{"id":4205,"date":"2011-06-20T14:56:59","date_gmt":"2011-06-20T11:56:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=4205"},"modified":"2023-04-14T16:29:03","modified_gmt":"2023-04-14T13:29:03","slug":"die-turkei-nach-den-wahlen-boom-am-bosporus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2011\/06\/20\/die-turkei-nach-den-wahlen-boom-am-bosporus\/","title":{"rendered":"Die T\u00fcrkei nach den Wahlen: Boom am Bosporus"},"content":{"rendered":"<p>von Gunter Mulack, The European<\/p>\n<p>Parliamentary elections in Turkey<\/p>\n<figure id=\"attachment_4207\" aria-describedby=\"caption-attachment-4207\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><figcaption id=\"caption-attachment-4207\" class=\"wp-caption-text\">dpa Anh\u00e4nger der Regierungspartei AKP<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die t\u00fcrkische Wirtschaft w\u00e4chst, das Land ist zum regionalen Knotenpunkt geworden. Einzig der konservative Nationalstolz droht die Modernisierung des Landes zu behindern.<\/p>\n<p>Recep Tayyip Erdogan und die AKP haben die Wahlen zur Gro\u00dfen Nationalversammlung am 12. Juni 2011 mit gro\u00dfer Mehrheit gewonnen. Die bew\u00e4hrte Politik des wirtschaftlichen Wachstums und der F\u00f6rderung einer immer st\u00e4rker bildungsnahen Mittelklasse wird fortgef\u00fchrt werden. Es ist gerade diese anatolische aufstrebende Mittelklasse, die Erdogan unterst\u00fctzt. Sie ist auch Nutznie\u00dfer des eindrucksvollen wirtschaftlichen Aufschwungs. Konservativ, im muslimischen Glauben fest verwurzelt und gleichzeitig nationalstolz pr\u00e4gt sie das Bild der heutigen T\u00fcrkei.<\/p>\n<p>Es nicht zu bef\u00fcrchten, dass Erdogan seine erneuerte Macht ausnutzen wird, um aus der T\u00fcrkei eine islamische Republik zu machen. Unbestreitbar wird aber der Islam ein wichtiger Identit\u00e4tsfaktor f\u00fcr die T\u00fcrken bleiben. Man ist stolz darauf, eine islamische Demokratie zu sein. Die Gefahr ist allerdings, dass Erdogan zunehmend autorit\u00e4r regieren wird. Auch die angestrebte Verfassungs\u00e4nderung mit dem Ziel einer pr\u00e4sidialen Demokratie zeigt deutlich, dass die AKP auf ihrem nationalistischen Kurs beharren wird.<\/p>\n<p>Beeindruckender Wirtschaftsboom<\/p>\n<p>Der Wirtschaftsboom in der T\u00fcrkei, inzwischen 17. Wirtschaftsmacht weltweit \u2013 mit einer Wachstumsrate von 8,9 Prozent im vergangenen Jahr \u2013 ist beeindruckend. Die T\u00fcrkei als Br\u00fccke von Europa nach West- und Zentralasien ist eine bedeutende Regionalmacht geworden, die zugleich fest in der Nato verankert ist und eine konstruktive Rolle spielt in einer auf gute Nachbarschaft ausgerichteten Au\u00dfenpolitik. Dass dieses nicht immer ein Nullsummen-Spiel ist, zeigen die Ereignisse in Syrien, zu dem die T\u00fcrkei ein gutes Nachbarschaftsverh\u00e4ltnis entwickelt hatte. Nachdem Erdogan ergebnislos versucht hat, die syrische F\u00fchrung auf einen friedlichen Kurs zu bringen, verurteilt er inzwischen das menschenverachtende Vorgehen der syrischen Regierung und ihres Machtapparates gegen\u00fcber den protestierenden Menschen scharf und hat die Grenze der T\u00fcrkei f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge ge\u00f6ffnet. Die T\u00fcrkei ist bereit, bei den Konflikten in Libyen und den arabischen Revolutionen in Tunesien und \u00c4gypten eine Vermittler- und Helferrolle zu spielen. Das Gleiche gilt auch f\u00fcr Afghanistan und Pakistan. In beiden L\u00e4ndern erfreut sich die T\u00fcrkei eines hohen Ansehens. Kann die T\u00fcrkei hier ihre Vorbildfunktion als funktionierende islamische Demokratie ausbauen? Es bleibt zu hoffen.<\/p>\n<p>Die Mitgliedschaft in der Europ\u00e4ischen Union bleibt nach wie vor politisches Ziel der T\u00fcrkei. Aufgrund ihres gewachsenen Selbstbewusstseins wird sich die T\u00fcrkei nicht ewig in die Schlange der Bittsteller einreihen. Die Krisen in der EU, insbesondere die Finanzkrise um Griechenland, machen den Beitritt f\u00fcr eine boomende T\u00fcrkei nicht gerade attraktiver. Pauschale Absagen, wie sie von Sarkozy ge\u00e4u\u00dfert wurden, sind fehl am Platz. Sicherlich hat die T\u00fcrkei gerade in ihrer Religions- und Minderheitenpolitik noch weitere Schritte zu unternehmen f\u00fcr einen besseren Minderheitenschutz und einen wirklichen Pluralismus. Vor allem aber muss sie sich in der Zypernfrage bewegen.<\/p>\n<p>Nicht so sehr der Islam ist einem Beitritt hinderlich, sondern mehr ein sich immer st\u00e4rker auspr\u00e4gender konservativer Nationalstolz, der das Mitspielen im europ\u00e4ischen Orchester zunehmend erschweren wird. Es bleibt zu hoffen, dass Erdogan in seiner neuen Amtszeit die notwendige Flexibilit\u00e4t und Toleranz beibeh\u00e4lt und es nicht auf der Grundlage des Erfolgs zu einer konservativen Erstarrung des Systems kommt.<\/p>\n<p>Gunter Mulack<\/p>\n<p>Seit 2008 leitet Mulack das Deutsche Orient-Institut in Berlin. Er kennt die arabische Welt aus eigener Erfahrung: Von 2002 bis 2005 war Mulack Beauftragter des Ausw\u00e4rtigen Amtes f\u00fcr den Dialog mit der islamischen Welt, von 2005 bis 2008 war er Botschafter in Islamabad. Der diplomatische Dienst f\u00fchrte den Juristen unter anderem als Botschafter nach Damaskus, Kuwait und Bahrain und in die politische Abteilung des Ausw\u00e4rtigen Amtes. Mulack spricht Deutsch, Englisch, Franz\u00f6sisch, Arabisch und Spanisch.<\/p>\n<p>via Die T\u00fcrkei nach den Wahlen: Boom am Bosporus &#8211; The European &#8211; FOCUS Online.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Gunter Mulack, The European Parliamentary elections in Turkey Die t\u00fcrkische Wirtschaft w\u00e4chst, das Land ist zum regionalen Knotenpunkt geworden. Einzig der konservative Nationalstolz droht die Modernisierung des Landes zu behindern. Recep Tayyip Erdogan und die AKP haben die Wahlen zur Gro\u00dfen Nationalversammlung am 12. Juni 2011 mit gro\u00dfer Mehrheit gewonnen. 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