Deutschland lernt Türkisch

Sechzig Jahre, nachdem erste Gastarbeiter ins Land kamen, zeigen viele Deutsche plötzlich großes Interesse an deren Sprache

Von KATJA HEISE

Ein neuer Trend setzt sich durch: Deutschland lernt Türkisch!

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Jubeln auf Deutsch – und Türkisch: In Berlin können deutsche Kinder Türkisch längst als Schulfach belegen. Auch hier steigt die Nachfrage.

Foto: dpa Picture-Alliance

Mehrere Berliner Sprachschulen verzeichneten einen Zuwachs von vierzig bis fünfzig Prozent, allein im vergangenen Jahr. Von einem Nachfrage-Boom sprechen außerdem die Sprachzentren an den Unis deutscher Großstädte.

Neben den Berliner Unis verzeichnet die Uni Hamburg fast eine Verdopplung ihrer Türkisch-Sprachschüler seit 2009, die Ludwig-Maximilians-Universität in München gar eine Verdreifachung, wie es auf Anfrage heißt.

„Das plötzliche Interesse ist erstaunlich und so groß wie noch nie“, sagt Elke Roessler, Leiterin des Sprachenzentrums der Berliner Humboldt-Uni zu BILD.de. „2008 hatten wir nur nur zwei Türkischkurse, inzwischen sind es sechs. Es müssen immer wieder Studierende von Anfängerkursen abgewiesen werden“, sagt auch der Sprecher der Uni München Clemens Grosse.

Ebenso habe die Freie Universität in Berlin aufgrund der großen Nachfrage aufgestockt. Es gebe jetzt mehr Kurse, auch für Fortgeschrittene, heißt es hier.

Und es gibt noch eine Besonderheit, wie die Leiterin des Sprachenzentrums der Freien Universität Berlin, Dr. Ruth Tobias berichtet: Junge Menschen ohne türkischen Hintergrund bringen – anders als noch vor ein paar Jahren – aus ihrem Umfeld erste Kenntnisse der Sprache mit. Floskeln und Redewendungen sowie kurze Alltagskonversation würden längst im Alltag umgesetzt.

Und auch der kulturelle Code, Mimik und Gestik der türkischen Kultur würde adäquat angewendet. Das halte sie für erstaunlich, weil sich der neue Trend jetzt so plötzlich abzeichne. Vor ein paar Jahren habe sie das noch nicht beobachten können. Immerhin: Die ersten türkischen Gastarbeiter kamen bereits vor sechzig Jahren nach Deutschland. Was ist passiert?

Es sei wohl vor allem der wirtschaftliche Aufschwung der Türkei, der der Sprache ein besseres Image verleiht, glaubt Cem Sentürk vom Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung in Essen.

80 000 türkische Unternehmer liefern auch an deutsche Unternehmen, 5000 deutsche Unternehmen investieren in die Türkei. Seit 2009 hat sich das Brutto-Inlands-Produkt um 17,8 Prozent gesteigert. Es gehe also darum, mit Geschäftspartnern zu kommunizieren.

DIESE TÜRKISCHEN SÄTZE MÜSSEN SIE KÖNNEN…

Was geht ab?

Ne var ne yok?

Untermauert werde dies laut dem Experten auch von dem Erasmus-Studenten-Austausch, den es seit 2004 zwischen der Türkei und Deutschland gibt. Es begann mit knapp 100 Austauschstudenten, heute sind es 700 Deutsche, die jährlich für ein oder zwei Semester in die Türkei gehen.

Viele Studenten lernten heute die Sprache auch, weil sie sie für ihre zukünftige wissenschaftliche oder berufliche Tätigkeit brauchten, bei Studien und Projekten mit dem Land oder bei Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs).

Von wirtschaftlichen Gründen sprechen auch die Schüler von Fatih Kanars Sprachschule im Süden von Neukölln. „Es kommen in den letzten zwei Jahren plötzlich viele Ärzte, Juristen, Lehrer, die auf das große türkischsprachige Klientel nicht verzichten wollen“, erklärt der Türke.

