{"id":1664,"date":"2010-10-20T09:12:17","date_gmt":"2010-10-20T07:12:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=1664"},"modified":"2014-01-01T22:23:11","modified_gmt":"2014-01-01T20:23:11","slug":"turkei-der-tiger-vom-bosporus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/10\/20\/turkei-der-tiger-vom-bosporus\/","title":{"rendered":"T\u00fcrkei &#8211; der Tiger vom Bosporus"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1671\" title=\"TURKEY-GERMANY-DIPLOMACY\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/59465-fSAT_EUROPE__MEDIASAT__4288316_0-047674-01-09.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"156\" \/><\/p>\n<p>Foto: AFP<br \/>\nBundespr\u00e4sident Christian Wulff auf Staatsbesuch in der T\u00fcrkei: Am Vormittag empfingen sein t\u00fcrkischer Amtskollege Abdullah G\u00fcl und seine Frau Hayr\u00fcnnissa das deutsche Staatsoberhaupt nebst Gattin Bettina auf seinem Amtssitz in Ankara.<\/p>\n<p><strong>Wirtschaftsboom<br \/>\nT\u00fcrkei &#8211; der Tiger vom Bosporus<\/strong><br \/>\nVON NILS DIETRICH &#8211;<br \/>\nzuletzt aktualisiert: 19.10.2010 &#8211; 13:44<\/p>\n<p>D\u00fcsseldorf\/Ankara (RPO). Bislang wurde kein Staatsbesuch von Bundespr\u00e4sident Christian Wulff so sehr beachtet wie seine Visite in der T\u00fcrkei. Die laufende Integrationsdebatte \u00fcberschattet alle anderen Themen. Dabei hat die T\u00fcrkei in den letzten zehn Jahren einen enormen Wandel vollzogen. Aus dem Armenhaus an der S\u00fcdostflanke Europas ist ein politisch stabiler und wirtschaftlich prosperierender Staat geworden.<br \/>\nBei dem Empfang von Bundespr\u00e4sident Christian Wulff am Dienstagmorgen in Ankara war alles ein wenig anders. Als Staatspr\u00e4sident Abdullah G\u00fcl zusammen mit seinem Gast mit milit\u00e4rischen Ehren die Ehrengarde abschreitet, folgen ihnen die Ehefrauen. Darauf hatte G\u00fcl seit dem Amtsantritt vor drei Jahren mit R\u00fccksichtnahme auf das laizistische Milit\u00e4r verzichtet, denn seine Frau Hayr\u00fcnnissa tr\u00e4gt das islamische Kopftuch.<br \/>\nBis vor zwei Wochen w\u00e4re das in der T\u00fcrkei ein Problem gewesen. Seinerzeit hatte die Hochschulbeh\u00f6rde den Studentinnen des Landes grunds\u00e4tzlich erlaubt, das Kopftuch in den H\u00f6rs\u00e4len der Universit\u00e4ten zu tragen &#8211; und hierdurch mit einer kemalistischen Tradition gebrochen. Diese Entscheidung zeigt, dass sich die T\u00fcrkei im Wandel befindet. Das ist nicht nur im politischen, sondern auch im wirtschaftlichen Sinne der Fall.<br \/>\n10,3 Prozent Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal &#8211; die Rede ist nicht von China, sondern von der T\u00fcrkei. In den letzten Jahren hat das Land zwischen Bosporus und Araratgebirge einen grandiosen wirtschaftlichen Aufschwung hingelegt. Das nominale Pro-Kopf-Einkommen Einkommen der T\u00fcrken hat sich auf \u00fcber 10.000 US-Dollar mehr als vervierfacht. Die Arbeitslosigkeit ging deutlich zur\u00fcck, lag 2009 aber noch bei 12,4 Prozent.<br \/>\nRecep Tayyip Erdogan ist ein einer der Macher des t\u00fcrkischen Aufschwungs der letzten Jahre. Seine AKP (Partei f\u00fcr Gerechtigkeit und Aufschwung) wird von den s\u00e4kular orientierten Eliten des Landes und den Milit\u00e4rs, die die Trennung von Staat und Religion \u00fcberwachen, kritisch be\u00e4ugt. Die Aufweichung des Kopftuchverbotes in Universit\u00e4ten und \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden war eines von Erdogans zentralen Anliegen, das seine Gegner eine Aufweichung der laizistischen Staatsordnung f\u00fcrchten l\u00e4sst.