Wissenschaft weicht religiösem Dogma in der Türkei

Von Ferruh Demirmen 

Die jüngste Zensur der Darwin-Geschichte im „Science and Technology Journal“, herausgegeben vom Wissenschafts- und Technologieforschungsrat (Tübitak) der Türkei, sorgte in der Wissenschaftsgemeinschaft in der Türkei und darüber hinaus für Bestürzung. Tübitak ist die führende Regierungsbehörde, die gegründet wurde, um Wissenschaft und Technologie in der Türkei voranzubringen. Die Zensur, das erste Mal ihrer Art in Tübitaks 46-jähriger Geschichte, war ein Ereignis, das jede respektvolle wissenschaftliche Organisation beschämen würde. 

Die Entstehung eines Skandals 

Die Veranstaltung begann unschuldig genug, als der Chefredakteur der Zeitschrift, Dr.  Çiğdem Atakuman, beschloss, Charles Darwins 200.Geburtstag zu gedenken, indem er in seiner Märzausgabe eine 16-seitige Cover-Story über das Leben des Wissenschaftlers und seine Evolutionstheorie veröffentlichte.  Die UNESCO, die Organisation der Vereinten Nationen für Wissenschaft und Kultur im Bildungsbereich, hatte 2009 zum Jahr des Darwin erklärt. 

Mit dem in Tübitak etablierten Protokoll hatte Atakuman die Befugnis, über den Inhalt der Zeitschrift zu entscheiden. Aber als Prof. Dr. Ömer Cebeci, Vizepräsident und Mitglied des Wissenschaftsrates, den Darwin-Artikel in der Presse erfuhr, wurden der Artikel und das Foto von Darwin auf dem Deckblatt zwangsläufig entfernt. Eine überarbeitete März-Ausgabe, fehlende 16 Seiten und eine Woche zu spät, wurde herausgegeben, und Atakuman wurde mündlich aus ihrer redaktionellen Position gefeuert („neu zugewiesen“). Das Deckblatt wurde durch eines ersetzt, das sich mit dem globalen Klimawandel befasst. Was Tübitak nicht realisierte, war, dass seine Handlungen ein Rezept für einen Skandal waren. 

Verurteilung 

Die Reaktion von verschiedenen Seiten in der Türkei und im Ausland war schnell. Wissenschaftler und Studenten verschiedener türkischer Universitäten versammelten sich vor dem Tübitak-Gebäude in Ankara, um gegen die Zensur zu protestieren. Inmitten der Forderungen nach dem Rücktritt des Wissenschaftsrates verurteilten andere Wissenschaftler, Journalisten, Nichtregierungsorganisationen und Oppositionspolitiker Tübitaks Vorgehen. 

Die türkischen Medien berichteten ausführlich über den Vorfall, und Zeitungen im Ausland belasteten den Vorfall. Tübitak geriet in einen Sturm, den er nicht erwartet hatte. Besorgnis erregende Stimmen kamen von der Royal Society in London, der  American  Association  for  the Advancement of Science (AAAS), der Federation of American Scientists (FAS), EU-Politikern und anderen ausländischen Quellen. Blogger haben keine Zeit im Internet verschwendet, um zu läuten. Wissenschaft versus Dogma. Was im Kern dieser Kritik lag, und das zu Recht, war, dass die Wissenschaft dem Diktat des religiösen Dogmas unterworfen wurde. 

Darwins Evolutionstheorie, obwohl sie einen der Bausteine der modernen Wissenschaft bildet, ist unvereinbar mit dem islamischen Glauben, dass der Mensch von Gott erschaffen wurde. Daten deuten darauf hin, dass nur 25 Prozent der Türken an die Evolution glauben, einige, einschließlich des Bildungsministers Hüseyin Çelik, der sie mit dem Atheismus in Verbindung bringt. Türkische Theologen lehnen im Allgemeinen die Idee, dass der Mensch aus niederen Wesen entwickelt. Es gibt natürlich ein ähnliches Dilemma mit dem christlichen und dem jüdischen Glauben, aber im türkischen Fall standen islamische Lehren der Evolutionswissenschaft nie im Wege. Die Akademiker und Wissenschaftler schafften es, Evolution und islamischen Glauben zu trennen oder in Einklang zu bringen, und die Regierung mischte sich nicht ein. Sie waren frei zu praktizieren und lehren Wissenschaft einschließlich der Theorie der Evolution. Das entsprach dem säkularen Gefüge der Republik, wie es von Kemal Atatürk geschaffen wurde. 

Tübitak selbst hat Darwin in der Vergangenheit mehrmals in seinem Tagebuch erwähnt, und die Veranstaltung verlief ohne Zwischenfälle. 

Islamischer Wind 

Die Umstellung in Tübitaks Haltung zur Wissenschaft, insbesondere zur Evolutionstheorie, ist kein Zufall. Nachdem die regierende Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) im November 2002 an die Macht gekommen ist, hat die Regierung eine unermüdliche Kampagne unternommen, um die weltliche Bildung in der Türkei zu untergraben.

Elemente des Islam wurden in verschiedenen Graden in das Bildungssystem injiziert, und religiöse Schulen wurden gefördert. Die Evolution wurde zugunsten des Kreationismus in den zweiten Status verbannt. Die Regierung hat ihre islamische Politik durch Gesetze, Vorschriften und parteipolitische Ernennungen (in einigen Fällen in „Handlungsfähigkeit“) umgesetzt. 

Das Ergebnis ist ein stark politisiertes Bildungssystem von unten nach oben, einschließlich des Hochschulrats (YÖK). Die Verschiebung in Tübitak ist Teil dieses Politisierungs-prozesses. Ab Januar 2004, als der derzeitige Präsident des Wissenschaftsrates, Prof. Dr. Nüket Yetiş, in amtierender Funktion ernannt wurde, traten die meisten Mitglieder der höheren Verwaltung zurück oder wurden aus dem Amt gedrängt. Im August 2008 wurden Änderungen an der Charta von Tübitak vorgenommen, die der Regierung eine wesentliche Kontrolle über die Institution verschafften. Ebenfalls im August 2008 wurde Yetiş, dessen Ernennung zuvor von Präsident Ahmet Necdet Sezer abgelehnt worden war, von Präsident Abdullah Gül zum Präsidenten von Tübitak ernannt. Yetiş hat, Berichten zufolge, Verbindungen zu Islamisten. Von den 12 Mitgliedern des Wissenschaftsrates erhielten 10 ihre  Ernennungen während  der AKP-Regierung. Im Mittelpunkt des Darwin-Skandals stand also der politische Druck der AKP. 

Schadenskontrolle 

Um der Verlegenheit abzuhelfen, gab Tübitak eine Erklärung ab, in der er die Zensur des Darwin-Artikels leugnete und den Vorfall auf „Missverständnisse“ zurückführte. Es hieß, es würde eine Sonderausgabe des Magazins später im Jahr 2009 geben, die Darwin behandelt. Eine von Atakuman als Antwort herausgegebene Pressemitteilung, die ausführlich über die Ereignisse berichtete, ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass eine Zensur stattgefunden hatte. Atakuman bemerkte, dass sie nach dem Vorfall von Cebeci, ihrem Chef, in seinem Büro wegen Verfolgung eines „provokanten“ Subjekts in einem „sensiblen Umfeld“ – also der AKP-Herrschaft – getadelt wurde. Tübitak wäre schwer zu erklären, warum der Darwin-Artikel provokativ war. 

Von Kritik geplagt, behauptete die Regierung, trotz ihres bekannten Widerstands gegen die Evolution, sie habe bei dem Vorfall keine Rolle gespielt. Überraschenderweise – und vielleicht auch nicht überraschend – weigerte sich YÖK, der Hochschulrat, zu kommen-tieren. 

Mehr Auswirkungen 

Am beunruhigendsten an dem Vorfall in Darwin ist, dass er unabhängiges Denken stören und die Wissenschaft in der Türkei behindern könnte. Die Wissenschaft kann nur voran-kommen, wenn sie frei von Ideologie und religiösem Dogma ist. Darwins Evolutions-theorie ist ein integraler Bestandteil der Wissenschaft, und sie muss ohne Einmischung von außen verbreitet, argumentiert und erforscht werden. Tübitak sollte solche Bemühungen fördern, nicht behindern. Es überrascht nicht, dass Prof. Dr. Tahsin Yeşildere, Leiter der Vereinigung für Universitätsdozenten, kommentierte, dass „die türkische Wissenschaft in den Händen anachronistischer Gehirne liegt, die sie verachten“, während Lord Martin Rees, Präsident der Royal Society, den Darwin-Vorfall als ein Beispiel für „kulturelle Korruption und… intellektuelle Unehrlichkeit“ bezeichnete. Es ist auch keine Überraschung, dass einige EU-Politiker ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht und darauf hingewiesen haben, dass der Vorfall eine eklatante Verletzung der Gedanken-freiheit und der wissenschaftlichen Unabhängigkeit darstellt. Le Monde kommentierte, dass islamische Gruppen in der Türkei Krieg gegen Darwin führen. 

