{"id":5092,"date":"2011-12-20T01:30:09","date_gmt":"2011-12-19T23:30:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/?p=5092"},"modified":"2014-01-01T23:25:44","modified_gmt":"2014-01-01T21:25:44","slug":"warum-der-rassismus-abnimmt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2011\/12\/20\/warum-der-rassismus-abnimmt\/","title":{"rendered":"Warum der Rassismus abnimmt"},"content":{"rendered":"<h2>Wie rassistisch sind die Deutschen? Umfragen deuten darauf hin, dass die Fremdenfeindlichkeit zur\u00fcckgeht. Doch Experten warnen davor, das Thema vorschnell abzuhaken.<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5094\" title=\"neo\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/neo.jpg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"143\" \/>&#8222;Leben in Deutschland heute zu viele Ausl\u00e4nder?&#8220;, das wollte das Allensbacher Institut f\u00fcr Demoskopie 1984 von den Westdeutschen wissen. Als die Meinungsforscher die Befragung 25 Jahre sp\u00e4ter im vereinigten Deutschland wiederholten, stie\u00dfen sie auf eine massive Ver\u00e4nderung: Der Anteil derer, die die Frage bejahten, war von 79 auf 53 Prozent gesunken &#8211; obwohl der Ausl\u00e4nderanteil im Untersuchungsgebiet von rund sieben auf knapp zehn Prozent gestiegen war.<\/p>\n<p>&#8222;Konjunkturelle Schwankungen&#8220;<\/p>\n<p>Mit einer etwas anders formulierten Fragestellung ermittelte die Universit\u00e4t Bielefeld in einer seit 2002 andauernden Langzeit-Studie denselben Trend: Zwischen 2002 und 2011 sank die Zustimmung zu der These, es gebe zu viele Ausl\u00e4nder, von rund 55 auf 44 Prozent. &#8222;Die Fremdenfeindlichkeit nimmt im Moment tendenziell ab&#8220;, sagt Andreas Zick, einer der Autoren der Studie. &#8222;Wenn wir uns aber die letzten zehn Jahre anschauen, sehen wir, dass sie auch immer wieder mal ansteigt.&#8220;<\/p>\n<p>Christoph Butterwegge (Foto: ZB)Christoph ButterweggeDer K\u00f6lner Politologe Christoph Butterwegge verweist ebenfalls auf die Instabilit\u00e4t solcher Stimmungen. &#8222;Rassismus unterliegt konjunkturellen Schwankungen&#8220;, sagt er. &#8222;Wenn es einen Aufschwung gibt, wenn Wohlstand herrscht, ist die Verlockung geringer, nach S\u00fcndenb\u00f6cken zu suchen.&#8220; In Krisenzeiten dagegen n\u00e4hmen rechtsextreme Einstellungen zu.<\/p>\n<p>Dieser Zusammenhang l\u00e4sst sich auch empirisch nachweisen. Entscheidend sei die individuelle Krisenwahrnehmung, erkl\u00e4rt der Sozialforscher Andreas Zick: &#8222;Wenn sich Menschen &#8211; ganz gleich, aus welcher Schicht sie kommen &#8211; durch eine Krise bedroht f\u00fchlen, f\u00fchrt das zu einer Erh\u00f6hung des Vorurteils.&#8220;<\/p>\n<p>Ein Asylbewerber schaut 1991 in Hoyerswerda aus einem eingeschlagenen Fenster (Foto: ZB)Ein Asylbewerber schaut 1991 in Hoyerswerda aus einem eingeschlagenen Fenster Einen weiteren wichtigen Einfluss haben nach Meinung der meisten Experten gesellschaftliche Diskurse. So f\u00fchrte die aufgeheizte Debatte um die Versch\u00e4rfung des Asylrechts in den fr\u00fchen 1990er Jahren zu einem Anstieg fremdenfeindlicher Einstellungen. Auch die rassistische Gewalt nahm drastisch zu und kulminierte in tagelangen Ausschreitungen gegen zwei ostdeutsche Asylbewerberheime.