{"id":2253,"date":"2010-11-08T01:00:28","date_gmt":"2010-11-07T23:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=2253"},"modified":"2014-01-01T22:45:07","modified_gmt":"2014-01-01T20:45:07","slug":"interview-schavan-will-muttersprache-zur-zeugnisnote-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/11\/08\/interview-schavan-will-muttersprache-zur-zeugnisnote-machen\/","title":{"rendered":"Interview: Schavan will Muttersprache zur Zeugnisnote machen"},"content":{"rendered":"<p>Essen. Bildungsministerin Schavan fordert, dass Migranten-Kinder k\u00fcnftig ihre Kenntnisse der Muttersprache im Zeugnis bescheinigt bekommen. \u201eWir m\u00fcssen erreichen, dass sie sich an jeder Schule in ihrer Muttersprache pr\u00fcfen lassen k\u00f6nnen\u201c, sagte sie.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2255\" aria-describedby=\"caption-attachment-2255\" style=\"width: 543px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2255\" title=\"Annette Schavan ist seit 2005 Bundesministerin f\u00fcr Bildung und Forschung.\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/schavan.jpg\" alt=\"Annette Schavan ist seit 2005 Bundesministerin f\u00fcr Bildung und Forschung.\" width=\"543\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/schavan.jpg 543w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/schavan-300x110.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 543px) 100vw, 543px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2255\" class=\"wp-caption-text\">Annette Schavan ist seit 2005 Bundesministerin f\u00fcr Bildung und Forschung.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will offensiv um Fachkr\u00e4fte aus dem Ausland werben. Deutschland ben\u00f6tige Zuwanderung, doch m\u00fcsse diese gesteuert werden, betonte sie im WAZ-Interview. Dazu m\u00f6chte die Ministerin die Aufenthaltsregelungen erleichtern und zugleich die Qualifikationen von Einwanderern schneller anerkennen.<\/p>\n<p>Frau Schavan, Bildung ist der Schl\u00fcssel zur Integration, hei\u00dft es. Wie kann man junge Leute mit Migrationshintergrund besser auf den Arbeitsmarkt vorbereiten?<\/p>\n<p>Annette Schavan:Der Schl\u00fcssel liegt im fr\u00fchen Lernen. Wir m\u00fcssen die Sprachentwicklung noch vor der Schule f\u00f6rdern. Jedes Kind muss vom ersten Schultag an seinen Lehrer verstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Brauchen wir spezielle Angebote?<\/p>\n<p>Migranten-Kinder sollen k\u00fcnftig ihre Kenntnisse der Muttersprache im Zeugnis bescheinigt bekommen Foto: ddp<\/p>\n<p>Schavan:Wir d\u00fcrfen die Migranten nicht immer nur als Problem sehen. Wir sind hier mitten im Ruhrgebiet, die Region hat gro\u00dfe Erfahrungen mit der Integration von Fremden, die Zuwanderung hat ihr gut getan. Die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund haben St\u00e4rken, das sind nicht alles Problemf\u00e4lle. Wir m\u00fcssen erreichen, dass sie sich an jeder Schule in ihrer Muttersprache \u2013 in T\u00fcrkisch, Kroatisch, Italienisch oder Portugiesisch \u2013 pr\u00fcfen lassen k\u00f6nnen und so eine zus\u00e4tzliche Sprachkompetenz im Zeugnis steht. Wir m\u00fcssen zu einer Kultur kommen, die konkret etwas fordert, jedoch auch anerkennt, welche St\u00e4rken jemand hat.<\/p>\n<p>Kultur des Respekts<\/p>\n<p>Wie will die Regierung ausl\u00e4ndische Berufsabschl\u00fcsse schneller anerkennen?<\/p>\n<p>Schavan:Angesichts unserer Bev\u00f6lkerungsentwicklung ist es wichtig, dass die Menschen gem\u00e4\u00df ihrer Qualifikation arbeiten k\u00f6nnen. Das Gesetz zur besseren Anerkennung ausl\u00e4ndischer Abschl\u00fcsse soll 2011 in Kraft treten. Das Verfahren soll maximal drei Monate in Anspruch nehmen, wir versprechen uns die Anerkennung von bis zu 300 000 Fachkr\u00e4ften. Jeder soll das Recht haben, dass sein Abschluss \u00fcberpr\u00fcft wird \u2013 und sich gegebenenfalls nachqualifizieren k\u00f6nnen. Das geh\u00f6rt zu einer Kultur des Respekts.<\/p>\n<p>Ben\u00f6tigen wir dar\u00fcber hinaus Zuwanderung?