{"id":5384,"date":"2012-02-26T16:31:32","date_gmt":"2012-02-26T14:31:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/?p=5384"},"modified":"2023-04-02T13:15:03","modified_gmt":"2023-04-02T10:15:03","slug":"eine-tragikomodie-in-drei-akten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2012\/02\/26\/eine-tragikomodie-in-drei-akten\/","title":{"rendered":"Eine Tragikom\u00f6die in drei Akten?"},"content":{"rendered":"<p><em>Dr. Ali Sak<\/em><\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5385\" title=\"Dr_Ali_Sak1\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Dr_Ali_Sak1.jpg\" alt=\"\" width=\"160\" height=\"178\" \/>Seit genau einem Jahr wird in NRW gegen die t\u00fcrkischst\u00e4mmige Staatssekret\u00e4rin f\u00fcr Integration und Arbeit, unter Einschaltung von Migrantenorganisationen und der Presse, eine regelrechte \u201eHetzkampagne\u201e gef\u00fchrt. Grund ist ein Antrag bzw. ein Fragebogen der Alevitischen Gemeinde Deutschlands zum Thema \u201cRechtsextremismus und Islamismus unter T\u00fcrkeist\u00e4mmigen\u201d der bei der Staatssekret\u00e4rin eingereicht wurde. Im Auftrag des Bundesfamilienministeriums sollte so die Aufkl\u00e4rung \u00fcber radikale Tendenzen bei T\u00fcrkeist\u00e4mmigen verbessert werden. Der Fragebogen soll seitens der Staatssekret\u00e4rin zur\u00fcckgewiesen worden sein.1 Hiernach begann eine Serie an pers\u00f6nlichen Kampagnen gegen die Staatssekret\u00e4rin. Die ganze Szenerie erinnert an eine Theaterauff\u00fchrung das in seiner ganzen Entwicklung einen tragischen Ausgang erwarten l\u00e4sst, aber nach eigener Erwartung ein \u00fcberraschend gl\u00fcckliches Ende einnehmen wird; trotz allem wirkt es komisch und sollte die Leser zum Denken anregen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erster Akt:<\/strong> Migrantenorganisationen, die in der CAF, Christlich-Alevitischer Freundeskreis der CDU, organisiert sind werfen der Staatssekret\u00e4rin f\u00fcr Integration und Arbeit, Z\u00fclfiye Kayk\u0131n eine angebliche N\u00e4he zu den Grauen W\u00f6lfen, eine Idealistenvereinigung der T\u00fcrkischen Rechten, vor und fordern Ihren R\u00fccktritt. Der CAF ist laut eigener Bekundung ein Zusammenschluss von Vertretern unterschiedlicher Migrantengemeinschaften (Aleviten, Christen, Sunniten, Yeziden, sowie Armenier, Aram\u00e4er, Griechen, Kroaten, Kurden und T\u00fcrken), die sich in der CDU zusammengefunden haben und ist ein parteipolitisches Netzwerk das sich als Sonderorganisation der CDU konstituieren m\u00f6chte.2<\/p>\n<p>Der Forderung nach einem R\u00fccktritt der Staatssekret\u00e4rin folgt auch Deniz G\u00fcner, Vorsitzender der T\u00fcrkischen Gemeinde in NRW (TGNRW) und gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender der T\u00fcrkischen Gemeinde in Deutschland. Frau Kayk\u0131n habe eine N\u00e4he zu t\u00fcrkischen Rechtsradikalen, hatte G\u00fcner in der WELT ONLINE erkl\u00e4rt.1 Auch die Alevitische Gemeinde in Deutschland e.V. (AABF) hatte durch Ihren Sprecher Ali Ertan Toprak in der WELT ONLINE verlautbaren lassen, das Kayk\u0131n zur\u00fccktreten m\u00fcsse.3 Innerhalb der TGNRW kam es bez\u00fcglich der Anschuldigungen gegen\u00fcber Frau Kayk\u0131n zu einem Eklat, bei dem der Vorsitzende Deniz G\u00fcner zeitweilig seinen Hut nehmen musste. \u201eG\u00fcner habe seine pers\u00f6nliche Meinung vertreten, nicht die der TGNRW\u201c, so Sabriye Subcun in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Der Vorstand der Alevitischen Gemeinde Deutschland distanzierte sich mit einer Presseerkl\u00e4rung vom 21. Mai 2011 von den Forderungen: \u201e<strong>Der Vorstand der Alevitischen Gemeinde Deutschland hat zu keinem Zeitpunkt personelle Konsequenzen von der Staatssekret\u00e4rin f\u00fcr Integration Z\u00fclfiye Kayk\u0131n gefordert.