{"id":2965,"date":"2010-12-15T10:30:02","date_gmt":"2010-12-15T08:30:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=2965"},"modified":"2023-04-02T12:53:22","modified_gmt":"2023-04-02T09:53:22","slug":"immer-weniger-turken-glauben-an-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/12\/15\/immer-weniger-turken-glauben-an-europa\/","title":{"rendered":"Immer weniger T\u00fcrken glauben an Europa"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2974\" title=\"4a05e7a052\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/4a05e7a052.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p>Die Br\u00fccke \u00fcber den Bosporus bei Istanbul verbinden den europ\u00e4ischen und den kleinasiatischen Teil der Metropole, in der rund 15 Millionen Menschen leben.<\/p>\n<p>13. Dezember 10<br \/>\n<strong>Immer weniger T\u00fcrken glauben an Europa<\/strong><br \/>\nAntalya-Alanya (Weltexpress) &#8211; Nur noch 38 Prozent der t\u00fcrkischen Bev\u00f6lkerung wollIen, dass ihr Land EU-Mitlglied wird. Die T\u00fcrkei f\u00fchlt sich inzwischen so stark, dass f\u00fcr sie der Beitritt nicht mehr wichtig ist.<\/p>\n<p>Bereits 1959 stellte die T\u00fcrkei den Antrag, zur Europ\u00e4ischen Wirtschaftsgemeinschaft anzugeh\u00f6ren, die damals noch EWG hie\u00df und bereits vier Jahre sp\u00e4ter wurde das Assoziierungsabkommen unterzeichnet. Der damalige EWG-Kommissionspr\u00e4sident Walter Hallstein (CDU) stellte damals fest: \u201cDie T\u00fcrkei geh\u00f6rt zu Europa\u201d. Als der Europ\u00e4ische Rat 2004 die Beitrittsverhandlungen aufzunehmen, war dies ein Anlass zu \u00fcbersch\u00e4umender Freude und wurde mit Feuerwerk und Konfeti gefeiert. Premierminister Erdogan jubelte: \u201cWir haben die Kurve gekriegt, der Weg ist frei\u201d. Sechs Jahre sp\u00e4ter ist der Prozess festgefahren und von 35 Verhandlungskapiteln konnte gerade mal ein einziges abgeschlosssen werden. Inzwischen hat man auch in der T\u00fcrkei gemerkt, dass der Beitritt in eine unabsch\u00e4tzbare Ferne ger\u00fcckt ist.<br \/>\n\u201cNiemand nimmt den EU-Beitrittsprozess mehr ernst\u201d, das schreibt Feral Tinc, Kolumnist in der Zeitung \u201cH\u00fcrriyet\u201d und Finanzminister Simsek sagte neulich, es komme auf den Beitritt \u201cletztlich gar nicht an. Mit den Reformen werden wir so oder so weitermachen, f\u00fcr unser Land und seine Menschen\u201d. Auch wenn Au\u00dfenminister Ahmet Davutoglu versichert, der EU-Beitritt habe Priorit\u00e4t sieht sich die Regierung l\u00e4ngst nach anderen Optionen um. Anfang Dezember unterzeichnete sie mit Syrien, Libanon und Jordanien ein Abkommen \u00fcber engere politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Der \u201cerste Schritt zu einer Union der Nahost-Staaten\u201d sei damit getan, erl\u00e4uterte der syrische Transportminister Yaraub Badr \u2013 einschlie\u00dflich einer Zoll- und W\u00e4hrungsunion. In Dokumenten des t\u00fcrkischen Rats f\u00fcr Au\u00dfenhandel (DEIK) nimmt das Gebilde bereits deutlich Gestalt an: Die Union umfasst neben den vier Gr\u00fcndungsmitgliedern auch Iran, den Irak, Kuweit, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Jemen, Oman und Bahreain, eine Region mit 270 Millionen Einwohnern und einem Handelsvolumen von fast 1 000 Milliarden Dollar. Dem t\u00fcrkischen Au\u00dfenminister schwebt sogar eine \u201cZone der wirtschaftlichen Integration\u201d von der T\u00fcrkei bis nach Marokko, dem Sudan und Golf von Aden vor.<br \/>\nM\u00f6gen diese Visionen gegebenenfalls H\u00f6henfl\u00fcge vermuten lassen, Tatsache ist, dass die neue t\u00fcrkische Ostpolitik stark wirtschaftlich motiviert ist. Die meisten europ\u00e4ischen Volkswirtschaften, in denen die t\u00fcrkischen Exporteure bisher rund 70 Prozent ihrer Waren absetzen, stagnieren. Die t\u00fcrkische Wirtschaft dagegen wuchs im ersten halbjahr um elf Prozent. Die T\u00fcrkei ist st\u00e4ndig auf der Suche nach neuen M\u00e4rkten und das tut sie vor allem im Nahen Osten, Mittelasien und Nordafrika. EU-Diplomaten meinen, das m\u00fcsse nicht im Widerspruch zur europ\u00e4ischen Perspektive stehen und durch ihre engeren Beziehungen zur arabischen Welt gewinne die T\u00fcrkei f\u00fcr Europa nur noch mehr an Bedeutung.<br \/>\nEntw\u00fcrdigend sei es, so \u00e4u\u00dferte sich Ministerpr\u00e4sident Erdogan k\u00fcrzlich, dass die EU \u201cuns seit 50 Jahren vor ihren Toren warten l\u00e4sst\u201d. Und so sehen es auch viele t\u00fcrkische B\u00fcrger. Vor allem j\u00fcngere T\u00fcrken wollen diese Warterei und Dem\u00fctigungen nicht l\u00e4nger hinnehmen und sind mit der Orientierung ihres Landes nach Osten recht zufrieden und finden: \u201cBald brauchen wir die EU nicht mehr, aber umso mehr wird die EU uns brauchen!\u201d<br \/>\nVon Christine Keiner<\/p>\n<p>Quelle: <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Br\u00fccke \u00fcber den Bosporus bei Istanbul verbinden den europ\u00e4ischen und den kleinasiatischen Teil der Metropole, in der rund 15 Millionen Menschen leben. 13. Dezember 10 Immer weniger T\u00fcrken glauben an Europa Antalya-Alanya (Weltexpress) &#8211; Nur noch 38 Prozent der t\u00fcrkischen Bev\u00f6lkerung wollIen, dass ihr Land EU-Mitlglied wird. 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