{"id":1464,"date":"2010-10-13T09:45:19","date_gmt":"2010-10-13T07:45:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=1464"},"modified":"2023-04-02T12:51:14","modified_gmt":"2023-04-02T09:51:14","slug":"in-deutschland-unerwunscht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/10\/13\/in-deutschland-unerwunscht\/","title":{"rendered":"In Deutschland unerw\u00fcnscht"},"content":{"rendered":"<p>13.10.2010 \/ Berlin\/Brandenburg<br \/>\n<strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>In Deutschland unerw\u00fcnscht<\/strong><br \/>\nT\u00fcrkische V\u00e4ter-Gruppe diskutiert Seehofers \u00c4u\u00dferung zum Zuwanderungsstopp<\/p>\n<p>Von Nissrine Messaoudi<\/p>\n<p>Sarrazin scheint eine Lawine losgetreten zu haben. Seit er seine Thesen von der genetisch vererbbaren Verdummung von Arabern und T\u00fcrken verk\u00fcndete, wird nun alle drei Tage eine neue \u00c4u\u00dferung publik, die Migranten diffamiert. Diese Woche ist es der bayrische Ministerpr\u00e4sident Horst Seehofer (CSU), der einen Zuwanderungsstopp f\u00fcr Araber und T\u00fcrken fordert.<br \/>\nWie f\u00fchlt man sich angesichts der anhaltenden \u00bbIntegrationsdebatte\u00ab als arabisch- oder t\u00fcrkischst\u00e4mmiger Mensch in Deutschland, fragt Kazim Erdogan am Montagabend die Mitglieder der ersten t\u00fcrkischen V\u00e4ter-Gruppe im Bezirk Neuk\u00f6lln. Normalerweise besteht der Gespr\u00e4chskreis aus rund 20 oder 30 M\u00e4nnern t\u00fcrkischer Herkunft. An diesem Abend sind es zw\u00f6lf. Tabus gibt es keine. Thematisiert werden bei Tee und Geb\u00e4ck Gewalt in der Ehe, Probleme bei der Erziehung, Geschlechterrollen und Allt\u00e4gliches, das die V\u00e4ter belastet. Aber auch aktuelle politische Debatten, so wie an diesem Montag.<br \/>\n\u00bbSeehofers \u00c4u\u00dferungen f\u00fchren dazu, dass sich auch die integrierten Menschen mit Migrationshintergrund nicht mehr erw\u00fcnscht f\u00fchlen\u00ab, lautet eine Antwort. Angst mache sich breit, denn die Ablehnung gegen\u00fcber Migranten komme nicht vom rechten Rand, sondern von der Mitte der Gesellschaft. Erdogan selbst kenne t\u00fcrkischst\u00e4mmige Akademiker, die nach ihrem Studium lieber nach Istanbul ziehen, weil sie dort bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Doch mit den Jobchancen allein habe die Auswanderung nichts zu tun. \u00bbSt\u00e4ndig abgestempelt zu werden, als h\u00e4tte man nichts erreicht \u2013 das belastet\u00ab, so der Psychologe und Kursleiter Erdogan.<br \/>\nDie gemischte Gruppe \u2013 es sind Unternehmer, Studenten, Arbeiter, angehende Rentner und auch ein Gef\u00e4ngnisinsasse auf Freigang dabei \u2013 diskutiert das Sujet sehr kontrovers. Er teile zwar Seehofers Auffassung nicht, dennoch d\u00fcrfe man nicht verschweigen, dass es nun einmal Migranten gibt, die seit 20 Jahren in Deutschland leben und beispielsweise kaum Deutsch sprechen, wirft einer der V\u00e4ter ein. Man m\u00fcsse der Gesellschaft, in der man lebt, mit Respekt begegnen, meint ein anderer. Jugendliche, die deutschst\u00e4mmige Mitsch\u00fcler beschimpfen, das d\u00fcrfe man ebenfalls nicht hinnehmen, fordert ein weiteres Mitglied des Gespr\u00e4chskreises.<br \/>\nDer 65-j\u00e4hrige S\u00fcleyman, der sich die Debatte ruhig anh\u00f6rt und dabei sein Sudoku-Heft mit Zahlen versieht, macht sich vor allem Sorgen um die Zukunft seiner Enkel. \u00bbIch kann ruhigen Gewissens sagen, dass ich als sogenannter Gastarbeiter 36 Jahre f\u00fcr dieses Land gearbeitet habe, ich habe Steuern gezahlt und mich an die Grundgesetze gehalten. Alles was ich in meinem Leben aufgebaut habe, scheint auf meine Enkel niederzufallen, denn meine Leistungen sind nie anerkannt worden\u00ab, sagt der Mann mit wei\u00dfem Haar und Schnurrbart.<br \/>\nDie Frage, die in der aktuellen Migranten-Debatte bisher keiner gestellt habe, sei: \u00bbWas wurde mit der Art und Weise erreicht, mit der \u00fcber Einwanderer gesprochen wird?\u00ab fragt Erdogan. Konstruktive und sachliche Vorschl\u00e4ge, wie man mit Integrations-Problemen umgehen soll, gebe es kaum. Stattdessen w\u00fcrden \u00c4ngste gesch\u00fcrt und Migranten das Gef\u00fchl vermittelt, kein Teil der Gesellschaft zu sein, so Erdogan. Um so wichtiger sei es, Initiativen wie die V\u00e4ter-Gruppe weiterzuf\u00fchren. Anfangs war der 2004 gegr\u00fcndete Gespr\u00e4chskreis unbekannt. Jetzt wird europaweit \u00fcber die V\u00e4ter berichtet. Dass ihre Meinung etwas z\u00e4hlt, beweist die Einladung von Gr\u00fcnen-Fraktionschefin Renate K\u00fcnast. Am heutigen Mittwochabend sollen ihr sechs V\u00e4ter im Bundestag ihre Sicht auf die Integrationsdebatte schildern.<br \/>\nwww.initiative-neukoelln.de[1]<br \/>\nLinks:<br \/>\n1.\t<\/p>\n<p>URL: <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13.10.2010 \/ Berlin\/Brandenburg In Deutschland unerw\u00fcnscht T\u00fcrkische V\u00e4ter-Gruppe diskutiert Seehofers \u00c4u\u00dferung zum Zuwanderungsstopp Von Nissrine Messaoudi Sarrazin scheint eine Lawine losgetreten zu haben. Seit er seine Thesen von der genetisch vererbbaren Verdummung von Arabern und T\u00fcrken verk\u00fcndete, wird nun alle drei Tage eine neue \u00c4u\u00dferung publik, die Migranten diffamiert. 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