Die Aussicht der Türkei auf einen EU-Beitritt, die ohnehin schon wackelig ist, wird zweifel-los beeinträchtigt werden. Ironisch und beunruhigend ist auch, dass die Darwin-Zensur in einem Land stattgefunden hat, das von Atatürks Vision profitiert hatte. Atatürk bemerkte eloquent, dass „die Wissenschaft der wahre Führer im Leben ist“. 

Ein beunruhigender Gedanke 

Es ist 84 Jahre her, dass Amerika seinen bizarren „Scopes Trial“ („Monkey Trial“) vor einem Gericht in Tennessee hatte. Der Prozess wurde von einigen als ein titanischer Kampf zwischen Gut und Böse dargestellt, obwohl es in Wirklichkeit um Wahrheit und Ignoranz oder um Licht und Dunkelheit ging. Ist es möglich, dass die Türkei bald einen eigenen „Scopes Trial“ hat? Das wäre sehr bedauerlich. Aber wenn sich die AKP mit ihrer islamischen Agenda weiter in die Wissenschaft einmischt, kann es dazu kommen. 

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Übersetzung: Dr. -Ing. M. Yavuz Dedegil
Source: https://www.turkishnews.com/en/content/2009/03/17/science-gives-way-to-religious-dogma-in-turkey/

Istanbul nach 1933

Die Metropole am Bosporus avancierte für viele Fliehende in den 1930ern zu einer wichtigen, wenn auch oft vergessenen, Transit- und Zufluchtsstadt. Als Verbindungsstelle zum asiatischen Kontinent spielte Istanbul eine besondere Rolle für viele Jüdinnen:Juden auf dem Weg in das britische Mandatsgebiet Palästina. Doch der steigende Emigrationsdruck auf von Nationalsozialist:innen Verfolgte traf auch auf nationalistische Eigeninteressen der noch jungen Republik Türkei, die die Einwanderung eines Teils der vertriebenen intellektuellen Elite zur Unterstützung ihres Modernisierungsprogramms durchaus willkommen hieß und gar förderte. Diese Synergie verwandelte Istanbul in ein Rettungszentrum – wenn auch für viele unter Vorbehalt.

Heute wird dieses Kapitel der Fluchtmigration teilweise als Sternstunde humanitärer Aufnahmepolitik, teilweise als entscheidende Phase des türkisch-nationalistischen Modernisierungsprogramms, teilweise als Übergriff mit orientalistischen und kolonialen Motiven, aber vor allem gar nicht erinnert. Wenn ja, wird es vor allem mit Vertretern der deutschen Elite gleichgesetzt. Doch lässt sich die Fluchtmigration auf diese Elite durchaus nicht begrenzen. Die Geflüchtetengemeinschaft war ethnisch heterogen und repräsentierte alle gesellschaftlichen Klassen. Sie fügte sich in Istanbul in eine jahrhundertealte Geschichte der Migration und wurde immer mehr zum Spielball der intensiven deutsch-türkischen Beziehungen.

Als im Laufe der Jahre um die 1000 exilierte Wissenschaftler:innen und ihre Familien aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die Türkei kamen, war die Republik erst zehn Jahre alt. Im Oktober 1923 rief Mustafa Kemal, der ab 1935 den Beinamen Atatürk – Vater der Türken – erhielt, die Republik aus. Als ihr erster Präsident setzte er einen Modernisierungskurs radikal um. Zu der nach ihm benannten kemalistischen Politik gehörte ein kompromissloser Laizismus, das Streben nach einer „einheitlichen türkischen Nation“ – auf Kosten der im türkischen Staatsgebiet lebenden Minderheiten –, die Einführung eines auf lateinischen Lettern basierendem türkischen Alphabets und die Umstrukturierung des Bildungswesens nach europäischem Vorbild. Durch Letzteres sollte eine neue Generation türkischer Verantwortungsträger:innen herangezogen werden, die die Umstrukturierung aller Bereiche der türkischen Gesellschaft und des Staatswesens umsetzen sollten.

In bewusster Abgrenzung zur osmanischen Vergangenheit wurde Ankara – und nicht Istanbul – zur Hauptstadt der jungen türkischen Republik erklärt. Allerdings behielt die Metropole Istanbul weiterhin eine zentrale politische, kulturelle und wirtschaftliche Stellung und wurde auch in das Bildungsreformprogramm mit eingebunden: Mit der Gründung der İstanbul Üniversitesi im Rahmen des kemalistischen Modernisierungsprogramms im Jahr 1933 begann die Suche und Anwerbung von Expert:innen seitens der türkischen Regierung.

Die Annahme, dass „Moderne“ am besten aus Europa bzw. dem „Westen“ zu importieren und in die türkische Republik zu kopieren sei, lenkte den Fokus somit auf europäische Fachleute. Zur selben Zeit übernahmen in Deutschland die Nationalsozialist:innen die Macht. Durch das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 wurden Beamte „nicht arischer Abstammung“ aus ihrem Dienst entlassen. Das betraf auch viele Angestellte von Hochschulen, die als Jüdinnen:Juden oder wegen ihrer politischen Haltung entlassen und von den Nationalsozialist:innen verfolgt wurden. Sie suchten händeringend nach Möglichkeiten, der Verfolgung zu entkommen und das Land zu verlassen. Sie wurden dabei von der 1933 gegründeten konfessionsübergreifenden und antirassistischen Selbsthilfeorganisation „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“ unterstützt, die ab 1933 schwerpunktmäßig in die Türkei vermittelte. Diese Synergie aus türkischen Nationalen Interessen und denen der deutschen Emigrant:innen verwandelte Istanbul in ein Rettungszentrum – wenn auch für viele unter Vorbehalt.

Mehr…

https://we-refugees-archive.org/chapters/rettungszentrum-unter-vorbehalt-istanbul-nach-1933/

Kemalismus als Model

Sehr geehrte Damen und Herren von den Medien und Politik,

ich möchte Sie bitten, diesen Beitrag von mir, unter anderem auch unter dem Gesichtspunkt der Integrationspolitik, zu lesen und zu bewerten. Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Hakki Keskin, Politikwissenschaftler, ehem. MdB, www.keskin.de 5.10. 9. 2018

Kemalismus als Modell gegen die Instrumentalisierung der Religion

Um die Bedeutung von Mustafa Kemal Atatürk für die Republik Türkei zu verstehen, braucht es einen Überblick auf dessen Wirkung und Grundgedanken, die als Kemalismus bezeichnet wird.

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg des Osmanischen Reiches – das Reich war als Verbündeter des Deutschen Kaiserreichs in den Krieg hineingezogen worden – wurde die heutige Türkei von den Siegermächten Großbritannien, Frankreich, Italien und Griechenland okkupiert und in Besatzungszonen aufgeteilt. Der nationale Widerstand gegen diese Besatzung und für die Befreiung des Landes wurde von türkischen Offizieren unter Führung Mustafa Kemals und seinen engsten Gesinnungsfreunden durchgeführt. Sie waren es, die vom 19. Mai 1919 bis zum 9. September 1922, unter der Zuständigkeit der Nationalversammlung der Türkei, in Ankara, gegen die Besatzungsmächte einen siegreichen Befreiungskrieg organisierten und die Unabhängigkeit der Türkei erzielten. Am 29. Oktober 1923 erfolgte die Konstituierung und Ausrufung der Republik Türkei.

Das 624-jährige osmanische Sultanat und das „Şeyhulislam“, eine Art Papsttum der gesamten islamischen Welt, wurden abgeschafft. Die Nationalversammlung der Türkei wählte Mustafa Kemal, später „Atatürk“ (Vater der Türken genannt), das Idol und die Personifikation des Befreiungs- und Unabhängigkeitskampfes, zum ersten türkischen Staatspräsidenten.

Der türkische Befreiungs- und Unabhängigkeitskrieg galt, vor allem gegen imperialistische Mächte, in kolonialisierten Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas als wegweisend und ermutigend. So für Mahatma Gandhi in Indien, für den Kampf Mao Zedongs in China, für Algerien in Nord-Afrika, für Kuba in Lateinamerika. Nicht ohne Grund wird in Schulbüchern Chinas auch heute über Atatürks Befreiungskampf berichtet.

Die Generalversammlung der UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) hat im Jahre 1979, bei der 156 Staaten vertreten waren, einstimmig beschlossen, das 100. Geburtsjahr Mustafa Kemal Atatürks, also 1981, als Gedenkjahr Atatürks zu proklamieren.

