{"id":3410,"date":"2011-03-31T16:56:49","date_gmt":"2011-03-31T13:56:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=3410"},"modified":"2014-01-01T23:00:19","modified_gmt":"2014-01-01T21:00:19","slug":"arabische-revolutionen-und-die-turkei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2011\/03\/31\/arabische-revolutionen-und-die-turkei\/","title":{"rendered":"Arabische Revolutionen und die T\u00fcrkei"},"content":{"rendered":"<p>Erdogans Dilemma<\/p>\n<p>Die t\u00fcrkische Regierung bem\u00fcht sich weiter um gute Kontakte zu den Machthabern in Syrien und Libyen. Ein Grund daf\u00fcr sind wirtschaftliche Interessen. VON J\u00dcRGEN GOTTSCHLICH<\/p>\n<figure id=\"attachment_3412\" aria-describedby=\"caption-attachment-3412\" style=\"width: 423px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3412\" title=\"Turkey's Prime Minister Erdogan poses for photographs during his meeting with Libya's leader Gaddafi in Tripoli\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/erdogan-gaddafi.jpg\" alt=\"Tete-\u00e0-tete in Tripolis im November 2009: Tayyip Erdogan und Muammar al Gaddafi. 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Seit in der arabischen Welt die Menschen gegen ihre Diktatoren aufbegehren, wei\u00df Ankara nicht, &#8222;ob es die Demokratiebewegungen unterst\u00fctzen soll, oder sich doch lieber mit den Machthabern weiter gutstellt&#8220;.<\/p>\n<p>Hatte Ministerpr\u00e4sident Tayyip Erdogan seinen \u00e4gyptischen Kollegen Husni Mubarak noch als einer der ersten aufgefordert, dem Willen des Volkes nachzugeben und sich zur\u00fcckzuziehen, blieb die Regierung stumm, als saudische Truppen nach Bahrein marschierten. Als die iranische Opposition zur Unterst\u00fctzung der \u00c4gypter auf die Stra\u00dfe ging, sa\u00df der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident Abdullah G\u00fcl am selben Tag mit seinem iranischen Kollegen Mahmud Ahmadinedschad zusammen, um \u00fcber den Ausbau der beiderseitigen Handelsbeziehungen zu beraten.<\/p>\n<p>Diese Widerspr\u00fcche erreichten mit dem Aufstand in Libyen einen neuen H\u00f6hepunkt. Pl\u00f6tzlich geh\u00f6rte die t\u00fcrkische Regierung nicht mehr zu den Demokratieexporteuren, sondern warnte vor Chaos, falls Gaddafi gest\u00fcrzt werden sollte. Die T\u00fcrkei hat seit langem gro\u00dfe \u00f6konomische Interessen in Libyen. Schon vor zwanzig Jahren holte Gaddafi als einer der ersten Baufirmen vom Bosporus f\u00fcr gro\u00dfe Infrastrukturprojekte ins Land.<\/p>\n<p>Daraus wurde ein gewaltiger Markt. Als der Aufstand losbrach, musste die T\u00fcrkei 30.000 Landsleute evakuieren. Milliardenauftr\u00e4ge stehen auf dem Spiel. Kein Wunder, dass Erdogan massiv gegen eine milit\u00e4rische Intervention opponierte und bis heute den Kontakt zu Gaddafi aufrecht erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Obwohl Ankara in der Frage des Nato-Kommandos f\u00fcr die Luft\u00fcberwachung in Libyen nachgab und damit den Weg f\u00fcr die Nato als F\u00fchrungsinstitution frei machte, setzt die t\u00fcrkische Regierung auf eine Verhandlungsl\u00f6sung. Wie ein Sprecher des Au\u00dfenministeriums k\u00fcrzlich erl\u00e4uterte, hat die T\u00fcrkei immer noch eine diplomatische Vertretung in Tripolis und gleichzeitig Diplomaten in Bengasi.