{"id":2156,"date":"2010-11-04T00:42:18","date_gmt":"2010-11-03T22:42:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=2156"},"modified":"2023-04-02T00:49:20","modified_gmt":"2023-04-01T21:49:20","slug":"istanbul-stadt-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/11\/04\/istanbul-stadt-der-zukunft\/","title":{"rendered":"Istanbul &#8211; Stadt der Zukunft"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2157\" aria-describedby=\"caption-attachment-2157\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2157\" title=\"Istanbul (Foto: dpa)\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Istanbul.jpg\" alt=\"Istanbul (Foto: dpa)\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Istanbul.jpg 350w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Istanbul-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2157\" class=\"wp-caption-text\">Istanbul (Foto: dpa)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nachts auf Friedh\u00f6fen Tee trinken und dabei Wasserpfeife rauchen? Mit einem Schiff in einer Viertelstunde von Europa nach Asien fahren? Oder Tausenden von Anglern dabei zuschauen, wie sie Tag und Nacht im Tr\u00fcben fischen? All das ist m\u00f6glich in Istanbul, der Metropole am Bosporus.<\/p>\n<p>Zugegeben, der Name Istanbul klingt f\u00fcr deutsche Ohren irgendwie sch\u00e4big. Er klingt nach \u201eKebabbude hinter dem Hauptbahnhof\u201c. Aber in keinem anderen Fall ist der Name einer Stadt ein so schlechter Wegweiser. Denn Istanbul ist so sch\u00f6n wie Lissabon und dabei gleichzeitig so interessant wie Paris. Und vor allem: Istanbul ist gro\u00df! Mit ca. zw\u00f6lf Millionen Einwohnern ist die Metropole am Bosporus gleich nach Moskau die bev\u00f6lkerungsreichste Stadt Europas. Und Istanbul w\u00e4chst immer weiter. In den Gesch\u00e4ftsvierteln schie\u00dfen Hochh\u00e4user aus Glas und Stahl wie Pilze aus dem Boden. Istanbul ist eine \u201eBoomtown\u201c, die sich, von Westeuropa weitgehend unbemerkt, zu riesenhaften Ausma\u00dfen entwickelt hat. Sie zu ignorieren, w\u00e4re f\u00fcr die deutsche Wirtschaft, die sich in den letzten Jahren einseitig auf Ostasien konzentriert hat, fatal. F\u00fcr Deutschland wird k\u00fcnftig hier die Musik spielen. Und nicht im Fernen Osten. Aber das ist gar nicht so schlimm: Die Deutschen verf\u00fcgen in der T\u00fcrkei immer noch \u00fcber ein erhebliches Ansehen und werden dort \u00fcberall gerne gesehen.<\/p>\n<p><strong>Br\u00fccke zwischen den Welten<\/strong><\/p>\n<p>Istanbul ist eine Br\u00fccke zwischen den Welten. Und das nicht nur im geographischen Sinne. Istanbul verbindet Europa mit Asien, Osteuropa mit Westeuropa, die Antike mit der Moderne und nicht zuletzt das Christentum mit dem Islam. W\u00e4hrend der gr\u00f6\u00dfte Teil der Stadt auf der europ\u00e4ischen Seite des Bosporus liegt, ist ein kleinerer Teil auf der asiatischen Seite angesiedelt. Zwei gigantische H\u00e4ngebr\u00fccken und zahllose F\u00e4hren verbinden beide Ufer. In Istanbul treffen sich H\u00e4ndler, Touristen und \u201cSchurken\u201d aus Osteuropa und den zentralasiatischen Staaten. \u00dcberall sind \u201eRussenm\u00e4rkte\u201c entstanden. Gigantische Schiffsflotten aus der Ukraine und Russland kommen aus dem schwarzen Meer, das die T\u00fcrken malerisch \u201eKaradeniz\u201c nennen, durchqueren den Bosporus, das Marmarameer und nehmen dann Kurs auf die \u00c4g\u00e4is. Wer in der Abendd\u00e4mmerung an den Ufern Istanbuls steht und auf die schier endlose Armada aus grell beleuchteten Gro\u00dfraumfrachtschiffen blickt, glaubt sich in einen Zukunftsfilm versetzt.