{"id":3108,"date":"2011-01-21T09:47:34","date_gmt":"2011-01-21T07:47:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=3108"},"modified":"2023-04-02T00:49:20","modified_gmt":"2023-04-01T21:49:20","slug":"muslime-integrationsunwillig-ein-milieubericht-von-ahmet-toprak","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2011\/01\/21\/muslime-integrationsunwillig-ein-milieubericht-von-ahmet-toprak\/","title":{"rendered":"Muslime, integrationsunwillig? &#8211; Ein Milieubericht von Ahmet Toprak"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3130\" title=\"Unbenannt1\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Unbenannt1.jpg\" alt=\"\" width=\"138\" height=\"195\" \/><\/p>\n<p>\u201cCover des Buches von Ahmet Toprak;<br \/>\nQuelle:Lambertus-Verlag\u201d<\/p>\n<p>Kultur + Social Media<br \/>\n<strong>Muslime, integrationsunwillig? &#8211; Ein Milieubericht von Ahmet Toprak<\/strong><br \/>\nSonntag, den 12. September 2010 um 19:41 Uhr von Claus-Dieter Stille<\/p>\n<p>Es schmerzt schon sehr, dass die kruden &#8211; auch durch den ihnen verpassten pseudowissenschaftlichen Anstrich nicht besser gewordenen und f\u00fcr einen vern\u00fcnftigen gesellschaftliche Diskurs untauglichen (au\u00dfer vielleicht f\u00fcr bestimmte Stammtische) &#8211; Thesen des \u201cHobby-Genforschers\u201d Thilo Sarrazin so entsetzlich viel Aufmerksamkeit zuteil werden. Eines wegen haarstr\u00e4ubender \u00c4u\u00dferungen zu gesellschaftlichen Problemen schon lange umstrittenen und mehrfach negativ aufgefallenen Mannes, der die Gesellschaft offenbar nur aus der Sicht des Volkswirtschaftlers sieht und von daher die Menschen in ausschlie\u00dflich \u00f6konomisch n\u00fctzliche und weniger n\u00fctzliche (von daher \u00fcberfl\u00fcssige?) einteilt.<br \/>\nSicherlich ist eine Debatte um die Integration von Migranten wichtig und auch (nach jahrzehntelanger Vernachl\u00e4ssigung) dringend notwendig. Doch so wie Sarrazin sie betreibt, spaltet er die Gesellschaft nur. Vor allem dann, wenn man nur von oben herab \u00fcber die Migranten und nicht auf Augenh\u00f6he  mit ihnen \u00fcber ihre Probleme und ihr Leben bei uns spricht. Und dabei Kritik \u00fcbt (\u201dWas man ja wohl noch tun darf!\u201d, Volksmund) mit pseudowissenschaftlichen Begr\u00fcndungen vermengt, um so ohnehin bestehende Vorurteile zu untermauern. Ein Vorgehen, was aber letztlich nur zu einem verzerrten Bild von der Wirklichkeit f\u00fchrt.<br \/>\nAhmet Toprak befragte f\u00fcr seinen Milieubericht 124 vermeintlich integrationsunwillige Muslime<br \/>\nBedauernswert ist, dass im Gegensatz zu den von Thilo Sarrazins fragw\u00fcrdigen in Buchform vorliegenden Erg\u00fcssen, eine andere,  \u00e4hnliche Themen behandelnde, aber wissenschaftsbasierte Ver\u00f6ffentlichung vermutlich nie eine derartige mediale Aufmerksamkeit bzw. quantitativ hohe Rezeption durch Leserinnen und Leser erfahren wird. Gerade deshalb aber m\u00f6chte ich sie hier zur Lekt\u00fcre empfehlen. Es handelt sich hierbei um einen Milieubericht. Er tr\u00e4gt den Titel \u201cIntegrationsunwillige Muslime?