Reisebericht: Gregors Motorradreise in den Iran

17.-18.5.2007, Bursa

Von Edirne geht die Fahrt nach Süden zu den Dardanellen. Bei Gelibolu gibt es eine Fähre, die mich nach Lapseki auf der asiatischen Seite übersetzt.

In einem lang gezogenen, weiten, sattgrünen Tal, unweit des südöstlichen Endes des Marmarameeres, liegt Bursa. Das Ortsschild am Stadtrand behauptet, hier wohnten 600.000 Einwohner, in Wirklichkeit ist es bald das Dreifache.

Als erstes fallen die pittoresken Stadtviertel an den Ausläufern des Uluda-Gebirges im Süden der Stadt auf. Einfache Leute wohnen hier in einem Meer von pastellbunten kleinen, schlichten Häusern – meist völlig unzugänglich am Steilhang gelegen.

Ich suche mir ein preiswertes Hotel in der Innenstadt, denn hier gibt es ein riesiges Basarviertel, welches erkundet werden muss. Außerdem muss ich Wäsche waschen und regnen tut es auch noch. Alles gute Gründe, hier einen Tag zu verweilen. Das Hotel ist wirklich erstaunlich billig, ganze 30 Euro für ein feudales Zimmer, und ich hab nicht einmal so sehr feilschen müssen.

Spät nachts wird mir klar, warum das Zimmer so billig war. Etwa 10 Meter vor meinem Zimmerfenster steht ein Minarett, und dessen Lautsprecher brüllt um Punkt 4:20 Uhr mit gefühlten 10.000 Watt zum Gebet. Ich bins ja gewohnt, dass um diese Zeit immer an allen Moscheen die Muezzin-Schallplatte aufgelegt wird, aber so krass durch Mark und Bein gehend hab ichs noch nie erlebt.

Der zweite Tag hier vergeht mit endlosen Märschen durch den Basar. Ich besichtige die Moscheen, beobachte die Leute, trinke Tee, fotografiere.

Am Abend treff ich mich mit Ergün aus Stuttgart, der hier auf Montage ist, und dem Lederhändler Naci. In der Stammkneipe der Basaris gönnen wir uns ein opulentes Abendessen mit Fisch, Fleisch, Bier, Gemüse, Früchten, Kaffee und Raki. Die Nachspeise besteht aus gegrilltem Sesamhonig (Helva) und unreifen, grünen, gesalzenen Pflaumen.

19.5.2007, Von Bursa nach Aksaray

Ich bin früh unterwegs heute. Irgendwo hatte ich gelesen, dass das Tempolimit für Motorräder 70 km/h sei. Auf den Überlandstraßen wimmelt es von Polizeikontrollen, also fahre ich zwangsläufig langsam. Auf jeden Fall nie mehr als 80.

Bei Eskisehir treffe ich einen einheimischen Motorradfahrer, und der meint, dass man durchaus auch 100 fahren kann, ohne dass die Polizei daran Anstoß nimmt. Dieser Rat des vermeintlichen Experten sollte sich später als total falsch erweisen, aber erstmal geht meine Fahrt etwas flotter weiter.

Wenig später wechsele ich auf Landstraßen zweiter und dritter Ordnung. Die sind praktisch ohne Verkehr, da gibt es oft über lange Strecken kein Dorf und überhaupt keine Polizeikontrollen. Also lass ichs krachen.

Diese Etappe, 600 km durch das zentralanatolische Hochland, ist für den Touristen faszinierend, aber bei Lichte besehen öde. Aussterbende Dörfer, verfallende Lehmhäuser, neun Stunden Schafe, Steine, Sand, Staub, Steppe, Salzsee, bis ich endlich mein Tagesziel, Aksaray, erreiche.

Man glaubt es kaum, in der Stadt hält mich ein Polizist an, nur um mir mitzuteilen, dass der VFB Stuttgart gerade Champion geworden ist. Der junge Mann spricht Deutsch mit starkem schwäbischen Einschlag, und er freut sich so sehr wie ich.