<br \/>\nReformen brachten Wirtschaftsboom<br \/>\nDoch es ist nicht in erster Linie die Fr\u00f6mmigkeit, durch die sich die AKP auszeichnet &#8211; auch wenn viele Kritiker die Partei darauf reduzieren. Viel mehr hat sich die konservative Gruppierung seit ihrer Macht\u00fcbernahme 2002 durch einen wirtschaftsfreundlichen Reformkurs ausgezeichnet, der den Aufstieg erst m\u00f6glich machte. Erdogan d\u00e4mmte die Inflation ein und privatisierte Staatsbetriebe, die vorher als unantastbar galten. Au\u00dferdem intensivierte die Regierung den Handel mit Russland, China und dem Nahen Osten.<br \/>\nDoch nicht nur das: Die AKP brachte der T\u00fcrkei die lang ersehnte politische Stabilit\u00e4t. Immerhin hatte das Milit\u00e4r nach dem Zweiten Weltkrieg dreimal geputscht. Unter den lange Zeit regierenden Kemalisten herrschten zudem Vetternwirtschaft und Korruption. Erst Erdogans Vor-Vorg\u00e4nger B\u00fclent Ecevit packte Ende der 90er Jahre tiefgreifende Reformen an: Todesstrafe und Folter wurden verboten, die Rechte der kurdischen Minderheit gest\u00e4rkt. Unter der AKP wurde dieser Kurs fortgesetzt und der politische Einfluss des Milit\u00e4rs sukzessive zur\u00fcckgedr\u00e4ngt.<br \/>\nDabei handelte es sich auch um Vorbedingungen f\u00fcr die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen. In einem Interview mit der &#8222;H\u00fcrriyet&#8220; bekr\u00e4ftigte Wulff, die Gespr\u00e4che m\u00fcssten &#8222;fair und ergebnisoffen&#8220; gef\u00fchrt werden. Doch in der t\u00fcrkischen Politik w\u00e4chst der Unmut \u00fcber die Hinhaltetaktik der Br\u00fcsseler Diplomaten. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspr\u00e4sident Nicolas Sarkozy hatten sich sogar offen gegen einen Beitritt ausgesprochen.<br \/>\nF\u00fchrungsrolle in Nahost<br \/>\nEwig wird Ankara sicherlich nicht warten. Dabei gilt die T\u00fcrkei als ein Bindeglied zwischen Orient und Okzident. Erdogan spricht ebenso mit syrischen, iranischen und israelischen Politikern, was ihm eine gewisse Mittlerrolle erm\u00f6glicht. Au\u00dferdem ist das Land mit seiner Wirtschaftskraft, den 72 Millionen gr\u00f6\u00dftenteils jungen Einwohnern und der strategischen Lage f\u00fcr eine F\u00fchrungsrolle pr\u00e4destiniert.<br \/>\nDer Bundespr\u00e4sident betonte die Bedeutung der T\u00fcrkei als Land zwischen Ost und West. Viele Menschen setzten ihre &#8222;Hoffnungen auf die T\u00fcrkei als Modell eines modernen s\u00e4kularen Staates, der sich seiner Wurzeln bewusst ist&#8220;. Gleichzeitig mahnte er mit der religi\u00f6sen Toleranz einen wunden Punkt an: &#8222;Wenn die T\u00fcrkei als ein Land mit \u00fcberwiegend muslimischer Bev\u00f6lkerung zeigen kann, dass sie Toleranz und Religionsfreiheit nicht nur f\u00fcr den Islam, sondern auch f\u00fcr andere Religionen wie Christentum und Judentum in vollem Umfang verwirklichen kann&#8220;, dann werde sie eine &#8222;wichtige Vorbildfunktion erf\u00fcllen&#8220;.<br \/>\nURL: www.rp-online.de\/politik\/ausland\/Tuerkei-der-Tiger-vom-Bosporus_aid_920129.html<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: AFP Bundespr\u00e4sident Christian Wulff auf Staatsbesuch in der T\u00fcrkei: Am Vormittag empfingen sein t\u00fcrkischer Amtskollege Abdullah G\u00fcl und seine Frau Hayr\u00fcnnissa das deutsche Staatsoberhaupt nebst Gattin Bettina auf seinem Amtssitz in Ankara. 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