{"id":2098,"date":"2010-11-02T14:46:58","date_gmt":"2010-11-02T12:46:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=2098"},"modified":"2014-01-01T22:39:46","modified_gmt":"2014-01-01T20:39:46","slug":"angriff-auf-das-herz-der-turkei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/11\/02\/angriff-auf-das-herz-der-turkei\/","title":{"rendered":"Angriff auf das Herz der T\u00fcrkei"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Terror kehrt zur\u00fcck:\u00a0Ein Selbstmordattent\u00e4ter hat sich vor einem Polizeiposten in Istanbul in die Luft gesprengt. Dabei wurden 32 Menschen verletzt, darunter\u00a017 Passanten. Der Angreifer hatte vergeblich versucht, mit seiner Bombe am K\u00f6rper in einen Einsatzbus zu gelangen.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2099\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/terror_in_istanbul.jpg\" alt=\"\" width=\"465\" height=\"256\" srcset=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/terror_in_istanbul.jpg 465w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/terror_in_istanbul-300x165.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 465px) 100vw, 465px\" \/><\/p>\n<p>Istanbul &#8211; Gelbes und rot-wei\u00dfes Absperrband flattert am Taksim-Platz in Istanbul. Sonst hetzen hier Touristen zum Bus, Bettler fragen nach Almosen; Gesch\u00e4ftsleute trinken ihren Starbucks-Kaffee im Gehen, Taxis hupen, Dutzende Halbmondfahnen wehen im Wind. Es ist einer der lautesten und belebtesten Pl\u00e4tze der Stadt.<\/p>\n<p>Von\u00a0Daniel Steinvorth und Oliver Trenkamp, Istanbul<\/p>\n<p>M\u00e4nner in wei\u00dfen und hellblauen Schutzanz\u00fcgen laufen herum, Plastikt\u00fcten \u00fcber den Schuhen, blaue Plastikhandschuhe an den H\u00e4nden. Sie sammeln Spuren, fotografieren, filmen. Abgeschirmt von einem Gro\u00dfaufgebot der t\u00fcrkischen Polizei, M\u00e4nnern in dunklen Uniformen, Schirmm\u00fctzen, die Maschinenpistolen im Anschlag. Kranken- und Feuerwehrwagen belagern den Platz.<\/p>\n<p>Neben einem Polizeibus liegt der leblose K\u00f6rper eines Mannes, wenige Meter von einem Kiosk entfernt, notd\u00fcrftig abgedeckt. Sp\u00e4ter werden einige M\u00e4nner in Schutzanz\u00fcgen den K\u00f6rper in einem Sack davontragen und in einen Transporter wuchten.<\/p>\n<p>Da ist der Mann bereits f\u00fcnf Stunden tot. Er wurde 35 Jahre alt. Am Sonntagmorgen hat er eine Bombe gez\u00fcndet, die er bei sich trug,\u00a0und mindestens 32 Menschen verletzt, darunter 15 Polizisten.<\/p>\n<p>Wie genau der Anschlag vor sich ging, dazu gibt es widerspr\u00fcchliche Schilderungen. Der Istanbuler Polizeichef H\u00fcseyin Capkin sagte, der Attent\u00e4ter habe versucht, in einen geparkten Polizeibus zu gelangen. Als dies nicht gelungen sei, habe er seine Bombe gez\u00fcndet. In der N\u00e4he seien weitere Sprengs\u00e4tze gefunden worden, die von Spezialisten entsch\u00e4rft w\u00fcrden. Beamte vor Ort sagen jedoch, der Attent\u00e4ter habe seine Bombe im Vorbeigehen gez\u00fcndet.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Da rannten mir schreiende Menschen entgegen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Als sicher gilt, dass sich der Anschlag gezielt gegen die t\u00fcrkische Polizei richtete. An jenem Punkt auf dem Taksim-Platz sind dauerhaft Beamte stationiert. Tag und Nacht stehen hier Polizeibusse. Istanbuls Gouverneur, H\u00fcseyin Avni Mutlu, sprach von einem &#8222;Akt des Terrors&#8220;, auch wenn die Hintergr\u00fcnde noch unklar seien.<\/p>\n<p>Noch Stunden nach dem Anschlag suchte eine Spezialeinheit nach weiteren Sprengs\u00e4tzen. Der Fernsehsender CNN T\u00fcrk berichtet, es sei ein weiterer Sprengsatz gefunden und entsch\u00e4rft worden.<\/p>\n<p>Der Attent\u00e4ter schlug am Sonntagmorgen zu, zwischen Viertel vor zehn und halb elf &#8211; auch hier sind die Angaben widerspr\u00fcchlich. Der Rezeptionist des nahe gelegenen Hotels Metropark erinnert sich an den Knall und daran, wie das Haus und die Frontscheiben vibrierten. Er ging auf die Stra\u00dfe, um zu sehen, was passiert war: &#8222;Da rannten mir schreiende Menschen entgegen&#8220;, sagt er. Auch andere Zeugen berichten von Panik, davon, wie die Fliehenden \u00fcbereinander stolperten und fielen.