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Reisebericht: Gregors Motorradreise um das Schwarze Meer

20.5.2006 – Istanbul

[ Karte ] Ich nähere mich Istanbul. Die Stadt ist endlos. Schon 100 km vor der eigentlichen Stadtgrenze sind alle Dörfer und Kleinstädte zu einer lückenlosen Megalopolis zusammengewuchert. Der Verkehr ist der Alptraum. Auf drei Fahrspuren drängeln sich bis zu 5 Kolonnen Autos nebeneinander, die Spuren werden nach Belieben und unberechenbar gewechselt, die Beschilderung ist schlecht, das Tempo wechselt zwischen viel zu schnell und Stillstand im Stau.

Obwohl rechts der Route das Marmarameer ist, sieht man es viel zu selten um bei der Navigation eine echte Hilfe zu sein. Ich orientiere mich notdürftig am Sonnenstand und versuche auf der Hauptstraße zu bleiben. Als mich ein Taxi mit hohem Tempo überholt, kommt mir die rettende Idee: Ich hänge mich einfach an das Taxi dran und schwimme im gleichen Tempo mit. Solange meine Richtung relativ zum Sonnenstand gleich bleibt, wird er mich schon ins Zentrum führen, denke ich. Und es funktioniert, fünfzig Kilometer fahre ich hinter ihm her. Als er schließlich in eine Seitenstraße abbiegt, bin ich bereits nahe dem Zentrum der Stadt.

Ich besorge mir beim ersten besten Luxushotel an der Lobby einen Stadtplan und navigiere mich damit auf eigene Faust weiter Richtung Eminönü, dem historischen Zentrum der Stadt, direkt am Goldenen Horn gelegen. Ich lande im Laleli Viertel, als Verkaufszentrum von Leder und Pelzwaren und wegen seiner billigen Hotels bekannt. Von hier ist es nur ein paar Minuten Fußmarsch zu den touristischen Sahnestückchen der Stadt, wie Hagia Sofia, Sultan Ahmet (Blaue) Moschee, Basar, Galata Brücke.

Das Hotel ist in der Tat preiswert, aber es gibt keinen Parkplatz für mein Mopped, zumindest keinen sicheren. Der Mann am Hotelempfang überlegt nicht lange, ruft 4 kräftige Kerle zu Hilfe, und schon steht mein schweres Ross in der Hotel-Lobby, sicher wie in Abrahams Schoß.

Endlich krieg ich spät abends in einem der Restaurants unter der Galata-Brücke mein wohlverdientes, kühles Bier.

Ich war mal in den 70er Jahren hier, da war diese Brücke eine touristisches Juwel. Sie war ein filigranes Gebilde, ein Meisterwerk aus Eisen und Holz, nicht auf Pfeilern gebaut, sondern auf Pontons schwimmend. Die Räume unter der Fahrbahn waren mit hunderten, teils sehr billigen Kneipen belegt. Nirgends war das alte Istanbul authentischer.

Die Stadt trug Trauer, als die Brücke nach einem mysteriösen Brand 1992 durch eine moderne, funktionelle aber schmucklose Betonkonstruktion ersetzt wurde. Bis 2002 hat es gedauert, bis man unter der Brücke wieder Restaurants eröffnete. Diese Restaurants sind allerdings zeitgemäß clean und cool, nur einen Schatten der Unterwelt der alten Brücke .

Ich sitze also bei meinem Bier in einem Restaurant unter der Brücke. Plötzlich gehen alle Lichter aus. Notstromaggregate laufen an, eins nach dem Anderen. Schummriges Notlicht wird eingeschaltet, aber die Musikbeschallung bleibt aus, eine faszinierende (relative) Stille umgibt mich, hier mitten in der City. Drüben auf Eminönü gibt es keinen Stromausfall, und so kommt mir der Lautsprecher auf dem Minarett, dessen Singsang zum Gebet ruft, so laut vor wie Pink Floyd im Olympiastadion.

Auf dem Heimweg zum Hotel komme ich an Straßenhändlern aus aller Welt vorbei. Zwei besonders attraktive Kerle aus Usbekistan und Kasachstan verkaufen Fellmützen und Schafspelzjacken. Wer so was jetzt, zum Beginn des Sommers braucht, ist mir nicht klar.

Spät am Abend geh ich noch mal ins Internet Cafe. Aus irgendeinem Grunde nehm ich die Taschenlampe mit. Das war eine gute Idee, denn nach 15 Minuten Surfen, peng, ist auch hier der Strom weg. Alles ist stockfinster, auch die Straßen. In den Restaurants und Geschäften brennen Kerzen. Aber nach wenigen Minuten gehen einzelne Lichter wieder an. Überall surren private Stromgeneratoren, es duftet nach Zweitaktmotor. Anscheinend ist man hier Stromausfälle gewohnt.

