{"id":427,"date":"2010-06-30T12:36:17","date_gmt":"2010-06-30T10:36:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=427"},"modified":"2014-01-01T21:05:14","modified_gmt":"2014-01-01T19:05:14","slug":"deutschland-muss-zuwanderung-endlich-steuern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/06\/30\/deutschland-muss-zuwanderung-endlich-steuern\/","title":{"rendered":"Deutschland muss Zuwanderung endlich steuern"},"content":{"rendered":"<h4>Statt Zustrom aus den Unterschichten zu f\u00f6rdern, sollte Deutschland Talente aus aller Welt anziehen. Daf\u00fcr sind neue Werkzeuge n\u00f6tig.<\/h4>\n<p>Im weltweiten Kampf um die besten Talente sollte Deutschland nicht nur Zuschauer sein, sondern aktiv werden<\/p>\n<p>von Dorothea Siems<\/p>\n<p>Wenn es um Zuwanderung und Integration geht, l\u00fcgen sich die Deutschen gerne in die Tasche. Statt n\u00fcchtern Chancen und Probleme zu beleuchten, sind die Meinungsf\u00fchrer nahezu einhellig um politische Korrektheit bem\u00fcht. Dieser pawlowsche Reflex funktioniert auch jetzt wieder, nachdem der CDU-Innenpolitiker Peter Trapp Intelligenztests f\u00fcr Migranten gefordert hat: Allseits ist Emp\u00f6rung zu h\u00f6ren; kein Politiker will schlie\u00dflich als ausl\u00e4nderfeindlich abgestempelt werden.<\/p>\n<p>Sicherlich sind Intelligenztests kein probates Instrument, um Zuwanderung zu steuern. Dennoch ist die Forderung Trapps im Kern richtig. Deutschland muss endlich aufh\u00f6ren, Migration vor allem als soziale Aufgabe zu begreifen. Es geht vielmehr um die Sicherung des hiesigen Standorts. Angesichts der drohenden \u00dcberalterung brauchen wir Zuwanderer. N\u00f6tig sind jedoch kluge K\u00f6pfe und nicht bildungsferne Ausl\u00e4nder, die auf dem hiesigen Arbeitsmarkt nicht unterzubringen sind.<\/p>\n<p><strong>Bildungsniveau der Einwanderer \u00fcber dem der Einheimischen<\/strong><\/p>\n<p>Klassische Einwanderungsl\u00e4nder wie Kanada oder Australien haben seit Jahrzehnten \u00fcberhaupt kein Problem damit, Zuwanderung ausschlie\u00dflich nach nationalen Eigeninteressen zu lenken. Ohne Ansehen der Rasse oder Religion sind die Fremden willkommen \u2013 jedoch nur, wenn es sich um qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte handelt. F\u00fcr andere Menschen sind die Grenzen dicht.<\/p>\n<p>Kein Intelligenztest, aber ein anspruchsvolles Punktesystem, das weit mehr als nur einen Sprachtest umfasst, sorgt f\u00fcr die zielgenaue Auswahl. Wer in diese L\u00e4nder einwandert, steht in der Bildung deshalb in aller Regel \u00fcber dem Durchschnitt der heimischen Bev\u00f6lkerung. In Kanada trifft dies auf fast jeden Einwanderer zu, in Australien nach Angaben des Bremer Sozialwissenschaftlers Gunnar Heinsohn immerhin auf 85 Prozent der Migranten.