{"id":1048,"date":"2010-09-10T08:42:58","date_gmt":"2010-09-10T06:42:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.turkishforum.com.tr\/de\/content\/?p=1048"},"modified":"2023-04-02T10:31:24","modified_gmt":"2023-04-02T07:31:24","slug":"das-verzerrte-bild-der-deutschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/2010\/09\/10\/das-verzerrte-bild-der-deutschen\/","title":{"rendered":"Das verzerrte Bild der Deutschen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1058\" src=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/f-SAT_EUROPE__FLIP__3968372_04c30a3f10ed9.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/f-SAT_EUROPE__FLIP__3968372_04c30a3f10ed9.jpg 635w, https:\/\/www.turkishnews.com\/de\/content\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/f-SAT_EUROPE__FLIP__3968372_04c30a3f10ed9-300x174.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Foto: AFP<\/p>\n<p><strong>Das verzerrte Bild der Deutschen<\/strong><\/p>\n<p>VON DANA SCH\u00dcLBE &#8211; zuletzt aktualisiert: 09.09.2010<\/p>\n<p>Berlin (RPO). W\u00e4hrend sich die Gem\u00fcter um Thilo Sarrazins Thesen nur allm\u00e4hlich abk\u00fchlen, sorgen schon wieder neue Ereignisse f\u00fcr Unmut in der Welt. Erika Steinbach legt sich erneut mit den Polen an. Und die Kanzlerin bem\u00fcht sich um Weltoffenheit, erntet daf\u00fcr aber von muslimischer Seite Kritik. Die H\u00e4ufung solcher Ereignisse verzerrt das Bild der Deutschen im Ausland.<\/p>\n<p>&#8222;Die Welt zu Gast bei Freunden&#8220; &#8211; so begr\u00fc\u00dfte Deutschland im Jahr 2006 zur Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft seine Besucher. Und konnte damit punkten. Denn das riesige Fan-Fest von Hamburg \u00fcber Berlin bis Stuttgart gab dem Image der Bundesrepublik einen geh\u00f6rigen Auftrieb. Die Deutschen k\u00f6nnen feiern, sind lustig &#8211; und eben auch aufgeschlossen gegen\u00fcber anderen Nationen.<\/p>\n<p>Doch das Bild der Deutschen hat durch die j\u00fcngsten \u00c4u\u00dferungen einiger Politiker stark gelitten. Gerade die Thesen von Noch-Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin haben nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland f\u00fcr Aufruhr gesorgt. So bezeichneten ihn etwa viele t\u00fcrkische Zeitungen als &#8222;Rassisten&#8220;.<\/p>\n<p>Das Ansehen in der Welt schien so stark in Mitleidenschaft gezogen zu sein, dass sich Kanzlerin Angela Merkel sogar dazu verleitet sah, ein Interview in der t\u00fcrkischen Zeitung &#8222;H\u00fcrriyet&#8220; zu geben, um sich von Sarrazins \u00c4u\u00dferungen zu distanzieren.<\/p>\n<p>Medienpreis f\u00fcr Karikaturisten<\/p>\n<p>Die Diskussion um die Integration ebbt derweil nicht ab &#8211; und sie ist sicherlich auch n\u00f6tig. Doch die Gem\u00fcter haben sich noch nicht einmal beruhigt, da weht schon wieder ein rauer Wind. Hintergrund ist die Verleihung eines Medienpreises durch Merkel an den d\u00e4nischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard, mit dem sie eigentlich ein Zeichen f\u00fcr die Pressefreiheit setzen wollte.<\/p>\n<p>So warf der Vorsitzende der T\u00fcrkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, gegen\u00fcber unserer Redaktion  Merkel einen Mangel an &#8222;interkultureller Kompetenz&#8220; vorgeworfen. &#8222;Nat\u00fcrlich muss die Pressefreiheit verteidigt werden, aber der Zeitpunkt der Preisverleihung war mehr als ungl\u00fccklich&#8220;, sagte Kolat. Damit werde die aktuelle, von Thilo Sarrazin angesto\u00dfene muslimfeindliche Debatte weiter befeuert.<\/p>\n<p>Und auch vom Zentralrat der Muslime in Deutschland kommt Kritik. &#8222;Damit wird nur wieder \u00d6l ins Feuer gegossen&#8220;, sagte der Vorsitzende Ayyub Axel K\u00f6hker der &#8222;Mitteldeutschen Zeitung&#8220;. Mit der Auszeichnung gebe Merkel der Islamfeindlichkeit neue Nahrung.