{"id":1584,"date":"2010-10-17T18:59:03","date_gmt":"2010-10-17T16:59:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=1584"},"modified":"2014-01-01T22:23:06","modified_gmt":"2014-01-01T20:23:06","slug":"rassismus-mit-krawatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/10\/17\/rassismus-mit-krawatte\/","title":{"rendered":"&#8222;Rassismus mit Krawatte&#8220;"},"content":{"rendered":"<div>Von Boris K\u00e1lnoky und Freia Peters<\/div>\n<p><em>Istanbul\/Berlin<\/em> &#8211; &#8222;T\u00fcrkische Migranten bef\u00fcrchten Anstieg von Ausl\u00e4nderfeindlichkeit in Deutschland&#8220; &#8211; mit dieser Schlagzeile ver\u00f6ffentlichte die t\u00fcrkische Zeitung &#8222;H\u00fcrriyet&#8220; gestern einen Artikel ihrer englischsprachigen Online-Version. In j\u00fcngster Zeit waren mehrere Studien \u00fcber die Einstellung der Deutschen gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern, insbesondere gegen\u00fcber T\u00fcrken und Muslimen erschienen. Manche t\u00fcrkische Medien sehen in den Ergebnissen den Beweis f\u00fcr einen neuen deutschen Rassismus.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1585\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/rechtspopulismus.jpg\" alt=\"\" width=\"414\" height=\"273\" srcset=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/rechtspopulismus.jpg 414w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/rechtspopulismus-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 414px) 100vw, 414px\" \/><\/p>\n<p>Der Artikel in der &#8222;H\u00fcrriyet&#8220; beruft sich vor allem auf die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung &#8222;Die Mitte in der Krise&#8220; \u00fcber rechtsextreme Einstellungen in Deutschland. Forscher der Universit\u00e4ten Leipzig und Siegen hatten in einer repr\u00e4sentativen Umfrage Deutsche nach der Zustimmung zu verschiedenen Aussagen gefragt. 32 Prozent etwa bejahten den Satz &#8222;Wo es zu wenige Arbeitspl\u00e4tze gibt, da sollten Ausl\u00e4nder nach Hause geschickt werden&#8220;. 34 Prozent stimmten dem Satz zu, Ausl\u00e4nder k\u00e4men nur nach Deutschland &#8222;um das deutsche Sozialsystem auszunutzen&#8220;. 35 Prozent waren der Meinung, dass Deutschland einem gef\u00e4hrlichen Niveau &#8222;ausl\u00e4ndischen Einflusses ausgesetzt&#8220; sei. Auch nach islamfeindlichen Aussagen wurde gefragt. Gut 55 Prozent hatten dem Satz &#8222;Ich kann es gut verstehen, dass manchen Leuten Araber unangenehm sind&#8220; zugestimmt. 58 Prozent gaben an, die Religionsaus\u00fcbung f\u00fcr Muslime sollte erheblich eingeschr\u00e4nkt werden.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund der Sarrazin-Debatte und einer anderen Studie, wonach deutsche Jugendliche keine t\u00fcrkischen Nachbarn haben wollen, schreibt &#8222;H\u00fcrriyet&#8220;, st\u00e4rke die Studie \u00c4ngste unter Deutscht\u00fcrken, sie seien die n\u00e4chsten Juden. In diesem Sinne wird der Wortf\u00fchrer der deutscht\u00fcrkischen Gemeinschaft, Kenan Kolat, zitiert: &#8222;Am gef\u00e4hrlichsten ist, dass Rassismus in Deutschland sich wandelt von einem Nazi-Aussehen hin zu einem &#8218;Rassismus mit Krawatte&#8216;. Der existierende Rassismus bewegt sich auf die Mitte der Gesellschaft zu, wird zu einem kulturellen Mittelklasserassismus.&#8220; Neu sei die Bereitschaft, solche einst verdeckten Ressentiments offen auszudr\u00fccken. Kolat klagt in dem Artikel: &#8222;Wir haben gro\u00dfe Bedenken. K\u00f6nnte es zu Gewalt f\u00fchren? Ich hoffe nicht, aber es ist eine M\u00f6glichkeit, die wir nicht ausschlie\u00dfen k\u00f6nnen&#8220;.<\/p>\n<p>Auf Nachfrage der WELT bekr\u00e4ftigt Kolat seine Aussagen. &#8222;Ich habe Angst, das ist richtig. Die ganze Situation erinnert mich an die uns\u00e4gliche Asyldebatte. Man darf und soll mich hart kritisieren &#8211; aber ich werde seit einigen Wochen bedroht, ich sei ein Schei\u00dfausl\u00e4nder, dabei bin ich deutscher Staatsb\u00fcrger.