<\/p>\n<p>In Deutschland liegt dagegen das Bildungsniveau beim Gros der Zugewanderten unter dem Durchschnitt der einheimischen Bev\u00f6lkerung. Und weil einfache Arbeit hierzulande Mangelware ist, richten sich viele der Migranten gezwungenerma\u00dfen im Sozialsystem ein. W\u00e4hrend Deutschland mit viel Geld, aber wenig Erfolg versucht, seine Integrationsprobleme in den Griff zu bekommen, treten solche Schwierigkeiten in Kanada oder Australien selten auf. Dort sind die Ausl\u00e4nder oft von der ersten Stunde an ein Gewinn f\u00fcr die Volkswirtschaft und die Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>Kostenspielige F\u00f6rderung ohne Erfolge<\/strong><\/p>\n<p>Die hiesigen Politiker vertrauen darauf, Migrantenkinder durch \u201efr\u00fchkindliche Bildung\u201c fit f\u00fcr die Schule und sp\u00e4ter f\u00fcr den Arbeitsmarkt machen zu k\u00f6nnen. Doch auch Krippen, Kinderg\u00e4rten und Ganztagsschulen werden nur begrenzt erfolgreich sein, wenn Eltern ihren Kindern keinen Aufstiegswillen vermitteln und sie nicht zum Lernen anspornen. In der hiesigen Unterschicht \u2013 die keineswegs nur aus Migranten besteht \u2013 ist dies leider oft der Fall.<\/p>\n<p>Schon heute besucht das Gros der ausl\u00e4ndischen Kinder sp\u00e4testens mit drei Jahren eine Kita. Die Deutschkenntnisse beim Schulbeginn sind dennoch oft verheerend. Solche Fakten bedeuten nicht, dass F\u00f6rderung zwecklos ist. Doch realistischerweise sollte man sich eingestehen, dass es schon ein Erfolg w\u00e4re, wenn es mit der teuren Infrastruktur gel\u00e4nge, den hohen Anteil der Schulabg\u00e4nger ohne Abschluss deutlich zu senken. Den in der Wirtschaft beklagten Mangel an Ingenieuren, Naturwissenschaftlern und Computerspezialisten wird Deutschland auf diesem Weg jedenfalls nicht beheben.<\/p>\n<p><strong>Zuwanderung kann unsere Probleme l\u00f6sen<\/strong><\/p>\n<p>In der Debatte wird oft \u00fcbersehen, dass die verschiedenen Ausl\u00e4ndergruppen hierzulande sehr unterschiedlich integriert sind. W\u00e4hrend T\u00fcrken und Araber h\u00e4ufiger als andere auch in der dritten Generation noch nicht in der hiesigen Gesellschaft angekommen sind, gelangen die Kinder mit russischen, iranischen oder vietnamesischen Wurzeln sogar \u00fcberdurchschnittlich oft zum Abitur. Und auch unter den T\u00fcrken sind diejenigen, die schon in ihrer Heimat eine gute Bildung genossen haben, in Deutschland erfolgreich.<\/p>\n<p>Diese Arrivierten unter den Zugewanderten leiden darunter, dass die Deutschen sie oft mit den Hartz-IV-Ausl\u00e4ndern in einen Topf werfen und sie entweder als St\u00f6renfriede oder als Opfer behandeln. Den internationalen Wettbewerb um Talente werden wir grandios verlieren, wenn wir nicht die Hochgebildeten im eigenen Land \u2013 gleich welcher Herkunft \u2013 mit guten Bedingungen zum Hierbleiben veranlassen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig muss Deutschland aktiv in L\u00e4ndern wie Indien, Polen oder China um die Klugen werben und umgekehrt die H\u00fcrden f\u00fcr Unqualifizierte erh\u00f6hen. Richtig gesteuert, ist Zuwanderung kein Problem, sondern ein Teil der L\u00f6sung unserer Zukunftsprobleme.<\/p>\n<p>Quelle: Welt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Statt Zustrom aus den Unterschichten zu f\u00f6rdern, sollte Deutschland Talente aus aller Welt anziehen. Daf\u00fcr sind neue Werkzeuge n\u00f6tig. Im weltweiten Kampf um die besten Talente sollte Deutschland nicht nur Zuschauer sein, sondern aktiv werden von Dorothea Siems Wenn es um Zuwanderung und Integration geht, l\u00fcgen sich die Deutschen gerne in die Tasche. 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