{"id":1998,"date":"2010-10-28T21:54:45","date_gmt":"2010-10-28T18:54:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=1998"},"modified":"2014-01-01T22:31:56","modified_gmt":"2014-01-01T20:31:56","slug":"ausenseiter-turkei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/10\/28\/ausenseiter-turkei\/","title":{"rendered":"Au\u00dfenseiter T\u00fcrkei"},"content":{"rendered":"<p>Die T\u00fcrkei k\u00f6nnte im n\u00e4chsten Jahrzehnt das am schnellsten wachsende Land der Welt nach China und Indien sein<\/p>\n<p>Trotz des j\u00fcngsten Staatsbesuches des deutschen Bundespr\u00e4sidenten in Ankara glaubt kaum ein Beobachter in Berlin und Br\u00fcssel, dass die T\u00fcrkei in der absehbaren Zukunft Mitglied der EU sein k\u00f6nnte. Dieser Befund scheint auf den ersten Blick \u00fcberraschend zu sein, da das Land gerade in den letzten zehn Jahren laut einer Beilage der Londoner Wochenzeitung The Economist wirtschaftlich und politisch erstaunlich Erfolge erreicht hat.<\/p>\n<p>Im September gewann die vom Ministerpr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdogan gef\u00fchrte Regierungspartei f\u00fcr &#8222;Gerechtigkeit und Entwicklung&#8220;(AKP) die Volksabstimmung \u00fcber die \u00c4nderung der Verfassung zwecks st\u00e4rkerer Kontrolle der Armee. Nach einem dynamischen Wirtschaftsaufschwung mit einer j\u00e4hrlichen Wachstumsrate von sechs Prozent zwischen 2002 und 2008 und mit einem erwarteten Wachstum von fast acht Prozent f\u00fcr 2010 k\u00f6nnte die T\u00fcrkei im n\u00e4chsten Jahrzehnt das am schnellsten wachsende Land der Welt nach China und Indien sein.<\/p>\n<p>Dass laut manchen Experten die T\u00fcrkei bis 2050 zur zehntgr\u00f6\u00dften Wirtschaftsmacht der Welt aufsteigen k\u00f6nnte, h\u00e4ngt auch mit der demografischen Entwicklung zusammen. Das Durchschnittsalter der 72 Millionen Einwohner betr\u00e4gt nur 27 Jahre gegen einen Durchschnitt von \u00fcber 40 Jahren in der EU. Bis 2050 soll die Bev\u00f6lkerung fast 100 Millionen stark sein. Damit w\u00fcrde das Land mit Abstand die gr\u00f6\u00dfte Bev\u00f6lkerung weit vor Deutschland aufweisen.<\/p>\n<p>Es geht aber eben darum, dass trotz eindrucksvoller wirtschaftlicher und politischer Reformen f\u00fcr die T\u00fcrkei der Abschluss der nach langem Tauziehen im Oktober 2005 er\u00f6ffneten Beitrittsverhandlungen mit der EU in weite Ferne r\u00fcckt.<\/p>\n<p>Mehr als die H\u00e4lfte der 35 Verhandlungskapitel bleiben gesperrt, in erster Linie wegen des Zypernkonflikts, in einigen F\u00e4llen auch durch Frankreich. Dar\u00fcber hinaus handelt es sich freilich vor allem darum, dass sowohl die Regierungen wie auch die gro\u00dfe Mehrheit der W\u00e4hler in Frankreich und Holland, in Deutschland und \u00d6sterreich wiederholt klar gemacht haben, dass sie eine volle Mitgliedschaft f\u00fcr die T\u00fcrkei ablehnen. Die Hinweise auf eine &#8222;privilegierte Partnerschaft&#8220; werden von der t\u00fcrkischen Elite als eine inhaltsleere Worth\u00fclse betrachtet. Laut einer Umfrage des deutschen Marschall-Plan-Fonds unterst\u00fctzen heute nur 38 Prozent der T\u00fcrken einen EU-Beitritt; 2004 waren es 73 Prozent.<\/p>\n<p>Bereits heute wird die T\u00fcrkei als wichtige Regionalmacht angesehen. Die Ann\u00e4herung an Irak, Iran und Syrien steht in krassem Gegensatz zum Konflikt mit Israel seit der Gazaoffensive und der Abk\u00fchlung der Beziehungen zu den USA. Die Hilfe des W\u00e4hrungsfonds und die Perspektive der EU-Mitgliedschaft waren externe Antriebskr\u00e4fte bei der Transformation der T\u00fcrkei. Innenpolitische Turbulenzen wegen der Kurdenfrage (14 Prozent der Bev\u00f6lkerung), wuchernde Korruption in der Regierungspartei, autorit\u00e4re Tendenzen des Ministerpr\u00e4sidenten unter anderem bei der Einschr\u00e4nkung der Medienfreiheit k\u00f6nnten die einzige funktionierende Demokratie in einem moslemischen Land gef\u00e4hrden. (Paul Lendvai\/DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2010)<\/p>\n<p>via\u00a0Au\u00dfenseiter T\u00fcrkei &#8211; Paul Lendvai &#8211; derStandard.at \u203a Meinung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die T\u00fcrkei k\u00f6nnte im n\u00e4chsten Jahrzehnt das am schnellsten wachsende Land der Welt nach China und Indien sein Trotz des j\u00fcngsten Staatsbesuches des deutschen Bundespr\u00e4sidenten in Ankara glaubt kaum ein Beobachter in Berlin und Br\u00fcssel, dass die T\u00fcrkei in der absehbaren Zukunft Mitglied der EU sein k\u00f6nnte. 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