{"id":165,"date":"2009-07-14T15:16:48","date_gmt":"2009-07-14T13:16:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=165"},"modified":"2009-07-14T15:17:21","modified_gmt":"2009-07-14T13:17:21","slug":"entwurf-einer-stellungnahme-des-europaischen-parlaments-zur-bildung-und-erziehung-von-kindern-mit-migrationshintergrund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2009\/07\/14\/entwurf-einer-stellungnahme-des-europaischen-parlaments-zur-bildung-und-erziehung-von-kindern-mit-migrationshintergrund\/","title":{"rendered":"Entwurf einer Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Parlaments zur Bildung und Erziehung von Kindern mit Migrationshintergrund"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><strong><span lang=\"DE\">Offener Brief<\/span><\/strong><\/p>\n<h4>Zusammenfassung und Stellungnahme zum \u201eEntwurf einer Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Parlaments zur Bildung und Erziehung von Kindern mit Migrationshintergrund (2008\/2328(INI)), vorgelegt vom Ausschuss f\u00fcr Kultur und Bildung des Europ\u00e4ischen Parlaments vom 09.03.2009<\/h4>\n<p>In NRW haben \u00fcber 30% der 15 J\u00e4hrigen Sch\u00fcler einen Migrationshintergrund. Der Anteil an Sch\u00fclern mit Migrationshintergrund in Essen ist 30,6%, in Gelsenkirchen 38,8% und in Duisburg sogar 41,4%. Nahezu die H\u00e4lfte dieser Jugendlichen hat einen t\u00fcrkischen Migrationshintergrund. Der Schulerfolg, gemessen an dem Anteil Gymnasiasten ist bei den verschiedenen Migrantengruppen sehr unterschiedlich. Ein Gro\u00dfteil der Sch\u00fcler aus den weniger erfolgreichen Migrantengruppen verl\u00e4sst die Schule ohne einen Abschluss. Trotzt erfolgreichem Schulabschluss und bei gleichem Notendurchschnitt, sind die Chancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund (speziell t\u00fcrkischer Herkunft) auf dem Ausbildungsmarkt um den Faktor 2-3 schlechter als bei der Vergleichgruppe der Deutschen Jugendlichen.<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich nach unserem Ermessen ein enormer Handlungsbedarf, sowohl auf Seiten der Migranten die mehr integrative Anstrengung durch sprachliche Qualifizierung, sowie gesellschaftliche Partizipation erfordert, als auch auf Seiten der Aufnahmegesellschaft, die zu mehr Akzeptanz und Toleranz der Kultur und Sprache, sowie der Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen f\u00fcr die Integration von Migranten f\u00fchren muss. In diesem Zusammenhang wollen wir die j\u00fcngst vom Europ\u00e4ischen Parlament ver\u00f6ffentlichten \u201eBericht \u00fcber die Bildung und Erziehung von Kindern mit Migrationshintergrund&#8220; kurz kommentieren.<\/p>\n<p><strong>Das Europ\u00e4ische Parlament,<\/strong><br \/>\n&#8211;\tgest\u00fctzt u.a. auf Artikel 149 und Artikel 150 des EG-Vertrags,<br \/>\n&#8211;\tgest\u00fctzt auf Artikel 14 der Charta der Grundrechte der Europ\u00e4ischen Union, unter Hinweis auf die Richtlinie 77\/486\/EWG des Rates vom 25. Juli 1977 \u00fcber die schulische Betreuung der Kinder von Wanderarbeitnehmern1,<br \/>\n&#8211;\tunter Hinweis auf die Richtlinie 2000\/43\/EG des Rates vom 29. Juni 2000 zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft2,<br \/>\n&#8211;\tin Kenntnis der Schlussfolgerungen des Vorsitzes des Europ\u00e4ischen Rates von Lissabon vom 23. und 24. M\u00e4rz 2000,<br \/>\n&#8211;\tin Kenntnis der Schlussfolgerungen des Vorsitzes des Europ\u00e4ischen Rates vom 13. und 14. M\u00e4rz 2008,<br \/>\n&#8211;\tunter Hinweis auf seine Entschlie\u00dfung vom 13. Oktober 2005 zur Integration von Einwanderern durch mehrsprachige Schulen und Unterricht in mehreren Sprachen3<\/p>\n<p>1 ABl. L 199 vom 6.8.1977, S. 32.<br \/>\n2 ABl. L 180 vom 19.7.2000, S. 22.<br \/>\n3 ABl. C 233 E vom 28.9.2006, S.121.