<\/p>\n<p>Schavan:Ja, wir brauchen Zuwanderung. Wir stehen nicht vor einem demografischen Wandel, wir sind mitten drin. Essen hatte in den 70er-Jahren etwa 700\u00a0000 Einwohner, heute sind es 570\u00a0 000. F\u00fcr diese Entwicklung gibt es viele Beispiele. Deshalb brauchen wir eine gesteuerte Zuwanderung, und keine in unsere Sozialsysteme. Deutschland muss attraktiv sein f\u00fcr Talente aus aller Welt. Wir reden zu wenig \u00fcber die Erfolgsgeschichte der Integration. Dies ist in Deutschland in den letzten Jahrzehnten so gut gelungen wie in keinem anderen Land.<\/p>\n<p>Regeln und Werte sind wichtig<\/p>\n<p>Sollten auch Religion oder Zugeh\u00f6rigkeit zu einem fremden Kulturkreis Zuwanderungskriterien sein?<\/p>\n<p>Schavan:Wir fragen nach Qualifikation, nicht nach Religion. Dabei sind nat\u00fcrlich die Regeln und Werte wichtig, die wir uns gesetzt haben. Deshalb hat die Regierung beispielsweise ein Gesetz gegen Zwangsehen gemacht.<\/p>\n<p>Was ist mit einem Punktesystem wie in Kanada?<\/p>\n<p>Schavan:Klar ist, wir m\u00fcssen Kriterien formulieren, darin sind wir mit unserem Koalitionspartner einig. Wie das geschieht, werden wir in den n\u00e4chsten Wochen formulieren. Die Fragen sind: Wen brauchen wir? Was tun wir daf\u00fcr, dass ausl\u00e4ndische Studenten nach dem Abschluss bleiben k\u00f6nnen? Bisher betrug die Einkommensgrenze f\u00fcr einen Aufenthalt in Deutschland etwa 66\u00a0000 Euro, da ist \u2013 wie von der EU angeregt \u2013 eine Senkung auf 44\u00a0000 Euro im Jahr denkbar. M\u00f6glich w\u00e4re auch, f\u00fcr weitere Berufsgruppen die Vorrangpr\u00fcfung zu streichen.<\/p>\n<p>Die Kanzlerin sagt, Deutschland sei kein Einwanderungsland. Entspricht das der Realit\u00e4t?<\/p>\n<p>Schavan:Wir sind ein weltoffenes Land. Das garantiert unseren Wohlstand. Aber: Wir d\u00fcrfen nicht den Eindruck erwecken, wir w\u00fcrden uns nur um ausl\u00e4ndische Fachkr\u00e4fte bem\u00fchen und unser Nachwuchs werde vernachl\u00e4ssigt. Tats\u00e4chlich bieten wir Qualifizierung an. Und die Chancen f\u00fcr Berufseinsteiger steigen.<\/p>\n<p>F\u00fcr ein Verbot von Gentests an Embryonen<\/p>\n<p>Derzeit diskutieren die Parteien eine Freigabe der Gentests an Embryonen bei k\u00fcnstlichen Befruchtungen, die Pr\u00e4implantations-Diagnostik, kurz PID. Wie ist Ihre Ansicht?<\/p>\n<p>Schavan:Der Mensch schafft sich nicht selbst. Deshalb werde ich mich dem Antrag anschlie\u00dfen, der ein grunds\u00e4tzliches Verbot vorsieht. Mir ist klar, dass hinter der PID schwierige Entscheidungen stehen f\u00fcr \u00c4rzte und Betroffene. Ich will keine Gesellschaft, die Behinderung nicht mehr ertr\u00e4gt, in der Menschen unter Druck geraten, wenn sie sich f\u00fcr ein behindertes Kind entscheiden.<\/p>\n<p>Zuwanderung, medizinischer Fortschritt \u2013 ist die konservative Partei CDU ger\u00fcstet f\u00fcr diese Zukunftsfragen?<\/p>\n<p>Schavan:Die CDU ist die letzte Volkspartei mit starkem Wurzelwerk. Deshalb k\u00f6nnen wir auch leidenschaftlich f\u00fcr die Zukunft werben. Wir sind bereit f\u00fcr Ver\u00e4nderungen. Wie ist denn das Ruhrgebiet gro\u00df geworden? Wie ist der Essener Dom entstanden? Doch nicht mit einer Verweigerungshaltung. Die Grundeinstellung war: Neues schaffen, gestalten. Und das ist auch jetzt unsere Aufgabe und soll Markenzeichen der Union werden. Deshalb werden wir beim Parteitag 2011 das Zukunftsthema schlechthin in den Mittelpunkt stellen: die Bildung.<\/p>\n<p>viaInterview: Schavan will Muttersprache zur Zeugnisnote machen &#8211; Politik &#8211; DerWesten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Essen. Bildungsministerin Schavan fordert, dass Migranten-Kinder k\u00fcnftig ihre Kenntnisse der Muttersprache im Zeugnis bescheinigt bekommen. \u201eWir m\u00fcssen erreichen, dass sie sich an jeder Schule in ihrer Muttersprache pr\u00fcfen lassen k\u00f6nnen\u201c, sagte sie. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will offensiv um Fachkr\u00e4fte aus dem Ausland werben. 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