Der Leitsatz dieses Beschlusses lautet wie folgt:

„Mustafa Kemal ATATÜRK war – eine überragende Persönlichkeit, die sich um die internationale Völkerverständigung und um den internationalen Frieden bemühte, – ein Revolutionär von großem Format, – der erste Staatsmann, der gegen Kolonialismus und Imperialismus kämpfte, – die Menschenrechte respektierend, – ein Vorkämpfer des Weltfriedens, – ein Staatsmann ohnegleichen, der keinen Unterschied der Farbe, der Religion und der Rasse unter Menschen machte, – der Begründer der modernen Republik Türkei.“

In der Türkei war es unter Führung Atatürks möglich, mit revolutionären Erneuerungen und Reformen die Modernisierung und in maßgeblichen Bereichen die „Euro­päisierung“ des mittelaltermäßig rückständigen Landes, radikal voranzutreiben. Atatürks Ziel war es in seinen Worten, „das Erreichen des zeitgenössischen Niveaus der zivilisierten Welt“, und das so schnell wie möglich. Innerhalb weniger Jahre erfolgte eine radikale Bildungs- und ­ Rechtsreform, die Einführung der lateinischen Schrift, die Trennung von Staat und Religion, die als Laizismus das Fundament der Republik darstellt, die rechtliche Gleichstellung der Frau nebst dem Verbot der Polygamie sowie eine radikale Reformierung der Wirtschaft zur raschen Industrialisierung des finanzpolitischen und wirtschaftlichen unabhängigen Staates.

Atatürks charismatische Persönlichkeit und sein hohes gesellschaftliches Ansehen begünstigten diese Politik des radikalen gesellschaftlichen Wandels. Zweifelsohne konnten die von Atatürk durchgeführten radikalen Umwälzungen und Reformen nur gelingen, weil große Teile der Bevölkerung die ökonomische, gesellschaftliche und bildungsmäßige Rückständigkeit, die letztlich zum Untergang des Osmanischen Reichs geführt hatte, überwinden wollten.

Die Anhänger der Reformen Mustafa Kemal Atatürks, die sich „Kemalisten“ nennen, sehen sich in dieser Tradition der Anfänge der Republik, in der sich die Politiker mit großer Begeisterung für die revolutionäre Erneuerungen und für das Wohl der Bevölkerung eingesetzt haben, ohne sich selbst zu bereichern und ohne in Korruptionsskandale verwickelt zu werden. In ihrer Regierungszeit bis 1950 haben sich die Kemalisten konsequent an diesem Grundsatz orientiert. Die überzeugten Kemalisten kämpfen auch heute gegen Korruption, Vetternwirtschaft und ungerechte Bereicherung der Politiker zu Lasten der Bevölkerung und des Staates.

Allerdings gibt es in den letzten Jahrzehnten auch Politiker, die sich als Kemalisten bezeichnen, die aber in Korruption und Vetternwirtschaft verwickelt sind. Jedoch eine solche Korruption, Vetternwirtschaft und eine ungeheuerliche Bereicherung der unter den Regierungen Erdogans zu Lasten der Bevölkerung und des Staates, hat das Land in ihrer Geschichte noch nicht erlebt.1)

Vor allem die Trennung Staat und Religion, die säkulare Staatsform also, die von Atatürk eingeführt wurde, ist in der islamischen Welt einmalig und für die Erreichung eines demokratischen Rechtsstaates von unverzichtbarer Bedeutung. Laizismus ist in einem Lande, dessen Bevölkerung mehrheitlich muslimisch ist, unverzichtbar. Laizismus ist der Grundstein, auf dem die Republik Türkei erbaut wurde. Für die fundamentalistisch orientierten Islamisten aber auch für den politischen Islam, welche einen theokratischen Staat nach den Geboten der Scharia errichten wollten, wird der Kemalismus als Hauptfeind und größte Hindernis gesehen. Die gegenwärtigen Auseinandersetzungen zwischen der religiös- konservativ orientierten AKP unter Führung von Tayyip Erdoğan und den Kemalisten, sind nur vor diesem Hintergrund begreifbar.

Wenn es heute in rund 50 islamischen Staaten keine echte Demokratie und keinen Rechtssaat gibt, basiert der Hauptgrund darauf, dass in diesen Ländern keine säkulare Staatsform besteht. Daher stellt der Laizismus die Grundvoraussetzung für Demokratie und Rechtsstaat vor allem in den islamischen Ländern dar.

Viele Intellektuelle in der westlichen Welt, dies ist meine Beobachtung, unterschätzen leider diese unverzichtbare Bedeutung des Laizismus, gerade bevölkerungsmäßig islamischen Staaten. Im Gegensatz zum Christentum, gehen die Aufstände und an manchen Orten auch die Kriege für einen, nach eigenen Religionsvorstellungen geformten Religion Staat weiter, wie wir dies in Afghanistan, in Pakistan, im İrak, in Syrien und an vielen Orten der Welt beobachten können.

In Deutschland und in Europa haben wir namentlich politische Parteien, die sich „christlich“ nennen. Keine dieser christlichen Parteien fordern oder kämpfen jedoch für eine verfassungsmäßig verankerte Staatsform, nach christlicher Religion des Mittelalters. Diesen fundamentalen Unterschied sollten die Intellektuellen und Politikerinnen/er in Europa und in Deutschland nicht außer Acht lassen.

Die Partei Erdoğans und er selbst, die das Land nun mehr seit 16 Jahren regieren, haben seit ihrer Machtergreifung die kemalistisch und sozialdemokratisch orientierte „Republikanische Volkspartei“ (CHP) als eine Partei propagiert, welche die Demokratisierung verhindere und gegen den EU-Beitritt gerichtet sei. Dies habe ich persönlich als Abgeordneter des Bundestages von manchen deutschen Politikerinnen und Politikern erfahren.

Es waren doch gerade Atatürk und seine Mitstreiter, die eine klare Westorientierung der Türkei seit ihrer Gründung 1923 zu ihrem Grundziel erklärten und mit eingeleiteten radikalen Reformen auch in die Tat umsetzten.2)

Die von Atatürk gegründete Partei, die Republikanische Volkspartei (CHP), hat eine umfassende Publikation herausgegeben mit der Überschrift: „EU-Beitritt ja, privilegierte Partnerschaft nein“. Genau darum geht es den Sozialdemokraten und Kemalisten: Sie wollen, dass die Türkei gleich behandelt wird mit allen aufgenommenen und aufzunehmenden Ländern. Sie sind gegen jegliche Form der Ungleichbehandlung und Diskriminierung der Türken. Was soll daran nicht richtig sein?

Es sind die kemalistisch orientierten Intellektuellen, Wissenschaftler, Journalisten, Künstler, Richter, Lehrer, Ärzte und Offiziere, die seit Jahrzehnten unermüdlich für die radikalen demokratischen Reformen eintreten und diese unnachgiebig fordern.

Die Ideen von Atatürk dürfen jedoch nicht statisch verstanden und als unantastbar tabuisiert werden. Sie sind vielmehr dynamisch, als sich ständig erneuernde Überlegungen zu interpretieren.

Sie sind konsequente Verteidiger des Laizismus. „Die Türkei ist ein demokratischer, laizistischer und sozialer Rechtsstaat.“ So lautet der Artikel 2 der Verfassung. Dieser Artikel ist unveränderlich und unantastbar.

Die Gewaltenteilung ist eine der großen Errungenschaften der Französischen Revolution. Ohne sie ist – das ist sicherlich unumstritten – eine Demokratie nicht denkbar. Die Judikative hat in allen demokratischen Rechtsstaaten nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, die Legislative und die Exekutive in ihren sämtlichen Handlungen zu kontrollieren. Diese große verfassungsmäßig garantierte Errungenschaft auch in der Türkei, wurde unter Erdoğans „Präsidialsystem“ de facto abgeschafft.

Die Zeitung „Cumhuriyet“ ist so alt wie die Republik Türkei

Die Zeitung Cumhuriyet begann ihre Publikation am 7. Mai 1924, sechs Monate nach der Ausrufung der Republik Türkei. Namensgeber ist Atatürk, Inhaber ist der bekannte Mitkämpfer gegen die Besatzungsmächte und für die Befreiung des Landes Yunus Nadi. Cumhuriyet hat sich seit Ihrer Gründung konsequent als eine unabhängige Tageszeitung und als Verteidigerin der Grundideen Atatürks und der Republik Türkei orientiert.

Nach dem Tode Yunus Nadis übernahm sein Sohn Nadir Nadi die Führung der Zeitung. Mit dem bekannten Kolumnisten İlhan Selçuk, Uğur Mumcu und vielen anderen namhaften Journalisten, blieb diese einflussreiche Tageszeitung ihren Gründungsideen treu. Immer wieder wurden von politisch anders orientierten Kräften und Regierungen, vor allem mit finanzpolitischen Maßnahmen versucht, die Zeitung Cumhuriyet aus ihrer traditionellen Orientierung zu entfernen. Zeitweilig wurde die Leitung der Zeitung entmachtet, so auch die namhaften Journalisten İlhan Selçuk und andere. Daraufhin gingen Auflagen massiv zurück, so dass İlhan Selçuk und sein Team erneut die Leitung der Zeitung übernahmen.

Nach dem Tod von Nadir Nadi wurde 1993 die „Cumhuriyet Stiftung“ gegründet, die dann zum Inhaber der Zeitung wurde.

Bei der Gründung der Stiftung für Cumhuriyet wurde die Grundorientierung für die zu wählende Stiftungsleitung festgelegt. Diese gelten nach wie vie als verbindliche Grundorientierung für Cumhuriyet. Hier die wörtliche Übersetzung dieser Prinzipien.