Eine von ihnen: Ulrike Ehrentahl. Die 46-jährige Juristin hat immer wieder mit türkischsprachigen Berlinern zu tun. Noch ist sie im Anfängerkurs und kann keine juristischen Fachdiskussionen in der Sprache führen. „Doch ein bisschen Smalltalk in der Muttersprache des Gegenübers bricht oft das Eis und schafft Vertrauen“, sagt sie.

Nicht zuletzt sei Istanbul aktuell auch einfach eine „total hippe“ Stadt, wie Karin Yesilada der Uni Paderborn und Mitarbeiterin am Projekt Türkisch-Deutscher Kulturkontakt- und Transfer, erklärt. Anders als noch vor ein paar Jahren sei es einfach cool, hier zu studieren, zu arbeiten oder gar zu leben.

Das Fazit der Forscherin bleibt jedoch: „Das sind alles Spekulationen, weil es zu diesem Thema keine Studien gibt. Hier gebe es eine immense Forschungslücke. Sträflich, dass ein Einwanderungsland wie Deutschland die türkisch-deutschen Beziehungen nicht intensiver untersucht.“

via Integration: Deutschland lernt Türkisch – Politik Inland – Bild.de.

Türkisch als 2. Fremdsprache bei Matura geplant

Im Unterrichtsministerium wird an der Einführung von Türkisch als zweite lebende Fremdsprache gearbeitet, in der man auch zur Matura antreten können soll. Dabei gehe es um eine Gleichstellung von Türkisch mit Sprachen wie Französisch, Russisch oder Polnisch, für die es dieses Angebot schon gebe, bestätigte ein Sprecher von Unterrichtsministerin Schmied einen Bericht der Tageszeitung „Presse“.

Schule, Prüfung, Matura Türkisch soll gleichgestellt werden mit Sprachen wie Französisch, Russisch und Polnisch. © Imago
Schule, Prüfung, Matura Türkisch soll gleichgestellt werden mit Sprachen wie Französisch, Russisch und Polnisch. © Imago

Schule, Prüfung, Matura Türkisch soll gleichgestellt werden mit Sprachen wie Französisch, Russisch und Polnisch. © Imago

Im Ministerium werde derzeit eine Änderung der Lehrpläne vorbereitet, danach stehe auch der Einführung eines an der Uni Graz bereits ausgearbeiteten Lehramtsstudiums für Türkisch „nichts mehr im Wege“. Das geplante Angebot bedeute allerdings nicht, dass türkischsprachige Schüler künftig in allen Fächern in ihrer Muttersprache maturieren können.

Promotion

Voting

Türkisch als Maturafach: Ein guter Vorstoß?

* Ja 31%

* Nein 66%

* weiß nicht 3%

2365 StimmenIhre Stimme wurde gezählt

Aus Sicht der ÖVP steht die Einführung von Türkisch als zweite lebende Fremdsprache unterdessen nicht auf der Agenda. Diese Frage sei derzeit nicht aktuell, so ÖVP-Bildungssprecher Amon im ORF-„Mittagsjournal“. Die FPÖ warnte unterdessen davor, dass durch Türkisch als Maturafach „Parallelgesellschaften geradezu gefördert“ würden. Es sei „mit Sicherheit der falsche Ansatz“, wenn in Österreich lebenden Menschen, die Türkisch nicht mehr lesen und schreiben könnten, die Sprache wieder beizubringen.

via Türkisch als 2. Fremdsprache bei Matura geplant – GMX.

Spaenle will mehr Türkisch-Unterricht an Bayerns Gymnasien

Eigene türkische Schulen lehnte Kultusminister Spaenle jedoch ab. Nach dem deutsch-türkischen Krach um eigene Gymnasien für die größte Einwanderergruppe in Deutschland will Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) den Türkisch-Unterricht an den höheren Schulen des Freistaats ausbauen. Bisher gibt es an lediglich fünf Gymnasien Türkisch-Unterricht, wie das Ministerium am Donnerstag bekannt gab. «Es gibt eigentlich kaum Nachfrage nach solchen Angeboten», sagte Spaenle.