\u201d Verfasst hat den Bericht Dr. phil. Ahmet Toprak. Ein Diplomp\u00e4dagoge, welcher Professor f\u00fcr Erziehungswissenschaften an der Fachhochschule Dortmund ist. Toprak hat f\u00fcr seinen Bericht 124 vermeintlich \u201cintegrationsunwillige\u201d Muslime im Alter von 15 bis 74 Jahren (unter ihnen 71 M\u00e4nner und 53 Frauen) in den Gro\u00dfst\u00e4dten Berlin, Dortmund und M\u00fcnchen interviewt. Befragt wurden die Probanden u. a. zu den Themen Kopftuch, Zwangsheirat, Gewalt, \u201cEhrenmord\u201d, Sexualit\u00e4t, Homophobie sowie zu Islamismus und Terrorismus. Allein schon beim Thema Kopftuch wird durch Topraks Arbeit deutlich, wie sehr eine differenzierte Betrachtung im Einzelfall von n\u00f6tig ist. Denn es kommt heraus, wie unterschiedlich das Tragen des Kopftuchs seitens ihrer Tr\u00e4gerinnen gehandhabt bzw. im Einzelnen begr\u00fcndet wird. Dieses \u201cSt\u00fcckchen Stoff\u201d  ist beileibe nicht immer \u201cein Zeichen f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung\u201d der Frau. Das Kopftuch wurde oder wird durchaus auch aus Gewohnheit, Tradition oder dem Schutz vor Umwelteinfl\u00fcssen getragen. Es wird aber sicher in anderen F\u00e4llen auch als politisches, bzw. Zeichen von Selbstbewusstsein benutzt. Es gibt fast nichts, was es nichts gibt.<br \/>\nBahar<br \/>\nSo tr\u00e4gt etwa die 23-j\u00e4hrige Bahar (sie studiert im siebten Semester Rechtswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen) Kopftuch, obwohl in ihrer Familie traditionell kein Kopftuch getragen wird. Ihre Familie akzeptierte dies Entscheidung. Verstanden hat sie diese jedoch nicht. Aufgrund eines entsprechenden Verbots k\u00f6nnte Bahar in der T\u00fcrkei nicht studieren. In Deutschland ist es hingegen m\u00f6glich. Doch wird sie hier mit einem qualifiziertem Abschluss auch eine ad\u00e4quate Stelle bekommen? F\u00fcr Bahar steht fest: Nein. Bahar: \u201cJa, ich wollte Staatsanw\u00e4ltin werden. Aber das kann ich nicht, weil ich mein Kopftuch nicht ablegen m\u00f6chte.\u201d Bahar wird wohl Rechtsanw\u00e4ltin werden oder in die freie Wirtschaft gehen. Ist die Kopftuch tragende Bahar ein Beispiel von Desintegration? Mitnichten. Ihr Beispiel zeigt wie wichtig es ist immer genau zu differenzieren. Leute wie Sarrazin jedoch sorgen mit dem Geplapper \u00fcber \u201ct\u00fcrkische und arabische Migranten in Berlin, die au\u00dfer der Reproduktion von \u2018Kopftuchm\u00e4dchen\u2019 keinen weiteren gesellschaftlichen Beitrag leisten w\u00fcrden, daf\u00fcr (\u2026), (\u2026)dass das Kopftuch in der Wahrnehmung eindeutig f\u00fcr Desintegration steht\u2026\u201d (Ahmet Toprak).<br \/>\nOsman<br \/>\nBer\u00fchrend auch die Geschichte des 17-j\u00e4hrigen Osman. Als j\u00fcngster in der Familie wird er von seinem Vater und dem \u00e4lteren Bruder beauftragt seine \u201cLieblingsschwester\u201d &#8211; die f\u00fcr ihn so etwas wie eine zweite Mutter war &#8211; umzubringen (denn Osman h\u00e4tte als jugendlicher T\u00e4ter f\u00fcr Mord nur die H\u00f6chststrafe von 10 Jahren Haft zu erwarten), weil die ihren Ehemann verlassen hat, welcher sie regelm\u00e4\u00dfig schlug. Die Tat jedoch schl\u00e4gt fehl, weil Osman zu aufgeregt war und die Schwester lediglich am Oberschenkel verletzte, weil er beim Zustechen st\u00fcrzte. Sp\u00e4ter erf\u00e4hrt Osman von seiner Schwester, dass der Vater sie fr\u00fcher missbrauchte. Er bricht mit dem Vater. Er bedauert seine Tat zutiefst. Heute sind beide nicht mehr nur Geschwister, sondern Freunde. Nebenbei bemerkt: Osman schloss die Hauptschule mit einem Notendurchschnitt von 1,7 ab\u2026<br \/>\nProblem Islam?