{"id":2843,"date":"2010-12-03T14:35:43","date_gmt":"2010-12-03T12:35:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=2843"},"modified":"2014-01-01T22:48:48","modified_gmt":"2014-01-01T20:48:48","slug":"und-die-turkei-hat-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/12\/03\/und-die-turkei-hat-recht\/","title":{"rendered":"Und die T\u00fcrkei hat recht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Enth\u00fcllungen: Wie aus den Wikileaks-Depeschen hervorgeht, m\u00f6gen Europas Staatsm\u00e4nner sie in der EU nicht haben<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2845\" aria-describedby=\"caption-attachment-2845\" style=\"width: 414px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2845\" title=\"Was Sarkozy nicht sehen mag: T\u00fcrken vor dem Eiffelturm in Paris, der in den t\u00fcrkischen Nationalfarben erstrahlt. Foto: AFP\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/turken_sarkozy.jpg\" alt=\"Was Sarkozy nicht sehen mag: T\u00fcrken vor dem Eiffelturm in Paris, der in den t\u00fcrkischen Nationalfarben erstrahlt. Foto: AFP\" width=\"414\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/turken_sarkozy.jpg 414w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/turken_sarkozy-300x217.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 414px) 100vw, 414px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2845\" class=\"wp-caption-text\">Was Sarkozy nicht sehen mag: T\u00fcrken vor dem Eiffelturm in Paris, der in den t\u00fcrkischen Nationalfarben erstrahlt. Foto: AFP<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn die Europ\u00e4er die T\u00fcrkei nicht in der Europ\u00e4ischen Union haben wollten, dann sollten sie es laut und deutlich sagen. So lautet einer der Standards\u00e4tze in au\u00dfenpolitischen Reden des t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdogan. Damit beschreibt Erdogan den wachsenden Frust in seinem Land angesichts der abweisenden Haltung von EU-Staaten wie Frankreich, Deutschland oder \u00d6sterreich nach f\u00fcnf Jahren Beitrittsverhandlungen mit der T\u00fcrkei.<\/p>\n<p>Die klaren Worte, die der t\u00fcrkische Premier fordert, kann er nun bei Wikileaks nachlesen: US-Vertreter haben in Gespr\u00e4chen mit europ\u00e4ischen Diplomaten den deutlichen Eindruck gewonnen, dass die t\u00fcrkische Bewerbung hoffnungslos ist.<\/p>\n<p>Die USA treten seit langem &#8211; und h\u00e4ufig zum \u00c4rger der Europ\u00e4er &#8211; offen f\u00fcr eine t\u00fcrkische EU-Mitgliedschaft ein. Mit dem Beitritt Ankaras w\u00fcrde die T\u00fcrkei noch fester im Westen verankert und zudem aller Welt zeigen, dass die Union der europ\u00e4ischen Demokratien kein Christenklub ist. Doch in Europa stie\u00df Phillip Gordon, europapolitischer Abteilungsleiter im amerikanischen Au\u00dfenministerium, in den vergangenen Jahren auf wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die strategischen Visionen Washingtons.<\/p>\n<p>Besonders deutliche Worte sprachen die Franzosen. So sagte der franz\u00f6sische Pr\u00e4sidentenberater Jean-David Levitte bei einem Treffen mit Gordon in Paris im September 2009, seine Regierung hoffe auf einen freiwilligen Verzicht der T\u00fcrken. Dass die T\u00fcrkei trotz aller Widrigkeiten die Voraussetzungen f\u00fcr einen EU-Beitritt erf\u00fcllt, mag offiziell das Ziel der T\u00fcrkei-Verhandlungen in Br\u00fcssel sein &#8211; f\u00fcr die franz\u00f6sische Regierung ist es ein Horrorszenario, wie Levitte erl\u00e4uterte: Denn dann w\u00fcrde der t\u00fcrkische Beitritt in einer Volksabstimmung in Frankreich abgelehnt.