{"id":1535,"date":"2010-10-14T23:55:39","date_gmt":"2010-10-14T21:55:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=1535"},"modified":"2014-01-01T22:22:24","modified_gmt":"2014-01-01T20:22:24","slug":"seehofer-macht-den-sarrazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/10\/14\/seehofer-macht-den-sarrazin\/","title":{"rendered":"Seehofer macht den Sarrazin"},"content":{"rendered":"<p>Bayerns Ministerpr\u00e4sident Horst Seehofer (CSU) h\u00e4lt Zuwanderer aus der T\u00fcrkei und arabischen L\u00e4ndern f\u00fcr Integrationsverweigerer. Das ist selbst in der Union umstritten. VON NIKLAS WIRMINGHAUS<\/p>\n<figure id=\"attachment_1536\" aria-describedby=\"caption-attachment-1536\" style=\"width: 424px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1536\" title=\"Women wearing headscarves walk through a street in Berlin's Neukoelln district\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Muslime_Teil_unserer_Kultur1.jpg\" alt=\"Teil der Kultur: T\u00fcrkische und arabische Zuwanderer. Foto: reuters\" width=\"424\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Muslime_Teil_unserer_Kultur1.jpg 424w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Muslime_Teil_unserer_Kultur1-300x150.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1536\" class=\"wp-caption-text\">Teil der Kultur: T\u00fcrkische und arabische Zuwanderer. Foto: reuters<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine Woche nach den \u00c4u\u00dferungen von Bundespr\u00e4sident Christian Wulff (CDU) zur Integration von Muslimen zeigt sich die Union in dieser Frage weiter gespalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb zusammen mit dem t\u00fcrkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan am Wochenende f\u00fcr die Integration von T\u00fcrken in Deutschland. Dagegen sprach sich der bayerische Ministerpr\u00e4sident Horst Seehofer (CSU) f\u00fcr einen Zuwanderungsstopp aus der T\u00fcrkei und den arabischen L\u00e4ndern aus, da Migranten &#8222;aus fremden Kulturkreisen&#8220; mehr Schwierigkeiten h\u00e4tten, sich zu integrieren.<\/p>\n<p>Dem Focus sagte Seehofer: &#8222;Es ist doch klar, dass sich Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der T\u00fcrkei und den arabischen L\u00e4ndern insgesamt schwerertun.&#8220; Daher habe er kein Verst\u00e4ndnis &#8222;f\u00fcr die Forderung nach weitergehender Zuwanderung aus fremden Kulturkreisen&#8220;, so der bayerische Ministerpr\u00e4sident.<\/p>\n<p>Politiker der Opposition reagierten darauf mit deutlicher Kritik: &#8222;Seehofer gaukelt mal wieder vor, man k\u00f6nne mit Stammtischparolen irgendwelche Probleme l\u00f6sen&#8220;, sagte die Integrationsbeauftragte der SPD-Fraktion, Aydan \u00d6zoguz, der taz. Es gebe au\u00dferdem kaum noch Zuwanderung aus den angesprochenen Regionen. Eine &#8222;vordergr\u00fcndige Kulturdebatte&#8220; w\u00fcrde nichts an den realen Problemen \u00e4ndern. &#8222;Ich kann das nicht mehr h\u00f6ren&#8220;, so \u00d6zoguz.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Gr\u00fcnen-Integrationsexperten Memet Kilic genie\u00dft Seehofer von nun an Narrenfreiheit: &#8222;Ich glaube nicht, dass irgendjemand Horst Seehofer noch ernst nimmt&#8220;, sagte Kilic der taz. Es sei dennoch bedenklich, dass sich Unionspolitiker &#8222;zu h\u00e4ufig an den Umfragewerten anstatt an den eigenen Werten&#8220; orientierten. Die Kanzlerin nimmt Kilic davon aus. Merkel sei &#8222;eine Perle im Misthaufen&#8220;.<\/p>\n<p>Auch innerhalb der Koalition sorgte Seehofers Forderung f\u00fcr Unmut. Seehofer leiste Deutschland &#8222;einen B\u00e4rendienst&#8220;, sagte der FDP-Integrationspolitiker Serkan T\u00f6ren. &#8222;Seine \u00c4u\u00dferungen schaden unserem Land ebenso wie die \u00c4u\u00dferungen von Thilo Sarrazin zur Genetik&#8220;, so T\u00f6ren. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach reagierte ebenfalls irritiert. &#8222;Die Frage ist, ob Horst Seehofer hinter geltendes Recht zur\u00fcckwill&#8220;, sagte Bosbach der Saarbr\u00fccker Zeitung. Er habe Zweifel, &#8222;ob das verfassungsrechtlich und v\u00f6lkerrechtlich \u00fcberhaupt m\u00f6glich&#8220; sei.<\/p>\n<p>Bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel r\u00e4umte der t\u00fcrkische Premier Erdogan &#8222;Defizite&#8220; bei der Integration t\u00fcrkischer Einwanderer ein. &#8222;Ich bin selbstverst\u00e4ndlich daf\u00fcr, dass die Menschen t\u00fcrkischer Abstammung sich hier in Deutschland f\u00fcr ihr eigenes Gl\u00fcck integrieren&#8220;, so Erdogan. Dazu geh\u00f6re auch, dass &#8222;T\u00fcrken, die hier in Deutschland leben, nat\u00fcrlich nicht nur T\u00fcrkisch, sondern auch Deutsch sprechen k\u00f6nnen&#8220;.<\/p>\n<p>Erdogan bekr\u00e4ftigte zudem seine umstrittene Haltung zu Assimilation, die &#8222;ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit&#8220; sei. Die Bundeskanzlerin stellte dazu klar: &#8222;Das Thema Assimilation ist f\u00fcr uns kein Thema&#8220;, so Merkel. &#8222;Es geht um Integration.&#8220;<\/p>\n<p>Unterdessen schaltete sich auch Bundesfamilienministerin Kristina Schr\u00f6der (CDU) in die Debatte um Deutschenfeindlichkeit an Berliner Schulen ein. Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte Schr\u00f6der, auch die Diskriminierung von Deutschen sei Rassismus: &#8222;Denn hier wird jemand diskriminiert, weil er einer bestimmten Ethnie angeh\u00f6rt.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bayerns Ministerpr\u00e4sident Horst Seehofer (CSU) h\u00e4lt Zuwanderer aus der T\u00fcrkei und arabischen L\u00e4ndern f\u00fcr Integrationsverweigerer. Das ist selbst in der Union umstritten. VON NIKLAS WIRMINGHAUS Eine Woche nach den \u00c4u\u00dferungen von Bundespr\u00e4sident Christian Wulff (CDU) zur Integration von Muslimen zeigt sich die Union in dieser Frage weiter gespalten. 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