21.5.2006 – Istanbul

Leider ist heute, am Sonntag, der große Basar geschlossen, aber der ist sowieso nur eine Touristenfalle, tröste ich mich. Ich verbringe stattdessen eine Stunde bei der blauen Moschee, und knipse Leute.

Die Straßenhändler sind nervig. Überall lungern Schlepper rum und verwickeln mich ins Gespräch, woher kommst du, darf ich dir die Moschee zeigen, und hier ist mein Laden, da hab ich günstig schöne Teppiche… Ich hab mir angewöhnt, jeden Schlepperversuch im Keime zu ersticken: „Vergeuden Sie nicht Ihre Zeit, ich kaufe nichts“. Freundlich, aber laut und bestimmt.

Ich mache die übliche Touristenrunde, Sultan Ahmet Moschee, Hagia Sofia, Galata-Brücke, Galata-Turm. Bis mir die Füße wehtun und ich mich deshalb zum Mittagessen hinsetzten muss. Die einfachen Garküchen („Lokanta“) sind exzellent, z.B. Reis, Hähnchen, Gemüseeintopf, Wasser, alles zusammen für 3 EUR.

Am Nachmittag flaniere ich durch das Restaurantviertel „Tarihi Kumkapi Balik Restorantlari“. Hier darf kein Auto fahren oder parken, dafür haben Dutzende von Restaurants auf der Straße ihre Tische gedeckt. In diesen zwei, drei Gassen, insgesamt nur paar hundert Meter lang, können wohl einige tausend Gäste zugleich Platz finden. Überall gibt es zur Unterhaltung der Gäste Gesang und Musik auf traditionellen Instrumenten. Hier gefällt es mir. In einem Teehaus gesellt sich eine Gruppe von Zigeunermusikern, Tarik, Mustafa, Mümin und Mehmet, zu mir, spielen mir was auf der Oud vor, und diskutieren mit großer Sachkenntnis mit mir über alle Weltmusik von Jazz bis Flamenco.

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Reisebericht: Gregors Motorradreise um die Ägäis

Türkei
26.Mai – 20. Juni 2003
6.6.2003 – Edirne

Die Grenzformalitäten zur Türkei sind wieder mal skurril. Mindestens 5 mal Papiere zeigen, zahlen, stempeln lassen, Formular ausfüllen, etc. Horden von Menschen sind hier im Dienst, alles ohne viel erkennbaren Sinn und Zweck. Es geht einigermaßen fix, aber ich möchte nicht wissen, wie es in der Hauptsaison zugeht, wenn hier die Warteschlangen in der Hitze schmoren.

Edirne

10 km nach der Grenze kommt Edirne. Ich hatte von einer Grenzstadt nicht viel erwartet, drum war die Überraschung umso größer. Eigentlich wollte ich hier nur eine Landkarte kaufen, aber die Stadt nimmt sofort gefangen. Kein Wunder, war doch Edirne Jahrhunderte lang die zweite Hauptstadt des osmanischen Reiches. Dutzende von Minaretten, Basare, Geschäfte, und adrette, freundliche Leute. Dann stolpere ich noch ins Hotel „Kervansaray“, ehemals eine ottomanische Karavanserei, wie der Name schon sagt. Es ist ein 2-stöckiger Arkadenbau mit einem großen, kühlen, ruhigen Innenhof, ähnlich dem Innenkreuzgang eines Klosters. Im oberen Stockwerk unter den Arkaden sind die Zimmer, hinter dicken Wänden, mit kleinen Fenstern und Blick auf den Park.

Edirne gilt als eine der am besten erhaltenen Ottomanischen Städte. Ich besuche zwei Moscheen in der Innenstadt, die alte Moschee im Stadtzentrum, und die berühmte Moschee des Kalifen Selim, fertiggestellt 1575. Letztere ist ein Kuppelbau von absolut beeindruckenden Ausmaßen, mit einer zentralen Rundkuppel auf vier massiven Säulen.

Die Straßencafes sind voll. Cola, Tee, Wasser, Eiskrem – aber niemand trinkt Bier. Das ist im Straßencafe verboten, erfahre ich später.

