{"id":291,"date":"2009-11-21T01:11:38","date_gmt":"2009-11-20T23:11:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=291"},"modified":"2023-04-02T00:39:03","modified_gmt":"2023-04-01T21:39:03","slug":"negative-integration-durch-sprachrestriktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2009\/11\/21\/negative-integration-durch-sprachrestriktion\/","title":{"rendered":"Negative Integration durch Sprachrestriktion"},"content":{"rendered":"<p>Presseerkl\u00e4rung<\/p>\n<p><strong>Negative Integration durch Sprachrestriktion: K\u00fcrzung der t\u00fcrkischsprachigen Sendung des WDR<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten Tagen h\u00f6rt und liest man viel \u00fcber T\u00fcrkischverbot an Schulen und sonstigen Institutionen. K\u00fcrzlich hat auch das WDR K\u00f6ln beschlossen eine seit 45 Jahren ausgestrahlte und erfolgreiche t\u00fcrkischsprachige Sendung aus dem Programm zu nehmen. Als Grund werden Sparma\u00dfnahmen genannt. Als Elternverband, welche die Interessen von Eltern mit Migrationshintergrund vertritt sind wir der Meinung, dass Sparma\u00dfnahmen eine solch restriktive und radikale Streichhaltung des WDR nicht rechtfertigt.<\/p>\n<p>Die Nachricht \u00fcber die Streichung der t\u00fcrkischsprachigen Sendung des WDR hat uns alle zutiefst getroffen. Wir nehmen dies mit \u00e4u\u00dferster Befremdung zur Kenntnis, nicht nur weil es eine erfolgreiche und beliebte Sendung ist, sondern weil dies ein R\u00fcckschritt im Integrationsbem\u00fchen des Landes NRW im Besonderen und von Deutschland im Allgemeinen ist. Die benannten \u00f6konomischen Gr\u00fcnde k\u00f6nnen unserer Einsch\u00e4tzung nach, aufgrund des geringen Anteils dieser Sendung am Gesamtbudget, die Streichung der t\u00fcrkischsprachigen Sendung nicht rechtfertigen. Die gesellschaftlichen Signale und die daraus resultierenden Folgen w\u00e4ren aber, im Vergleich zu dem vernachl\u00e4ssigbaren Sparpotential, verheerend.<\/p>\n<p>Denn dies w\u00e4re ein negatives Zeichen der Anerkennung der Werte derjenigen, die sich seit fast 50 Jahren um den Aufbau der Bundesrepublik verdient gemacht haben. Die Streichung f\u00e4llt, wie Prof. Zehra \u0130p\u015firo\u011flu (em. Professorin der Universit\u00e4t Duisburg-Essen) trefflich bemerkt \u201eausgerechnet in einer Zeit, wo es sich \u00fcberall in Deutschland herumgesprochen hat, dass die Deutschen zum keinen Volk engeren Beziehungen haben, als zu den T\u00fcrken.\u201c T\u00fcrkisch ist nicht nur eine Sprache, die von einer kleinen Minderheit gesprochen wird. Nein, es ist vielmehr die in Deutschland nach dem Deutschen, die am meisten gesprochene Muttersprache und geh\u00f6rt zu den 15 meist gesprochenen Sprachen auf der Welt und steht bei den Fremdsprachen an 7. Stelle, noch vor Chinesisch ). In Europa steht das T\u00fcrkische (9% der Europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung) sogar nach Russisch (22%) und Deutsch (12%) an dritter Stelle, noch vor dem Englischen (8%) der am meisten gesprochenen Muttersprachen ).<\/p>\n<p>Somit hat das T\u00fcrkische auch eine globale interkulturelle Bedeutung. Kulturelle Angebote in t\u00fcrkischer Sprache dient daher nicht nur der Anerkennung dieser Menschen, nein es ist vielmehr auch eine kulturelle Bereicherung f\u00fcr die hiesige Gesellschaft, in der wir alle gemeinsam leben und uns wohlf\u00fchlen sollen und wollen. Sprachenvielfalt, auch wenn es nur T\u00fcrkisch ist, dient der kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Vielfalt und ist damit eine Bereicherung und f\u00f6rdert zudem die Integration. Viele m\u00f6gen hier einwenden, dass die Nutzung und F\u00f6rderung der Muttersprachen eher zur Dissoziation als zur Integration f\u00fchren wird, weil das prim\u00e4re Ziel, das Erlernen des Deutschen, dadurch verfehlt wird. Wir entgegnen dem und sagen \u201edie Anerkennung und F\u00f6rderung der Menschen mit Ihrer Sprache, Ihrer Religion und ihrer Kultur schafft ein positives Klima des Miteinanders und ist in dieser Hinsicht als auch aus wissenschaftlicher Sicht f\u00f6rderlich f\u00fcr das Erlernen des Deutschen.\u201c Denn nur in einem positiven, anerkennenden Umfeld in der Respekt, Achtung und gegenseitige wohlwollende Haltung sind die Menschen bereit aufeinander zuzugehen. Oder k\u00f6nnen Sie sich erkl\u00e4ren warum die Einb\u00fcrgerungszahlen der Migranten in den letzten Jahren stark r\u00fcckl\u00e4ufig sind? Selbst aufwendige Einb\u00fcrgerungskampagnen des Familien- und Integrationsministeriums in NRW k\u00f6nnen diesen negativen Trend nicht stoppen. Oder k\u00f6nnen Sie sich erkl\u00e4ren warum 38% der t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Akademiker in Deutschland, von denen knapp drei Viertel in der Bundesrepublik geboren wurden, aussagen, sie wollten in die T\u00fcrkei auswandern. Als Begr\u00fcndung gaben 42% an, in Deutschland fehle ihnen das &#8222;Heimatgef\u00fchl&#8220;. Fast vier F\u00fcnftel bezweifelten, &#8222;dass in Deutschland eine glaubw\u00fcrdige Integrationspolitik betrieben wird (nach einer Umfrage des Krefelder Instituts futureorg). Den jungen Akademikern fehlt das Heimatgef\u00fchl. \u201eMeine Heimat ist dort, wo meine Freunde sind\u201c. Freunde, die mich mit meiner Sprache, meiner Kultur und meiner Religion akzeptieren und mich achten. Nach 50 Jahren Migrationsgeschichte sollte Deutschland nun endlich bereit sein die \u201eFremden\u201c als Freunde zu akzeptieren. Seien wir deshalb zueinander mehr Freund als Fremd.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fcssen<\/p>\n<p>Im Auftrag des Vorstandes<\/p>\n<p>Dr. Ali Sak<\/p>\n<p>Vorsitzender Elternverband Ruhr e.V.<br \/>\nStellv. Vorsitzender F\u00f6deration der T\u00fcrkischen Elternvereine in NRW e.V.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Presseerkl\u00e4rung Negative Integration durch Sprachrestriktion: K\u00fcrzung der t\u00fcrkischsprachigen Sendung des WDR In den letzten Tagen h\u00f6rt und liest man viel \u00fcber T\u00fcrkischverbot an Schulen und sonstigen Institutionen. K\u00fcrzlich hat auch das WDR K\u00f6ln beschlossen eine seit 45 Jahren ausgestrahlte und erfolgreiche t\u00fcrkischsprachige Sendung aus dem Programm zu nehmen. Als Grund werden Sparma\u00dfnahmen genannt. 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