Der CSU-Politiker vermutet, dass die Nachfrage sich einstellen würde, wenn mehr Lehrer Türkisch unterrichten könnten: «Wo kein Lehrer, da kein Schüler.» Eigene türkische Schulen lehnte Spaenle ab. (Quelle: München (dpa/lby))

Quelle: http://www.antenne.de/nachrichten/bayern/artikel/183103/Spaenle-will-mehr-Tuerkisch-Unterricht-an-Bayerns-Gymnasien.html

Liste der Schulen in NRW

Liste der Schulen in NRW an denen vorher Türkisch als Muttersprache oder als Wahlpflichtfach angeboten wurde aber seit einiger Zeit abgeschafft worden ist.

Aachen
1. Hugo Junkers Real Schule
Alsdorf
1. Grundschule Alsdorf
2. Hauptschule Alsdorf
3. Gymnasium Alsdorf
4. Gesamtschule Alsdorf
Beckum und Umgebung
1. GGS Rolandschule
2. Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule
3. GGS Sonnenschule
Bergkamen
1. Willy-Brandt-Gesamtschule
(hier wird Türkisch als WP 1 angeboten. Trotz Schülerwillen wird es aber nicht als Abiturfach
zugelassen)
Bestwig
1. Franz Hoffmeister Hauptschule, Zum Schulzentrum 1, 59909 Bestwig
Bielefeld
1. Grundschule Hillegossen, Detmolder Str.613, 33699 Bielefeld
2. Gesamtschule Stieghorst, Am Wortkamp 3, 33605 Bielefeld
Bottrop
1. Gustav-Heineman-Realschule, Paßstr. 12,46236 Bottrop
2. Marie-Curie-Realschule, Friedrich-Ebert str.120, 46236 Bottrop
3. Hauptschule Lehmkuhle, Altersüdring 20, 46236 Bottrop
4. Grundschule Ebel
5. Nikolaus-Gross Grundschule, Förenkampstr.15
Castrop Rauxel
1. GGS Am Hügel
2. GGS Am Busch
3. GGSe Cottenburg
4. GGS Wilhelmschule
Dortmund
1. Gesamtschule Scharnhorst, Mackenrothweg 15, 44328 Dortmund
2. Heisenberg Gymnasium, Dortmund-Eving
3. Hauptschule Kirchlinde, Dortmund-Kirchlinde
4. Widey Grundschule, Dortmund-Kirchlinde
5. Droste-Hüllshof-Realschule, Dortmund-Kirchlinde
6. Gilden Grundschule
7. Heisenberg Gymnasium Dortmund-Eving
8. Hauptschule Kirchlinde Dortmund-Kirchlinde ?
(nicht sicher ob hier vorher Türkischangebot bestand)
9. Widey Grundschule Dortmund-Kirchlinde ?
(nicht sicher ob hier vorher Türkischangebot bestand)
10. Droste-Hüllshof-Realschule Dortmund-Kirchlinde ?
(nicht sicher ob hier vorher Türkischangebot bestand)
Duisburg
1. Gesamtschule Duisburg-Süd 2. Grundschule-Böhme str. 3. Hauptschule-Langestr.
4. Grundschule Friedenstr, 47053 Duisburg (Hochfeld)
5. Gesamtschule Globus am Dellplatz
Düsseldorf
1. Realschule Luisenstr
2. Goethe Gymnasium (soll ab 2012 abgeschafft werden?)
3. KGS Einsiedelstr
4. GGS Walther-Rathenau-Str. 15
5. GGS Bingener Weg 10
6. KGS Kempkensweg 291
7. GHS Bernburger Str. 44
8. Dieter Forte Gesamtschule,Heidelberger Straße 75,40229 Düsseldorf
(Hier wurden letztes Jahr mehr als 100 Unterschriften gesammelt. Trotzdem hat sich die
Schulleitung gegen die Weiterführung des Faches Türkisch als WP1 entschieden, weil Sie