„1. Die Zeitung Cumhuriyet ist weder Regierungs- noch eine Parteizeitung. 2. Die Zeitung Cunmhuriyet ist Verteidigerin der Republik Türkei und der Demokratie auf wissenschaftlicher Basis. Die Orientierung an Rechtsstaat stellt das Fundament der Zeitungspolitik. 3. Gegen alle Bestrebungen, die die Demokratie beheben wollen, wird Widerstand geleistet und in allen Bereichen für eine echte Demokratie gekämpft. 4. Die Zeitung Cumhuriyet wird sich durch die revolutionären Errungenschaften Atatürks eingeschlagenen Weg, nämlich für Befreiung der Intelligenz von Fanatismus, für Befreiung der Wissenschaft vom religiösen Dogmatismus und für die Akzeptanz des Laizismus durch breite Teile der Bevölkerung einsetzen. Die Zeitung Cumhuriyet akzeptiert die Deklaration für Grundrechte und Freiheiten für Menschen als Verfassung der universalen Demokratie. Die Leitung der Zeitung Cumhuriyet hält an der Grundidee fest, dass die von Atatürk erreichte Unabhängigkeit und Einheit des Landes weiterhin unser Hauptanliegen bleibt. 6. Durch den Befreiungskrieg erkämpfte nationale Grenzen stehen nicht in Disposition. Die Zeitung Cumuriyet ist Verteidigetrin durch den Befreiungskrieg erkämpften nationalen Grenzen des Landes. 7. Diese glorreiche Identität, Prinzipien und Ziele der Zeitung Cumhuriyet haben in langen Jahren in der Gesellschaft Wurzeln geschlagen. Wir sehen es als unsere Verpflichtung und Aufgabe an, die Zeitung Cumhuriyet aufrecht zu erhalten, ohne die Ideen Atatürks Preis zu geben. Wir werden weiterhin der Republik Türkei, der türkischen Bevölkerung und den Lesern von Cumhuriyet treu blieben.“ (Cumhuriyet, 8.9.2018).

Über die jüngste Entwicklung in der traditionellen Tageszeitung Cumhuriyet wurde in deutschen und französischen Medien kritisch berichtet, als die Stiftungsleitung in Folge einer lang anhaltenden Gerichtsentscheidung wechselte. Das Gericht hatte die Wahl vom 18.2.2014 zur Stiftungsleitung annulliert. Die alte Stiftungsleitung legte dagegen Widerspruch ein. Vom Kassationsgerichtshof, als letzte Instanz, wurde am 3.8.2018 die Entscheidung des Gerichtes zur Annullierung der Wahl bestätigt. Am 7.8.2018 erfolgte daraufhin eine neue Wahl für die Stiftungsleitung, diese gewann die jetzige am Kemalismus orientierte Stiftungsleitung. Die neue Stiftungsleitung veröffentlichte die oben zitierten 7 Punkte und erklärte, dass die Zeitung Cumhuriyet sich erneut an diesen traditionellen Grundwerten orientieren wird, woran sich die abgewählte Stiftungsleitung offensichtlich nicht mehr gebunden fühlte.

Ich las die Zeitung Cumhuriyet als Abonnent seit 1968, damals als Student an der FU Berlin. Die Zeitung war immer über die Geschehnisse und Lage in der Türkei, aber auch in der Welt, eine zuverlässige Informationsquelle. Auf der zweiten Seite der Zeitung unter „Ereignisse und Beobachtungen“ erschienen von vielen Wissenschaftlern sehr interessante und wichtige Beiträge, die ich zum Teil auch für meine wissenschaftliche Arbeit habe nutzen können. Auch von mir sind auf dieser Seite eine Reihe Beiträge veröffentlicht worden.

Viele namhafte Kolumnisten und Wissenschaftler, die in Cumhuriyet schrieben, habe ich persönlich kennen- und schätzen gelernt wenn ich in der Türkei war und die Zeitung besuchte. Unter anderem Nadir Nadi, İlhan Selçuk, Uğur Mumcu, Oktay Akbal, Prof. Dr. Muammer Aksoy, Prof. Dr. Ahmet Taner Kışlalı.

Als ich wegen meiner Kritiken über die Lage in der Türkei 1970 von der türkischen Regierung ausgebürgert wurde, damals als Student an der FU (ich gehöre zu den aktiven Mitstreitern der 68er Ereignisse in Berlin), hatte die Zeitung Cumhuriyet und fast alle ihre Kolumnisten meine Ausbürgerung massiv kritisiert. Einer der namhaftesten Journalisten Uğur Mumcu, der auch als Junis in der Universität Ankara lehrte, vertrat mich als Rechtsanwalt und gewann den Prozess gegen meine Ausbürgerung. Erhielt die türkische Staasbürgerschaft zurück, wurde aber nach dem Eingreifen des Militärs 1971 erneut ausgebürgert. Auch gegen diese Ausbürgerung gewann ich den Prozess beim Oberverwaltungsgericht gegen die Regierungen der Türkei.

Wie in meinem persönlichen Fall, war und ist Cumhuriyet immer auf der Seite der ungerecht Behandelten und Benachteiligten in der Türkei. Die Lage in der Türkei wird stets kritisch beobachtet und bewertet. Die Zeitung ist immer anti-imperialistisch, konsequent laizistisch, tritt entschieden immer für Rechtsaat, Demokratie, Presse- und Meinungsfreiheit und für die Rechte der Gewerkschaften ein. Politisch waren und sind die meisten der Kolumnisten der Zeitung Cumhuriyet als linke Sozialdemokraten einzuordnen, wie ich mich auch politisch definiere.

Auch neugewählten Mitglieder der Stiftungsleitung kämpfen mit ihrer Publikationen seit Jahrzehnten für den Demokratie, Rechtsstaat, Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei. Sie sind Kritiker der Politik Erdoğans, so Alev Coskun, Ali Sirmen, Mustafa Balbay, die auch wegen ihrer kritischen Veröffentlichungen unter Haftstrafen erleiden müssten.

Deshalb war und ist die Zeitung immer Zielscheibe der Angriffe der konservativen Regierungen seit den 1950er Jahren. Die beliebtesten und landesweit bekanntesten Kolumnisten und Wissenschaftler, die für diese Zeitung schrieben, wurden in Folge von Attentaten, mit großer Wahrscheinlichkeit von fundamentalistisch gegen den säkularen Staat orientierten Terroristen grausam getötet. So Prof. Dr. Muammer Aksoy, Prof. Dr. Bahriye Üçok, Uğur Mumcu, Prof. Dr. Ahmet Taner Kişlalı. Die versprochene Aufklärung der Regierungen über die Täter blieb bis heute weitestgehend aus.

Weltweit, in Europa und in Deutschland sind hunderte eingetragene Vereine der Türken, vor allem unter dem Namen „Verein zur Förderung der Ideen Atatürks“ aktiv. Die Mitglieder dieser Vereine sind voll und ganz in die Gesellschaften, auch in Deutschland, integriert und treten ganz entschieden für ein friedliches und gleichberechtigtes Leben ein. Ich selbst bin Mitglied dieser Vereine in Hamburg, wo ich 25 Jahre lang als Hochschullehrer tätig war. Ich bin auch Mitglied des Vereins in Berlin-Brandenburg.

Zu meinem großen Erstaunen erhalten dieser Vereine bei ihrer Arbeit keinerlei finanzielle Unterstützung von Behörden und erfahren selten die Aufmerksamkeit der Medien, im Gegensatz zu den Vereinen, die substanziell gegen Integration und säkularem Staat orientiert sind. Ich frage mich, ob diese Haltung der Politiker/innen primär mit anti-imperialistischen Positionen der „Vereine zur Förderung der Ideen Atatürks“ zu erklären ist. Es wäre ehrlich und schön, wenn diese Vereine hierzu eine aufrichtige Erklärung bekämen.

1) Größte Korruptionsskandale in der Geschichte der Türkei, in: Die Politik Erdoğans führt das Land Innen- und Außenpolitisch in die Sackgasse, Hakki Keskin, Hamburg, Oktober 2015.

2) Für fundierte Informationen siehe: Keskin, Hakkı: Die Türkei. Vom Osmanischen Reich zum Nationalstaat, Berlin 1978 (Mein Studium und Dissertation habe ich am Otto-Suhr Institut der FU Berlin abgeschlossen).

Die Ideen von Atatürk dürfen jedoch nicht statisch verstanden und als unantastbar tabuisiert werden. Sie sind vielmehr dynamisch, als sich ständig erneuernde Überlegungen zu interpretieren. Manche Politiker jedoch, die sich auf Kemalismus berufen, verbergen ihre, vor allem an eigenen wirtschaftlichen Interessen und persönlichen Vorteilen orientierte Politik, unter dem Deckmantel des „Kemalismus“.

Der heiße Draht des Islamverbands DITIB ins Schulministerium

Artikel in der Online-Ausgabe der Welt vom 28.05.2021

„Der heiße Draht des Islamverbands DITIB in Schulministerium“

                                                                                                      Lübeck,  7. Juni 2021

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident LASCHET,
sehr geehrte Frau Ministerin GEBAUER ,

mit Entsetzen haben wir in der Online Ausgabe der Welt vom 28.Mai 2021 von Lennart Pfahler mit dem Titel „Der heiße Draht des Islamverbands DITIB ins Schulministerium“ gelesen.