<\/p>\n<p>Ankara hat sich bereit erkl\u00e4rt, mit eigenen Soldaten die Sicherung des Flug- und Seehafens in Bengasi zu \u00fcbernehmen, um \u00fcber Luft- und Seewege Lebensmittel und humanit\u00e4re G\u00fcter ins Land zu bringen. In London bot Au\u00dfenminister Ahmet Davutoglu aber auch noch einmal an, t\u00fcrkische Diplomaten k\u00f6nnten als Vermittler zwischen den Aufst\u00e4ndischen und Gaddafi t\u00e4tig werden, um einen friedlichen \u00dcbergang auszuhandeln.<\/p>\n<p>Freundschaftliches Verh\u00e4ltnis auch zu Syrien<\/p>\n<p>Ankara ist sehr daf\u00fcr, Gaddafi die M\u00f6glichkeit eines Exils ohne Strafandrohung in Den Haag einzur\u00e4umen. &#8222;Nur so kann man weiteres Blutvergie\u00dfen verhindern&#8220;, ist ein Sprecher des Au\u00dfenministeriums \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Ob nun auf t\u00fcrkische Vermittlungsangebote eingegangen wird oder nicht, mit humanit\u00e4rer Hilfe f\u00fcr die Aufst\u00e4ndischen und gleichzeitiger Aufrechterhaltung des diplomatischen Kanals zu Gaddafi: die t\u00fcrkische Regierung hat sich in Libyen leidlich aus dem von Experten beschriebenen Dilemma herausgezogen.<\/p>\n<p>Richtig brenzlig f\u00fcr die T\u00fcrkei wird es aber jetzt in Syrien. Verglichen mit Syrien sind \u00c4gypten und Libyen weit weg. Syrien aber ist direkter Nachbar und au\u00dferdem der wichtigste Partner der Erdogan-Regierung f\u00fcr die neue, nach Osten ausgerichtete Au\u00dfenpolitik der AKP.<\/p>\n<p>Nach langen Jahren eines Kalten Krieges zwischen der T\u00fcrkei und Syrien hat Erdogan den Ballast der Vergangenheit beiseite ger\u00e4umt und zu Baschar al-Assad eine geradezu freundschaftliches Verh\u00e4ltnis aufgebaut. Assad hatte Erdogan gebeten, zwischen Syrien und Israel zu vermitteln und die T\u00fcrkei damit erstmals als Regionalmacht aufgewertet.<\/p>\n<p>Mit Assad hat Erdogan weitreichende Wirtschaftsabkommen abgeschlossen, es war sogar die Rede von einer Freihandelszone zwischen Syrien, Jordanien, Libanon und der T\u00fcrkei, die zur Keimzelle einer Nahost-Wirtschaftsgemeinschaft werden sollte. Die T\u00fcrkei schaffte die Schlagb\u00e4ume zu Syrien ab, die Grenze kann heute von beiden Seiten ohne Formalit\u00e4ten passiert werden.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Assad ist die Schl\u00fcsselfigur f\u00fcr die t\u00fcrkische Nachbarschaftspolitik in der Region. Entsprechend besorgt blickt die Regierung auf die Zusammenst\u00f6\u00dfe in Syrien. Erdogan und Davutoglu haben Assad beschworen, durch eine konsequente Reformpolitik wieder selbst die Offensive zu ergreifen. Mit der Ank\u00fcndigung, den seit 48 Jahren bestehenden Notstand aufheben zu wollen, hat Assad einen ersten Schritt gemacht. Auf die t\u00fcrkische Regierung k\u00f6nnen Protestler in Syrien nicht hoffen. Erdogan wird Assad st\u00fctzen, solange es geht.<\/p>\n<p>via Arabische Revolutionen und die T\u00fcrkei: Erdogans Dilemma &#8211; taz.de.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erdogans Dilemma Die t\u00fcrkische Regierung bem\u00fcht sich weiter um gute Kontakte zu den Machthabern in Syrien und Libyen. Ein Grund daf\u00fcr sind wirtschaftliche Interessen. VON J\u00dcRGEN GOTTSCHLICH ISTANBUL taz | &#8222;Die T\u00fcrkei&#8220;, sagt Soli \u00d6zel, Nahostexperte der renommierten Kadir-Has-Universit\u00e4t, &#8222;ist in einem gro\u00dfen Dilemma&#8220;. 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