&#8220;<\/p>\n<p>Die Beschimpfungen h\u00e4tten in den vergangenen Wochen eine ungeahnte H\u00e4rte bekommen, sagt Kolat. &#8222;Ich bekomme anonyme Anrufe, Verunglimpfungen per Mail. &#8218;Wie k\u00f6nnen Sie von Frau Merkel etwas fordern? Sie sind ein T\u00fcrke und werden es immer bleiben!&#8216; Ich traue mich im Moment nicht, alleine U-Bahn zu fahren, ich schlafe schlecht, das geht meinen Mitarbeitern \u00e4hnlich. Es ist genau wie Anfang der 90er-Jahre &#8211; da hat es wenig sp\u00e4ter gebrannt.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;H\u00fcrriyet&#8220; zitiert auch Bekir Alboga von der T\u00fcrkisch-Islamischen Union (Ditib). Die staatliche t\u00fcrkische Organisation betreibt von der T\u00fcrkei aus den Gro\u00dfteil der Moscheen in Deutschland und entsendet Imame. &#8222;Antisemitismus wird durch Islamophobie ersetzt&#8220;, sagt Alboga in dem Artikel. &#8222;Es ist erschreckend, dass antiislamische Gef\u00fchle in Deutschland zunehmen, trotz aller Bem\u00fchungen der deutschen Regierung, das Integrationsproblem zu l\u00f6sen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;H\u00fcrriyet&#8220; verweist in ihrem aktuellen Artikel auf die offizielle t\u00fcrkische Politik, Deutscht\u00fcrken zur Integration zu ermutigen, aber sie auch darin zu best\u00e4rken, sich gegen &#8222;Assimilation&#8220; zu wehren. In diesem Zusammenhang sei der Staatsbesuch des deutschen Bundespr\u00e4sidenten Christian Wulff in der kommenden Woche in der T\u00fcrkei eine weitere Gelegenheit, \u00fcber Integrationsprobleme zu sprechen. Wulff hatte zuvor mit einer kontroversen Rede in Deutschland Wirbel und in der islamischen Welt Freude ausgel\u00f6st: Auch der Islam geh\u00f6re zu Deutschland, hatte der Bundespr\u00e4sident darin erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>In Deutschland haben unterdessen Migrantenverb\u00e4nde den Ruf nach einer Deutschpflicht auf Schulh\u00f6fen heftig kritisiert. &#8222;Dies f\u00fchrt zu Stigmatisierung der Migrantensprachen&#8220;, hie\u00df es am Freitag in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung. Die Kultusminister kamen am Morgen in Berlin mit Migrantenvertretern zu Gespr\u00e4chen \u00fcber Chancengleichheit f\u00fcr Kinder zusammen. F\u00fcr eine Deutschpflicht hatte sich unter anderem die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria B\u00f6hmer (CDU), ausgesprochen.<\/p>\n<p>&#8222;Die Erstrangigkeit der deutschen Sprache ist f\u00fcr uns selbstverst\u00e4ndlich&#8220;, erkl\u00e4rten die Verb\u00e4nde weiter. &#8222;Nur \u00fcber die Wege dazu sollte gesprochen werden.&#8220; Es sei ein Skandal, dass Schulen ausgezeichnet werden, weil sie Kindern mit ausl\u00e4ndischen Wurzeln in der Pause die Benutzung ihrer Muttersprache verbieten. Die Fokussierung allein auf den Erwerb der deutschen Sprache lenke von den eigentlichen Problemen wie selektives Bildungssystem, geringe Ausbildungsbeteiligung aufgrund von Diskriminierungen und hohe Arbeitslosigkeit unter Menschen mit Migrationshintergrund ab. Zu den Unterzeichnern der Erkl\u00e4rung z\u00e4hlen die Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverb\u00e4nde, der Verband Deutsch-Arabischer Vereine und die T\u00fcrkische Gemeinde in Deutschland.<\/p>\n<p>Quelle: Die Welt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Boris K\u00e1lnoky und Freia Peters Istanbul\/Berlin &#8211; &#8222;T\u00fcrkische Migranten bef\u00fcrchten Anstieg von Ausl\u00e4nderfeindlichkeit in Deutschland&#8220; &#8211; mit dieser Schlagzeile ver\u00f6ffentlichte die t\u00fcrkische Zeitung &#8222;H\u00fcrriyet&#8220; gestern einen Artikel ihrer englischsprachigen Online-Version. In j\u00fcngster Zeit waren mehrere Studien \u00fcber die Einstellung der Deutschen gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern, insbesondere gegen\u00fcber T\u00fcrken und Muslimen erschienen. 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