 Der Artikel hat drei Ziele:

1.      Er möchte den Ministerpräsidenten Armin Laschet in der Wahlkampfhase treffen und schwächen – und ihn als „Türken-Armin“ stigmatisieren.

2. Er möchte die Landesregierung und Frau Ministerin Yvonne Gebauer treffen.

3. Er möchte hochqualifizierte türkischstämmige Personen des öffentlichen Lebens treffen, die als Brückenbauer und ausgleichende Kraft wirken.    

Hier wird mit falschen Fakten und Andeutungen versucht, insbesondere bestimmten rechtspopulistischen Kreisen das Handtuch zu reichen.  

Diesmal hat es leider Herrn Dr. Ahmet Ünalan getroffen. Er ist ein hochanerkannter und gefragter Wissenschaftler mit Fachkenntnissen über die historischen, soziologischen und politischen Hintergründe beider Länder, nämlich der Türkei und Deutschland. Er ist auch einer der bedeutendsten Experten, wenn es um den Türkischunterricht in NRW geht. Er gehört zu den wenigen Personen, die einen aufrichtigen und konstruktiv – kritischen Integrations- und Islamdiskurs führen und alle Dichotomien zusammenführen.

Offensichtlich sollen Menschen in der Landesregierung mit türkischem Hintergrund getroffen werden. Insofern gilt unsere volle und uneingeschränkte Solidarität mit ihm.   

Lassen Sie es nicht zu, dass Rechtspopulisten und rassistisch motivierte Kreise einen Siegeszug feiern, indem Menschen wie Dr. Ahmet Ünalan „fallen gelassen werden“.

Wir brauchen Menschen wie ihn und zählen auf Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen

Remzi Uysal
Vorsitzender / TÜRGEM e.V. in Lübeck

Türkisch lernen von den Osmanen bis heute

Name/Ad: Karl-Heinz Rüttimann
Email: [email protected]

Comment/Mesajınız: Verlag Karl-Heinz Rüttimann
Hagenbacher Ring 214
D-74523 Schwäbisch Hall
Tel.: 0791/ 9 56 17 49
e-mail: [email protected]

Sehr geehrte Damen und Herren,

Soeben ist erschienen:

Türkisch lernen von den Osmanen bis heute.
Bibliographie mit Anmerkungen, Texten und Abbildungen.
Band I: Von den Anfängen bis zur Schriftreform 1928
von Karl-Heinz Rüttimann
104 Seiten, Spiralbindung. € 29,80
ISBN 978-3-936233-13-1

In der Zeit von etwa 1910 bis 1919 sind zahlreiche Lehrbücher, Grammatiken, Sprachführer und sogar Schriftlehrbücher zur osmanisch-türkischen Sprache erschienen. Der erste Teil des Buches gibt eine systematische Übersicht der Veröffentlichungen dieser Zeit.

Inhaltsverzeichnisse, Zitate aus Vorworten, Lektionsbeispiele und Texte in arabischer bzw. lateinischer Schrift im zweiten Teil zeigen Aufbau und Anlage der damaligen Lehrbücher.

Eine solche Studie hat es noch nicht gegeben!
Interessant für jeden, der sich mit der türkischen Sprache beschäftigt!

Ein zweiter Band für die Zeit nach 1928 ist in Vorbereitung.

Bestellen Sie noch heute ein Exemplar dieser wichtigen Neuerscheinung!
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Bitte liefern Sie mir/uns:

…….Expl.: Türkisch lernen von den Osmanen bis heute. Bd. I € 29,80
ISBN 978-3-936233-13-1
Merken Sie mich bitte für den 2. Band vor: ……
Absender: (Stempel, Unterschrift)

Will Berlins Türkische Gemeinde die Ermordung der Armenier leugnen?

 

Değerli Arkadaşlar,

Berliner Zeitung gazetesinde , Türkler’in Ermeniler’e soykırım yaptığını iddia eden bir yazı çıktı.

Buraya kadar şaşırtıcı değil. Fakat makalenin sonunda da bir oylama var

Lütfen üç dakika zaman ayırarak, yazıyı okuyalım ve yazının sonundaki  oylamaya katılalım.

 „Hat Gunter Schupelius recht?“

sorusundan sonra, soykırım iddialarını reddediyorsak NEIN butonunu tıklayınız. 

armenierfrage

ilgili link söyle:

Will Berlins Türkische Gemeinde die Ermordung der Armenier leugnen?

http://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/will-berlins-tuerkische-gemeinde-die-ermordung-der-armenier-leugnen

Selam ve saygilarla

Dr. Ali Söylemezoglu
Peterstal 18
47051 Duisburg
Mobil: 0172-201 90 87

Tel: +49-203-22 444
Tel: +49-203-66 98 18 07

zu den Ereignissen von 1915 im Osmanischen Reich

Offene Antwort auf das Schreiben von Fatih Akın,

zu den Ereignissen von 1915 im Osmanischen Reich.

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Sehr geehrter Herr Keskin,

Ich bitte Sie darum mich von Ihrem Verteiler zu streichen. Ich kann es nicht länger ertragen Ihre politischen Inhalte auf meinen Account zu erhalten. Ich bezeichne die Ereignisse von 1915 als Völkermord. Mit Ihren politischen Ansichten, die Sie mir immer wieder unaufgefordert schicken, fühle ich mich nach und nach genötigt. Sie haben bestimmt von meinem Film der TheCut gehört oder gelesen. Vielleicht haben Sie auch die eine oder andere Äußerung verfolgt, die ich an die Presse gegeben habe. Ich teile Ihre politischen Ansichten nicht! Ich bitte Sie um Rücksicht.

Danke vielmals.

Fatih Akin                                                         (als E-Mail erhalten, am 9.12.2014)

Sehr geehrter Fatih Akın,

als bekanntester Regisseur und Künstler türkischer Herkunft in Deutschland habe ich Ihre bisherigen Filme mit großem Interesse gesehen. Gerade als Deutschtürke freue ich mich sehr über Ihre Erfolge. Als Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland hatten wir Sie auf unserem Bundeskongress in Hamburg 2004, wie Sie sich sicherlich erinnern werden, wegen Ihrer Filme geehrt.

 

Ihren Film The Cut habe ich noch nicht gesehen, jedoch aus der Presse davon erfahren. Gern werde ich mir den Film ansehen. Sie bezeichnen “die Ereignisse von 1915 als Völkermord” und bitten mich, wegen meiner politischen Ansichten, Sie aus meiner Verteilerliste zu streichen, was ich sofort getan habe. Dennoch erlaube ich mir, Ihnen diesen öffentlichen Brief im Interesse der Wahrheitsfindung zu senden.

 

Wie Sie wissen, über die Bewertung der Ereignisse von 1915, also über die Zwangsumsiedlung von Armeniern aus Ost- und Zentralanatolien nach Syrien –damals Teil des Osmanischen Reiches – wird seit rund 100 Jahren kontrovers geforscht und diskutiert.

 

“Völkermord” oder was die Armenier “Genozid” nennen, bezeichnet laut UNO Konvention von 1948 die spezielle Absicht, auf direkte oder indirekte Weise „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“. Hierbei „muss eine über den Tatvorsatz hinausgehende Absicht vorliegen.” (Die Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als Resolution 260 A (III) am 9. Dezember 1948 beschlossen. Sie trat am 12. Januar 1951 in Kraft.)

Unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg wurden von den Besatzungsmächten Großbritannien und Frankreich, vom 3. Januar 1919 bis 10. August 1921 im

Osmanischen Reich Ermittlungen durchgeführt, um den Prozess gegen angebliche Täter wegen “schlechter Behandlung von Kriegsgefangenen und Massakern gegen Armenier” aufnehmen zu können. 147 politisch Verantwortliche und führende Offiziere des Osmanischen Reiches wurden von England nach Malta deportiert.

 

Insbesondere England als Besatzungsmacht hat alles an Dokumenten, Beschlüssen und Schriftwechseln über die Maßnahmen an Zwangsumsiedlung von Armeniern im Osmanischen Reich in der Hand gehabt. 32 Monate lang wurde die Vorbereitung des Prozesses gegen Inhaftierte in Malta vom Königlichen Staatsanwalt in enger Kooperation des englischen Außen- und Verteidigungsministeriums, des hohen Kommissars und der Botschaft Englands in Istanbul, sogar unter Mitwirkung und Einschaltung des Parlaments Großbritanniens, durchgeführt.

 

Die Königliche Staatsanwalt Großbritanniens kam im Juli 1921 zu folgendem Ergebnis: “Das Beweismaterial und die Informationen, die wir in der Hand haben, legen keine Beweise vor, die Beschuldigten nach einem Zivilgerichts- Prozess zu verurteilen und zu bestrafen.” (Gürkan, U., Die Armenische Frage zu verstehen (Ermeni Sorununu Anlamak, Istanbul 2011, S.78 ff).