<\/p>\n<p>Noch einige H\u00e4userbl\u00f6cke entfernt war die Explosion zu h\u00f6ren und zu sp\u00fcren. Sie sei zwar keine \u00e4ngstliche Frau, sagt Cemile Ataman, 40, Juwelierin, die etwa zehn Gehminuten entfernt vom Taksim-Platz wohnt. Doch an diesem Sonntag traute sie sich erst Stunden nach dem Fr\u00fchst\u00fcck aus dem Haus: &#8222;Erst als sie im Fernsehen sagten, dass keine Gefahr mehr droht.&#8220; Sie sa\u00df gerade bei einem Glas Tee, als sie den &#8222;sehr lauten Knall&#8220; h\u00f6rte.<\/p>\n<p><strong>Steckt die PKK hinter dem Anschlag?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Verdacht machte schnell die Runde, sowohl bei den Reportern und ihren Teams, die ihre Kameras am Busbahnhof aufgebaut hatten, als auch bei Ladenbesitzen und Schaulustigen auf dem Platz. Immer wieder h\u00f6rte man auf die Frage, wer hinter dem Anschlag stecken k\u00f6nnte, drei ver\u00e4chtlich ausgesprochene Buchstaben: PKK. Viele hier meinen, ein solcher Selbstmordanschlag, das sei ganz eindeutig die Handschrift der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr spricht, dass am heutigen Sonntag ein einseitiger erkl\u00e4rter Waffenstillstand der PKK auslief. Mehrfach hatten die Untergrundk\u00e4mpfer in den vergangenen Monaten den Staat dazu aufgerufen, sich der Waffenruhe anzuschlie\u00dfen und Verhandlungen \u00fcber eine L\u00f6sung der Kurdenfrage zu beginnen &#8211; allerdings unter Beteiligung ihres inhaftierten PKK-F\u00fchrers Abdullah \u00d6calans, was die Regierung von Ministerpr\u00e4sident Recep Tayyip Erdogan vehement ablehnt.<\/p>\n<p>Ein Sprecher der PKK erkl\u00e4rte jedoch gegen\u00fcber CNN International, dass seine Organisation \u00fcber das heutige Attentat nicht informiert gewesen sei. Er erinnerte auch daran, dass sich der derzeit amtierende PKK-Chef Murat Karayilan vor einer Woche in einem Interview f\u00fcr den Tod von Zivilisten entschuldigt habe. Anschl\u00e4ge der PKK, so die Botschaft Karayilans, sollten sich k\u00fcnftig ausschlie\u00dflich gegen milit\u00e4rische Ziele richten.<\/p>\n<p>Man solle nicht voreilige Schl\u00fcsse ziehen, warnte auch Cevat \u00d6nes, ein ehemaliger Mitarbeiter des t\u00fcrkischen Geheimdienstes MIT gegen\u00fcber CNN. Das heutige Attentat k\u00f6nne auch als Sabotageakt gegen die &#8222;Kurdeninitiative&#8220; der Regierung verstanden werden. &#8222;Es ist falsch, den Namen einer Organisation zu nennen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Der Tatort ist ein beliebtes Ziel &#8211; f\u00fcr T\u00fcrken und Touristen<\/strong><\/p>\n<p>Wahrscheinlicher k\u00f6nnte da schon eine Beteiligung der sogenannten Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) sein. Die radikale Splittergruppe, die in den vergangenen Jahren mehrfach Anschl\u00e4ge auf Zivilisten ausge\u00fcbt hat, distanziert sich von der PKK, die ihr nicht entschlossen genug erscheint.<\/p>\n<p>Auch linke Gruppen wie die &#8222;Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front&#8220; (DHKP-C) und radikale Islamisten k\u00e4men in Frage. Sicherheitsexperten machen seit l\u00e4ngerer Zeit auf die wachsende Gefahr dschihadistischer Zellen in der\u00a0T\u00fcrkei aufmerksam. Erst in der vergangenen Woche\u00a0nahm die Polizei in f\u00fcnf t\u00fcrkischen St\u00e4dten mutma\u00dfliche Qaida-Mitglieder fest.<\/p>\n<p>Doch egal, wer hinter dem Attentat steckt, er trifft Istanbul an einem zentralen Ort. Am Taksim, im europ\u00e4ischen Teil der Stadt, laufen mehrere Verkehrsadern zusammen: Hier kreuzen sich mehrere U-Bahnlinien, hier fahren die Busse zu den Flugh\u00e4fen, Touristen und T\u00fcrken treffen sich hier zum Ausgehen, Shoppen, Feiern. Hier beginnt die Istiklal, jene Einkaufsstra\u00dfe, von der es hei\u00dft, dass Tag f\u00fcr Tag zwei Millionen Menschen hindurchschlendern.<\/p>\n<p>Allerdings verkleinerte die Polizei schon wenige Stunden nach dem Anschlag die Sperrzone, gab den Taksim in weiten Teilen wieder f\u00fcr Autos, Busse, Taxis frei. Die Restaurants \u00f6ffneten wieder, die Blumenh\u00e4ndler durften an ihre St\u00e4nde zur\u00fcck. Und auch die Juwelierin Ataman traute sich zum Platz, nachdem sie Freunde und Verwandte angerufen hatte, um zu sagen: &#8222;Mir ist nichts passiert.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Terror kehrt zur\u00fcck:\u00a0Ein Selbstmordattent\u00e4ter hat sich vor einem Polizeiposten in Istanbul in die Luft gesprengt. Dabei wurden 32 Menschen verletzt, darunter\u00a017 Passanten. Der Angreifer hatte vergeblich versucht, mit seiner Bombe am K\u00f6rper in einen Einsatzbus zu gelangen. 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