{"id":1468,"date":"2010-10-13T09:44:10","date_gmt":"2010-10-13T07:44:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=1468"},"modified":"2023-04-02T12:51:14","modified_gmt":"2023-04-02T09:51:14","slug":"mehrheiten-mobben-minderheiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/10\/13\/mehrheiten-mobben-minderheiten\/","title":{"rendered":"Mehrheiten mobben Minderheiten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1475\" title=\"serveImage\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/serveImage2.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"202\" \/><\/p>\n<p>Sch\u00fctzt die Kartoffeln!<br \/>\nFoto: ZB\/Patrick Pleul<\/p>\n<p>13.10.2010 \/ Inland<br \/>\n<strong> Mehrheiten mobben Minderheiten<\/strong><br \/>\nDer Begriff \u00bbDeutschenfeindlichkeit\u00ab ist in der Debatte um Integrationspolitik verfehlt<br \/>\nVon Regina St\u00f6tzel<\/p>\n<p>Mit ihrer Warnung vor \u00bbDeutschenfeindlichkeit\u00ab benutzt Familienministerin Kristina Schr\u00f6der einen Begriff aus einer Debatte der GEW, der bereits als untauglich verworfen wurde.<br \/>\nFamilienministerin Kristina Schr\u00f6der (CDU) hat einen ausgepr\u00e4gten Sinn f\u00fcr Gerechtigkeit. Wenn andere Frauen f\u00f6rdern, f\u00f6rdert sie Jungen und M\u00e4nner. Programmen gegen Rechtsextremismus setzt sie Programme gegen \u00bbLinksextremismus\u00ab entgegen. Und wenn andere Ausl\u00e4nderfeindlichkeit beklagen, warnt sie vor \u00bbDeutschenfeindlichkeit\u00ab.<br \/>\nBei der Verteidigung ihres Unionskollegen Horst Seehofer, der f\u00fcr eine Zuzugsbeschr\u00e4nkung von Arbeitskr\u00e4ften aus der T\u00fcrkei und den arabischen L\u00e4ndern pl\u00e4diert hatte, kam ihr wohl eine Tagung der Berliner GEW mit dem Titel \u00bbDer Streit um die sogenannte Deutschenfeindlichkeit\u00ab Anfang Oktober gerade recht. Wenn schon Berliner Lehrer berichten, dass deutsche Kinder auf den Schulh\u00f6fen gemobbt werden, wird man das ja auch mal so sagen d\u00fcrfen.<br \/>\nNun klopfen sich Unionspolitiker auf die Schulter, dass sie das Thema nicht den Nazis \u00fcberlassen haben. Die freuen sich dennoch. In einem offenen Brief der NPD an die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria B\u00f6hmer, hei\u00dft triumphierend: \u00bbNoch vor vier Wochen h\u00e4tten Sie jeden, der auf die realexistierende Inl\u00e4nderfeindlichkeit von Ausl\u00e4ndern in unserem Land hingewiesen h\u00e4tte, glattweg als \u203arechte Dumpfbacke\u2039 oder Schlimmeres abgekanzelt.\u00ab<br \/>\nDer eigentliche Ausl\u00f6ser der Debatte um \u00bbDeutschenfeindlichkeit\u00ab war ein Artikel in der \u00bbBerliner Lehrerzeitung\u00ab vom November 2009. Obwohl darin der Begriff recht unbedarft verwendet wird, taugt die Analyse nicht zur Vereinnahmung durch Rechtsradikale. Die Autoren sprechen darin von einer \u00bbverst\u00e4rkten Segregation der Sch\u00fclerschaft\u00ab. W\u00e4hrend \u00bbDeutschst\u00e4mmige und aufstiegsorientierte Migrantenfamilien\u00ab aus bestimmten Schulbezirken fl\u00fcchteten, blieben die Kinder und Jugendlichen \u00bbaus armen, bildungsfernen Familien, vor allem mit Migrationshintergrund\u00ab zur\u00fcck. Es komme zu \u00bbwechselseitiger Abschottung\u00ab, zu Beschimpfungen und Konflikten. \u00bbDie Auseinandersetzungen scheinen auch eine Art Machtspiel zu sein, bei dem die eigentlich privilegierte Gruppe diese Privilegien durch die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse verloren hat.\u00ab<br \/>\nBei der Tagung der GEW Anfang des Monats einigten sich die Diskutanten darauf, dass der Begriff \u00bbDeutschenfeindlichkeit\u00ab unangebracht sei. Tats\u00e4chlich versuchten benachteiligte Jugendliche, gegen\u00fcber den noch schw\u00e4cheren St\u00e4rke zu zeigen. Es gehe letztlich um Schichtzugeh\u00f6rigkeiten, nicht um die ethnische Herkunft.<br \/>\nAuch Marianne Demmer, die stellvertretende Vorsitzende der GEW, findet den Begriff \u00bbDeutschenfeindlichkeit\u00ab schlicht \u00bbdaneben\u00ab. Es gehe um \u00bbMobbingprobleme unter Pubertierenden\u00ab, die immer dann entst\u00fcnden, wenn es \u00bbSpannungen zwischen Mehrheiten und Minderheiten\u00ab gebe. \u00bbDie Familienministerin instrumentalisiert in der Debatte die vermeintlich linke GEW als Kronzeugin f\u00fcr eine Ethnisierung der Integrationsprobleme\u00ab, sagt Demmer, und spricht von \u00bbeinseitigen Schuldzuweisungen\u00ab gegen\u00fcber den Einwanderern.<br \/>\nDie Entstehung von Problembezirken und die fr\u00fche Aufteilung der Kinder in verschiedene Schultypen f\u00fchre zu einer \u00bbst\u00e4ndigen Konzentration von Problemen\u00ab. Abhilfe schaffen k\u00f6nnte die Ver\u00e4nderung der Schuleinzugsbereiche und ein gro\u00dfer Einsatz von Lehrern und Sozialp\u00e4dagogen. Vor allem aber m\u00fcsse diese Gesellschaft es schaffen, allen Jugendlichen eine Perspektive zu bieten.<br \/>\n\u00bbDie sogenannte Deutschenfeindlichkeit von Muslimen ist ein Bildungsproblem\u00ab, sagt auch Christian Pfeiffer, der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, in der \u00bbS\u00fcddeutschen Zeitung\u00ab. T\u00fcrkische Realsch\u00fcler und Gymnasiasten \u00e4u\u00dferten kaum Stereotype gegen\u00fcber Deutschen.<br \/>\nURL: <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00fctzt die Kartoffeln! 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