{"id":2727,"date":"2010-11-30T10:22:46","date_gmt":"2010-11-30T08:22:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=2727"},"modified":"2023-04-14T16:29:03","modified_gmt":"2023-04-14T13:29:03","slug":"turkischer-pass-fur-synoden-mitglieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/11\/30\/turkischer-pass-fur-synoden-mitglieder\/","title":{"rendered":"T\u00fcrkischer Pass f\u00fcr Synoden-Mitglieder"},"content":{"rendered":"<p>Die griechisch-orthodoxe Kirche Agia Efimia in Istanbul<br \/>\nFoto: dpa<\/p>\n<p>29.11.2010<\/p>\n<p><strong>T\u00fcrkischer Pass f\u00fcr Synoden-Mitglieder<br \/>\nOrthodoxe Christen bekommen mehr Freiheit<\/strong><br \/>\nVon Jan Keetman, Istanbul<\/p>\n<p>In den Fortschrittsberichten der EU bekommt die T\u00fcrkei regelm\u00e4\u00dfig schlechte Noten in Sachen Religionsfreiheit. Betroffen sind Alewiten und Christen. Zumindest f\u00fcr letztere k\u00fcndigen sich jetzt Ver\u00e4nderungen an.<br \/>\nBeim Dauerthema \u2013 sunnitisch-islamischer Religionsunterricht f\u00fcr die alewitische Minderheit \u2013 gibt es keine Fortschritte. Doch bei christlichen Minderheiten, insbesondere den griechisch-orthodoxen ist einiges in Bewegung geraten.<br \/>\nDer t\u00fcrkische Staat ist \u00fcber seinen Schatten gesprungen und hat einen kleinlichen Streit mit dem orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel beigelegt. Der Patriarch tr\u00e4gt in seinem Titel das Adjektiv \u00bb\u00f6kumenisch\u00ab, das hei\u00dft \u00bbuniversal\u00ab. Nach der Gr\u00fcndung des t\u00fcrkischen Nationalstaates stie\u00df man sich daran, dass ein Geistlicher in der T\u00fcrkei einen Titel gebraucht, der sein Amt als universal und damit nicht nur als zur T\u00fcrkei geh\u00f6rend ausweist. Nationalisten liefen gegen den Titel Sturm. Einladungen auf denen der Titel \u00bb\u00d6kumenischer Patriarch\u00ab zu lesen war, wurden von Staatsvertretern boykottiert.<br \/>\nDer f\u00fcr die Beziehungen zur Europ\u00e4ischen Union zust\u00e4ndige Minister Egemen Bagis hat nun anl\u00e4sslich einer Konferenz in Br\u00fcssel sinngem\u00e4\u00df gesagt, der Titel sei ein religi\u00f6ser Titel und der Staat werde sich da nicht einmischen.<br \/>\n\u00bbEtwas anderes wollen wir ja gar nicht\u00ab, sagt der Priester Dositheos Anagnostopoulos, der f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Patriarchen zust\u00e4ndig ist. Der Staat m\u00fcsse den Titel ja nicht anerkennen, \u00bbwir haben den einfach und zwar seit sechzehnhundert Jahren\u00ab.<br \/>\nDer Amtssitz des Patriarchen im Istanbuler Stadtteil Fener ist ein ganz eigener Ort. In den meist leeren G\u00e4ngen, in denen nur ab und zu ein paar Worte auf Griechisch zu h\u00f6ren sind, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Wie um dem Gang der Zeit g\u00e4nzlich zu trotzen, h\u00e4ngt an der Fassade der angeschlossenen Georgskirche noch immer der Doppeladler, das Wappen der letzten byzantinischen Kaiser.<br \/>\nNoch vor kurzem sah es so aus, als warte der t\u00fcrkische Staat nur noch auf das Ende der Institution. Dies stand durchaus zu bef\u00fcrchten, denn es wurde schwer, das Personal zu erneuern. Ein Grund hierf\u00fcr war die Schlie\u00dfung des einzigen orthodoxen Priesterseminars in der T\u00fcrkei auf der Insel Heybeliada (griechisch Chalki) bei Istanbul im Jahre 1971.<br \/>\nDie dadurch hervorgerufene Nachwuchskrise wurde durch zwei andere Faktoren verst\u00e4rkt. 1924 teilte der Pr\u00e4fekt von Istanbul dem Patriarchat mit, der Patriarch m\u00fcsse t\u00fcrkischer Staatsb\u00fcrger sein. Nach t\u00fcrkischer Auffassung ist damit zwingend verbunden, dass auch die Synode, die einen neuen Patriarchen w\u00e4hlt, aus t\u00fcrkischen Staatsb\u00fcrgern zu bestehen hat. Die Synode wird aber turnusgem\u00e4\u00df aus den fast weltweit verstreut residierenden orthodoxen Metropoliten zusammengesetzt, die nat\u00fcrlich nicht alle aus der T\u00fcrkei stammen. Dazu hat die Zahl der Griechen in Istanbul dramatisch abgenommen, von 110 000 in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts auf zirka 2500 heute.<br \/>\nIm Sommer zeigte sich der t\u00fcrkische Ministerpr\u00e4sident kompromissbereit. Die Mitglieder der Synode k\u00f6nnen die t\u00fcrkische Staatsb\u00fcrgerschaft als zweite Staatsb\u00fcrgerschaft erhalten. 13 Antr\u00e4ge auf t\u00fcrkische Staatsb\u00fcrgerschaft wurden bereits positiv beschieden, andere werden bearbeitet.<br \/>\nAnagnostopoulos ist aufgrund dieser Entwicklungen nun recht zuversichtlich. Au\u00dferdem h\u00e4tten nun doch einige Leute \u00bbin der Regierungspartei, aber auch au\u00dferhalb davon\u00ab eingesehen, dass Religionsfreiheit f\u00fcr die T\u00fcrkei notwendig sei. \u00bbNie war ich so optimistisch wie jetzt\u00ab, sagt Anagnostopoulos. Ganz zufrieden ist er aber noch nicht. Noch immer fehlt das wichtigste f\u00fcr den Fortbestand des Patriarchats, das Priesterseminar auf Chalki.<br \/>\nURL: <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die griechisch-orthodoxe Kirche Agia Efimia in Istanbul Foto: dpa 29.11.2010 T\u00fcrkischer Pass f\u00fcr Synoden-Mitglieder Orthodoxe Christen bekommen mehr Freiheit Von Jan Keetman, Istanbul In den Fortschrittsberichten der EU bekommt die T\u00fcrkei regelm\u00e4\u00dfig schlechte Noten in Sachen Religionsfreiheit. Betroffen sind Alewiten und Christen. Zumindest f\u00fcr letztere k\u00fcndigen sich jetzt Ver\u00e4nderungen an. 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