 

Der mit großem Elan und Aufwand an Hand sämtlicher aktueller Unterlagen des Osmanischen Reiches, Großbritanniens, Frankreichs und der USA gegen die inhaftierten “Verantwortlichen” wegen “schlechter Behandlung von Kriegsgefangenen und Massakern an Armeniern” geführte Malta-Prozess, endete nach 29 Monaten mit Freispruch. Am 31. Oktober 1921 wurden die Inhaftierten in die Türkei zurückgebracht.

 

Bereits vor dem Malta-Prozess hatte die Führung des Osmanischen Reiches bei den Ländern Dänemark, Schweiz, Schweden, Holland und Spanien, die an dem Ersten Weltkrieg nicht beteiligt waren und daher als neutral galten, um die Gründung eines Gerichts gebeten, um die Vorwürfe des Vergehens gegen Armenier zu untersuchen. Dieser Vorschlag wurde von der Besatzungsmacht Großbritannien abgelehnt.

 

2001, als ich mich mit dem höchst kontroversen Thema um die Ereignisse von 1915  beschäftigte, hatte ich die Idee, dass eine objektive Klärung dieser Frage durch die Gründung einer paritätisch besetzten, gemeinsamen Historiker-Kommission möglich sein könnte. In dieser Kommission sollten türkische, armenische und international anerkannte Historiker zusammenarbeiten und die Archivmaterialien in den dafür in Frage kommenden Ländern analysieren. Damit könnten die Beziehungen zwischen den Nachbarstaaten Armenien und der Türkei möglicherweise normalisiert werden. Mir ging es damals und geht es auch heute hierbei um die Findung der Wahrheit. Diesen Vorschlag habe ich dem damaligen Staatspräsidenten der Türkei Necdet Sezer bei seinem Besuch 2001 in Stuttgart eingereicht.

 

Nach 90 Jahren der Ereignisse von 1915 unterbreitete der Ministerpräsident der Türkei, Erdoğan, zu dessen Kritikern ich gehöre, am 10. April 2005 dem Staatspräsidenten der armenischen Republik, Robert Kotscharjan, per Brief den

Vorschlag, eine gemeinsam besetzte Historiker-Kommission zu bilden, um an Hand von sämtlichen Archivmaterialen, die Ereignisse von 1915 zu analysieren und das Ergebnis der Weltöffentlichkeit vorzulegen. Dieses Ergebnis sollte dann für beide Seiten bindend sein. Auf diesen Brief hat Armenien nicht reagiert.

 

Ein Gericht in der Schweiz hatte Doğu Perinçek verurteilt, weil er die Meinung vertrat “Die Behauptung vom Genozid an Armeniern ist eine imperialistische Lüge.” Gegen diese Entscheidung hat Perinçek bei dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) geklagt.

 

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschied am 12. Dezember 2013 unter anderem: “Für eine zweifelsfreie Qualifizierung als Völkermord fehlen dem EGMR die klaren internationalen Rechtsgrundlagen, wie es sie im Falle des Holocaust gibt.”

 

Sehr geehrter Herr Fatih Akın,

 

seit den 1968er Jahren, seit meinem aktiv politischen Leben in Deutschland also, habe ich mich konsequent daran gehalten, stets für Wahrheit und Gerechtigkeit zu kämpfen, ohne Rücksicht auf persönliche Folgen hierbei für mich. Wegen meiner Kritiken an den Zuständen in der Türkei 1968-1970 als Vorsitzender der Türkischen Studentenföderation in Deutschland wurde mir 1970 die türkische Staatsangehörigkeit aberkannt, die ich nach einem Prozess beim Verwaltungsgericht in Ankara zurückerhielt. Nach dem Eingreifen des Militärs 1971 wurde ich erneut ausgebürgert und erhielt nach einem erneuten Prozess die türkische Staatsbürgerschaft zurück. Nach Schriftsteller Nazim Hikmet war ich die zweite Person, der die Staatsbürgerschaft entzogen wurde, und daher fand dieser Fall in der türkischen Öffentlichkeit breites Echo.

 

In den Jahren 1980-2010 habe ich mich als Hochschullehrer, als Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Hamburg und als Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, als Abgeordneter der Bürgerschaft in Hamburg und des Bundestages mit unzähligen Vorträgen, Interviews und Publikationen konsequent für die gleichen Rechte der Immigrantinnen und Immigranten, aber auch für alle sozial Benachteiligten Deutschlands eingesetzt.

 

Wie Sie aus meinen dutzenden Veröffentlichungen in der türkischen Zeitung Cumhuriyet in den letzten Jahren möglicherweise verfolgen, die Sie bislang auch in E-Mails erhielten, setze ich mich mit aller Kraft für einen demokratischen, laizistischen und sozialen Rechtsstaat, sowie für Presse- und Meinungsfreiheit  in der Türkei ein. Diese Bemerkungen über meine Biographie mache ich deshalb, weil auch mir von armenischen Lobbyisten der Vorwurf eines „türkischen Nationalisten“ nicht erspart wurde.

 

In unzähligen Publikationen von seriösen Historikern, die zum Teil in meiner Bibliothek vorhanden sind, werden die Entstehungsründe und Geschehnisse vor 1915 und danach detailliert erläutert. Sie belegen, wie die aufständischen und sich des Terrors und der Gewalt bedienenden Armenier vor und inmitten des Ersten Weltkrieges, ermutigt und unterstützt vom zaristischen Russland – ja gemeinsam mit

der russischen Armee – gegen das eigene Land in der Osttürkei kämpften. Als die russische Armee die heutige Osttürkei gegen Ende 1914 besetzte, übten Anhänger der armenischen Daschnak Partei gegen die türkische und kurdische Bevölkerung in der Osttürkei Massaker aus. Laut Schätzungen sind Hunderttausende dabei getötet worden. Dutzende Archivmaterialien, selbst Berichte von russischen Generälen und Verantwortlichen, belegen eindeutig diese Massaker.

 

Erst nach diesen Ereignissen in der Osttürkei wurde vom Osmanischen Staat, übrigens auch auf Empfehlung der in der osmanischen Armee einflussreichen deutschen Generäle, am 27. Mai 1915 über die Zwangsumsiedlung der Armenier entschieden. Ohne Zweifel kamen dabei bei meist fehlenden Transportmöglichkeiten auf diesem langen Weg und unter den damaligen höchst ärmlichen Zuständen hunderttausende Armenier ums Leben. Es gab hierbei auch viele Racheakte und Raubüberfälle gegen die armenische Bevölkerung. Es ist mit Entschiedenheit zu kritisieren, dass auch die in der Osttürkei völlig unbeteiligte armenische Bevölkerung von dieser Deportation und vom unermesslichen Leid betroffen war.

 

Von dieser Zwangsumsiedlung war jedoch die armenische Bevölkerung in den Westteilen des Landes, beispielsweise in Istanbul, Izmir, Bursa nicht betroffen. Dies ist auch ein Beleg dafür, dass keine generelle Deportation der armenischen Bevölkerung geplant war und stattfand.

 

Ich persönlich bedaure aufrichtig, dass hunderttausende Armenier, aber auch Türken und Kurden bei diesen höchst dramatischen und traurigen Ereignissen ums Leben kamen. Es ist daher völlig falsch, wenn bei dieser Auseinandersetzung lediglich von getöteten Armeniern gesprochen wird und die nahezu gleiche Zahl getöteter Türken ausgeklammert wird.

 

Die Armenier und Türken lebten nahezu tausend Jahre in friedlicher Nachbarschaft zusammen. Die Armenier waren auf allen beruflichen Ebenen der osmanischen Gesellschaft, aber auch als Botschafter und Minister in vielen führenden Positionen des Staates präsent.

 

Der erste Ministerpräsident Armeniens Howhannes Katschasnuni fasst diese höchst traurige Geschichte des Osmanischen Reiches im folgenden Satz zusammen. “Wir wurden getötet und wir haben getötet. Wir sind vom Traum für Großarmenien verblendet gewesen.” (Katschasnuni, H., Die Partei Daschnak kann nichts erreichen, (Taşnak partisinin yapacaği bir şey yok), Kaynak yayınları, Istanbul, 2005, S.9).

 

Die vielseitig und mit massiven Geldern unterstützten aktiven armenischen Lobbyisten und ihre Helfer haben nicht das Recht, Menschen mit anderer Meinung zu diesem Thema als „Genozid-Leugner“ zu diskreditieren oder gar mundtot zu machen. Nachweislich durch Verfälschung von Fakten, ja sogar von Gemälden, versuchen sie, ihre Position der Weltöffentlichkeit als einzig richtige aufzuoktroyieren. Durch Tabuisierung dieses Themas wollen sie verhindern, dass Veranstaltungen mit sachkundigen und zu diesem Thema an Hand von Archivunterlagen forschenden Historikern stattfinden. Dies haben wir jüngst in Berlin erlebt.