<\/strong>\u201c Kurz danach erhielt die Staatssekret\u00e4rin auch R\u00fcckendeckung von der stellvertretenden Vorsitzenden der TGNRW, Sabriye Subcun und weiteren Vorstandsmitgliedern \u015eeref \u00c7a\u011flar, Orhan Topal, Yasemin \u00d6nel, Dil\u015fad Budak und Dr. Ali Akg\u00fcn. Vorstandmitglieder der Alevitischen Gemeinde e.V., der F\u00f6deration T\u00fcrkischer Elternvereine in Nordrhein-Westfalen, der F\u00f6deration T\u00fcrkischer Elternvereine in Deutschland, sowie Beiratsmitglieder der Duisburger Begegnungsst\u00e4tte st\u00e4rken der Staatssekret\u00e4rin den R\u00fccken.<\/p>\n<p>Der erste Akt endet mit einer gerichtlichen Klarstellung um eine angebliche N\u00e4he der Staatssekret\u00e4rin Z\u00fclfiye Kayk\u0131n zu den Grauen W\u00f6lfen in Deutschland. Kayk\u0131n konnte die Behauptungen der CAF vor Gericht widerlegen. Die CAF wurde dazu verurteilt eine Gegendarstellung zu ver\u00f6ffentlichen und diese Behauptungen nicht mehr aufzustellen. Somit hat der von der Christlich-Alevitischen Freundeskreises der CDU losgetretene Streit ein richterliches Ende gefunden.4<\/p>\n<p><strong>Zweiter Akt<\/strong>: Im Jahre 2008 wird die unter Frau Kayk\u0131n gef\u00fchrte Begegnungsst\u00e4tte und Moschee in Duisburg Marxloh noch unter der CDU gef\u00fchrten Landesregierung mit Beteiligung des damaligen Ministerpr\u00e4sidenten J\u00fcrgen R\u00fcttgers eingeweiht. Es wird in ganz Deutschland als &#8222;Wunder von Marxloh&#8220; bejubelt, weil sie durch ihre Offenheit bei Nichtmuslimen Vertrauen schufen. Kayk\u0131n, die damalige Leiterin bekam f\u00fcr Ihre zum Teil ehrenamtliche T\u00e4tigkeiten 2004 den Preis f\u00fcr Toleranz und Zivilcourage und 2007 Bundesverdienstkreuz am Bande f\u00fcr ihren Einsatz um &#8222;die Verst\u00e4ndigung von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Religion und Hautfarbe&#8220;. Alles \u00e4ndert sich als Frau Kayk\u0131n 2010 unter der SPD gef\u00fchrten Landesregierung zur Staatssekret\u00e4rin f\u00fcr Integration und Arbeit ernannt worden ist. Es wird Ihr vorgeworfen, Sie h\u00e4tte DITIB Gelder veruntreut. Nach einem Bericht des Spiegels w\u00e4re in dieser Zeit in der DITIB Moschee eine &#8222;inoffizielle Kasse&#8220; gef\u00fchrt worden, deren Einnahmen demnach teils f\u00fcr heimliche Zusatzzahlungen an Mitarbeiter verwendet worden seien.5<\/p>\n<p>Der zweite Akt endet mit der Tatsache, dass die Vorw\u00fcrfe an Kraft verlieren, als bekannt wird, dass es sich nur um einen Zwischenbericht handelte, der teils falsch ins Deutsche \u00fcbersetzt und offenbar erneut \u00fcberarbeitet wurde, bevor er in die \u00d6ffentlichkeit kam.6 Frau Kayk\u0131n teilt in einer Stellungnahme mit, es seien ungepr\u00fcfte Vorw\u00fcrfe aufgelistet worden, die &#8222;allesamt nicht zutreffen&#8220;. Im Beirat der Begegnungsst\u00e4tte sei festgestellt worden, &#8222;dass es keine Beanstandungen gab&#8220;. Es seien lediglich Vorschl\u00e4ge zur Verbesserung der kaufm\u00e4nnischen Buchf\u00fchrung&#8220; gemacht worden.7<\/p>\n<p><strong>Dritter Akt<\/strong>: Der Staatssekret\u00e4rin wird nun vorgeworfen, mit ungerechtfertigten Angaben EU-F\u00f6rdermittel erschlichen zu haben. Hierbei geht es um ein Projekt der Begegnungsst\u00e4tte. Beim Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (BAMF) wurden hierf\u00fcr F\u00f6rdermittel in H\u00f6he von 90.000 Euro aus dem Europ\u00e4ischen Integrationsfonds akquiriert. Mit