<\/p>\n<p><strong>Die vielen Gesichter Istanbuls<\/strong><\/p>\n<p>Istanbul hat viele Gesichter. Da sind zum Beispiel die verwinkelten und h\u00fcgligen Stra\u00dfen von Emin\u00f6n\u00fc, das auf dem Boden des alten Konstantinopel steht. Oder die modernen Gesch\u00e4ftsh\u00e4user des europ\u00e4ischen Viertels Beyoglu. Be\u00e4ngstigend sind die Trabantenst\u00e4dte im Umkreis Istanbuls: Wer auf dem Atat\u00fcrk-Flughafen landet, kann schon aus dem Flugzeugfenster endlose Reihen von Wohnt\u00fcrmen sehen, die exakt in Reih und Glied stehen. Durch ihre milit\u00e4rische Strenge wirken sie wie eine Neuauflage des Janitscharen-Korps, der Eliteeinheit der osmanischen Sultane. Sie alle scheinen auf einen Angriffsbefehl zu warten. Nirgendwo spiegelt sich der Charakter des t\u00fcrkischen Volkes so deutlich wieder, wie in diesen diszipliniert angeordneten Heeren aus H\u00e4usern.<\/p>\n<p><strong>Gleich nach Mekka, Medina und Jerusalem: Istanbul<\/strong><\/p>\n<p>Ein Besucher von Istanbul mag es kaum glauben, aber am Rande der Stadt befindet sich in dem Viertel \u201eEy\u00fcp\u201c das nach Mekka, Medina und Jerusalem viertwichtigste Heiligtum des sunnitischen Islam; das Grab von \u201eAbu Eyub al Ansari\u201c, dem Fahnentr\u00e4ger des Propheten Mohammed. Unz\u00e4hlige Pilger kommen hierher, um zu beten. Der Legende nach ist Abu Eyub al Ansari bei der Belagerung Konstantinopels durch die Araber im siebten Jahrhundert gefallen. Nach der Eroberung der Stadt durch die T\u00fcrken im Jahre 1453 wurde das Grab mit Hilfe von Orakeln und Wundern \u201ewiederentdeckt\u201c. Die Atmosph\u00e4re in Ey\u00fcp ist fromm, aber nicht fanatisch. \u201eUngl\u00e4ubige\u201c werden hier geduldet und d\u00fcrfen bis an das Grab des M\u00e4rtyrers vordringen.<\/p>\n<p>Wie religi\u00f6s Istanbul wirklich ist, sieht man wenn man traditionelle Viertel, wie zum Beispiel \u201eFatih\u201c, besucht \u2013 hier dominieren Vollbarttr\u00e4ger und verschleierte Frauen. Der Islam ist in Fatih allgegenw\u00e4rtig. Aber trotzdem st\u00f6\u00dft man auch in diesem Stadtteil auf l\u00e4ssig gekleidete Jeanstr\u00e4gerinnen mit offenen Haaren, die offenbar bei niemandem Ansto\u00df erregen. Religion scheint in Istanbul Privatsache zu sein. Deshalb ist auch keine Spur von Feindseligkeit andersgl\u00e4ubigen Ausl\u00e4ndern gegen\u00fcber zu sp\u00fcren. Ganz im Gegenteil, wer hier als Fremder nach dem Weg fragt, erh\u00e4lt \u00fcberschw\u00e4ngliche Hilfe. Falls es in der T\u00fcrkei einen radikalen und intoleranten Islamismus gibt, in Istanbul ist er jedenfalls nicht zu Hause.