<br \/>\nSchnell wird dank Topraks Buch offenbar, dass viele Erscheinungen und Problematiken im Leben muslimischer Migranten gar nicht urs\u00e4chlich mit dem Islam in Verbindung stehen bzw. \u00fcberhaupt in dieser Religion gr\u00fcnden. Vielmehr geht manch heute als kritikw\u00fcrdig betrachtete Verhaltensweise auf archaische Traditionen zur\u00fcck. Und wird von einem bestimmten Teil von Migranten hierzulande haupts\u00e4chlich zwecks der Selbstvergewisserung in der Fremde unhinterfragt weiter fortgef\u00fchrt. Was vor allem auch mit dem Bildungsstand der Familie zutun hat. Schlie\u00dflich hat Deutschland vor vierzig Jahren haupts\u00e4chlich ungebildete \u201cGastarbeiter\u201d ins Land geholt. Das wirkt bis heute nach. Jedenfalls dann, wenn nachfolgende Generationen nicht aus diesen archaischen Traditionen ausbrechen k\u00f6nnen oder wollen.<br \/>\nAuch Zwangsheiraten werden mit dem Islam in Verbindung gebracht, wie Imam Abdullah, 41, Berlin im Buch zitiert wird. \u201cEs soll\u201d deshalb \u201cdar\u00fcber aufgekl\u00e4rt werden, dass einige eher archaisch und patriarchalisch gepr\u00e4gte Traditionen, wie zum Beispiel Zwangsheirat und Ehrenmorde, die mit dem Islam in Verbindung gebracht werden, differenziert gesehen werden m\u00fcssen, da der Islam Zwangsverheiratung und Gewalt ablehnt.\u201d Was allerdings nicht immer einfach sein d\u00fcrfte, da in vielen Moscheevereinen kein ausgebildeter &#8211; sondern nur ein selbsternannter (sogenannter) &#8211; Imam zur Verf\u00fcgung steht.<br \/>\nSoziale Herkunft und Bildung<br \/>\nDie von Ahmet Toprak befragten Menschen haben ihre famili\u00e4ren Wurzeln vor allem in \u00e4rmlichen und l\u00e4ndlichen Gebieten der T\u00fcrkei, Syriens, Iraks und des Libanons. Es sind Sch\u00fcler, Studenten, Arbeiter, Angestellte oder Erwerbslose bzw. Hausfrauen. Neun von ihnen haben einen Universit\u00e4t- bzw. Fachhochschulabschluss. Allein 60 haben keine abgeschlossen Berufsausbildung.<br \/>\nDie Integration und der Gem\u00fcseh\u00e4ndler<br \/>\nF\u00fcr pure Integrationsunwilligkeit von Muslimen hierzulande zeigen sich in Ahmet Topraks Buch keine Beispiele. Um davon zu sprechen, muss n\u00e4mlich erst einmal gekl\u00e4rt werden, was unter Integration \u00fcberhaupt zu verstehen ist. Integriert sind doch im Grunde genommen diejenigen, welche eine gute Arbeit haben, um sich und ihre Familie gut ern\u00e4hren und die Wohnung gut einrichten zu k\u00f6nnen. Auch gerechte Bildungschancen geh\u00f6ren freilich dazu. Bei alldem haben Migranten nicht immer gute Karten. Deshalb \u00e4rgern sie sich, wenn sie, deren Eltern nur einfache bildungsferne Leute waren, h\u00f6ren Muslime wollten sich nicht integrieren. Toprak: \u201cErstens wird deutlich, dass ein Gro\u00dfteil der muslimischen Migranten durch wirtschaftliche Zw\u00e4nge gar nicht in der Lage ist, sich auf das Umfeld einzulassen. Aufgrund der Bildungsbenachteiligung oder fehlender Bildungsabschl\u00fcsse haben sie nicht einmal die Gelegenheit Deutsch zu lernen.\u201d So ging es auch Yusuf, 45 Jahre aus Dortmund. Mangels anderer Chancen machte er sich als Gem\u00fcseh\u00e4ndler selbstst\u00e4ndig. Daf\u00fcr muss er sich von Thilo Sarrazin verh\u00f6hnen lassen\u2026<br \/>\nIntegration ist soziale und wirtschaftliche Partizipation<br \/>\nAhmet Toprak stelle fest, dass \u201cdie Migranten mit der Integration in erster Linie die soziale und wirtschaftliche Partizipation\u201d verbinden. Damit d\u00fcrften sie sich kaum von Mitgliedern der Aufnahmegesellschaft unterscheiden. Toprak: \u201cEin Gro\u00dfteil der muslimischen Migranten f\u00fchlt sich in Deutschland integriert.