{"id":2308,"date":"2010-11-09T00:52:22","date_gmt":"2010-11-08T22:52:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=2308"},"modified":"2014-01-01T22:45:11","modified_gmt":"2014-01-01T20:45:11","slug":"agenda-auswandern-ins-land-der-eltern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/11\/09\/agenda-auswandern-ins-land-der-eltern\/","title":{"rendered":"Agenda: Auswandern ins Land der Eltern"},"content":{"rendered":"<p>Die Wirtschaft der T\u00fcrkei boomt. Der Aufschwung zieht scharenweise junge, gut ausgebildete T\u00fcrken aus Deutschland an. Im Land ihrer Eltern bekommen sie endlich die Chance, die ihnen in ihrer Heimat verwehrt wurde. von Jens Brambusch Istanbul<\/p>\n<figure id=\"attachment_2312\" aria-describedby=\"caption-attachment-2312\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2312\" title=\"Viele Deutscht\u00fcrken treffen sich einmal im Monat zum R\u00fcckkehrerstammtisch in Istanbul\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Deutschturken_stammtisch.jpg\" alt=\"Viele Deutscht\u00fcrken treffen sich einmal im Monat zum R\u00fcckkehrerstammtisch in Istanbul\" width=\"150\" height=\"100\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2312\" class=\"wp-caption-text\">Viele Deutscht\u00fcrken treffen sich einmal im Monat zum R\u00fcckkehrerstammtisch in Istanbul<\/figcaption><\/figure>\n<p>&#8222;Er hat mir etwas mitgebracht&#8220;, juchzt Cigdem Akkaya: &#8222;Wurst!&#8220; Schnell wirft sie einen Blick in die rote Plastikt\u00fcte, bedankt sich \u00fcberschw\u00e4nglich und stellt den Gast aus Deutschland vor. Sie muss laut reden, um den prasselnden Regen zu \u00fcbert\u00f6nen, der vom Sturm gegen die Plastikscheiben der \u00fcberdachten Terrasse geschleudert wird. Einige applaudieren, andere lachen. Dann verstaut sie die T\u00fcte unter ihrem Stuhl. &#8222;Schweinefleisch&#8220;, fl\u00fcstert Akkaya ihrem Sitznachbarn zu. &#8222;Lecker!&#8220;<\/p>\n<p>Eben noch hatte die 47-j\u00e4hrige \u00d6konomin den Wandel in der T\u00fcrkei gelobt, die Vielfalt, die es mittlerweile gebe. Noch bis vor ein paar Jahren, sagt sie, habe sie Freunden jedes Mal eine Liste mitgegeben, mit Dingen, die sie ihr aus Deutschland mitbringen sollten. Aber das war einmal. Heute sei die Bestellliste fast auf null, man bekomme ja in der T\u00fcrkei fast alles. Nur eben kein Schweinefleisch.<\/p>\n<p>Es ist der letzte Donnerstag im Monat: R\u00fcckkehrerstammtisch. Alle vier Wochen treffen sich im Istanbuler Restaurant &#8222;Teras 6&#8220; deutsche T\u00fcrken, die am Bosporus ihr Gl\u00fcck suchen. Der Stimmenwirrwarr erinnert an den Gro\u00dfen Basar auf der anderen Seite des Goldenen Horns, wo Schmuck, Ramsch und T-Shirts feilgeboten werden. Zigarettenschwaden wabern durch den Raum, es wird gegessen, getrunken, gelacht. Man spricht deutsch, manchmal klingt ein hessischer oder schw\u00e4bischer Zungenschlag durch. Die H\u00e4lfte der Anwesenden sind Frauen, etwa die Architektin Emine Sahin, die gegen den Rat ihrer Eltern aus Unterfranken in die T\u00fcrkei ging und jetzt als Bauleiterin Einkaufscenter hochzieht. Oder Halide Yildirim, die sich von ihrem t\u00fcrkischen Mann in Salzgitter trennte und jetzt bei Vaillant in der N\u00e4he von Istanbul arbeitet. Oder eben Akkaya, die Chefin einer t\u00fcrkischen PR-Agentur ist.<\/p>\n<p>Viele Deutscht\u00fcrken treffen sich einmal im Monat zum R\u00fcckkehrerstammtisch in Istanbul<\/p>\n<p>Sie hat den Stammtisch vor f\u00fcnf Jahren zusammen mit zwei Freundinnen gegr\u00fcndet. Als Netzwerk, als Anlaufstelle, als Gemeinschaft. Damals war sie gerade nach Istanbul zur\u00fcckgekehrt, nach 24 Jahren in Deutschland. In Essen war sie zuletzt Vizedirektorin bei der Stiftung Zentrum f\u00fcr T\u00fcrkeistudien gewesen &#8211; ein guter Job. Doch zunehmend nervte sie die ewige Integrationsdebatte, die alle paar Jahre aufkeimte und immer ergebnislos versandete. Sie nervten die Klischees, die immer nur um Kopftuch und Islam kreisten. Das Schubladendenken, das Reduziertwerden auf die Herkunft. Also ging sie dahin zur\u00fcck, wo sie sich f\u00fcr ihre Wurzeln nicht rechtfertigen musste: nach Istanbul.<\/p>\n<p>Beim Stammtisch lernte sie Menschen mit \u00e4hnlichem Hintergrund kennen. Sie hatten die gleichen Erfahrungen gemacht und die gleichen Probleme erlebt &#8211; in Deutschland wie in der T\u00fcrkei. Bei den ersten Treffen waren sie zu zw\u00f6lft, heute hat der Stammtisch knapp 1000 Mitglieder. &#8222;Der Zustrom ist enorm&#8220;, sagt Akkaya.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich zieht seit einigen Jahren eine stetig wachsende Schar junger Leute mit t\u00fcrkischen Wurzeln aus Deutschland zur\u00fcck an den Bosporus. Wenn man so will, hat sich die Migrationsrichtung umgekehrt: Vergangenes Jahr kamen 30.000 T\u00fcrken nach Deutschland, 40.000 packten zeitgleich ihre Koffer und machten sich auf in die Gegenrichtung. Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit von ihnen ist gut ausgebildet, hat studiert.<\/p>\n<p>viaAgenda: Auswandern ins Land der Eltern | FTD.de.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wirtschaft der T\u00fcrkei boomt. Der Aufschwung zieht scharenweise junge, gut ausgebildete T\u00fcrken aus Deutschland an. 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