 

Die immer lauter werdende Arbeit von armenischen Lobbyisten hat darüber hinaus

das Ziel, die Besetzung von Berg Karabach und die umliegenden fünf Regionen Aserbaidschans (20 Prozent des aserbaidschanischen Territoriums) und den Massakern an der Bevölkerung von Chodschali (Hocali) im Jahre 1992 aus der öffentlichen Diskussion zu verdrängen. Aus diesen okkupierten Gebieten Aserbaidschans sind rund eine Million Menschen vertrieben worden. Hierbei werden die vier Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen (No. 822, 853, 874, 884) sowie Beschlüsse des Europarates, des Europaparlaments, in denen Armenien aufgefordert wird sich aus den besetzten Gebieten Aserbaidschans zurückzuziehen, ignoriert.

 

Sehr geehrter Fatih Akın,

 

diese sehr kontroverse Geschichte kann nur von sachkundigen Historikern an Hand von Archivmaterialien und Quellen in aller Welt erhellt werden. Nur die Unterstützung der Bildung einer Historiker-Kommission kann zu einer beidseitigen Lösung und zur Normalisierung der Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien beitragen. Eine Instrumentalisierung dieses Themas aus welchen Gründen auch immer, trägt der Wahrheitsfindung und einer Lösung des Problems nicht bei.

 

Mit freundlichen Grüßen.

 

Hakkı Keskin

 

GEW Hessen: „Bitte schließen Sie sich der aktuellen Petition für Hans Roth an.“

GEW Hessen: „Bitte schließen Sie sich der aktuellen Petition für Hans Roth
an.“

„Bitte schließen Sie sich der aktuellen Petition von Nadja Thelen-Khoder für
Hans Roth an“, steht zu meiner großen Freude im Artikel auf der
Internetseite der GEW Hessen, dem Landesverband der Gewerkschaft Erziehung
und Wissenschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). „Wer sich der
aktuellen Petition von Nadja Thelen-Khoder für Hans Roth anschließen möchte,
findet den Wortlaut, alle Links sowie entsprechende Listen und Adressen auf
der Homepage der GEW Hessen: www.gew-hessen.de >Meine Gewerkschaft > Themen
> Berufsverbot“ heißt es am Schluß des Artikels in der Hessischen
Lehrerzeitung „HLZ – Mitgliederzeitschrift der GEW Hessen für Erziehung,
Bildung, Forschung“. Die HLZ erscheint neunmal im Jahr, die GEW-Mitglieder
erhalten die HLZ als Beilage mit der „E&W“ (Erziehung und Wissenschaft), der
Mitgliederzeitschrift des Bundesverbandes der GEW. Die aktuelle Ausgabe vom
Januar 2014 (67. Jahrgang) mit dem Titelthema „Lehrerbildung“ steht zum
Download im Netz (http://www.gew-hessen.de/index.php?id=423) und enthält auf
S. 28 den ganzseitigen Artikel.

Meine Petition als PDF, alle Links sowie entsprechende Listen und Adressen
sind auf der Homepage verlinkt:
1. Der Artikel unter
http://www.gew-hessen.de/index.php?id=296&tx_ttnews[tt_news]=5349&tx_ttnews[
backPid]=38&cHash=b7c63e7ea32ee9ebf1f8c709cbcf19d4,
2. als PDF unter
http://www.gew-hessen.de/index.php?id=296&tx_ttnews[tt_news]=5349&tx_ttnews[
backPid]=38&cHash=b7c63e7ea32ee9ebf1f8c709cbcf19d4&type=123,
3. die Petition als PDF unter
http://www.gew-hessen.de/uploads/media/hans_roth_zweite_petition.pdf und
4. eine besser handhabbare (und ausdruckbare) Kurzfassung unter
http://www.gew-hessen.de/uploads/media/hans_roth_zweite_petition_kurzfassung
.pdf.

Meinen Gewerkschaftskolleg/inn/en möchte ich meinen herzlichen Dank
aussprechen!

In der Hoffnung, solcher Art zu einer „Lösung“ des „Falles“ beitragen zu
können, verbleibe ich mit der Bitte, meine Zweite Petition mitzuzeichnen und
weiter Öffentlichkeit herzustellen, sowie

mit freundlichen und hoffnungsvollen Grüßen

Ihre
Nadja Thelen-Khoder
http://www.swr.de/forum/read.php?2,34480,page=3

Stellenausschreibung Schulsozialarbeiter/in

Stellenausschreibung

Der Kreis Düren (rd. 270.000 Einwohner) ist mit seinen 15 kreisangehörigen Städten und Gemeinden geprägt durch seine verkehrsgünstige Lage und landschaftliche Vielfalt. Zahlreiche Bildungsmöglichkeiten sowie Freizeit-, Kultur- und Erholungsangebote machen ihn zu einem attraktiven Wohngebiet mit ansprechender Lebensqualität. Sitz der Kreisverwaltung ist die Kreisstadt Düren mit rd. 90.000 Einwohnern. Die Kreisverwaltung Düren mit ihren rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht als modernes Dienstleistungsunternehmen den Bürgerinnen und Bürgern mit Rat und Tat zur Seite. An den kreiseigenen Schulen ist das Ziel sozialpädagogischer Schulsozialarbeit im Bereich Übergang Schule-Beruf , dass Schüler/-innen durch gezielte sozialpädagogische Maßnahmen und Angebote die Schule in Einklang mit deren Leitbild ausbildungsreif bzw. mit einer geeigneten, realistischen Anschlussperspektive verlassen.Zum nächstmöglichen Zeitpunkt ist zunächst befristet bis zum 31.12.2014 eine Teilzeitstelle mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 19,5 Std. zu besetzen.

Schulsozialarbeiter/-in

Aufgabenbereich:

Vernetzung berufsorientierter Unterstützungs- und Netzwerksysteme
Koordination der zielgerichteten externen und schulinternen Angebote
Kontakte zu Betrieben herstellen und pflegen
Praktikumsvermittlung und Betreuung
Bewerbungstraining
Schlüsselqualifikationen erarbeiten
Individuelle Einzelberatung zur Berufs- und/oder Schullaufbahn führen

Zugangsvoraussetzungen:

Abgeschlossenes Studium der Sozialarbeit und/oder Sozialpädagogik oder eine vergleichbare Qualifikation

Anforderungsprofil:

-hohe Beratungskompetenz
-hohes Maß an Einsatzbereitschaft,Belastbarkeit und Flexibilität
-Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen
-Engagement und Arbeitsorganisation
-Kommunikationsstärke und Verhandlungsgeschick
-Bereitschaft zur eigenen Kompetenzsteigerung durch Fort- und Weiterbildungen

Es handelt sich um eine Teilzeitstelle mit einem Umfang von 19,5 Std. wöchentlich. Die Stelle ist nach Entgeltgruppe S 11 nach dem Anhang zur Anlage C TVöD bewertet.

Die Kreisverwaltung Düren hat sich die berufliche Förderung von Frauen zum Ziel gesetzt. Daher sind Bewerbungen von Frauen besonders erwünscht. Gleiches gilt für schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber.

Für Vorabinformationen bzw. eine erste vertrauliche Kontaktaufnahme steht Ihnen im Vorfeld der Bewerbung die Amtsleiterin des Amtes für Schule, Bildung, Kultur und Sport, Frau Maria Kaptain, unter Tel.: 02421 / 222814 bzw. per mail: [email protected] gerne zur Verfügung. Für Informationen bzgl. des Bewerbungsverfahrens steht Ihnen Herr Thomas Ranz, Tel. 02421 / 222476 ([email protected]) – Hauptamt – gerne zur Verfügung. Weitere Informationen über den Kreis Düren entnehmen Sie aus der Internetpräsentation: www.kreis-dueren.de

Sofern Sie sich durch diese Ausschreibung angesprochen fühlen, senden Sie bitte Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen bis zum 18.01.2014 an:
Landrat des Kreises Düren
Hauptamt
52348 Düren

Ausstellung : Der Geist von Gezi – Kultur – Tagesspiegel

Der Geist von Gezi

20.12.2013 13:21 Uhr

Von Stella Marie Hombach

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Eine junge Türkin in Istanbul. – FOTO: JIM RAKETE

Der Fotograf Jim Rakete ist kurz vor den Protesten am Taksim-Platz nach Istanbul gereist und hat gemeinsam mit dem Autor Moritz Rinke junge Türken portraitiert. Entstanden ist daraus ein Film und eine Ausstellung, die nun in Berlin zu sehen ist

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Die junge Türkin lacht und blickt fröhlich in die Kamera. „Merkel sollte nach Istanbul kommen und mit Erdogan einen Raki trinken“, scherzt sie. Geht leider nicht, der türkische Premier trinkt bekanntlich keinen Alkohol. Ein Student sagt, dass er an Europa vor allem die Fähigkeit zur Selbstkritik schätze. Sein Blick ist offen, die Antworten schnell und direkt.

Während eines Stipendiums in der vom Gowethe-Institut betreuten Villa Tarabya sind Fotograf Jim Rakete und Schriftsteller Moritz Rinke losgezogen, um mit Istanbuls Jugend in Dialog zu treten: Wie sieht ihr Leben aus, was bewegt sie, welches Verhältnis haben sie zu Europa? Mit Film- und Fotokamera haben sie Fragen gestellt, Stimmen eingefangen, Gesichter porträtiert.