\u201d Fehlende Integrationsbereitschaft in Teilen der muslimischen Gemeinde sehen Muslime \u201cprim\u00e4r mit destruktiven Grundbedingungen in Deutschland oder mit pers\u00f6nlichen Misserfolgen der Betroffenen begr\u00fcndet\u201d. Mit Toprak erkennen wir, \u201cdass der Integrationsbegriff mehr umfasst, als nur das Vorhandensein oder Fehlen deutscher Sprachkenntnisse. Aber: Nicht nur in der Mehrheitsgesellschaft wird Integration falsch interpretiert, sondern auch bei den Muslimen.\u201d Was wohl auch damit zu tun haben k\u00f6nnte, wie der Autor schreibt, dass \u201cmit der identifikatorischen Integration Assimilation in Verbindung gebracht\u201d wird. Nicht wenige in Deutschland geborene t\u00fcrkeist\u00e4mmige Migranten betrachten ihren Geburtsort als Heimat. Dennoch bleiben sie im Herzen T\u00fcrkinnen oder T\u00fcrken. Und sie sehen keinen Widerspruch darin.<br \/>\nDas Verbindende in den Mittelpunkt stellen<br \/>\nAhmet Toprak weist daraufhin, \u201cdass allein mit Symbolpolitik (Integrationsgipfel oder Deutsche Islam-Konferenz) die gesellschaftliche Teilhabe nicht erreicht werden kann.\u201d Zwar d\u00fcrfte inzwischen allgemein Konsens dar\u00fcber bestehen, dass die BRD ein Einwanderungsland ist; dessen ungeachtet scheint jedoch Vielfalt noch immer als Bedrohung begriffen zu werden. \u201cSondern\u201d eben nicht \u201cals Ressource oder Chance f\u00fcr Deutschland, zumal Deutschland mittel- und langfristig aufgrund des demografischen Wandels auf den Zuzug aus dem Ausland angewiesen ist\u201d (Toprak). Daf\u00fcr spricht wohl auch, die Tatsache, dass laut einer Studie aus dem Jahre 2009 von Info GmbH und Liljeberg Research International, \u201cfast die H\u00e4lfte der in Deutschland lebenden T\u00fcrken und t\u00fcrkeist\u00e4mmigen Migranten sich in Deutschland unerw\u00fcnscht f\u00fchlt, 42 Prozent planen sogar eine R\u00fcckkehr in die T\u00fcrkei.\u201d  Aber Toprak sieht auch auf Seiten der muslimischen Bev\u00f6lkerung Defizite. Es bed\u00fcrfe einer vorurteilsfreien Ann\u00e4herung an die deutsche Gesellschaft ohne dabei \u201cdie eigenen Werte, Normen, Traditionen und seine religi\u00f6se Einstellung \u00fcber Bord\u201d werfen zu m\u00fcssen. Schlie\u00dflich, so der Autor, h\u00e4tten Muslime und Christen \u201cmehr Gemeinsamkeiten als Differenzen\u201d. Deshalb sollte \u201cnicht das Trennende, sondern das Verbindende\u201d in den Mittelpunkt gestellt werden. Ahmet Toprak: \u201cWeder mit dem Feindbild \u2018Islam\u201d noch mit dem Feindbild \u2018Mehrheitsgesellschaft\u2019 kann integrationspolitisch etwas erreicht werden.\u201d Es m\u00fcssten vorhandene positive Tendenzen betreffs des Eintretens in einen Dialog und dem Schaffen eines Kommunikationswerks \u201cnicht \u00fcber die Presse und Talkshows, sondern im Alltag\u201d genutzt bzw. aktiviert werden. Toprak sieht einen gangbaren Weg dahin zun\u00e4chst auf kommunaler Ebene m\u00f6glich, um die Migranten so in gesellschaftliche Entscheidungen einzubeziehen. Ein erster und wichtiger Schritt k\u00f6nnte das Gew\u00e4hren eines kommunalen Wahlrechts \u201cf\u00fcr Migranten, die nicht aus einem EU-Land stammen\u201d, sein.