Die Nacht verläuft etwas unruhig, aber wir sind schließlich in der Innenstadt, mitten zwischen den Parkcafes, dem Basar, dem Taxihalteplatz und ein paar Hauptstraßen.

7.6. 2003, Kücükkuyu

Die ersten 200 km nach Edirne sind flaches, grünes, offensichtlich fruchtbares Ackerland, mit wenigen Dörfern, wenig Menschen. Es zieht sich, die Entfernungen sind größer als ich in meiner Naivität angenommen habe.

Ab Kesan wird’s hügelig, kurz danach kommt das Meer in Sicht. Bei Kadiköy fahre ich an ein Stranddorf, aber statt mediterranem Remmidemmi ist dort nur ein Kuhdorf und ein paar Fischerboote am naturbelassenen Flachstrand. Das Wasser ist lehmig braun. Ich trinke ein Glas Coke im Dorfcafe, wasche das Helmvisier, und weiter geht’s.

Dann kommen die Dardanellen, die Meerenge, die das Marmara- mit dem Mittelmeer verbindet. Die nächsten 80 km bis Eceabat sind sensationell. Gut ausgebaut, kurvig, mit blühendem Ginster am Straßenrand, und ständigem Blick auf die Dardanellen. In Eceabat muss ich 45 Minuten auf die Fähre warten. Das Ticket kostet 1,30 EUR. Zeit für ein gutes Mittagessen.

Auf der Fähre sind jede Menge Busse und Kids, es ist schließlich Samstag. Die Kids kommen aus Istanbul und machen einen Schulausflug nach Troja, und sie probieren ihr Schulenglisch an mir aus. Die Fähre erreicht nach 30 Minuten das kleinasiatische Ufer in Canakkale. Die Stadt ist wie viele Hafenstädte dieser Welt, der Sinn und Zweck dieses Ortes ist „nix wie weg“.

In der Nähe, 15 km südwestlich, liegt Troja, wo mich ein Dutzend Souvenirshops, Restaurants, brüllende Hitze, und eine der berühmtesten Ausgrabungen des Landes erwarten.

Etwa weitere 100km südwestlich stoße ich wieder auf die Küste und mache Halt in Kücükkuyu. Ein verschlafenes Fischer- und Olivenbauerndorf. Am Hafen gibt es ein halbes Dutzend Tavernen mit ausschließlich einheimischen Touristen. Im Restaurant Eylüö gibt es gutes Essen mit Live-Entertainment, ein Späthippie singt alle Weltschlager, bis eine türkische Kundin einstimmt, und die ist richtig gut. Der Chef, Saffet, war als junger Mann in Deutschland, hat jede Menge nützliche Informationen für meine weitere Reise und unterhält mich blendend. Nach dem dritten Raki verabschiede ich mich in die wohlverdiente Nachtruhe.

8.6.2003 – von Kücükkuyu nach Bergama

Das Frühstück und das Bad im Meer wirken nur langsam, ich leide noch an den drei Raki von gestern Abend. Erst um 11:30 Uhr komme ich los. Beim Packen ist der linke Spiegel abgefallen, einfach so. Der Bruch war wohl schon lange im Entstehen. Ohne diesen Rückspiegel fährt sich’s gar nicht gut, da muss schnellstens Ersatz her, aber das wird wohl erst in Izmir gehen.

Es ist unheimlich heiß, schon nach wenigen Kilometern muss das Leder weg, sonst erleide ich den Hitzetod. Über 35°, schätze ich. Schnell zeigt sich, dass Kücükkuyu nicht nur die verträumte Oase ist als die sie sich gestern am Hafen darbot, sondern der Anfang vom Business an diesem Küstenstrich. Es gibt hier Hunderte von Ferienhaussiedlungen, verstaubte Dörfer, die in der Metamorphose zur Touri-Industriestadt sind. Nicht so doll.

Nach Armutova beschließe ich, die Schnellstraße an der Küste zu verlassen. Über die Berge führt eine Nebenstraße über Kozak 60 km nach Bergama – das ist was für mich.

