{"id":2063,"date":"2010-11-01T16:24:10","date_gmt":"2010-11-01T14:24:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=2063"},"modified":"2023-04-14T16:29:03","modified_gmt":"2023-04-14T13:29:03","slug":"reisebericht-gregors-motorradreise-um-das-schwarze-meer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/11\/01\/reisebericht-gregors-motorradreise-um-das-schwarze-meer\/","title":{"rendered":"Reisebericht: Gregor\ufeffs Motorrad\ufeffreise um das Schwarze Meer"},"content":{"rendered":"<h3>20.5.2006 &#8211; Istanbul<\/h3>\n<p>[ Karte ] Ich n\u00e4here mich Istanbul. Die Stadt ist endlos. Schon 100 km vor der eigentlichen Stadtgrenze sind alle D\u00f6rfer und Kleinst\u00e4dte zu einer l\u00fcckenlosen Megalopolis zusammengewuchert. Der Verkehr ist der Alptraum. Auf drei Fahrspuren dr\u00e4ngeln sich bis zu 5 Kolonnen Autos nebeneinander, die Spuren werden nach Belieben und unberechenbar gewechselt, die Beschilderung ist schlecht, das Tempo wechselt zwischen viel zu schnell und Stillstand im Stau.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-2064\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/eminonu.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/eminonu.jpg 705w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/eminonu-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Obwohl rechts der Route das Marmarameer ist, sieht man es viel zu selten um bei der Navigation eine echte Hilfe zu sein. Ich orientiere mich notd\u00fcrftig am Sonnenstand und versuche auf der Hauptstra\u00dfe zu bleiben. Als mich ein Taxi mit hohem Tempo \u00fcberholt, kommt mir die rettende Idee: Ich h\u00e4nge mich einfach an das Taxi dran und schwimme im gleichen Tempo mit. Solange meine Richtung relativ zum Sonnenstand gleich bleibt, wird er mich schon ins Zentrum f\u00fchren, denke ich. Und es funktioniert, f\u00fcnfzig Kilometer fahre ich hinter ihm her. Als er schlie\u00dflich in eine Seitenstra\u00dfe abbiegt, bin ich bereits nahe dem Zentrum der Stadt.<\/p>\n<p>Ich besorge mir beim ersten besten Luxushotel an der Lobby einen Stadtplan und navigiere mich damit auf eigene Faust weiter Richtung Emin\u00f6n\u00fc, dem historischen Zentrum der Stadt, direkt am Goldenen Horn gelegen. Ich lande im Laleli Viertel, als Verkaufszentrum von Leder und Pelzwaren und wegen seiner billigen Hotels bekannt. Von hier ist es nur ein paar Minuten Fu\u00dfmarsch zu den touristischen Sahnest\u00fcckchen der Stadt, wie Hagia Sofia, Sultan Ahmet (Blaue) Moschee, Basar, Galata Br\u00fccke.<\/p>\n<p>Das Hotel ist in der Tat preiswert, aber es gibt keinen Parkplatz f\u00fcr mein Mopped, zumindest keinen sicheren. Der Mann am Hotelempfang \u00fcberlegt nicht lange, ruft 4 kr\u00e4ftige Kerle zu Hilfe, und schon steht mein schweres Ross in der Hotel-Lobby, sicher wie in Abrahams Scho\u00df.<\/p>\n<p>Endlich krieg ich sp\u00e4t abends in einem der Restaurants unter der Galata-Br\u00fccke mein wohlverdientes, k\u00fchles Bier.<\/p>\n<p>Ich war mal in den 70er Jahren hier, da war diese Br\u00fccke eine touristisches Juwel. Sie war ein filigranes Gebilde, ein Meisterwerk aus Eisen und Holz, nicht auf Pfeilern gebaut, sondern auf Pontons schwimmend. Die R\u00e4ume unter der Fahrbahn waren mit hunderten, teils sehr billigen Kneipen belegt. Nirgends war das alte Istanbul authentischer.<\/p>\n<p>Die Stadt trug Trauer, als die Br\u00fccke nach einem mysteri\u00f6sen Brand 1992 durch eine moderne, funktionelle aber schmucklose Betonkonstruktion ersetzt wurde. Bis 2002 hat es gedauert, bis man unter der Br\u00fccke wieder Restaurants er\u00f6ffnete. Diese Restaurants sind allerdings zeitgem\u00e4\u00df clean und cool, nur einen Schatten der Unterwelt der\u00a0alten Br\u00fccke .