<br \/>\nVorurteile ablegen<br \/>\nZuallererst pl\u00e4diert Ahmet Toprak \u201cf\u00fcr einen Dialog auf Augenh\u00f6he\u201d. Und unverzichtbar sei \u00fcberdies &#8211; auf Seiten der Aufnahmegesellschaft, wie bei den Migranten &#8211; das Ablegen von Vorurteilen, sowie der Verzicht auf Konfrontation. \u201cDenn\u201d, so gibt Toprak zu bedenken, \u201cweder ist jedes deutsche M\u00e4dchen, das \u00fcber die Stra\u00dfe l\u00e4uft, eine Schlampe, noch ist jeder muslimische Junge ein Gewaltt\u00e4ter oder Verfechter des Patriarchats.\u201d Was geboten ist, sei eben \u201ceine vorurteilsfreie Anerkennung des \u2018Anderen\u2019 und ein Umgang mit Ambivalenzen\u201d, was Toprak \u201cdie wichtigsten Prinzipien zu sein\u201d scheinen, \u201cum einen gesellschaftlichen Konsens zwischen den Muslimen und der Mehrheitsgesellschaft jenseits vom Grundgesetz zu finden\u201d.<br \/>\nDie Misere hat zumeist soziale Ursachen<br \/>\nAuch ist sich Ahmet Toprak sicher: \u201cWenn die sogenannte \u2018Integrationsunwilligkeit\u2019 in Deutschland existiert, dann ist das eine Folge der sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, die in Deutschland immer schlechter werden.\u201d Weshalb nicht zuletzt der \u201cR\u00fcckzug in die eigenethnischen Milieus erfolgt, weil eine immer gr\u00f6\u00dfer werdende Minderheit sich in Deutschland wirtschaftlich, sozial und bildungspolitisch abgeh\u00e4ngt f\u00fchlt.\u201d Was nat\u00fcrlich gleicherma\u00dfen auch viele Menschen deutscher Abstammung betrifft. Aus dem Grund zieht eben nicht &#8211; wie manches Mal behauptet &#8211; die Religion als Motiv f\u00fcr den R\u00fcckzug aus dem gesellschaftlichen Leben. Sondern eine immer prek\u00e4rer werdende soziale und wirtschaftliche Lage. Ein unleugbare Tatsache: Die Misere, in der sich Migranten wie Menschen deutscher Abstammung gleicherma\u00dfen befinden k\u00f6nnen, hat zumeist soziale Ursachen. Es ist eine Frage des Unten und des Oben. Und der immer weiter aufgehenden Schere zwischen arm und reich. Sowie von Chancen- und Bildungsgerechtigkeit, bzw. deren Mangel. Davon aber ist bei Herrn Sarrazin nicht die Rede. Warum wohl?<br \/>\nIntegration als offener Prozess, der Zeit und Geduld braucht<br \/>\nEs bedarf, schreibt Ahmet Toprak in seinem tief sch\u00fcrfenden, bestens recherchierten Milieubericht, des Aushandelns eines sicherlich anspruchsvollen Kompromisses. \u201cWeil die Integration ein offener Prozess ist, der nie abgeschlossen sein wird, braucht es auch mehr Zeit und Geduld. Aber: es lohnt sich, dar\u00fcber nachzudenken.\u201d<br \/>\nVolkswirtschaftler und Hobbywissenschaftler Thilo Sarrazin &#8211; so vermittelt es sich mir wenigstens  &#8211; hat genau das nicht getan. Deshalb, das muss ihm ins Stammbuch geschrieben werden, hat er mit seinem Buch der Integration hierzulande mit ziemlicher Sicherheit einen B\u00e4rendienst erwiesen.<br \/>\nIch empfehle Ahmet Topraks Buch zur Hand zu nehmen. Lesen! Es ist zwar wesentlich schlanker als Sarrazins 400-Seiten-W\u00e4lzer f\u00fcr den deutschen Stammtisch, hat aber dennoch mehr Gewicht.<br \/>\nAhmet Toprak: Integrationsunwillige Muslime? Ein Milieubericht.<br \/>\nLambertus-Verlag, Freiburg im Breisgau, 2010, 180 Seiten, kartoniert., 20,90 Euro\/SFr 31,90; ISBN 978-3-7841-1959-5<br \/>\nQuelle:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cCover des Buches von Ahmet Toprak; Quelle:Lambertus-Verlag\u201d Kultur + Social Media Muslime, integrationsunwillig? &#8211; Ein Milieubericht von Ahmet Toprak Sonntag, den 12. 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