angeblich keinen geeigneten Lehrer gefunden haben)
Eschweiler
1. Katholische Eduard-Mörike Grundschule
Essen
1. Grundschule Bückmannshof
2. Bertha Krupp Realschule
(Das Türkischangebot wurde eingestellt, weil die Kinder in den Pausen türkisch geredet haben.
Die Schulleitung hat der entsprechenden MSU Lehrerin untersagt die Eltern diesbezüglich
anzuschreiben)
3. Hövelschule
4. Theodor-Goldschmidt-Realschule
5. Bertha-Krupp-Realschule
Gelsenkirchen
1. Ev. Gesamtschule Gelsenkirchen Laarstr. 41, 45889 Gelsenkirchen
(Obwohl sich in der Schulkonferenz alle Lehrer sich für Türkisch ausgesprochen haben, hat der
Schulträger das Angebot gestrichen)
2. GGS Dörmannsweg, Dörmannsweg 23, 45888 Gelsenkirchen
Gladbeck
1. Käthe Kollwitz Grundschule
Hagen
1. Fritz-Steinhoff-Gesamtschule, Am Bügel 20, 58099 Hagen
2. Gesamtschule Haspe, Kirmesplatz 2, 58135 Hagen
3. Gesamtschule Eilpe, Wörthstr 30, 58091 Hagen
4. Ernst-Eversbusch-Hauptschule, Berlinerstr 109, 58135 Hagen
6. Realschule Haspe, Kurzestr 3, 58135 Hagen
Hückelhoven
1. Hauptschule Hückelhoven, In der Schlee, 41836 Hückelhoven.
(Hier wird diskutiert Türkisch einzuführen. Einige Lehrer sprechen sich dagegen aus und drohen
mit Verlassen der Schule falls türkisch eingeführt wird.)
2. Realschule Ratheim.
(Hier wird seit 28 Jahren bestehendes Türkischangebot abgeschafft, obwohl es auch als zweite
Fremdsprache angeboten wurde. Das Regierungspräsidium Köln hatte diese Schule als
Vorzeigeschule deklariert. Über 500 Unterschriften wurden für den Erhalt des Türkischangebotes
gesammelt (ohne Erfolg))
Herne
1. Erich-Fried Gesamtschule, Grabenstraße 14, Herne
Kamen
1. Gesamtschule Kamen
Köln
1. GGS Bernkasteler Straße, Köln Zollstock
(Nach dem Tod des Lehrers wurde das Türkischangebot gestrichen)
Neuss
1. Ganztagshauptschule Norf, 41469 Neuss
(kein Türkischunterricht obwohl fast 1/3 der Schülerschaft türkischen Migrationshintergrund
haben)
Oberhausen
In diesen Schulen wurde Türkischangebot abgeschafft:
1. Bertha von Suttner- Gymnasium
2. GGS Königschule 3. GGS Havenstein 4. GGS Schwarze Heide
5. Otfired-Preußler Schule (Förderschule) 6. GGS Astrid Lindgren 7. GGS Bismarck 8. GGS
Emscher 9. GGS Am Froschenteich 10. GGS Knappen 11. GGS Hegel 12. GGS Josef
In diesen Schulen wird in kürze vermutlich kein Türkisch mehr angeboten:
13. Hauptschule Bermensfeld 14. GGS Alsfeld 15. Hauptschule Lirich
Oer-Erkenschwick
1. GGS Ewaldschule, Grüner Weg 28, 45739 Oer-Erkenschwick
Pulheim
1.Hautschule Pulheim,Escher Str 88, 50259 Pulheim
Recklinghausen
1. GGS Ortlohschule, Ortlohstr 54-58, 45663 Recklinghausen
Übach-Pallenberg
1. Willi Brand Gesamtschule, Comeniusstr, 52531 Übach
Velbert
1. Realschule Kastanienallee
2. Gesamtschule Velbert Mitte
Insgesamt 86 Schulen