<\/p>\n<p>Ich sitze also bei meinem Bier in einem Restaurant unter der Br\u00fccke. Pl\u00f6tzlich gehen alle Lichter aus. Notstromaggregate laufen an, eins nach dem Anderen. Schummriges Notlicht wird eingeschaltet, aber die Musikbeschallung bleibt aus, eine faszinierende (relative) Stille umgibt mich, hier mitten in der City. Dr\u00fcben auf Emin\u00f6n\u00fc gibt es keinen Stromausfall, und so kommt mir der Lautsprecher auf dem Minarett, dessen Singsang zum Gebet ruft, so laut vor wie Pink Floyd im Olympiastadion.<\/p>\n<p>Auf dem Heimweg zum Hotel komme ich an Stra\u00dfenh\u00e4ndlern aus aller Welt vorbei. Zwei besonders attraktive Kerle aus Usbekistan und Kasachstan verkaufen Fellm\u00fctzen und Schafspelzjacken. Wer so was jetzt, zum Beginn des Sommers braucht, ist mir nicht klar.<\/p>\n<p>Sp\u00e4t am Abend geh ich noch mal ins Internet Cafe. Aus irgendeinem Grunde nehm ich die Taschenlampe mit. Das war eine gute Idee, denn nach 15 Minuten Surfen, peng, ist auch hier der Strom weg. Alles ist stockfinster, auch die Stra\u00dfen. In den Restaurants und Gesch\u00e4ften brennen Kerzen. Aber nach wenigen Minuten gehen einzelne Lichter wieder an. \u00dcberall surren private Stromgeneratoren, es duftet nach Zweitaktmotor. Anscheinend ist man hier Stromausf\u00e4lle gewohnt.<\/p>\n<h3>21.5.2006 &#8211; Istanbul<\/h3>\n<p>Leider ist heute, am Sonntag, der gro\u00dfe Basar geschlossen, aber der ist sowieso nur eine Touristenfalle, tr\u00f6ste ich mich. Ich verbringe stattdessen eine Stunde bei der blauen Moschee, und knipse Leute.<\/p>\n<p>Die Stra\u00dfenh\u00e4ndler sind nervig. \u00dcberall lungern Schlepper rum und verwickeln mich ins Gespr\u00e4ch, woher kommst du, darf ich dir die Moschee zeigen, und hier ist mein Laden, da hab ich g\u00fcnstig sch\u00f6ne Teppiche&#8230; Ich hab mir angew\u00f6hnt, jeden Schlepperversuch im Keime zu ersticken: &#8222;Vergeuden Sie nicht Ihre Zeit, ich kaufe nichts&#8220;. Freundlich, aber laut und bestimmt.<\/p>\n<p>Ich mache die \u00fcbliche Touristenrunde, Sultan Ahmet Moschee, Hagia Sofia, Galata-Br\u00fccke, Galata-Turm. Bis mir die F\u00fc\u00dfe wehtun und ich mich deshalb zum Mittagessen hinsetzten muss. Die einfachen Gark\u00fcchen (&#8222;Lokanta&#8220;) sind exzellent, z.B. Reis, H\u00e4hnchen, Gem\u00fcseeintopf, Wasser, alles zusammen f\u00fcr 3 EUR.<\/p>\n<p>Am Nachmittag flaniere ich durch das Restaurantviertel &#8222;Tarihi Kumkapi Balik Restorantlari&#8220;. Hier darf kein Auto fahren oder parken, daf\u00fcr haben Dutzende von Restaurants auf der Stra\u00dfe ihre Tische gedeckt. In diesen zwei, drei Gassen, insgesamt nur paar hundert Meter lang, k\u00f6nnen wohl einige tausend G\u00e4ste zugleich Platz finden. \u00dcberall gibt es zur Unterhaltung der G\u00e4ste Gesang und Musik auf traditionellen Instrumenten. Hier gef\u00e4llt es mir. In einem Teehaus gesellt sich eine Gruppe von Zigeunermusikern, Tarik, Mustafa, M\u00fcmin und Mehmet, zu mir, spielen mir was auf der Oud vor, und diskutieren mit gro\u00dfer Sachkenntnis mit mir \u00fcber alle Weltmusik von Jazz bis Flamenco.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20.5.2006 &#8211; Istanbul [ Karte ] Ich n\u00e4here mich Istanbul. Die Stadt ist endlos. Schon 100 km vor der eigentlichen Stadtgrenze sind alle D\u00f6rfer und Kleinst\u00e4dte zu einer l\u00fcckenlosen Megalopolis zusammengewuchert. Der Verkehr ist der Alptraum. 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