{"id":1660,"date":"2010-10-19T22:41:44","date_gmt":"2010-10-19T20:41:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=1660"},"modified":"2023-04-01T22:48:11","modified_gmt":"2023-04-01T19:48:11","slug":"gul-eu-sollte-sich-nicht-vor-turkei-furchten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/10\/19\/gul-eu-sollte-sich-nicht-vor-turkei-furchten\/","title":{"rendered":"G\u00fcl: EU sollte sich nicht vor T\u00fcrkei f\u00fcrchten"},"content":{"rendered":"<p>Der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident Abdullah G\u00fcl wirft Gegnern eines EU-Beitritts seines Landes einen Mangel an Visionen vor. Die halbe Milliarde Menschen in der EU br\u00e4uchten sich nicht vor der T\u00fcrkei zu f\u00fcrchten. Mitglied k\u00f6nne man ohnehin nur werden, wenn man &#8222;das Niveau der EU-Staaten&#8220; erreicht habe. \u00dcber eine wachsende antiislamische Stimmung in Europa zeigt sich G\u00fcl indessen beunruhigt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1661\" aria-describedby=\"caption-attachment-1661\" style=\"width: 465px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1661\" title=\"Abdullah G\u00fcl (M) schlie\u00dft nicht aus, dass das t\u00fcrkische Volk eine EU-Mitgliedschaft am Ende des Betrittsprozesses ablehnen k\u00f6nnte. Foto: dpa\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/abdullah_guel.jpg\" alt=\"Abdullah G\u00fcl (M) schlie\u00dft nicht aus, dass das t\u00fcrkische Volk eine EU-Mitgliedschaft am Ende des Betrittsprozesses ablehnen k\u00f6nnte. 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Oktober 2010).<\/p>\n<p>\u00c4hnlich hatte sich bereits der t\u00fcrkische Botschafter in Deutschland,\u00a0<strong>Ahmet Acet<\/strong>, im\u00a0Interview mit EurActiv.de ge\u00e4u\u00dfert: &#8222;Es gibt einen Mangel an Visionen, wenn es darum geht, wie und warum die T\u00fcrkei ein Teil der EU werden kann. Ich m\u00f6chte keine Namen nennen, aber wenn Sie sich einige der neuen Mitgliedsstaaten anschauen, werden sie hier eine fehlende Verbindung ausmachen.&#8220;<\/p>\n<h3>Angst vor 60 bis 70 Millionen B\u00fcrgern?<\/h3>\n<p>Auf die Frage, ob die zunehmend negative Stimmung gegen\u00fcber Muslimen die Chancen der T\u00fcrkei auf einen EU-Beitritt gef\u00e4hrde, sagte G\u00fcl: &#8222;Die EU mit einer halben Milliarde Menschen sollte sich nicht vor einem Land mit 60 bis 70 Millionen B\u00fcrgern f\u00fcrchten.&#8220;<\/p>\n<p>G\u00fcl erkl\u00e4rte, dass die T\u00fcrkei ohnehin nur Mitglied werden k\u00f6nne, &#8222;wenn sie das Niveau der EU-Staaten erreicht.&#8220; Au\u00dferdem sei nicht auszuschlie\u00dfen, dass das t\u00fcrkische Volk am Ende die Vollmitgliedschaft ablehnen k\u00f6nnte. Auch aus diesem Grund sollten die Verhandlung nicht verschleppt werden.<\/p>\n<h3>Bisherige Reformen in der T\u00fcrkei nicht ausreichend<\/h3>\n<p>Die EU bleibe das Ziel der T\u00fcrkei, denn das Land wolle sich weiter demokratisieren. Bisher vorgenommene Reformen w\u00fcrden nicht gen\u00fcgen, so G\u00fcl. Anfang September hatten die t\u00fcrkischen W\u00e4hler f\u00fcr die weitreichendste Verfassungsreform seit Jahrzehnten gestimmt (EurActiv.de vom 13. September 2010).