<\/p>\n<p>Es ist bekannt, dass die muslimische Welt sehr empfindlich auf Westergaards Zeichnungen, die unter anderem den Propheten Mohammed mit einer Bombe im Turban zeigten, reagiert. Ob die Ehrung gerechtfertigt ist oder nicht, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.<\/p>\n<p>Emp\u00f6rung \u00fcber BdV-Funktion\u00e4re<\/p>\n<p>Doch damit nicht genug. W\u00e4hrend Sarrazin \u00fcber Migranten und Juden herzieht und die Auszeichnung Westergaards f\u00fcr \u00c4rger sorgt, legt nun auch noch der Bund der Vertriebenen und deren Vorsitzende Erika Steinbach nach. Die Funktion\u00e4re Arnold T\u00f6lg und Hartmut Saenger sorgten f\u00fcr Emp\u00f6rung in der Union. So hatte T\u00f6lg etwa davon gesprochen, dass Polen bereits im M\u00e4rz 1939 mobil gemacht hatte und der deutsche Angriff auf Polen nur der zweite Schritt gewesen sei.<\/p>\n<p>Und Steinbach nahm die beiden in Schutz, legte sogar noch nach. Nach einem Bericht der &#8222;Welt&#8220; best\u00e4tigte sie, dass sie in der Vorstandssitzung der Unionsfraktion gesagt habe: &#8222;Und ich kann es auch leider nicht \u00e4ndern, dass Polen bereits im M\u00e4rz 1939 mobil gemacht habe&#8220; Sie legte demnach aber Wert darauf, dass sie damit nicht die Kriegsschuld Deutschlands bestreiten wollte.<\/p>\n<p>Und dennoch haben die \u00c4u\u00dferungen der BdV-Funktion\u00e4re mehr als nur ein kleines Geschm\u00e4ckle. Denn Fakt ist: T\u00f6lg greift mit seiner Aussage die Argumentation und Rechtfertigung Hitlers f\u00fcr den Einmarsch am 1. September 1939 in Polen auf. Ein Umstand, der nicht nur die Polen aufhorchen lassen wird.<\/p>\n<p>Fakt ist, dass Hitler angebliche Sch\u00fcsse Polens auf deutschem Territorium inszenierte, um der Wehrmacht einen Grund zu geben, in das Land einzumarschieren. Denn ihm fehlte noch ein Anlass, um den Krieg, der Millionen t\u00f6tete und der mit diesem \u00dcberfall begann, zu starten.<\/p>\n<p>Ein skeptischer Blick auf die Republik<\/p>\n<p>Dementsprechend wird durch die \u00c4u\u00dferungen das Verh\u00e4ltnis zu Polen nicht besser. Denn schon die Diskussion um die Berufung Steinbachs in die Stiftung Flucht, Vertreibung, Vers\u00f6hnung hatte f\u00fcr ein angespanntes Verh\u00e4ltnis mit den Nachbarn gesorgt. Und so ist auch diesmal zu erwarten, dass die polnische Seite mit Emp\u00f6rung reagieren wird.<\/p>\n<p>Aber genau das kann Deutschland nicht gebrauchen. Und auch wenn Sarrazin und Steinbach zun\u00e4chst nur als Einzelstimmen vernommen werden, so haben die letzten Tage gerade im Fall des Bundesbank-Vorstands gezeigt, wie sehr populistische \u00c4u\u00dferungen doch ihre Wirkung in der Bev\u00f6lkerung ausbreiten. Dabei sollte eigentlich in Richtung Zukunft geschaut und die Probleme der Integration auf politischem Wege gel\u00f6st werden &#8211; ohne weitere Ressentiments hervorzurufen.<\/p>\n<p>Dass das Ausland dementsprechend mit Argwohn und Skepsis auf die Geschehnisse in der Bundesrepublik schaut, ist nicht verwunderlich &#8211; und sollte auch zu denken geben. Denn alle Bem\u00fchungen um Toleranz, Kampf gegen Rechts und Integration werden dadurch in den Schatten gestellt und weniger wahrgenommen, als sie es sollten.<\/p>\n<p>Der Blick zur\u00fcck auf falsche historische Argumentationen und die populistische Darstellung von gesellschaftlichen Problemen wirft daher Deutschland einen gewaltigen Schritt zur\u00fcck in der Bem\u00fchung, das zeigen zu wollen, was die Bundesrepublik in gro\u00dfen Teilen ist &#8211; n\u00e4mlich weltoffen und tolerant.<br \/>\nURL: www.rp-online.de\/politik\/deutschland\/Das-verzerrte-Bild-der-<\/p>\n<p>Deutschen_aid_904360.html<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: AFP Das verzerrte Bild der Deutschen VON DANA SCH\u00dcLBE &#8211; zuletzt aktualisiert: 09.09.2010 Berlin (RPO). W\u00e4hrend sich die Gem\u00fcter um Thilo Sarrazins Thesen nur allm\u00e4hlich abk\u00fchlen, sorgen schon wieder neue Ereignisse f\u00fcr Unmut in der Welt. Erika Steinbach legt sich erneut mit den Polen an. 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