Präsident gegen Kopftücher für Grundschülerinnen

Dürfen in der Türkei bald nicht nur Studentinnen mit Kopftuch in die Uni, sondern auch verhüllte Mädchen in die Grundschule? Das türkische Präsidentenehepaar Gül ist dagegen. Dabei trägt Hayrünnisa Gül selbst stets Kopftuch.

Staatsempfang: Präsident Gül und seine Frau (2.v.r.) treffen das deutsche Präsidentenpaar
Staatsempfang: Präsident Gül und seine Frau (2.v.r.) treffen das deutsche Präsidentenpaar

Istanbul – Seit wenigen Wochen erst ist der Kopftuchbann für Studentinnen an Universitäten in der Türkei Geschichte, ausgehebelt durch ein Rundschreiben der wichtigsten Hochschulbehörde. Weitergehenden Forderungen aus dem islamischen Lager hat Staatspräsident Abdullah Gül jetzt allerdings eine Absage erteilt.

Gül pflichtete seiner Ehefrau Hayrünnisa Gül bei, die sich gegen eine Zulassung von Kopftüchern bei Grundschülerinnen ausgesprochen hatte. Güls Frau trägt selbst aus Überzeugung stets ein Kopftuch, auch bei offiziellen Staatsanlässen. Für Mädchen schon in der Grundschule hält sie die islamische Kopfbedeckung aber für falsch.

Während eines Besuches des Präsidentenpaares in Großbritannien hatte Hayrünnisa Gül gesagt, es gehe nicht an, dass Grundschülerinnen in der Schule das Kopftuch anlegten. Wenn es bei diesem Thema Unklarheiten geben sollte, würden diese aus der Welt geschafft. Die Aussage Güls machte in der Türkei Schlagzeilen. In dem säkularen Land, in dem etwa in Regierungsbüros ein rigoroses Kopftuchverbot gilt, wird jede Äußerung zum Thema empfindlich genau registriert und bewertet. Nun sagte der Staatspräsident, er stimme seiner Frau zu.

Befördert durch das Verfassungsreferendum Anfang September, das auch Minderheitenrechte stärkte, hatte die türkische Hochschulbehörde den Kopftuchbann für türkische Universitäten gelockert. Bis dahin war es vorgekommen, dass Studentinnen mit Kopftüchern der Hochschule verwiesen wurden. Vereinzelt hatten Studentinnen, die ihre Haare bedecken wollten, auch versucht, das Verbot mit Mützen und Kappen im Hörsaal zu umgehen.

Derzeit streiten die konservativ-religiösen Regierungspartei AKP und die kemalistisch-säkulare CHP weiter um das Kopftuch in Behörden, Schulen und Hochschulen. Nach Lockerung der Regeln an Hochschulen will die CHP derzeit unbedingt am Verbot in Grund- und weiterführenden Schulen festhalten. Die AKP von Premier Recep Tayyip Erdogan hat sich in der Frage Kopftuch an Schulen offiziell nicht festgelegt.

Gegner der religiös-konservativen Regierung in Ankara befürchten, dass die Kopftuchfreiheit an den Unis der Ausbreitung des islamischen Schleiers den Weg bereiten könnte. Die gelockerte Kleiderordnung in Hochschulen hatte Präsident Gül begrüßt. Einige Eltern schickten in den folgenden Tagen ihre minderjährigen Töchter mit Kopftüchern zur Schule, wo die Kinder abgewiesen wurden.

cht/AFP

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