<\/p>\n<p>G\u00fcl kritisierte das restriktive Internetgesetz seines Landes und k\u00fcndigte Verbesserungen an. Auch die neue Flut von Anklagen gegen Journalisten bewertete er kritisch.<\/p>\n<h3>Verteidigung der neuen t\u00fcrkischen Au\u00dfenpolitik<\/h3>\n<p>Der Staatspr\u00e4sident verteidigte dahingegen die neue t\u00fcrkische Au\u00dfenpolitik. Wenn die T\u00fcrkei bessere Beziehungen zu arabischen L\u00e4ndern und auch zu einstigen Feinden wie Syrien pflege, solle man dies nicht kritisieren.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei brauche ein gutes Verh\u00e4ltnis zu ihren Nachbarn. Sein Land wolle &#8222;gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Nutzen&#8220; aus seiner geopolitischen Lage ziehen, so der Pr\u00e4sident.\u00a0<strong>S\u00fcleyman Ba\u011f<\/strong>, Kolumnist der t\u00fcrkischen Tageszeitung ZAMAN, hatte ebenfalls die strategisch &#8222;sehr wichtige Lage&#8220; der T\u00fcrkei im\u00a0Interview mit EurActiv.de hervorgehoben. Diese mache es notwendig, dass sich das Land in alle Richtungen entwickle.<\/p>\n<h3>&#8222;Islamophobie, Rassismus, Antisemitismus sind Krankheiten&#8220;<\/h3>\n<p>\u00dcber eine wachsende antiislamische Stimmung in Deutschland, aber auch anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zeigt sich G\u00fcl beunruhigt. Er forderte die Politiker und die Intellektuellen in den jeweiligen Staaten auf, etwas dagegen zu tun. Islamophobie, Rassismus sowie Antisemitismus nannte der Pr\u00e4sident eine &#8222;Krankheit, die von Zeit zu Zeit ausbricht&#8220;.<\/p>\n<p>F\u00fcr die mangelnde Integration mancher seiner Landsleute in Deutschland fand G\u00fcl kritische Worte. Es geh\u00f6re zur Wirklichkeit, dass &#8222;einige immer noch leben wie in den Tagen, als sie die T\u00fcrkei verlie\u00dfen. Deshalb sage er &#8222;bei jeder Gelegenheit, sie sollen deutsch lernen, und zwar flie\u00dfend und ohne Akzent.&#8220; Wenn man die Sprache des Landes, in dem man lebt, nicht spreche, nutze das niemanden.<\/p>\n<h3>Lob f\u00fcr Bundespr\u00e4sident Wulff<\/h3>\n<p>G\u00fcl lobte Bundespr\u00e4sident\u00a0<strong>Christian Wulff<\/strong> f\u00fcr dessen in der Union kritisierte Aussage, der Islam geh\u00f6re zu Deutschland. Seine Rede zum Tag der deutschen Einheit sei missverstanden worden. &#8222;Christian Wulff hat doch nur die Tatsache benannt, dass es deutsche B\u00fcrger gibt, die Muslime sind, ebenso wie t\u00fcrkische Muslime in Deutschland.&#8220;<\/p>\n<p>In keinem gro\u00dfen oder bedeutenden Land der Welt gebe es nur einen einzigen Glauben oder eine Kultur. &#8222;In einem kleinen Land geht das vielleicht, aber wer sich zur Welt \u00f6ffnet, muss mit verschiedenen Kulturen und Religionen leben.&#8220; Wulff reist in der kommenden Woche zu einem Besuch in die T\u00fcrkei.<\/p>\n<p><em>dto<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident Abdullah G\u00fcl wirft Gegnern eines EU-Beitritts seines Landes einen Mangel an Visionen vor. Die halbe Milliarde Menschen in der EU br\u00e4uchten sich nicht vor der T\u00fcrkei zu f\u00fcrchten. 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