Es fängt gut an. Kein Verkehr, leidlich gute Straße in schöner Hügellandschaft. Nach der halben Strecke wird’s jedoch kriminell, die Straße ist flüssig von der Hitze, als hätte es Teer geregnet. Nach 10 km, im bergigen, kurvenreichen Teil, kommt „Linderung“, da haben die massenhaft Sand gestreut, wohl um den Teer zu binden. Kurven und Sand – Prost Mahlzeit. Ich bewege mich mit weniger als 30 KM/h fort. Und das ist gut so. Bei Kozak biegt ein Verrückter volles Rohr unmittelbar vor mir aus einem Waldweg in meine Fahrbahn ein. Ich entgehe nur mit viel Glück einem Sturz oder einer Kollision. Hitze, Teer, Sand, Spiegel fehlt, und Kameltreiber am Steuer, mein Kopf brummt und die Stimmung könnte besser sein.

Bergama

In Bergama (das antike Pergamon) habe ich genug und steige in der Pension „Böblingen“ ab. Ich besuche die örtlichen, berühmten Sehenswürdigkeiten, soweit ich bei der Hitze die Motivation dafür aufbringen kann. Der spektakulärste Fund, zum Beispiel der Zeus-Altar aus der Akropolis von Pergamon, ist seit 130 Jahren sowieso nicht mehr hier zu besichtigen, dazu muss man nach Berlin in das gleichnamige Museum fahren.

Heute ist in der Innenstadt beim Fußballstadion großes Volksfest mit Markt. Ich lasse mich zwischen tausenden von Menschen durchschubsen. Anscheinend wird dieses Volksfest stark von Leuten aus der konservativ ländlichen Umgebung frequentiert, fast alle Frauen tragen Kopftücher.

9.6.2003 – Izmir und Cesme

Nach dem Frühstück fahre ich mit dem Pensionswirt zu dessen Schwager’s Autowerkstatt. Dort wird für meinen abgebrochenen Rückspiegel geschwind ein neuer Gewindebolzen gedreht und angeschweißt. Passt wie neu. Um 11 Uhr bin ich wieder on the Road, Richtung Izmir.

Izmir

Izmir erinnert mich an Saloniki, viel Verkehr und statt einer Uferpromenade nur eine Schnellverkehrsstraße. Aber ich will nicht meckern, ich habe Izmir nicht wirklich gesehen. Die Zeit beginnt mir knapp zu werden, ich muss herausfinden, ob ich von hier irgendwie mit der Fähre nach Piräus komme. Nach langem Telefonieren erfahre ich, dass es eine Fähre von Cesme, 85 km westlich von Izmir, zur griechischen Insel Chios gibt. Ich will zum Fährbüro in Izmir, gerate dabei auf die Stadtautobahn nach Südwesten, finde keine Gelegenheit zum Wenden oder zur Ausfahrt. Bevor ich mich’s versehe, bin ich bereits 15 km außerhalb der Stadt. Jetzt mag ich nicht mehr zurück, die Sehenswürdigkeiten von Izmir hab ich wohl verpasst. Ich bin sicher, dass ein Aufenthalt von mindestens einem Tag mir durchaus die Reize dieser Stadt erschlossen hätte. Ein andermal vielleicht.

Cesme

Cesme ist ein kleines, gemütliches Hafennest, mit einem Kastell, einer hübschen Altstadt, netten Restaurants und der Gemächlichkeit der Vorsaison. Am Fährbüro treffe ich zwei Gold Wings aus Waiblingen, das sind die ersten Motorradtouristen meiner ganzen Reise bisher. Wir essen zusammen und reden Reise und Benzin. Wir finden eine Pension für 4,50 EUR pro Person, spottbillig und noch nicht mal schlecht.

10.6.2003 – von Cesme nach Chios

Morgens um 9:30 geht die Fähre. Einer der Wing-Reiter hat das Zollformular für seine Maschine verloren, das bringt für ihn schlimme Komplikationen. Er muss zum Zollamt, den Verlust melden, und die genaue Zeit und den Ort der Einreise angeben, damit die Zöllner von dort eine Kopie der Einfuhrdokumente per Fax anfordern können. Die Prozedur dauert 6 Stunden und kostet 90 EUR, also verpasst er die Fähre nach Chios. Schlimmer noch, er ist kein EU-Bürger und braucht ein Visum für die Türkei, aber das läuft heute ab, also muss er wegen der verpassten Fähre wahrscheinlich auch noch irgendwie sein Visum verlängern.

So leid es mir tut, muss ich den Unglücksraben seinen Problemen überlassen und fahre allein nach Chios los.

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