{"id":2168,"date":"2010-11-04T01:53:37","date_gmt":"2010-11-03T23:53:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=2168"},"modified":"2023-04-01T22:19:47","modified_gmt":"2023-04-01T19:19:47","slug":"offentliche-stellungnahme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/11\/04\/offentliche-stellungnahme\/","title":{"rendered":"\u00d6ffentliche Stellungnahme"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stellungnahme des Elternverbandes Ruhr (EVR) und der F\u00f6deration der T\u00fcrkischen Elternvereine in Deutschland (F\u00d6TED) zu dem Gesetzentwurf der Landesregierung: &#8222;Viertes Gesetz zur \u00c4nderung des Schulgesetzes f\u00fcr das Land Nordrhein-Westfalen (4. Schulrechts\u00e4nderungsgesetz)&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau Ministerin Sylvia L\u00f6hrmann,<\/p>\n<p>der Elternverband Ruhr ist seit seiner Gr\u00fcndung vor zwei Jahren intensiv um die Verbesserung der Bildungssituation insbesondere von Kindern mit Migrationshintergrund bem\u00fcht. Im Hinblick auf die geplanten \u00c4nderungen des Schulgesetzes des Landes Nord-Rhein-Westfalen m\u00f6chten wir Ihnen daher diesbez\u00fcglich unsere Stellungnahme zukommen lassen.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fcssen<\/p>\n<table cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"9\" height=\"17\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Dr. Ali Sak<\/p>\n<p>Vorsitzender Elternverband Ruhr<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2169\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/ali_sak.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/ali_sak.jpg 1024w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/ali_sak-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/ali_sak-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Stellv. Bundesvorsitzender der F\u00f6deration der T\u00fcrkischen Elternvereine in Deutschland<\/p>\n<p><strong>Stellungnahme des Elternverbandes Ruhr (EVR) und der F\u00f6deration der T\u00fcrkischen Elternvereine in Deutschland (F\u00d6TED) zu dem Gesetzentwurf der Landesregierung: &#8222;Viertes Gesetz zur \u00c4nderung des Schulgesetzes f\u00fcr das Land Nordrhein-Westfalen (4. Schulrechts\u00e4nderungsgesetz)&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\"> <\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">1) Zu \u00a711 (Prognoseunterricht):<\/span><\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Wir als Elternverband haben die Einf\u00fchrung der verpflichtenden \u00dcbergangsempfehlung mit dem 2. Schulrechts\u00e4nderungsgesetz im Jahr 2006 schon von Anfang an kritisiert. \u00a0Die Verbindlichkeit des Grundschulgutachtens wurde damals im Interesse \u201edes Kindeswohls\u201c erh\u00f6ht.\u00a0 Hierdurch sollte die zu hohe Zahl der Schulformwechsel in der Sekundarstufe I verringert werden. Die hohe Zahl der Schulformwechsel begr\u00fcndet nicht die Schw\u00e4chung des Elternwillens, denn wie Dr. Block (Universit\u00e4t Essen) anhand der PISA-Daten zeigen konnte, wirken sich Grundschulempfehlungen nicht nur hochgradig sozial selektiv aus, erweisen sich zudem auch als wenig verl\u00e4sslich. Nach Block sei das Risiko, an einer falschen Schule zu landen aufgrund einer unzutreffenden Grundschulempfehlung rund 24-mal h\u00f6her als aufgrund \u00fcbersteigerter Erwartungen der Eltern. Vielmehr wirken sich die Grundschulgutachten sozial selektiv, da sie Sch\u00fclern \u201ebei gleicher Leistungsf\u00e4higkeit, aber unterschiedlicher sozialer Herkunft, unterschiedliche \u00dcbergangsempfehlungen ausstellen&#8220;. Baumert und Sch\u00fcmer (2001) haben zudem herausgefunden, dass Akademikerkinder,\u00a0 bei gleicher Intelligenz und gleichen Leseleistungen, immer noch eine dreifach h\u00f6here Chance haben, ein Gymnasium zu besuchen als Arbeiterkinder. Die M\u00f6glichkeit des Prognoseunterrichtes haben unserer Erfahrung nach nur wenige Eltern mit Migrationshintergrund wahrgenommen, weil die meisten von den Schulleitungen nicht informiert wurden. Zudem belastet der Prognoseunterricht, bei relativ geringer Aussagequalit\u00e4t, in starkem Ma\u00dfe die Psyche des Kindes. Von den hierdurch entstandenen zus\u00e4tzlichen Kosten in H\u00f6he von etwa 2 Mio. Euro, die anderweitig viel nutzvoller eingesetzt werden k\u00f6nnen ganz zu schweigen. <strong>Der Elternverband bef\u00fcrwortet die vorgesehene neue Fassung des \u00a711(4).