Die Straßen sind friedlich, noch haben sich die Gezi-Proteste nicht ausgeweitet. Die Ausstellung „Gelecek ve Yüzlesme – Face and Future“ in der Stiftung Mercator erteilt Istanbuls Jugend das Wort – mit einem Video und 20 Fotografien. Eine Momentaufnahme, vor den Protesten auf dem Taksim-Platz entstanden. Das Mosaik einer Generation, die im Diskurs um die EU-Beitrittsverhandlungen bis jetzt kaum sichtbar war. Gezeigt werden junge Leute, offen, selbstbewusst, kritisch. „In den Gesprächen pulsiert etwas“, erzählt Rinke. Der Geist von Gezi liegt in der Luft, erste Konflikte blitzen auf. „Bei uns gibt es diese türkische Herzlichkeit, jeder kümmert sich “, so eine Studentin. „Aber das erstickt mich manchmal.“ Wertvorstellungen driften auseinander. Der Drang zur Selbstbestimmung kollidiert mit den Traditionen des Zusammenhalts. Es rumort.

In den Porträts leuchtet eine Energie, ein Drang zur Bewegung auf. Seit Sommer 2013 ist Taksim zum Sinnbild der Veränderung geworden. Rakete sieht die Lage nüchtern: „Jetzt ist der Moment, in dem man aufpassen muss.“ Nicht Proteste entscheiden über den Weg der Türkei, sondern Wahlen. Istanbuls junge Generation ist zwar in Europa angekommen, doch sie sucht eigene Wege. Statt andere zu bewundern, will sie selbst aktiv werden – und das nicht zwangsläufig in der EU. Nur die Hälfte von Raketes Gesprächspartnern sieht die Zukunft im Beitritt. EU und Europa sind nicht deckungsgleich. Rinke und Rakete haben erste Fragen gestellt. Nun gilt es, den Dialog über Gezi hinaus fortzusetzen.

via Ausstellung : Der Geist von Gezi – Kultur – Tagesspiegel.

Stellenausschreibung noch bis 21.12.2013 -Sachbearbeiterin / Sachbearbeiter Eingliederungshilfe

Stellenausschreibung

Der Kreis Düren (rd. 270.000 Einwohner) ist mit seinen 15 kreisangehörigen Städten und Gemeinden geprägt durch seine ver-kehrsgünstige Lage und landschaftliche Vielfalt. Zahlreiche Bildungsmöglichkeiten sowie Freizeit-, Kultur- und Erholungsangebote machen ihn zu einem attraktiven Wohngebiet mit ansprechender Lebensqualität. Sitz der Kreisverwaltung ist die Kreisstadt Düren mit rd. 90.000 Einwohnern. Die Kreisverwaltung Düren mit ihren mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht den Bürgerinnen und Bürgern als modernes Dienstleistungsunternehmen mit Rat und Tat zur Seite. Zum nächstmöglichen Zeitpunkt ist beim Amt für Familie, Senioren und Soziales folgende Stelle zu besetzen:

Sachbearbeiterin / Sachbearbeiter Eingliederungshilfe

Aufgabenbereich:

Bearbeitung der Anträge und Maßnahmen im Bereich der Leistungen der Eingliederungshilfe gem. § 54 SGB XII (Persönliches Budget, Integrationshelfer/-innen etc.)
Erstellung von Gesamtplänen i.S. des § 58 SGB XII
Durchführung von Hilfeplankonferenzen
Öffentlichkeitsarbeit
Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
Konzeptentwicklung

Zugangsvoraussetzungen:

Fachhochschulstudium mit dem Abschluss als Diplom-Heilpädagoge/-in bzw. Heilpädagoge/-in (B.A.)
Erfahrung in der Arbeit mit geistig und körperlich beeinträchtigten Kindern und Erwachsenen

Anforderungsprofil:

hohes persönliches Engagement
ausgeprägte methodische und soziale Kompetenz (Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Durchsetzungsvermögen)
hohes Maß an Arbeitssorgfalt
organisatorisches Geschick
Kenntnisse im Bereich des SGB IX und XII
umfangreiche Erfahrung und Kenntnisse in der Arbeit mit behinderten Menschen
fundierte Kenntnisse im Bereich EDV

Es handelt sich um eine Vollzeitstelle mit einem Umfang von 39 bzw. 41 Stunden wöchentlich. Die Stelle ist nach Entgeltgruppe 9 TVöD (IV b Fg. 1a BAT) bewertet.

Die Kreisverwaltung Düren hat sich die berufliche Förderung von Frauen zum Ziel gesetzt. Daher sind Bewerbungen von Frauen besonders erwünscht. Gleiches gilt für schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber.

Ebenfalls sind Bewerberinnen und Bewerber mit Zuwanderungsgeschichte ausdrücklich erwünscht.

Die Besetzung der Stelle ist grundsätzlich auch im Rahmen des Job-Sharings als Teilzeitbeschäftigung möglich.

Für Vorabinformationen bzw. eine erste vertrauliche Kontaktaufnahme stehen Ihnen im Vorfeld der Bewerbung die Leitungen des Amtes für Familie, Senioren und Soziales, Frau Elke Ricken-Melchert, Tel.: 02421 / 22-1405, und Herr Franz Becker, Tel.: 02421 / 22-1401, zur Verfügung. Die vorgenannten Ansprechpartner/-innen erreichen Sie auch per Mail: [email protected] Für Informationen bzgl. des Bewerbungsverfahrens können Sie sich an Frau Verena Klöcker, Tel. 02421 / 22-2484 ([email protected]) vom Hauptamt wenden.

Interessierte Bewerberinnen und Bewerber werden gebeten, sich bis zum 21.12.2013 beim Landrat des Kreises Düren, Hauptamt zu bewerben.

Migrantenverbände zum Koalitionsvertrag: „Ein Wortbruch der SPD“

Migrantenverbände kritisieren Koalitionsvertrag

„Ein glatter Wortbruch der SPD“

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Eines der Wahlversprechen der SPD war die Einführung der Doppelten Staatsbürgerschaft für Migranten. Im Koalitionsvertrag taucht diese auch auf – allerdings in einer abgeschwächten Form. Migrantenverbände sind empört und werfen der SPD Wortbruch vor.

Von Matthias Deiß, RBB, ARD-Hauptstadtstudio

„Ich werde der SPD-Basis keinen Koalitionsvertrag vorlegen, in dem die doppelte Staatsbürgerschaft nicht drin ist. Das mache ich nicht.“ Es war ein vollmundiges Versprechen, das SPD-Chef Gabriel vor knapp zwei Wochen auf dem SPD-Parteitag verkündete. Er habe Wort gehalten, findet Gabriel nach den Koalitionsverhandlungen. „Für in Deutschland geborene und aufgewachsene Kinder ausländischer Eltern entfällt in Zukunft der Optionszwang und die Mehrstaatigkeit wird akzeptiert“, heißt es darin unter dem Punkt „Integration und Zuwanderung gestalten“.

via Migrantenverbände zum Koalitionsvertrag: „Ein Wortbruch der SPD“ | tagesschau.de.

Weiter : http://www.tagesschau.de/inland/integration218.html

Erdogan: Die Attacke auf gemischte Studenten-WGs

Was eure Kinder so treiben

Türkischer Kulturkampf: Premier Erdoğan will nicht, dass Studenten beiderlei Geschlechts zusammenwohnen VON ÖZLEM TOPÇU

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Küsse während einer Demonstration in Istanbul  |  © Ozan Kose/AFP/Getty Images

Etwa 100 Meter vom Gezi-Park entfernt sitzt Gökhan Biçici im Café Kumbara (Sparbüchse) und versucht zu erklären, wie der türkische Vater im Allgemeinen so funktioniert. Um ihn herum Studenten; einige lachen und scherzen miteinander, andere sind tief in ihre Bücher versunken. Auf den Tischen liegen unter Glasplatten lauter kleine Zettel mit Botschaften wie „Wer mir Englisch beibringt, dem will ich 40 Jahre lang ein Sexsklave sein“ oder „Kämpfe für deine Freiheit, lebe und lass leben“. Dies ist eine elternfreie Zone, in der man sich sogar die Getränke leisten kann. „Der typische türkische Vater ist stockkonservativ, solange seine Kinder zuhause wohnen, haben sie zu gehorchen und nach seinen Werten zu leben“, sagt der 35-jährige Journalist. „Wenn sie zum Studieren in eine andere Stadt ziehen, will er gar nicht wissen, was sie treiben, obwohl er genau weiß, was da abgeht. Hauptsache sie treiben es nicht in seinem Viertel.“

Das ist der türkische Generationenvertrag: Die Eltern fragen nicht genau nach, und die Kinder blamieren die Eltern nicht vor den Nachbarn oder der Verwandtschaft.

via Erdogan: Die Attacke auf gemischte Studenten-WGs | ZEIT ONLINE.

http://www.zeit.de/2013/47/tuerkei-erdogan-studenten-wohngemeinschaft