dem Geld sollten laut Projektantrag sieben Mitarbeiter 50 Moscheen in Sachen F\u00f6rdermittelakquise, \u00d6ffentlichkeitsarbeit und interkulturellem Dialog schulen. Am Ende hatten sich aber nur 10 Vereine f\u00fcr eine Schulung interessiert. Laut einem Bericht der WAZ wurden 6000 Stunden Arbeitszeit f\u00fcr die Schulungen abgerechnet.8 Der dritte Akt endet damit, dass die Staatssekret\u00e4rin erkl\u00e4rt, auch in diesem Zusammenhang seien diese Vorw\u00fcrfe falsch. Die fraglichen Projekte seien &#8222;ordnungsgem\u00e4\u00df abgewickelt&#8220; worden.7<\/p>\n<p><strong>Das Res\u00fcmee<\/strong><\/p>\n<p>Der T\u00fcrkischen \u00d6ffentlichkeit in Deutschland ist es indes nicht entgangen, dass hier durch eine ausgekl\u00fcgelte Regief\u00fchrung und aus rein politischem Kalk\u00fcl heraus gezielt versucht wird Frau Kayk\u0131n zu sch\u00e4digen um so Ihren R\u00fccktritt zu erzwingen und dadurch letztendlich der Landesregierung zu schaden. Man sollte sich in diesem Zusammenhang folgende Fragen stellen: Wer kann ein Interesse daran haben \u00fcber die CAF und die TGNRW eine Kampagne gegen Frau Kayk\u0131n zu f\u00f6rdern und Ihr zu sch\u00e4digen? Wer holte den zum Teil falsch \u00fcbersetzten und halbfertigen Zwischenbericht aus den Schr\u00e4nken in der DITIB-Zentrale und reichte es an die Presse weiter? Wer sind die eigentlichen \u201eRegisseure\u201c dieser Attacken? Es sind nach pers\u00f6nlicher Einsch\u00e4tzung wahrscheinlich immer die Gleichen, die gezielt und systematisch eine Psycho-Kampagne gegen Frau Kayk\u0131n f\u00fchren. Leider kann man diesen Aspekt aus den Zeitungsberichten nicht entnehmen.<\/p>\n<p>Interessant ist, dass im Zusammenhang mit den Nazimorden und dem steigenden Rechtspopulismus unter der Deutschen Bev\u00f6lkerung bisher weder seitens der CAF noch der TGNRW eine \u00f6ffentliche Stellungnahme gekommen ist. Die CDU in K\u00f6ln hat indes am 06.02.2012 k\u00fcrzlich einen Dringlichkeitsantrag zur \u201e<strong>Fortf\u00fchrung der Untersuchung zur Verbreitung von Rechtsradikalismus im t\u00fcrkischen Milieu gestellt<\/strong>.\u201c Womit wir dann am Anfang w\u00e4ren. Die Frage stellt sich hier wie dringlich dieser Antrag ist? W\u00e4re angesichts der aktuellen Diskussion nicht sinnvoller und dringlicher folgenden Antrag zu stellen? \u201e<strong>Untersuchung zur Verbreitung von Rechtsradikalismus, Rassismus und Nazigedankengut in Deutschland.<\/strong>\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Referenzen:<\/strong><\/p>\n<p>1) <\/p>\n<p>2) <\/p>\n<p>3) <\/p>\n<p>4) <\/p>\n<p>5) <\/p>\n<p>6) <\/p>\n<p>7) <\/p>\n<p>8) : Dann warf mann Ihr vor Sie h\u00e4tte DITIB Gelder veruntreut. Wieder lief eine breite Medienkampagne. Es war ein Blindschuss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3: Nun wirft mann Ihr vor Sie h\u00e4tte F\u00f6rdergelder der BAMF veruntreut.<\/p>\n<p>Was kommt als n\u00e4chstes? Wer steckt hinter all diesen Rufmordkampagnen? Die \u00d6ffentlichkeit sollte sich diese Frage stellen und nach Antworten suchen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Ali Sak Seit genau einem Jahr wird in NRW gegen die t\u00fcrkischst\u00e4mmige Staatssekret\u00e4rin f\u00fcr Integration und Arbeit, unter Einschaltung von Migrantenorganisationen und der Presse, eine regelrechte \u201eHetzkampagne\u201e gef\u00fchrt. Grund ist ein Antrag bzw. ein Fragebogen der Alevitischen Gemeinde Deutschlands zum Thema \u201cRechtsextremismus und Islamismus unter T\u00fcrkeist\u00e4mmigen\u201d der bei der Staatssekret\u00e4rin eingereicht wurde. 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