Türkischverbot an Schulen

An die Ministerin
Barbara Sommer
Ministerium für Schule und Weiterbildung
des Landes NRW
Völkingerstr 49
40221 Düsseldorf

Sehr geehrte Frau Ministerin Sommer,

wir möchten uns mit diesem Schreiben in einer für uns äußerst wichtigen Angelegenheit an Sie wenden und Sie bitten sich unmittelbar dieser Problematik anzunehmen.

Es geht um folgende Vorfälle, die mittlerweile nicht mehr vereinzelt an den Schulen in NRW auftreten und uns von verschiedenen Seiten herangetragen wurden, mit der ausdrücklichen Bitte dies an Sie weiterzuleiten.

1. Den türkischen Schülern wird an mehreren Schulen untersagt in den Pausen ( auf dem Schulhof, im Flur etc. ) in ihrer Muttersprache zu sprechen.

2. Türkische Eltern sollen sich ebenfalls nicht auf dem Schulgelände mit ihren Kindern auf Türkisch unterhalten. In einem konkreten Fall brachte die türkische Mutter ihrem Kind das vergessene Pausenbrot vorbei und übergab es ihm auf dem Schulhof. Die aufsichtführende deutsche Lehrerin wandte sich an die türkische Mutter und sagte zu ihr: „ Sie dürfen hier nicht türkisch sprechen. Sie müssen sich mit Ihrem Kind auf Deutsch unterhalten.“

3. Mehrere türkische Lehrerinnen und Lehrer wurden und werden seitens ihrer deutschen Kolleginnen und Kollegen ständig darauf angesprochen, sich mit den türkischen Schülern außerhalb des Unterrichts nicht in Türkisch zu unterhalten. Dabei wird unter anderem auch folgende Äußerung getätigt wie: „Vergessen Sie nicht, Sie sind hier an einer deutschen Schule. Hier wird deutsch gesprochen! “ Der Tonfall ist nicht immer kollegial. Selbst bei Gesprächen unter den türkischen Lehrerinnen und Lehrern halten sich deutsche Kolleginnen und Kollegen berechtigt, Diese darauf hinzuweisen, sich nur noch auf Deutsch zu unterhalten.

Türkische Eltern empfinden es als unhöflich und respektlos, wenn sie sich in türkischer Sprache an eine türkische Lehrperson wenden und diese unverständlicherweise auf Deutsch antwortet. Oftmals kommt es zu Kommunikationsschwierigkeiten und Streitigkeiten. Die türkische Lehrperson wird nicht mehr als vertrauenswerte Bezugsperson angesehen, was wiederum den Zugang der Schule zu den türkischen Eltern erheblich erschwert. Diese besorgniserregenden Vorfälle werden unseren Vereinen und Verbänden in letzter Zeit immer häufiger angetragen.

Hinsichtlich dieses umfassenden Türkischverbotes berufen sich einige Schulen auf eigene Schulordnungen, in denen es unter anderem heißt: „ Ich bin höflich. Ich spreche Deutsch, damit mich alle verstehen.“ Eine sehr unscheinbare Regelung, die jedoch in der Umsetzung im Schulalltag die Rechte der türkischen Schüler, der türkischen Eltern als auch der türkischen Lehrer erheblich verletzt. Dabei handelt es sich insbesondere bzgl. der Schüler nicht mehr um einfache hinnehmbare erzieherische Maßnahmen. Ganz im Gegenteil sehen wir in jedem ausgesprochenen Türkischverbot gegenüber den türkischen Schülern (außerhalb des Unterrichtes) einen Eingriff in das Grundrecht der freien Entfaltung der Persönlichkeit aus Art. 2 Abs. 1 GG. In jedem Verbot, keine andere Sprache als Deutsch zu sprechen liegt auch ein Verstoß gegen Art. 2 Abs. 2 b der Antirassismusrichtlinie 2000/43 EG vor. Unabhängig davon, unterliegt ein solch erheblicher Eingriff dem Gesetzesvorbehalt. Ein solches Gesetz liegt jedoch nicht vor. Seine Verfassungsmäßigkeit wäre auch höchst zweifelhaft.

