{"id":2806,"date":"2010-12-02T20:08:48","date_gmt":"2010-12-02T18:08:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=2806"},"modified":"2010-12-02T20:08:48","modified_gmt":"2010-12-02T18:08:48","slug":"analyse-erdogan-fur-turken-bisher-wikileaks-gewinner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/12\/02\/analyse-erdogan-fur-turken-bisher-wikileaks-gewinner\/","title":{"rendered":"ANALYSE: Erdogan f\u00fcr T\u00fcrken bisher Wikileaks-Gewinner"},"content":{"rendered":"<p>ANALYSE: Erdogan f\u00fcr T\u00fcrken bisher Wikileaks-Gewinner<\/p>\n<p>Mal war Uncle Sam ganz nackt, mal erschien die Symbolfigur der Weltmacht USA mit heruntergelassenen Hosen: Karikaturisten in vielen t\u00fcrkischen Tageszeitungen sahen die Regierung in Washington als den klaren Verlierer der Wikileaks-Enth\u00fcllungen.<\/p>\n<p>Mal war Uncle Sam ganz nackt, mal erschien die Symbolfigur der Weltmacht USA mit heruntergelassenen Hosen: Karikaturisten in vielen t\u00fcrkischen Tageszeitungen sahen die Regierung in Washington als den klaren Verlierer der Wikileaks-Enth\u00fcllungen. Zwar kommt die t\u00fcrkische F\u00fchrung in den Depeschen der US-Diplomaten bei weitem nicht immer gut weg: Ministerpr\u00e4sident Recep Tayyip Erdogan und sein F\u00fchrungszirkel werden mitunter als machtversessen, islamistisch, amateurhaft und korrupt beschrieben. Doch gro\u00dfen innenpolitischen Flurschaden muss Erdogan nach Meinung von Beobachtern nach derzeitigem Stand trotzdem nicht bef\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Bis zum Mittag waren knapp 300 der insgesamt mehr als 250.000 US-Dokumente ver\u00f6ffentlicht. In den rund zwei Dutzend Depeschen von US-Diplomaten in der T\u00fcrkei zwischen dem Jahr 2004 und Anfang dieses Jahres erscheinen Erdogan und seine Leute mal als islamistische Eiferer, die eine h\u00f6chst verd\u00e4chtige Iran-Politik betreiben und Gro\u00dfmachtsambitionen haben, und mal als pragmatische Reformer und Demokraten, die von autorit\u00e4ren Kr\u00e4ften in Justiz und Armee angegriffen werden. Erdogan sei der einzige Partner, der die US-Vision einer demokratischen und europ\u00e4isch integrierten T\u00fcrkei voranbringen k\u00f6nne, hei\u00dft es an einer Stelle,<\/p>\n<p>Dem Regierungschef wird aber auch vorgehalten, er halte sich f\u00fcr einen von Allah auserkorenen F\u00fchrer seines Landes. Erdogans langj\u00e4hriger Berater und heutiger Au\u00dfenminister, Ahmet Davutoglu, sei sogar von einem Kabinettskollegen als islamistischer Hardliner und &#8222;extrem gef\u00e4hrlich&#8220; bezeichnet worden, schrieben die US-Diplomaten. Der israelische Botschafter in Ankara, Gaby Levy, gab zu Protokoll, es m\u00fcsse nicht lange nach tiefgr\u00fcndigen Motiven f\u00fcr die Krise im Verh\u00e4ltnis zwischen der T\u00fcrkei und Israel gefahndet werden, weil es ganz pers\u00f6nliche Faktoren bei Erdogan gebe: &#8222;Er ist ein Fundamentalist. Er hasst uns aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden.&#8220;<\/p>\n<p>Doch es sieht bisher nicht danach aus, als ob das dem t\u00fcrkischen Regierungschef ein halbes Jahr vor den n\u00e4chsten Parlamentswahlen im Juni politisch schadet. &#8222;Wenn die Amerikaner etwa den Au\u00dfenminister Davutoglu wegen einer neo-osmanischen Politik kritisieren, dann kommt das bei den T\u00fcrken gut an&#8220;, sagt der Soziologe Ferhat Kentel. Sollte sich der Eindruck durchsetzen, dass die Erdogan-Regierung eine von den USA unabh\u00e4ngige Au\u00dfenpolitik betreibe, so werde das dem Ministerpr\u00e4sidenten n\u00fctzen. Schlie\u00dflich sind weder die USA noch Israel in der T\u00fcrkei sonderlich beliebt. Auch die Erw\u00e4hnung diverser Erdogan-Minister wegen angeblicher Korruption in den US-Geheimdepeschen rei\u00dft in der T\u00fcrkei niemanden vom Stuhl. &#8222;Das wei\u00df ohnehin jeder&#8220;, sagt Kentel.<\/p>\n<p>Nur eine Angelegenheit k\u00f6nnte f\u00fcr Erdogan innenpolitisch unangenehm werden: In einer Nachricht f\u00fcr Washington schreiben die US-Diplomaten von Informationen, wonach der t\u00fcrkische Ministerpr\u00e4sident acht verschiedene Konten in der Schweiz hat. Erdogans eigene Erkl\u00e4rungen, wonach er sein Verm\u00f6gen unter anderem gro\u00dfz\u00fcgigen Geschenken von Hochzeitsg\u00e4sten verdankt, seien &#8222;lahm&#8220;, schreiben die Diplomaten. Die Ankaraner Opposition will die Vorw\u00fcrfe sehr genau pr\u00fcfen, doch bisher gebe es keinerlei Beweise f\u00fcr die Schweizer Kontenvorw\u00fcrfe gegen Erdogan, merkte die an sich regierungskritische Zeitung &#8222;Milliyet&#8220; an.<\/p>\n<p>Angesichts der f\u00fcr sie g\u00fcnstigen Stimmungslage im eigenen Land sieht die t\u00fcrkische Regierung bisher keinen Grund daf\u00fcr, \u00f6ffentlich Ver\u00e4rgerung \u00fcber die nicht immer schmeichelhaften Lagebeschreibungen der US-Diplomaten zu \u00e4u\u00dfern. Der viel gescholtene Au\u00dfenminister Davutoglu, der zur Zeit der Wikileaks-Ver\u00f6ffentlichungen einen Termin mit Hillary Clinton in Washington hatte, war bei seinen \u00f6ffentlichen Auftritten die Ruhe und Freundlichkeit selbst. Aber er vers\u00e4umte es nicht, eine Nachricht \u00fcber den gro\u00dfen Teich zu schicken, die vielen T\u00fcrken gefallen d\u00fcrfte: Ministerin Clinton habe sich bei der T\u00fcrkei entschuldigt, sagte Davutoglu.<\/p>\n<p>Von Thomas Seibert \/ 30.11.10 \/ AFP<\/p>\n<p>viaANALYSE: Erdogan f\u00fcr T\u00fcrken bisher Wikileaks-Gewinner &#8211; otz.de.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ANALYSE: Erdogan f\u00fcr T\u00fcrken bisher Wikileaks-Gewinner Mal war Uncle Sam ganz nackt, mal erschien die Symbolfigur der Weltmacht USA mit heruntergelassenen Hosen: Karikaturisten in vielen t\u00fcrkischen Tageszeitungen sahen die Regierung in Washington als den klaren Verlierer der Wikileaks-Enth\u00fcllungen. 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