{"id":1544,"date":"2010-10-15T00:07:59","date_gmt":"2010-10-14T22:07:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=1544"},"modified":"2014-01-01T22:22:25","modified_gmt":"2014-01-01T20:22:25","slug":"erdogan-macht-merkel-zur-fursprecherin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/10\/15\/erdogan-macht-merkel-zur-fursprecherin\/","title":{"rendered":"Erdogan macht Merkel zur F\u00fcrsprecherin"},"content":{"rendered":"<h4>Der t\u00fcrkische Premier Erdogan mahnt in Berlin Fortschritte bei den EU-Verhandlungen an und nennt die Integration \u201esehr wichtig\u201c. Ankara f\u00fchlt sich seit geraumer Zeit im Beitrittsprozess hingehalten.<span style=\"font-weight: normal;\"> <\/span><\/h4>\n<p>BERLIN \u2013<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1545\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/merkel_erdogan.jpg\" alt=\"\" width=\"152\" height=\"114\" srcset=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/merkel_erdogan.jpg 152w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/merkel_erdogan-150x114.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 152px) 100vw, 152px\" \/>Die T\u00fcrkei erwartet von Deutschland eine st\u00e4rkere Unterst\u00fctzung auf ihrem Weg in die Europ\u00e4ische Union. Nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hob Ministerpr\u00e4sident Recep Tayyip Erdogan in Berlin die \u201eexponierte Lage\u201c der Bundesrepublik in der EU hervor und bat um F\u00fcrsprache: \u201eEs darf keine Verlangsamung des Beitrittsprozesses geben.\u201c<\/p>\n<p>Ankara f\u00fchlt sich seit geraumer Zeit bei dem im Jahr 2005 eingeleiteten Beitrittsprozess von seinen Partnern hingehalten. Die in insgesamt 35 Themen-\u201eKapitel\u201c unterteilten Verhandlungen stocken aus mehreren Gr\u00fcnden: weil zahlreiche Dossiers irgendwie mit der Zypern-Frage verkn\u00fcpft werden, bei der sich sowohl das EU-Mitglied Zypern stur zeigt als auch die T\u00fcrkei selbst, die den Nordteil der Mittelmeerinsel kontrolliert. Und weil mehrere Alt-Mitglieder, allen voran Frankreich, die T\u00fcrkei schlichtweg nicht im 27-er Club sehen wollen.<\/p>\n<p>Seinem Land sei eine Vollmitgliedschaft in Aussicht gestellt worden, und dieses \u201eVersprechen\u201c m\u00fcsse gehalten werden, betonte Erdogan. Merkel, die wie auch die gro\u00dfe Mehrheit von CDU und CSU diesem Anliegen im Grunde ablehnend gegen\u00fcber steht, sicherte ihrem Gast Fairness zu. Die Beitrittsverhandlungen sollten vereinbarungsgem\u00e4\u00df \u201eergebnisoffen\u201c gef\u00fchrt werden. Sie stellte auch in Aussicht, dass demn\u00e4chst weitere Beitrittskapitel ge\u00f6ffnet werden k\u00f6nnten; diese Bemerkung kann durchaus als Zugest\u00e4ndnis gegen\u00fcber Ankara gewertet werden, da etwa Frankreichs Pr\u00e4sident Nicolas Sarkozy in diesem Punkt ein klares Nein propagiert.<\/p>\n<p>Die Kanzlerin machte keinen Hehl daraus, dass f\u00fcr den Stillstand in der Zypern-Frage mehrere Seiten mitverantwortlich seien. Sie werde bei einem Besuch der Insel im kommenden Januar \u201eeine hilfreiche Rolle\u201c Deutschlands anbieten und dabei auch \u201esehr klar\u201c mit der Regierung der s\u00fcdlichen (der EU angeh\u00f6renden) Republik reden. Die T\u00fcrkei setzt seit Jahren das sogenannte Ankara-Protokoll nicht um und verweigert der griechischen Republik Zypern damit den Zugang zu ihren H\u00e4fen und Flugh\u00e4fen. Die Republik wiederum sperrt sich seit ihrem EU-Beitritt 2004 dagegen, dem Nordteil seit langem zugesagte Handelserleichterungen zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>In einer Umfrage lehnt eine klare Mehrheit der Bundesb\u00fcrger einen EU-Beitritt der T\u00fcrkei ab. In einer repr\u00e4sentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid f\u00fcr Bild am Sonntag sprachen sich 69 Prozent der Befragten gegen einen EU-Beitritt Ankaras aus. 27 Prozent waren daf\u00fcr. Besonders gro\u00df ist die Ablehnung der Umfrage zufolge bei Senioren sowie den Anh\u00e4ngern von CDU und CSU.<\/p>\n<p>Merkel und Erdogan k\u00fcndigten eine kritische Bilanz zum Stand der Integration an. Der 50. Jahrestag des Anwerbeabkommens f\u00fcr t\u00fcrkische Gastarbeiter im Oktober 2011 solle zum Anlass genommen werden, den Blick auch auf \u201edie unverkennbar bestehenden Probleme\u201c zu lenken, sagte Merkel. Erdogan machte deutlich, dass die Integration seiner Landsleute in Deutschland \u201esehr wichtig\u201c sei und dass \u201eDefizite\u201c abgebaut werden m\u00fcssten. Er appellierte an die hier lebenden T\u00fcrken, neben ihrer Muttersprache unbedingt auch Deutsch zu erlernen sowie den Werten in ihrem Gastland \u201eRespekt\u201c zu zollen.<\/p>\n<p>Von seiner vor knapp zwei Jahren bei einem Auftritt in K\u00f6ln gemachten Warnung vor einer \u201eAssimilation\u201c war bei Erdogan jetzt keine Rede mehr. Daf\u00fcr lobte er in den h\u00f6chsten T\u00f6nen, dass Bundespr\u00e4sident Christian Wulff k\u00fcrzlich \u201eRealit\u00e4ten\u201c in Bezug auf die Rolle des Islam in Deutschland zur Sprache gebracht habe.<\/p>\n<p>Merkel bat Erdogan nach Angaben aus Regierungskreisen darum, gegen Zwangsverheiratungen junger T\u00fcrkinnen vorzugehen. Gespr\u00e4chsbedarf bestehe daneben, was die Kontrolle \u00fcber Islamschulen in Deutschland sowie die Terrorismusbek\u00e4mpfung betreffe. Auch das Anliegen Ankaras nach umfassenden Visaerleichterungen f\u00fcr t\u00fcrkische Staatsb\u00fcrger, die in die EU reisen wollen, sei noch nicht spruchreif, hie\u00df es.<\/p>\n<p>Quelle: FRANKFURTER RUNDSCHAU<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der t\u00fcrkische Premier Erdogan mahnt in Berlin Fortschritte bei den EU-Verhandlungen an und nennt die Integration \u201esehr wichtig\u201c. Ankara f\u00fchlt sich seit geraumer Zeit im Beitrittsprozess hingehalten. 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