{"id":3355,"date":"2011-03-17T16:11:25","date_gmt":"2011-03-17T14:11:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=3355"},"modified":"2014-01-01T23:00:16","modified_gmt":"2014-01-01T21:00:16","slug":"turkei-halt-an-akw-planen-fest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2011\/03\/17\/turkei-halt-an-akw-planen-fest\/","title":{"rendered":"T\u00fcrkei h\u00e4lt an AKW-Pl\u00e4nen fest"},"content":{"rendered":"<h4>Die T\u00fcrkei h\u00e4lt trotz der j\u00fcngsten Nuklear-Katastrophe in Japan an ihren Atomkraft-Projekten fest. Die geplanten Kraftwerke entspr\u00e4chen hohen Sicherheitsstandards, so Energieminister Yildiz. Experten sind eher skeptisch.<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3356\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/istanbul.jpg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"143\" \/>Noch hat die T\u00fcrkei keine Atomkraftwerke, zwei davon aber sind in Planung. Sie geh\u00f6ren der vierten und j\u00fcngsten Reaktorgeneration an und sollen h\u00f6chsten Sicherheitsstandards entsprechen. Der Bau des ersten t\u00fcrkischen Atomkraftwerkes in Akkuyu bei Mersin am Mittelmeer steht unmittelbar bevor. Das Bauprojekt wird von dem russischen Nuklearunternehmen Rosatom geleitet. Der Vertrag wurde letztes Jahr unterschrieben. Man geht davon aus, dass die Bauarbeiten Ende des Jahres beginnen werden. Allerdings befindet sich das s\u00fcdt\u00fcrkische Akkuyu in unmittelbarer N\u00e4he der Erdbebenspalte Ecemi\u015f. Vor etwa 40 Jahren hatte eine Kommission von Wissenschaftlern den Bau eines Atomkraftwerks in dieser Gegend f\u00fcr unbedenklich erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Keine Erfahrungen mit &#8222;vierter Generation&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Brennende russische Flagge und ein muskul\u00f6ser m\u00e4nnlicher Oberk\u00f6rper (Foto: Picture-Alliance\/dpa\/DW-Montage)Bildunterschrift: Gro\u00dfansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Kritiker f\u00fcrchten Abh\u00e4ngigkeit von RusslandEiner dieser Wissenschaftler war Nuklear-Ingenieur Tolga Yarman. Mittlerweile hat er seine Meinung ge\u00e4ndert. Er betont, man habe damals sehr gro\u00dfes Vertrauen in die Atomkraftwerke gehabt. Allerdings h\u00e4tte sich dies nach der Nuklear-Katastrophe in Tschernobyl ge\u00e4ndert. Zudem habe sich das Gebiet Akkuyu landwirtschaftlich und touristisch sehr entwickelt. Daher m\u00fcsse man diese Entscheidung heute erneut \u00fcberpr\u00fcfen: &#8222;Ich habe vor einigen Jahren gesagt, dass man den Reaktor bei Akkuyu nicht bauen soll.&#8220; Yarman bef\u00fcrchtet negative Auswirkungen auf den Standort f\u00fcr die Wirtschaftszweige, die sich inzwischen dort erfolgreich angesiedelt haben, insbesondere der Export von Obst und Gem\u00fcse sowie der Tourismus. &#8222;Bevor man diese Auswirkungen nicht untersucht hat, w\u00e4re es nicht korrekt, den Reaktor zu bauen.&#8220; Die Ecemi\u015f-Erdbebenspalte sei zwar damals bekannt gewesen, doch m\u00f6gliche Gefahrenquellen seien nicht erforscht worden. Zudem sei das Wasser im Mittelmeer zu warm, um als K\u00fchlwasser zu dienen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch der Energieexperte Necdet Pamir vertritt die Meinung, dass der Bau eines Reaktors bei Akkuyu gewisse Nachteile f\u00fcr die T\u00fcrkei h\u00e4tte: &#8222;Die T\u00fcrkei wird von Russland noch mehr abh\u00e4ngig sein.