<br \/>\n1. besteht darauf, dass Kinder und Erwachsene mit Migrationshintergrund sich nur dann voll integrieren k\u00f6nnen, wenn sie die M\u00f6glichkeit erhalten, die Sprachen des Aufnahmelandes zu erlernen und die Bereitschaft vorhanden ist, dieses Angebot auch anzunehmen;<\/p>\n<p>2. fordert die nationalen Regierungen auf, sicherzustellen, dass Kinder von Migranten mit geregeltem Aufenthaltsstatus Zugang zu Bildung, einschlie\u00dflich Kursen zum Erwerb der Amtssprachen des Aufnahmelandes, aber auch zur Forderung der Muttersprache und der Kultur des Herkunftslandes, erhalten;<\/p>\n<p>3. h\u00e4lt es f\u00fcr entscheidend, dass die Eltern von Migrantenkindern, insbesondere deren Mutter, an den Programmen zum Erlernen der Amtssprachen des Aufnahmelandes teilnehmen, damit die Kinder nicht sozial ausgegrenzt bleiben und damit sie sie bei der schulischen Integration unterstutzen konnen;<\/p>\n<p>4. ist der Ansicht, dass die Erhaltung und Forderung der Mehrsprachigkeit Bestandteil jedes Schullehrplans sein muss; vertritt mit Nachdruck die Auffassung, dass bereits im Vorschulalter zum Sprachenlernen ermuntert werden sollte, um die Integration von Migranten zu fordern; ist jedoch der Ansicht, dass der Stellenwert im Lehrplan und die Organisation des Unterrichts in der Muttersprache ausdr\u00fccklich den Mitgliedstaaten \u00fcberlassen werden sollten;<\/p>\n<p>5. unterstreicht, dass die Entwicklung interkultureller Kommunikationsf\u00e4higkeiten bei Kindern, und zwar sowohl bei den Kindern mit Migrationshintergrund als auch bei den Kindern der Aufnahmel\u00e4nder, wichtig ist, und vertritt die Auffassung, dass die F\u00e4higkeit, anderen seine eigene Kultur zu vermitteln und die Kultur und die Werte der anderen zu verstehen, zu einem zentralen Element der Schl\u00fcsselkompetenz \u201eKulturbewusstsein und kulturelle Kompetenz&#8220; werden sollte;<\/p>\n<p>6. schl\u00e4gt vor, dass legale Migranten fur den Besuch von Sprachkursen zus\u00e4tzliche finanzielle und administrative Unterstutzung durch ausgebildetes Personal erhalten sollten, das auch die Muttersprache der Migranten versteht;<\/p>\n<p>7. weist darauf hin, wie wichtig das Erlernen der Muttersprache und der Sprachen des Wohnsitzlandes sowie der Erwerb von Lese- und Schreibfertigkeiten f\u00fcr Migrantenkinder bereits im Vorschulalter sind;<\/p>\n<p>8. erkennt an, wie wichtig es f\u00fcr die Erhaltung des kulturellen Erbes der Migranten ist, dass Unterrichtsstunden in deren Muttersprache in den Lehrplan aufgenommen werden;<\/p>\n<p>9. hebt die Bedeutung des Sports in der allgemeinen und beruflichen Bildung und dessen wichtige Rolle fur die Integration und soziale Teilhabe von Personen aus weniger privilegierten Verh\u00e4ltnissen hervor; empfiehlt die umfassende Ber\u00fccksichtigung der wichtigen integrativen Rolle des Sports f\u00fcr Migranten in der Sozialpolitik der Mitgliedstaaten;<\/p>\n<p>10. unterstreicht, wie wichtig die Einbeziehung junger Migranten in die verschiedenen au\u00dferschulischen Aktivit\u00e4ten ist, da diese eine ausgezeichnete M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Integration in das Schulleben darstellen;<\/p>\n<p>11. unterstreicht, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Schule, in der Weiterbildung und am Arbeitsmarkt besser bestehen, je fr\u00fcher und erfolgreicher sie in die Schulen integriert werden; ist fest davon \u00fcberzeugt, dass fr\u00fchkindliche Erziehung im Vorschulalter diese Aussichten der Kinder erheblich verbessert, und fordert die Mitgliedstaaten daher auf, die Teilnahme von Migrantenkindern an der Vorschulerziehung zu verbessern;<\/p>\n<p>12. legt den Mitgliedstaaten nahe, die Bildung von Ghettoschulen und Sonderklassen fur Migrantenkinder zu vermeiden und eine integrative Bildungspolitik zu fordern, bei der das Bildungsniveau, aber auch die pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnisse dieser Kinder bei der Klasseneinstufung ber\u00fccksichtigt werden;<\/p>\n<p>13. halt es f\u00fcr notwendig, dass die Bed\u00fcrfnisse von Migrantenkindern starker bei der Gestaltung des Lehrplans in den von ihnen besuchten Schulen ber\u00fccksichtigt und die Lehrer auch mit interkulturellen Kompetenzen ausgestattet werden, damit sie m\u00f6glichst effektiv mit der Vielfalt in den Schulen umgehen k\u00f6nnen;<\/p>\n<p>14. vertritt die Auffassung, dass die Integration von erwachsenen Migranten und ihren Kindern durch Erwachsenenbildungsangebote f\u00fcr Migranten gefordert werden kann, und betont daher die Notwendigkeit, das lebenslange Lernen bei den Eltern dieser Kinder massiv zu fordern;<\/p>\n<p>15. ist besorgt dar\u00fcber, dass viele Migrantenkinder vorzeitig die Schule verlassen, und ist der Auffassung, dass