Folgende Gründe bzw. Ziele werden im Rahmen des Türkischverbotes ständig vorgetragen:
(a) Wahrung von Respekt
(b) Vermeidung von Konflikten.
(c) Erlernen der deutschen Sprache

Zu a: Das Sprechen einer anderen Sprache als der Deutschen innerhalb der Pause wird als „Respektlosigkeit“ gewertet. Allein diese Aussage ist diskriminierend, da die andere Sprache bzw. Kultur abgewertet wird. Hier liegt noch nicht mal ein legitimes Ziel für einen Eingriff vor.

Zu b: Die Behauptung das Sprechen einer anderen Sprache als der Deutschen führe regelmäßig zu Konflikten ist nur eine Annahme. Es gibt andere Mittel zur Vermeidung von Konflikten als das Aussprechen eines Türkischverbotes, z.B. die Förderung interkultureller Kompetenz. Diesbezüglich könnte man sogar ein eigenständiges Unterrichtsfach einführen. Voraussetzung ist natürlich wiederum, dass auch die Lehrkräfte in dieser Hinsicht gezielt ausgebildet werden.

Die türkischen Schüler berichten oftmals, dass sie in der Schule vielen Vorurteilen, sei es seitens der Lehrer als auch seitens der Mitschüler, ausgesetzt sind und es meist nicht schaffen dagegen anzukämpfen. Sie fühlen sich oft alleingelassen und erniedrigt. An diesem Punkt ist noch eine ganze Menge Arbeit zu leisten! Als Einwanderungsland sollte sich die Bundesrepublik Deutschland nun endlich diesen Herausforderungen stellen und Integration als ein beidseitiges Bemühen um ein Miteinander verstehen. Man könnte hier durchaus in den Schulen anfangen und pädagogische Methoden finden wie man die Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zusammenführt und Vorurteile abbaut. Wir erinnern an Einstein, der sagte: „Vorurteile abzubauen ist schwieriger als ein Atom zu spalten.“ Durch Verbote wird dies nicht zu erreichen sein. Ganz im Gegenteil werden diese nur zu Trotzreaktionen führen. Diese Art von Verboten führt eher zur Distanzierung der Migranten von der einheimischen Bevölkerung. Man sollte eher nach Vorschlägen suchen, wie man die Schüler für die Gesellschaft gewinnen kann. Hier müssen dringend Konzepte gesucht und entwickelt werden. Vorbildhaft ist hier insbesondere das Konzept der Schule in Toronto/Kanada, in der die Förderung der einheimischen Kulturen und Sprachen zum Schulkonzept gehört.

Zu c: Gute Kenntnisse in der deutschen Sprache sind insbesondere für das Berufsleben und auch für das gesellschaftliche Leben in Deutschland von äußerster Wichtigkeit. Dieser Bedeutung sind wir uns durchaus bewusst. Diesbezüglich halten wir Fördermaßnahmen sogar für dringend geboten, damit die türkischen Schüler mit ihren deutschen Mitschülern im Unterricht mithalten können. Dieser positive Zweck – das Erlernen der deutschen Sprache – darf jedoch nicht so weit gehen, den Schülern in der Pause das Sprechen ihrer Muttersprache zu verbieten. Das Persönlichkeitsinteresse der Schüler geht hier dem Unterrichtsauftrag vor. Die Pause ist dafür da, dass sich die Schüler – natürlich ohne Verletzung der Rechte anderer – frei entfalten und „austoben“ können, so dass sie in der nächsten Unterrichtsstunde wieder in der Lage sind konzentriert mitzuarbeiten.