&#8220; Das Land hinge momentan von den russischen Gaslieferungen ab, die Abh\u00e4ngigkeit von der Nuklearenergie k\u00e4me noch hinzu, bef\u00fcrchtet Pamir. Au\u00dferdem habe man noch keine Erfahrungen mit dem geplanten j\u00fcngsten Reaktor-Typ VVER 1200, gibt der Energieexperte zu bedenken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Atomausstieg umstritten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine F\u00e4hre zieht an der Kulisse der Hafenstadt Istanbul vor\u00fcber (Foto: Picture-Alliance\/dpa)Bildunterschrift: Gro\u00dfansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Sicheres AKW auch in Istanbul denkbar, so ein ExperteNach Akkuyu plant die T\u00fcrkei den zweiten Reaktor in Sinop, in der n\u00f6rdlichsten Stadt der T\u00fcrkei, zu bauen. Da das Erdbebenrisiko hier ziemlich gering ist, habe man diesen Ort ausgesucht, so das Argument der Atomkraftbef\u00fcrworter. Die Regierung plant, diesen Reaktor von Japanern bauen zu lassen. Die Verhandlungen dauern noch an. Energieexperte Necdet Pamir meint, dass dies auch kein sicheres Projekt sei: &#8222;F\u00fcr den Bau eines Reaktors wurde f\u00fcr Sinop noch keine Genehmigung erteilt. Diese Entscheidung betrifft unmittelbar die Menschen, die in der Umgebung leben und sollte durch einen Volksentscheid gef\u00e4llt werden. Es gibt zu viele Unw\u00e4gbarkeiten, deshalb denke ich, dass Sinop auch nicht geeignet ist.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der ehemalige Vorsitzende der t\u00fcrkischen Atomenergie-Beh\u00f6rde, Cengiz Yal\u00e7\u0131n, meint, dass nukleare Katastrophen alleine kein Grund seien, aus der Nuklearenergie auszusteigen. Ihm zufolge ist es m\u00f6glich, sogar in einer stark erdbebengef\u00e4hrdeten Stadt wie Istanbul ein Atomkraftwerk zu bauen, wenn alle Sicherheits-Ma\u00dfnahmen getroffen werden: &#8222;Das Erdbebenrisiko wird in Betracht gezogen, dies wird in die statischen Berechnungen mit einbezogen. Danach wird ein Bauplan erstellt. Wenn der Reaktor nach diesem Plan gebaut wird, stellt ein Erdbeben kein gro\u00dfes Risiko dar. Der Bau des Reaktors muss ganz genau und planm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrt werden.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Experten setzen auf Alternativen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die t\u00fcrkische Wirtschaft verzeichnet in den letzten Jahren ein hohes Wachstum. Daher stellt sich die Frage, wie dieses Land in den n\u00e4chsten Jahren den steigenden Energiebedarf decken soll. Das Argument der Kernenergie-Bef\u00fcrworter lautet, die T\u00fcrkei ben\u00f6tige unbedingt Atomenergie. Energieexperte Necdet Pamir meint, es gebe auch andere M\u00f6glichkeiten wie Braunkohle oder erneuerbare Energien wie Wind und Sonne. Er sagt, Atomenergie sollte nicht unbedingt ausgeschlossen werden, aber die Voraussetzungen m\u00fcssten stimmen: &#8222;Wir sind Ingenieure. Wir ziehen alle Technologien in Betracht. Es hei\u00dft, die Reaktoren der vierten Generation sind besser.&#8220; Zun\u00e4chst m\u00fcssten alle Risiken \u00fcberdacht werden. Eine endg\u00fcltige Entscheidung k\u00f6nne danach gef\u00e4llt werden, so Pamir.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Autorin: Ba\u015fak \u00d6zay<\/p>\n<p>Redaktion: Mirjana Dikic \/ Robert Schwartz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die T\u00fcrkei h\u00e4lt trotz der j\u00fcngsten Nuklear-Katastrophe in Japan an ihren Atomkraft-Projekten fest. Die geplanten Kraftwerke entspr\u00e4chen hohen Sicherheitsstandards, so Energieminister Yildiz. Experten sind eher skeptisch. Noch hat die T\u00fcrkei keine Atomkraftwerke, zwei davon aber sind in Planung. Sie geh\u00f6ren der vierten und j\u00fcngsten Reaktorgeneration an und sollen h\u00f6chsten Sicherheitsstandards entsprechen. 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