzig Absolventen des letzten Jahrgangs haben Stipendien in H\u00f6he von vier Millionen Dollar eingesammelt\u201c, sagt Karabekmez stolz.<\/p>\n<h2>Schwerpunkt Naturwissenschaften<\/h2>\n<p>Schwerpunkt ist, wie in allen \u201eG\u00fclen-Schulen\u201c, die Vermittlung der Naturwissenschaften. \u201eEinen Glauben dr\u00e4ngen wir nicht auf\u201c, sagt Karabekmez. \u201eWir sind ja keine religi\u00f6se Schule.\u201c Das Schulfach \u201eCharaktererziehung\u201c vermittle universale Werte wie Respekt, N\u00e4chstenliebe und Arbeitsethik. Die meisten der 36 Lehrer sind amerikanische Staatsb\u00fcrger. Sprachprobleme? Gewiss, manche Eltern spr\u00e4chen nur wenig Englisch, sagt eine Lehrerin. \u201eDie Gemeinschaft in der Schule sorgt aber daf\u00fcr, dass schon in der ersten Klasse jeder gut Englisch spricht.\u201c<\/p>\n<p>Der Englischlehrer Adamir kennt Deutschland und die Vereinigten Staaten &#8211; nur wer G\u00fclen ist, wei\u00df er nicht. Adamirs Eltern waren mit den Kindern vor dem Krieg auf dem Balkan zun\u00e4chst nach Deutschland geflohen, vor zw\u00f6lf Jahren lie\u00dfen sie sich in New York nieder. Auch den Namen \u201eHizmet-Bewegung\u201c hat er nie geh\u00f6rt. Die Amity-Schule ist f\u00fcr ihn die richtige, weil er hier als Lehrer mehr Mitsprachem\u00f6glichkeiten hat als an anderen Schulen. Gottgef\u00e4lligkeit dr\u00e4ngt sich nicht auf. \u201eGott liebt jeden Menschen\u201c, sagt Aksoy, der Unternehmer und Spender. \u201eBesonders liebt Gott aber die guten Taten eines Menschen.\u201c<\/p>\n<p>Quelle: <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>09.11.2012\u00a0\u00b7\u00a0 Der t\u00fcrkische Prediger Fethullah G\u00fclen lebt seit 13 Jahren in den Vereinigten Staaten. Er verl\u00e4sst kaum noch sein Haus in Sailorsburg. Trotzdem ist er \u00fcberall. Auch in Amerika ist ein weitverzweigtes Netz seiner Anh\u00e4nger entstanden. 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