Hier, insbesondere im Bereich der Sprache Fesseln zu setzen, halten wir nicht nur in juristischer, sondern auch in pädagogischer Hinsicht für unzulässig. Weiterhin möchten wir an dieser Stelle anmerken, dass es nicht gerechtfertigt ist die Muttersprache und die deutsche Sprache als Zweitsprache gegeneinander auszuspielen bzw. die Sprachen in einem Entweder-Oder -Verhältnis zu setzen. Zahlreiche Sprachwissenschaftler haben bewiesen, dass das Erlernen und die Förderung der Muttersprache das Erlernen einer Fremdsprache erleichtert und fördert. Nicht zu vergessen ist, dass das Erlernen der Muttersprache eine Basisbedingung für die Identitätsbildung des Kindes ist.

Abschließend möchten wir erneut an Sie appellieren diese Problematik ernst zu nehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, damit die oben beschriebenen diskriminierenden Vorfälle ein Ende finden, insbesondere der Integration wegen! Aufgrund der Dringlichkeit der Angelegenheit bitten wir zeitnah um Ihre Stellungnahme.

Hochachtungsvoll

Dr. Ali Sak

Unterricht für Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte

Stellungnahme zur Neufassung des Erlasses BASS 13-63 Nr.3; „Unterricht für Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte, insbesondere im Bereich der Sprachen“

Sehr geehrte Frau Ministerin Sommer,
sehr geehrter Herr Winands,

zunächst möchten wir uns für die Möglichkeit der Stellungnahme bezüglich des geplanten Ministeriumserlasses „Unterricht für Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte, insbesondere im Bereich der Sprachen“ bedanken und Ihnen im Folgenden unsere Anmerkungen und Vorschläge, sowie unsere Vorstellungen kundtun.

mehr…

Unterricht in der Herkunftssprache an Hauptschulen

Essen, den 10.06.2009

Qualitätsoffensive Hauptschule: Unterricht in der Herkunftssprache an Hauptschulen als zweite Fremdsprache

Hintergrund:
Im Rahmen der Qualitätsoffensive Hauptschule strebt das Schulministerium des Landes NRW ein Schulversuch mit einer Laufzeit von sechs Jahren an. Im Rahmen dieses Schulversuches sollen die Voraussetzungen erprobt werden unter denen die Herkunftssprache als zweite Fremdsprache in die Stundentafel aufgenommen werden kann. Nach diesem Konzept sollen die Herkunftssprachen in der Regel ab der 6. Klasse oder als Wahlpflichtfach in Klasse 7 beginnen. Die Anzahl der Wochenstunden bis Klasse 10 soll der Anforderung des Kultusministeriums (14 Wochenstunden) genügen. Die Leistungen werden in die Zeugnisse aufgenommen und es soll durch mindestens eine gute Leistung eine mangelhafte Leistung in English ausgleichen können. Der Schulversuch soll mit den Sprachen Türkisch und Russisch beginnen und auf weitere Sprachen ausgeweitet werden, wenn die personellen und sächlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Der Unterricht soll von Lehrkräften erteilt werden, die (i) eine in NRW anerkannte Lehrbefähigung für das entsprechende Fach erworben haben, oder (ii) eine in NRW anerkannte Lehrbefähigung haben und ein C1 Zertifikat für die entsprechende Sprache nachweisen können. Der Stellenbedarf soll durch Stellen gedeckt werden, die für den muttersprachlichen Unterricht zur Verfügung stehen.