<\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">2) Zu den \u00a7\u00a746 und 84 (Schuleinzugsbezirke):<\/span><\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeit des Schultr\u00e4gers Schuleinzugsbezirke zu bilden ist gerade in Regionen mit hohem Anteil von Migrantenkindern von besonderer Bedeutung f\u00fcr eine gesunde Mischung der Sch\u00fclerschaft. In den letzten Jahren ist die Zahl \u00a0von sogenannten Nischenschulen mit Sch\u00fclerInnen aus sozial benachteiligten Familien zugenommen, weil besser gestellte Eltern und damit Bildungsbewusste Eltern Ihre Kinder an Schulen mit einem geringen Migrationsprofil angemeldet haben. Daher ist unter dem Gesichtspunkt der Integration, des Zusammen-Lernens und \u2013Lebens die Einf\u00fchrung von Schuleinzugsgrenzen als eine kurzfristige Notma\u00dfnahme w\u00fcnschenswert.<\/p>\n<p>Obwohl es hierdurch zu einer Einschr\u00e4nkung des elterlichen Wahlrechts auf eine f\u00fcr ihr Kind geeignete Schule kommt, sollte dies zu Gunsten einer h\u00f6her geordneten, n\u00e4mlich die Erf\u00fcllung der Integrationsaufgabe zur\u00fcckgestellt werden. Die Ausgangsituation von Schulen in Regionen mit hohem Migrantenanteil oder mit sozial benachteiligter Sch\u00fclerschaft (u.a. hoher Anteil von Kindern mit sprachlichen Entwicklungsst\u00f6rungen, viele mehrsprachige Sch\u00fcler, wenig Unterst\u00fctzung des Elternhauses) haben eine viel anspruchvollere und vielf\u00e4ltigere Aufgaben (u.a. Notwendigkeit von Deutsch als Zweitsprache, integrative Aufgaben, Unterst\u00fctzung der Elternschaft) zu erf\u00fcllen. Daher sollten diese Schulen langfristig nach einem wohl definierten Schl\u00fcssel st\u00e4rker gef\u00f6rdert werden und auch die Klassenst\u00e4rke sollte diesbez\u00fcglich an die jeweiligen Erfordernisse angepasst werden. Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in Schulen sollte nach M\u00f6glichkeit eine bestimmte Obergrenze von maximal 50% nicht \u00fcberschreiten. Zus\u00e4tzliche Steigerung der Qualit\u00e4t dieser Schulen w\u00fcrde auch die Einf\u00fchrung von Schuleinzugsbezirken unn\u00f6tig machen. Momentan scheint dies aber eine Utopie zu sein.<\/p>\n<p>Im Sinne der F\u00f6rderung der Integrationsaufgabe von Schulen sollten die Konfessionsschulen sich verpflichten einen bestimmten Anteil an Sch\u00fclern mit Migrationshintergrund aufzunehmen, ohne diesen den Konfessionsunterricht aufzuzwingen. Dieses Vorgehen w\u00fcrde der gesunden Mischung der Sch\u00fclerschaft einen erheblichen Beitrag leisten.<\/p>\n<p><strong>Der Elternverband spricht sich daher f\u00fcr die M\u00f6glichkeit der Einf\u00fchrung von Schuleinzugsbezirken insbesondere Grundschuleinzugbezirken aus. Um diesen zu umgehen ist jedoch eine deutlich st\u00e4rkere F\u00f6rderung von Schulen in sozial benachteiligten Stadteilen notwendig.<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"> <\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">3) Zu \u00a749 (Arbeits- und Sozialverhalten):<\/span><\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeit der Bewertung zum Arbeits- und Sozialverhalten der Sch\u00fcler stellt auf der einen Seite eine Notwendigkeit in einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft. Auf der anderen Seite erschwert es die Aufgabe der Lehrer die Sch\u00fcler objektiv zu beurteilen. Hierdurch nimmt nach unserer Meinung nach die Soziallastigkeit der Bewertungen, nicht nur im Arbeits- und Sozialverhalten, zu. Eine inhaltlich differenzierte Aussage \u00fcber das Arbeits- und Sozialverhalten der Sch\u00fcler unabh\u00e4ngig von Ihrer sozialen Herkunft wird zunehmend schwierig. Grunds\u00e4tzlich w\u00e4ren Bewertungen zu