Bem\u00fchungen unternommen werden m\u00fcssen um sicherzustellen, dass die Kinder mit Migrationshintergrund ihre schulische Ausbildung abschlie\u00dfen;<\/p>\n<p>16. betont in diesem besonderen Zusammenhang die Bedeutung der Mobilit\u00e4t von Lehrern als integraler Bestandteil der Lehrerbildungsprogramme; ist der Ansicht, dass Lehrer die M\u00f6glichkeit haben sollten, ein oder zwei Semester an Gastuniversit\u00e4ten im Ausland zu verbringen;<\/p>\n<p>17. ist der Ansicht, dass Schulen Lehrer mit Migrationshintergrund ben\u00f6tigen, da sie f\u00fcr ihre Kollegen eine Quelle wichtiger Erfahrungen darstellen, den Erfolg der sozialen Integration verk\u00f6rpern und als Vorbilder f\u00fcr Kinder mit Problemen dienen konnten;<\/p>\n<p>18. unterstreicht die Notwendigkeit von Beratungsdiensten f\u00fcr Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, die ihnen dabei helfen, den Kulturschock zu \u00fcberwinden und sich an die Gesellschaft des Aufnahmelandes anzupassen;<\/p>\n<p>19. schl\u00e4gt vor, dass von jedem Mitgliedstaat Bildungsprogramme zur Vertiefung des Wissens \u00fcber die Menschenrechte unter besonderer Hervorhebung der Gleichheit, Integration und pers\u00f6nlichen Freiheit entwickelt werden, um der offenbar mit Migranten und deren Kindern zusammenhangenden und sich manchmal sehr rasch ausbreitenden Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung vorzubeugen;<\/p>\n<p>20. erinnert daran, dass Diskriminierung aufgrund der Rasse und der ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit im Bereich der Bildung durch die Richtlinie 2000\/43\/EG untersagt wird, und fordert die Achtung der Diskriminierung aus egal welchen Gr\u00fcnden, einschlie\u00dflich Nationalit\u00e4t und Wohnrechtsstatus, im Bildungswesen;<br \/>\nErfolgs-orientierte Ans\u00e4tze, welche die Achtung und Sch\u00e4tzung der mitgebrachten Kultur und der Sprache von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte angemessen w\u00fcrdigt (Skandinavische L\u00e4nder, Kanada), gibt Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ein Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit und ist f\u00fcr deren Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung von besonderer Bedeutung. Defizit-orientierte Modelle (Missachtung der Sprachen und Kultur von Migranten, Verbot der Nutzung der Muttersprachen, Sonderschulzuweisung von Kindern aufgrund sprachlicher Defizite, Bildung von Sonderklassen aus ebensolchen Gr\u00fcnden) hingegen sind eher auf die Schw\u00e4chen und die Andersartigkeit fixiert und st\u00e4rken das Gef\u00fchl des Andersseins. Diese Vorgehensweise f\u00f6rdert die Passivit\u00e4t und mindert somit die Erfolgsaussichten von F\u00f6rderans\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Dagegen ist die Toleranz und die Akzeptanz der sprachlichen und kulturellen Vielfalt, wobei die Vielfalt heute die Regel als die Ausnahme ist, bietet Raum f\u00fcr erfolgs-orientierte Ans\u00e4tze zur F\u00f6rderung von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte. Die F\u00f6rderung der vorhandenen nat\u00fcrlichen Ressourcen eines Menschen f\u00fchrt zur St\u00e4rkung des Selbstwertgef\u00fchls und somit seiner Pers\u00f6nlichkeit. Wir brauchen eine Gesellschaft mit starken, selbstbewussten Pers\u00f6nlichkeiten um die Zukunft besser gestalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Hinblick auf eine gesunde Integrationsentwicklung und zur Vermeidung von Parallelgesellschaften ist das Zusammenwachsen einer Gesellschaft sehr wichtig. Dies gelingt aber nur, wenn wir uns gegenseitig Vertrauen schenken, aufeinander zugehen und die Dialogbereitschaft bei allen Beteiligten sehr hoch ist.<br \/>\nMit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Dr. Ali Sak<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Offener Brief Zusammenfassung und Stellungnahme zum \u201eEntwurf einer Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Parlaments zur Bildung und Erziehung von Kindern mit Migrationshintergrund (2008\/2328(INI)), vorgelegt vom Ausschuss f\u00fcr Kultur und Bildung des Europ\u00e4ischen Parlaments vom 09.03.2009 In NRW haben \u00fcber 30% der 15 J\u00e4hrigen Sch\u00fcler einen Migrationshintergrund. 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