Unsere Stellungnahme:
Die Überlegungen des Ministeriums, im Rahmen der Qualitätsoffensive Hauptschule, den Herkunftssprachenunterricht in eine zweite Fremdsprache, neben Englisch, einzuführen ist ein wichtiger Schritt auf dem richtigen Weg und ist nach unserer Ansicht auch längst überfällig. Die Herkunftssprachen gehören zu den individuellen Stärken von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund. Diese sollten auch unter den Anforderungen des Schulministeriums „Individuelle Förderung und Stärkung“ gezielt und systematisch gefördert werden. Die Möglichkeit zur Anerkennung insbesondere der türkischen und der russischen Sprache als zweite Fremdsprache, neben Englisch, ist daher sehr wünschenswert. Auch die Wahlmöglichkeit dieser Fächer für alle Schülerinnen und Schüler ist wünschenswert. Trotzdem sollte die Möglichkeit des Fremdsprachenangebotes in der jeweiligen Herkunftssprache primär dazu dienen die natürliche Mehrsprachigkeit der Kinder mit Migrationshintergrund zu stärken, um dadurch ihre beruflichen Perspektiven und Ihr Selbstwertgefühl zu stärken.

Strukturell sollte der Unterricht so gestaltet werden, dass der Herkunftssprachenunterricht in den Klassen 5+6 als Muttersprachlicher Ergänzungsunterricht erteilt wird. Ab der Klasse 7 sollte dies dann als Wahlpflichtfach angeboten werden. Zusätzlich sollte der muttersprachliche Unterricht in den Grundschulen, als Vorbereitung auf den Fremdsprachenunterricht ab der 7. Klasse, inhaltlich und strukturell ausgebaut werden.

Die Einschränkung der Einführung weiterer Sprachen insbesondere hinsichtlich personeller Voraussetzungen ist, unter Berücksichtigung der Gleichstellungsregelung der verschiedenen Sprachen, aus unserer Sicht sachlich nicht begründet. Allein die Teilnehmerzahl und die langfristigen Entwicklungspotenziale sollten als Kriterium des Ausschlusses herangezogen werden. So sollten z.B. in ausgewählten Schulen auch die Sprachen Spanisch, Griechisch, Italienisch als mögliche Angebote hinzugezogen werden.
Die Rahmenbedingungen für die Einstellung von Lehrern sollte genauer definiert und eventuell ausgeweitet werden. Nach unserem Kenntnistand gibt es bisher keine Institution, weder in Deutschland noch in der Türkei, die ein C1 Zertifikat für Türkisch, gemäß den Anforderungen der EU vergeben kann.

Die Deckung des Stellenbedarfs für den Fremdsprachenunterricht aus dem Kontingent des muttersprachlichen Unterrichtes lässt befürchten, dass die Grundschulen in der Versorgung benachteiligt werden. Die in NRW noch verfügbaren 886 muttersprachlichen Stellen sind Zweckgebunden und sollten auch vornehmlich für die Klassen 1-6 zur Verfügung gestellt werden. Gerade in den Grundschulen ist eine gezielte und ganzheitliche sprachliche Förderung, zu der auch die Herkunftssprachen gehören, sehr wichtig.

Lehrkräfte, die eine Herkunftssprache als Fremdsprache unterrichten, sollten in der Vergütung dem der übrigen Kollegen angeglichen werden. Inhaltlich und strukturell werden diese Lehrer eine Fremdsprache unterrichten und sollten auch entsprechend vergütet werden. Dies steigert nicht nur den Leistungswillen und Motivation der Lehrer, vielmehr dient es zur Gleichstellung mit den übrigen Kollegen.

Besonders wichtig erscheint uns, dass die Möglichkeit des Fremdsprachenunterrichtes in den Herkunftssprachen als Wahlpflichtfach auch anderen Schulformen offen stehen sollte. Insbesondere Gesamtschulen und Realschulen, sowie Gymnasien mit einem hohen Anteil von Schülern und Schülerinnen mit Migrationshintergrund sollten von diesem Angebot profitieren um sich zu profilieren.

Mit freundlichen Grüssen
Im Namen des Vorstandes

Dr. A. Sak

Unterdorfstr. 19
45143 Essen
Tel.: 0172 2153163
[email protected]