Sozial- und Arbeitsverhalten der Sch\u00fcler in Grundschulen, wie es bereits in den ersten Schuljahren praktiziert wird, w\u00fcnschenswert. In den weiterf\u00fchrenden Schulen, insbesondere auf Abschlusszeugnissen halten wir dies aufgrund der starken Beeinflussung der Bewertungen durch den Sozialstatus der Familien und der starken Bedeutung dieser Bewertungen f\u00fcr die berufliche Zukunft der Kinder f\u00fcr h\u00f6chst bedenklich. <strong>Der Elternverband bef\u00fcrwortet grunds\u00e4tzlich den Entwurf. Eine differenzierte Handhabe der Beurteilungspraxis nach Schulformen und Klassen halten wir jedoch f\u00fcr notwendig. <\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">4) Zu \u00a766 (Zusammensetzung der Schulkonferenz):<\/span><\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Die Wiedereinf\u00fchrung der Drittelparit\u00e4t st\u00e4rkt die Eltern mit Migrationshintergrund und w\u00fcrde deren Zusammenarbeit mit den Schulen st\u00e4rken.<\/p>\n<p><strong>Aus der Sicht der Elternschaft und im Hinblick auf die St\u00e4rkung der Elternmitwirkung und des Elternwillen im Bildungssystem bef\u00fcrworten wir die \u00c4nderung des \u00a766.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Unser Schlusspl\u00e4doyer:<\/strong><\/p>\n<p>Nach \u00a7 1 Schulgesetz Nordrhein-Westfalen (SchulG-BASS1-1) hat jeder junge Mensch ein Recht auf schulische Bildung, Erziehung und individuelle F\u00f6rderung. Neben Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern mit der Familiensprache Deutsch gibt es Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit Zuwanderungsgeschichte aus rund 150 Nationalit\u00e4ten, die mit unterschiedlichem Gewicht im Land vertreten sind. Von den rund 2,6 Millionen Sch\u00fclern in NRW haben ca. 30% eine Zuwanderungsgeschichte. Rund die H\u00e4lfte der Sch\u00fcler mit Zuwanderungsgeschichte nichtdeutscher Nationalit\u00e4t hat Ihren Ursprung aus der T\u00fcrkei. Die sich ver\u00e4ndernde demographischen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland erfordert ein grundlegendes Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik. Die Schule hat den gesetzlichen Auftrag die Kinder dort abzuholen wo sie sind. Um diesem Bildungsauftrag gerecht zu werden ist die F\u00f6rderung der nat\u00fcrlich mitgebrachten Ressourcen, wie die Mehrsprachigkeit, die Reduzierung der sozialen Selektionspraxis an\u00a0 Schulen, die St\u00e4rkung der Eltern sind\u00a0 Erfolgs-orientierte F\u00f6rderans\u00e4tze notwendig. Die Achtung und Sch\u00e4tzung der mitgebrachten Kultur und der Sprache von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte gibt diesen Kindern ein Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit und ist f\u00fcr deren Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung von besonderer Bedeutung. Die gro\u00dfe Mehrheit der Eltern mit Migrationshintergrund ist ohne Zweifel am Bildungserfolg ihrer Kinder interessiert. Die geplanten \u00c4nderungen der \u00a7\u00a7 11,46,49,66 und 84 des Schulgesetzes des Landes Nordrhein-Westfalen haben zum einen das Ziel die Elternmitwirkung und somit den Elternwillen zu st\u00e4rken und die soziale Benachteiligung durch das hiesige Schulsystem, zumindest in Ans\u00e4tzen zu reduzieren. Auch die bereits beschlossene \u00c4nderung des Schulgesetzes hinsichtlich der Einf\u00fchrung von Gemeinschaftsschulen wird im Hinblick auf l\u00e4ngeres gemeinsames Lernens und Lebens findet unsere Zustimmung. Deshalb unterst\u00fctzen wir die geplanten Vorhaben der Landesregierung in allen genannten Punkten, bitten jedoch gegebenenfalls um die notwendigen Korrekturen, die sicherlich an bestimmten Stellen notwendig w\u00e4ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme des Elternverbandes Ruhr (EVR) und der F\u00f6deration der T\u00fcrkischen Elternvereine in Deutschland (F\u00d6TED) zu dem Gesetzentwurf der Landesregierung: &#8222;Viertes Gesetz zur \u00c4nderung des Schulgesetzes f\u00fcr das Land Nordrhein-Westfalen (4. 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