<\/p>\n<p>Das Sarrazin-Paradoxon<\/p>\n<p>Die Folgen von \u00f6ffentlichen Debatten lassen sich jedoch nur schwer vorhersagen. Im vergangenen Jahr l\u00f6ste der SPD-Politiker Thilo Sarrazin eine monatelange Diskussion um vermeintlich integrationsunwillige Muslime aus. Islamfeindliche Einstellungen nahmen dadurch jedoch keineswegs zu \u2013 im Gegenteil: Die Zustimmung zu der Aussage &#8222;Durch die vielen Muslime f\u00fchle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land&#8220; sank im Verlauf der Sarrazin-Debatte von 38,9 auf 30,2 Prozent. &#8222;Sarrazin scheint vielleicht den Effekt gehabt zu haben, dass leichtfertiger populistische Islamfeindlichkeit ge\u00e4u\u00dfert wurde&#8220;, sagt Andreas Zick. &#8222;Aber es gab in weiten Bereichen auch eine R\u00fcckbesinnung, dass wir nicht wahllos Menschen aufgrund ihrer Gruppenzugeh\u00f6rigkeit abwerten k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Andreas Zick, Professor f\u00fcr Sozialisation und Konfliktforschung an der Universit\u00e4t Bielefeld (Foto: dpa)Sozialforscher Andreas ZickDer langfristige Trend bleibt von diesem Auf und Ab rassistischer Einstellungen jedoch unbeeinflusst. &#8222;Es gibt eine immer weitere gesellschaftliche \u00d6ffnung&#8220;, sagt Andreas Zick. &#8222;Besonders in den St\u00e4dten sehen wir, dass die Menschen kulturelle Vielfalt sehr hoch sch\u00e4tzen, auch, weil sie dort Alltagswirklichkeit ist.&#8220; Dies halte eine positive Norm aufrecht, die inzwischen stark etabliert sei.<\/p>\n<p>Gewaltbereite Minderheit<\/p>\n<p>Ulrich Wagner, Sozialpsychologe an der Universit\u00e4t Marburg, h\u00e4lt dieses Miteinander f\u00fcr zentral. &#8222;Aus der Kontaktforschung wissen wir, dass Gruppen Vorurteile und Stereotype abbauen, wenn sie miteinander in Kontakt kommen&#8220;, sagt Wagner. Wer pers\u00f6nliche Erfahrungen mit Einwanderern habe, lasse sich deutlich weniger von gesellschaftlichen Stimmungen beeinflussen. So l\u00e4sst sich auch erkl\u00e4ren, dass sich der tats\u00e4chliche Anteil von Ausl\u00e4ndern und ihre Wahrnehmung als &#8222;zu viele&#8220; gegenl\u00e4ufig entwickeln.<\/p>\n<p>Neonazi-Demonstration im Februar in Dresden (Foto: ZB)Neonazi-Demonstration im Februar 2011 in Dresden F\u00fcr eine Entwarnung sieht Wagner jedoch keinen Anlass: &#8222;Insgesamt scheint es einen R\u00fcckgang von Fremdenfeindlichkeit zu geben, aber das bedeutet nicht, dass das f\u00fcr alle Segmente der Bev\u00f6lkerung gleicherma\u00dfen gilt.&#8220; Ein Teil koppele sich immer st\u00e4rker von dieser Entwicklung ab. Diese Gruppe ist alles andere als klein: 19 Prozent der in der Bielefelder Studie Befragten stimmten der Aussage zu: &#8222;Wenn sich andere bei uns breit machen, muss man ihnen unter Umst\u00e4nden unter Anwendung von Gewalt zeigen, wer Herr im Hause ist.&#8220;<\/p>\n<p>Auch beim Blick auf den gesamtgesellschaftlichen Trend sei N\u00fcchternheit geboten. &#8222;Man kann es positiv finden, dass weniger Menschen glauben, es gebe zu viele Ausl\u00e4nder in Deutschland&#8220;, sagt Wagner. &#8222;Man muss aber auch sehen: Es sind immer noch fast 50 Prozent.&#8220;<\/p>\n<p>Autor: Dennis Stute<\/p>\n<p>Redaktion: Andrea Grunau<\/p>\n<p>via Warum der Rassismus abnimmt | Politik &amp; Gesellschaft | Deutsche Welle | 17.12.2011.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie rassistisch sind die Deutschen? Umfragen deuten darauf hin, dass die Fremdenfeindlichkeit zur\u00fcckgeht. 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