<\/p>\n<p><strong>Istanbul ist hipp<\/strong><\/p>\n<p>Abends in Istanbul auszugehen ist kein Problem: Man hat nur die Qual der Wahl und kann zwischen Hunderten von Restaurants w\u00e4hlen. Wer \u201eabzappeln\u201c will, kann \u201ehochangesagte\u201c Clubs aufsuchen, die manchmal auch auf im Bosporus schwimmenden Barkassen untergebracht sind. Im Sultanahmet-Viertel wartet auf erlebnishungrige Touristen ein Vergn\u00fcgen der besonderen Art: Hier kann man auf alten islamischen Friedh\u00f6fen Tee trinken und dabei Wasserpfeife rauchen. Und das, obwohl hier hohe osmanische W\u00fcrdentr\u00e4ger des 19. Jahrhunderts ihre letzte Ruhe gefunden haben. Nachts werden die Friedh\u00f6fe durch zahlreiche Lampen beleuchtet, so dass eine mystisch-magische Stimmung entsteht. Diese \u201eSpezialcaf\u00e9s\u201c sind vor allem bei Studenten der Istanbuler Universit\u00e4t au\u00dferordentlich beliebt. Bei Apfel- und Erdbeertabak wird hier \u00fcber Politik und Religion philosophiert.<\/p>\n<p><strong>Business-City<\/strong><\/p>\n<p>Abends am goldenen Horn: Hektisch verlassen gestresste Angestellte die F\u00e4hren, die im Minutentakt vom Ufer an- und ablegen. Das Tempo ist hier gr\u00f6\u00dfer als an jedem anderen vergleichbaren Ort in Frankfurt oder Hamburg. Hier wird gut verdient und hart gearbeitet. Dennoch sind die Leute h\u00f6flicher und es wird nicht so erbarmungslos gerempelt wie an manchen Orten in Deutschland.<\/p>\n<p><strong>Stadt der Angler<\/strong><\/p>\n<p>Wer den \u201eGeist\u201c Istanbuls sp\u00fcren will, sollte ein Ph\u00e4nomen beobachten, das wie kein anderes die Seele dieser Stadt verk\u00f6rpert: Das sind die Angler am \u201eGoldenen Horn\u201c! \u00dcber diesen Seitenarm des Bosporus, an dem auch Istanbuls \u00e4lteste Stadtviertel liegen, f\u00fchren zwei Pontonbr\u00fccken, auf denen sich Tag und Nacht Hunderte von Anglern dr\u00e4ngeln. Ein Wald von Angelrouten ragt \u00fcber die Gel\u00e4nder der Br\u00fccken hinaus. Der arglose Fu\u00dfg\u00e4nger sieht sich hier der Gefahr herumfliegender Angelhaken und Bleigewichte ausgesetzt. Viele von den Anglern scheinen arbeitslos zu sein und einfach die Zeit totzuschlagen. Andere suchen hier nach Entspannung. Auf den Br\u00fccken gewinnt man den Eindruck, dass hier generell nach dem gro\u00dfen Gl\u00fcck gefischt wird: Alle warten auf den ganz gro\u00dfen Fang, erwischen aber dabei nur kleine Fische.<\/p>\n<p><strong>Weder Ost noch West<\/strong><\/p>\n<p>Es klingt abgegriffen, Istanbul als Stadt zwischen den Welten zu bezeichnen, aber genau das ist sie! Istanbul ist keine europ\u00e4ische, aber auch keine orientalische Stadt. Sie geh\u00f6rt weder zum Osten noch zum Westen. Istanbul vereinigt viele Kulturen und hat von allem etwas. Und vielleicht ist gerade das ist ihr Vorteil in einer globalisierten Welt. Deshalb ist Istanbul mit Sicherheit eines: Eine Stadt der Zukunft!<\/p>\n<p>Quelle: <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachts auf Friedh\u00f6fen Tee trinken und dabei Wasserpfeife rauchen? Mit einem Schiff in einer Viertelstunde von Europa nach Asien fahren? Oder Tausenden von Anglern dabei zuschauen, wie sie Tag und Nacht im Tr\u00fcben fischen? 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