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Staatspr\u00e4sident Nicolas Sarkozy wird in den Depeschen als fast hysterischer T\u00fcrkei-Gegner beschrieben. Aus Angst vor dem Groll ihres Chefs h\u00e4tten Sarkozys Berater einmal sogar das Flugzeug des Pr\u00e4sidenten umgeleitet: Sarkozy sollte nicht den Eiffelturm sehen m\u00fcssen, der an diesem Abend zu Ehren eines Besuches von Erdogan in Paris in den Nationalfarben der T\u00fcrkei illuminiert wurde.<\/p>\n<p>Wie die Wikileaks-Berichte zeigen, gibt es aber auch ernstzunehmende Ver\u00e4rgerung in Europa \u00fcber die T\u00fcrkei. So notierten amerikanische Diplomaten Anfang dieses Jahres, die Europ\u00e4er seien sauer dar\u00fcber gewesen, dass sich die T\u00fcrkei im Streit um die Wahl von Anders Fogh Rasmussen zum neuen Nato-Generalsekret\u00e4r als \u00bbislamische Stimme\u00ab innerhalb der Allianz aufgespielt h\u00e4tten. F\u00fcr Europa-Anh\u00e4nger in der T\u00fcrkei sind die Wikileaks-Depeschen keine erfreuliche Lekt\u00fcre.<\/p>\n<p>Aufgrund ihrer Kontakte mit EU-Vertretern glaubten die USA nicht mehr an einen EU-Beitritt der T\u00fcrkei, analysierte die Istanbuler Politologin Beril Dedeoglu in der Zeitung \u00bbToday&#8217;s Zaman\u00ab. Die Europ\u00e4er wollten die T\u00fcrkei als Pufferzone benutzen, um sich Probleme in L\u00e4ndern wie Irak, Syrien und Iran so weit wie m\u00f6glich vom Halse zu halten. Gleichzeitig aber sollten die T\u00fcrken in Bereichen wie Migration und Energie eng mit Europa zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>Nicht nur die Amerikaner merken, dass dieses Konzept auf die T\u00fcrkei absto\u00dfend wirkt. Israelische Regierungsvertreter werfen den Europ\u00e4ern vor, die T\u00fcrkei mit ihrer abweisenden Haltung auf einen pro-islamischen und anti-israelischen Kurs zu treiben. \u00bbWenn Europa die T\u00fcrkei herzlicher aufgenommen h\u00e4tte, w\u00e4re die T\u00fcrkei nicht bestrebt, ihr Ansehen in der arabischen und moslemischen Welt auf Kosten Israels zu erh\u00f6hen\u00ab, wird die israelische Seite in einem Treffen mit franz\u00f6sischen Vertretern im vergangenen Jahr zitiert.<\/p>\n<p>Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel tragen nach den Beobachtungen amerikanischer Diplomaten in Ankara viel zur europapolitischen Entt\u00e4uschung in der T\u00fcrkei bei. Doch auch in der t\u00fcrkischen Hauptstadt gibt es viele Vorbehalte. So st\u00fcnden Teile von Erdogans Regierungspartei AKP dem Projekt EU-Beitritt skeptisch gegen\u00fcber, notierten die Diplomaten im Jahr 2004: Einige fromme AKP-Politiker bef\u00fcrchteten demnach, \u00bbdass die Harmonisierung (mit der EU) und die Mitgliedschaft den Islam und die damit verbundenen Traditionen in der T\u00fcrkei verw\u00e4ssern k\u00f6nnten\u00ab.<\/p>\n<p>Trotz dieser Probleme und der westlichen Sorgen \u00fcber eine m\u00f6gliche Neuausrichtung der t\u00fcrkischen Au\u00dfenpolitik in Richtung der islamischen Welt kamen die amerikanischen Diplomaten im Januar dieses Jahres zu dem Schluss, dass der \u00bbKern\u00ab der t\u00fcrkischen Weltsicht nach wie vor von drei Faktoren bestimmt werde: von der t\u00fcrkischen Nato-Mitgliedschaft, von der Zollunion mit der Europ\u00e4ischen Union und von der EU-Bewerbung selbst.<\/p>\n<p>Demn\u00e4chst werden die T\u00fcrken diesen Kern ihrer Politik mit einem der prominentesten T\u00fcrkei-Kritiker in der Europ\u00e4ischen Union er\u00f6rtern k\u00f6nnen: Nicolas Sarkozy wird im Januar oder Februar in Ankara erwartet.<\/p>\n<p>Und die T\u00fcrkei hat recht | Echo Online &#8211; Nachrichten aus S\u00fcdhessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Enth\u00fcllungen: Wie aus den Wikileaks-Depeschen hervorgeht, m\u00f6gen Europas Staatsm\u00e4nner sie in der EU nicht haben Wenn die Europ\u00e4er die T\u00fcrkei nicht in der Europ\u00e4ischen Union haben wollten, dann sollten sie es laut und deutlich sagen. 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